Aus welcher Zeit stammt Deckenaufbau




Ich habe hier ein Problem mit einer Zimmerdecke in einem Haus, das ursprünglich ca 300 Jahre alt ist. Der Deckenaufbau von oben nach unten: Holzbalkendecke, dazwischen (!) ein paar Strohhalme, darunter eng genagelte Latten, diese direkt mit Kalkputz verputzt (keine Rohrmatte, kein Putzgitter). (Die Latten sind nicht trapezförmig, sondern simple Vierkantlatten) Der Denkmalschutz (der nur ein schlechtes Foto kennt) sagt, das wäre historisch, ich kenne aber Rohrmattendecken von 1880, die sahen etwas anders aus, (mit Rohrmatten halt). Ich vermute, die Decke ist etwa von 1925, weil zu dieser Zeit das Bauernhaus innen renoviert wurde (und auch eine Wand eingezogen wurde).
Nun meine Frage: weiß jemand, wie ein Originaldeckenaufbau eines nordbayerischen Bauernhauses von 1700 war? Ich wollte, naiv wie ich bin, die Lattung entfernen, die Balken Freilegen und dann Lehmputzplatten zwischen die Balken bauen. Einen Restaurator habe ich wegen eines Gutachtens schon angehauen, aber bis der kommt, dauert es....und dauert.....



Bauernhaus von 1700



Daß man um 1700 solche Lattendecken gebaut hätte, wäre mir neu. Manchmal ist aber auch das Neue richtig ;)

Lattendecken sind ca. 1820-40 in der Fachliteratur beschrieben worden, vorher habe ich noch nichts davon gelesen, aber das sagt auch nichts.

Kann man die Latten von oben Freilegen oder von unten evtl ein Stück Putz entfernen? Dann könnte man nämlich einwandfrei feststellen, ob die Latten mit der Hand behauen sind, mit einer Kreissäge oder mit einem modernen Gatter. Das ließe eine eindeutige zeitliche Einordnung zu.

Desweiteren könnte man ablesen, ob es geschmiedete Nägel sind oder Industrieware (die ersten Fabrikerzeugnisse waren noch vierkantig, so um 1850, erst ab ca.. 1900 dann runde Drahtstifte). Dann könnte man noch eine Holzprobe nehmen und rausfinden, ob die Latten aus Fichte oder Tanne bestehen (Tanne wäre alles bis zur Wiederaufforstung im 19. Jh., Fichte danach).

Ein Bauernhaus im südlichen sächsischen Vogtland von ca. 1703 hat als typischen Deckenaufbau (von oben nach unten):

- Dielung im OG (Tanne, ca. 30mm stark), geschmiedete Nägel
- Holzkohlenstaub, ca. 30mm zwischen den Balken
- Lehmverstrich (Stroh in Lehm getunkt und gerollt), ca. 10cm
- seitlich in die Deckenbalken eingenutete von unten sichtbare Bretterdecke (Deckel & Kriecher), Tanne, ca. 18mm stark, gefälzt auf Hinterseite, Karnies auf der Sichtseite, alles natürlich handgehobelt, Deckenbalken stehen nach unten noch ca. 30mm über und sind gefast, Fase setzt ca. 1-2 Zoll vor der Wand aus, Deckenbalken sind ca. 20x20cm im Querschnitt, alles handbehauen, oben teilweise baumkantig

Alternativ dazu war die Decke im Hausflur (wo meist die "schwarze Küche" und die Räucherkammer war) mit Lehm verputzt (Aufbau von oben nach unten):

- Dielung im Hausflur OG, Tanne 30mm, geschmiedete Nägel
- ca. 30-50mm Luftschicht
- seitlich in die Deckenbalken eingenutete Weller (gespaltene Holzstücke, an beiden Enden angespitzt, mit Stroh umwickelt und in Lehm getaucht)
- Untersicht mit feinem Lehmputz abgezogen, auch über Balken

Das würde man daran erkennen, daß die Balken von unten angehackt wären, damit der Lehmputz (mit Roßhaar) drauf hält.

Gruß



vielen Dank!



Das hilft mir weiter! Soweit ich das auf den ersten Blick gesehen habe, sind die Latten sägerauh und die Nägel haben runde Köpfe (im definitiv alten Bereich des Hauses sind dagegen handgeschmiedete Nägel verbaut)
ich werde das nun genau unter die Lupe nehmen und den Denkmalschutz mit Makros beglücken....

vielen Dank erstmal. ich erzähle, wie's ausgeht.





egal wie alt oder original, der DS kann auch Teile eines späteren Umbaus für schützenswert halten.



das stimmt



aber manchmal kann man mit guten Argumenten bei der Denkmalschutzbehörde auch was erreichen, wenn man etwas Aufklärungsarbeit leistet. Kommt allerdings auf die Bearbeiter an.



Schon klar



Aber nachdem er zu einer Wand, die aus der gleichen Zeit stammt, "kann wech" gesagt hat...... (Dabei wollte ich die gar nicht rausreissen....



Am Montag kommt der Restaurator



das Ergebnis werde ich posten. Danke nochmal vorab!



Barockdecke



Tscho, der Restaurator war da und hat festgestellt: Original Barockdecke. 'runtermachen ausgeschlossen. Decke stabilisieren und Fehlstellen ausbessern. Wände ebenfalls Original Barock - mit vielen, vielen Farbschichten....