Maler gesucht für Bierlasur auf Türen (Arnsberg/Westfalen)

22.11.2007


Hallo,

habe hier im Forum schon viele nützliche Tips gefunden und möchte mich dafür bedanken. Ich bin auf der Suche nach einem Spezialisten für Bierlasur im Raum Arnsberg (PLZ 59755).

Habe ein altes Haus (Baujahr 1914) erworben. Die Türen im Erdgeschoß sind (leider) in den 70er Jahren entfernt worden und durch (kleine) Normtüren ersetzt worden. Wir haben die alten Öffungen wieder hergestellt und alte Türen wieder eingesetzt. Die Zargen sind vom Schreiner ebenfalls in Fichte wieder hergestellt worden.

Nachdem die Türen jetzt endlich vom Lack befreit und ausgebessert sind, denke ich daran, diese wieder mit Bierlasur zu behandeln. Im Hausflur befindet sich noch eine alte Treppenwand und eine Tür in Bierlasuroptik, imitiert wurde vermutlich Nussbaum. Das stelle ich mir auch für die Türen vor. Es handelt sich um...

- 7 Zimmertüren (ca. 95 x 215)
- 1 Doppelflügeltür (ca. 200 x 240)
- 1 Doppelschiebetür (ca 140 x 240)

Zargen und Ausbesserungen an den Türen (z.B. neue Kassetten) Ausbessern der ehemals eingelassenen Türschilde) sind mit neuem Holz erfolgt; auch wenn die alten Türen abgeschliffen wurden, ist doch ein deutlicher Farbunterschied sichtbar. Daher mein Gedanke, eine klassische Bierlasur einzusetzen, welche die Unterschiede kaschieren würde.

Über Tips und Hinweise würde ich mich freuen.





Hallo Klaus

So wie ich Bierlasur gelernt habe, wird darunter lackiert und darüber auch nochmal. Ich weiß nicht, ob das in deinem Sinne ist, nachdem du ja die Türen erst vom alten Lack befreit hast.
Um Farbunterschiede auszugleichen würde sich evt. auch zwei pigmentierte Öle (Eins für die neuen, eins für die alten Teile, fein abgestimmt aufeinander :)) eignen. Dann bliebe die Holzstruktur erhalten. Und kann man selber machen wen sich kein Spezialist finden lassen sollte

Ich möchte dir das ganze nicht ausreden. Ich finde es nämlich toll, wenn ein Fachmann Gelegenheit bekommt, seine Kunst zu zeigen (und Maserieren ist wirklich eine Kunst). Schwieriger wird es sein einen guten Fachmann zu finden.
Ich wünsche dir Glück auf deiner Suche.
Gruß
Dorothée





Hallo Dorothée,

danke für Deine Anregung. Ehrlich gesagt, fände ich es auch schön, die Original-Holzmaserung zu erhalten. Ein Problem sehe bei den unterschiedlichen Holzfarben (neues und altes Holz). Doch da wäre Dein Tip mit dem leicht eingefärbten Standöl als Grundierung wirklich eine gute Idee. Ich denke, dafür müßte man die alten Holzteile mit normalem Öl vorstreichen und die neuen mit leicht angefärbtem Öl, um die Unterschiede in der Holzfarbe auszugleichen, oder? Darauf käme dann die eigentliche Bierlasur und darüber 2 Schichten Klarlack. Welchen Klarlack nimmt man da am besten?

Das zweite (weniger kritische) Problem wäre der Farbton. Wir experimentieren jetzt schon seit einiger Zeit mit Bier, Standöl und Pigmenten, doch den an der Treppenwand noch vorhandenen, "original nachgemachten" Nussbaumton bekommen wir noch nicht hin. Das Problem war bislang, das die hellen Stellen an den Probehölzern stets deutlich heller ausfielen als die an den alten Hölzern. Doch vielleicht könnte auch hier ein Grundieranstrich mit leicht pigmentiertem Standöl für Annäherung sorgen? Das will ich 'mal probieren.

Die von etwa 5 weißen Lackschichten - zuletzt Ölfarbe - befreiten Türen Türen stammen übrigens aus einer alten Schule. Leider sind die Originaltüren unseres Hauses der letzten großen Renovierung des Vorbesitzers in den 70er Jahren zum Opfer gefallen (dabei hat er auch noch die Stufen der schönen - völlig intakten - Jugenstiltreppe mit Eisen beschlagen, mit Moltofill beigezogen und mit Teppich beklebt). Hinsichtlich der aufzumalenden Maserung: Ich bin zwar handwerklich nicht unbegabt. Doch ich glaube, die Maserung würde ich nie vernünftig hinbekommen.

Gruß

Klaus





Hallo Klaus

Da hast du mich falsch verstanden. Wenn du eine Bierlasur willst musst du drunter DECKEND lackieren. Bierlasur selber besteht nur aus abgestandenem Bier und Pigmenten, kein ÖL! allenfalls eine Winzigkeit reines Kasein. Damit die Sache hält muss sie mit einem Abriebfesten Klarlack überzogen werden, da geht nur Spritzen sonst wäscht man die Lasur wieder auf. (So kenn ich die Sache jedenfalls).


Der Vorschlag mit dem Öl ist eine ganz andere Schiene und hat nichts mit dem Bier zu tun! Das mischt sich doch gar nicht richtig?!


Evt. Kriegst du den Ton nur hin wenn du drunter z-B. ein kräftig leuchtendes Rot streichst und drüber eine Durchsichtig dunkelbraune Lasur streichst. Kannst du mal ein Foto machen, wie das Original aussieht? Dann kann man Tipps zu den Pigmenten geben.


Bierlasur:
Als Untergrundton braucht man relativ dunkle Töne für Sorten wie Nussbaum oder Mahagoni Ich habe mal ein Foto von meinen "Gehversuchen" gemacht da ist untendrunter ein kräftiger Lachsfarbton, Ich vermute mal das müsste noch dunkler drunter sein, die Pigmente muss du als richtig dicken Brei einsumpfen (etwas Wasser zu viel Pigment), Konsisentz etwa Kartoffelbrei, davon etwas wegnehmen und mit Bier streichbar machen. Dann maserieren. Solange bis es passt (das ist der Vorteil am Bier, man kann es wieder abwaschen). Wenn es richtig trocken ist, Lack ganz dünn drüberspritzen.

Es gibt auch Bücher über dieses Thema, meist in Zusammenhang mit Marmorieren, manchmal auch in Büchern zum Thema Illusionsmalerei zu finden.

Das wichtigste, schau dir das Holz genau an wie es aussieht und versuche das charakteristische (evt.leicht übertrieben)nachzuahmen.

Vielleicht findest du ja auch noch jemand der euch das machen würde, manchmal können alte Malermeister/Altgesellen das noch, fragt doch mal herum.

Gruß
Dorothée





Noch eins. Der "echte" Farbton liegt zwischen den beiden Fotos . Habe nur einmal mit Blitz und einmal ohne Blitz aufgenommen. Insgesamt ist die Wirkung der "Hölzer" fast noch zu hell. Aber ok kommt drauf an wo es dazupassen soll.


Gruß
Dorothée



Bilder von Bierlasur - vermutlich Nussbaum imitiert



Hallo Dorothee,

vielen Dank für die beiden ausführlichen Antworten. Ehrlich gesagt, es war soviel Arbeit, die Türen zu entlacken, daß ich etwas zögere, sie gleich wieder in meheren Schichten zu lackieren. Daher meine anfänglichen Versuche, mit Bier, Pigment das Holz einzufärben. Allerdings war ich mit den Ergebnissen bislang nicht zufrieden, daher ja meine Anfrage hier im Forum.

Hier erst einmal einige Bilder:



Bilder von Bierlasur 2 - vermutlich Nussbaum imitiert



Hier eine weitere Nahaufnahme. Das alte Holz war fast 40 Jahre unter einer Sperrholzabdeckung verschwunden.



Alte Türen erneuert - unterschiedliche Holzfarbe



Hier ein Foto einer entlackten und abgeschliffenen alten Tür in einer Zarge aus neuen Nadelholz. Der Farbunterschied bleibt sichtbar und wird wahrscheinlich mit einer Lasur auf das nackte Holz auch nicht verschwinden. Deshalb mein Gedanke, es mit der klassischen Bierlasur zu versuchen.

Wie Dorothee richtig bemerkt hat, muß dafür zunächst deckend lackiert werden. In Kurt Schönburgs "Historische Beschichtungstechniken" heißt es dazu auf Seite 293: "...Nussbaum: Grundfarbe Weiß mit dunklem Ocker stark getönt..." (Farbton nach dem hellsten Ton des zu imitierenden Holzes wählen, wenn ich es richtig verstanden habe. Das bekomme ich bestimmt hin).

Weiter geht es an gleicher Stelle mit "...Dann eine Kasseler Braun-Lasur in Faserrichtung auftragen und mit schwach feuchtem Modler einige hellere Partien in Richtung der Maserung herausnehmen und dann die Maserung mit brauner, teilweise bräunlich-schwarzer Lasur malen und nach außen vertreiben. Nach dem Trocknen der Zwischenlackierung dünn überlasieren und markante Maserpartien und Äste nachziehen sowie Poren aufspritzen und vertreiben..." (Modler und Vertreiber sind spezielle Pinsel für diese Technik). Das nötigt mir einigen Respekt ab vor den alten Meistern dieser Kunst. Ehrlich gesagt, so richtig traue ich mich da nicht ran. Das anschließende Lackieren könnte ich dagegen vermutlich selbst übernehmen. Vielleicht findet sich ja doch noch ein Handwerker oder fachlich begabter Laie?





Hallo Klaus

Wie gesagt mit Bier und Pigmenten wirst du das Holz nicht EINFÄRBEN können da diese nur lose obendrauf liegen. Wenn du deine Türen und Zargen wirklich so dunkel haben möchtest würde ich es entweder mit Beizen oder einer richtigen Öllasur versuchen. Ich kann deine Bilder momentan leider nicht vergrößern ( werde mal wieder rausgeworfen wenn ich draufklicke). Wenn du mit einem so dunklen Ton auf das helle Holz gehst wird kaum mehr was vom Farbunterschied übrigbleiben oder? Hast du das mal versucht?
Bist du dir sicher das die Panelwand maseriert war? Ich glaube man sieht die Maserung des Holzes durch eine dunklere Schicht durch (oben am Rand des Panels setzt sich die Maser fort, wenn ich das richtig erkenne). Also entweder dunklerer Lack/stark vergilbter Schellack?/Lasur oder sowas oben drauf. Aber keine eigentliche Maserung der Lasur.

Zu dem Farbton: Kassler Braun ist meines Erachtens zu dunkel und zu wenig feurig. Ich würde z.B. Siena gebrannt oder Ocker gebrannt dazugeben.
Lasuren müssen immer dunkler sein als der gewünschte Farbton da ja der helle Untergrund durchscheint und so die Farbe aufhellt (was ja der eigentlich interessante Effekt bei einer Lasur ist) Also nicht zu ängstlich beim anmischen sein. Wenn du denkst also das im Becher ist jetzt ganz bestimmt zu dunkel ,dann ist genau richtig auf dem Holz.
Gruß Dorothée



Wieviel Pigment in die Bierlasur



Hi Dorothee,

danke für die Tips. Bei unseren Versuchen haben wir immer mit bis zu 10% Pigmentanteil im Bier gearbeitet. Nach einem Tip von Kreidezeit hieß es, bei mehr Pigment würde das Bier das vielleicht nicht mehr binden können. Das macht auch nichts, man kann ja 2x mit 10%-Lasur streichen, das hat einen kumulativen Effekt. Allerdings ist 2x Streichen mit 10%igem Terra die Siena gebrannt als Pigment im Bier schon viel. Bei höheren Pigmentanteilen (2x 15%) wird der Anstrich der Lasur beinahe deckend (wir haben auch Siena natur, Umbra sowie andere und Mischungen derselben ausprobiert). Habe heute aber noch einige weitere Farbtöne bestellt, nächste Woche geht es weiter ;-)

Ich werden in den nächsten Tagen noch einmal einige Nahaufnahmen schießen. Vielleicht kann man dann besser erkennen, wie das Holz behandelt wurde.

Gruß

Klaus



Detailfoto Holz



Hallo Dorothee,

hier einige Detailfotos, höher aufgelöst und unbearbeitet.
(1 von 3).

Gruß Klaus



Detailfoto Holz 2



Hallo Dorothee,

hier einige Detailfotos, höher aufgelöst und unbearbeitet.
(2 von 3).

Gruß Klaus



Holz Detailfoto 3



Hallo Dorothee,

hier einige Detailfotos, höher aufgelöst und unbearbeitet.
(3 von 3).

Gruß Klaus





Hallo Klaus

Also für mich sehen die Fotos nach astfreier Kiefer mit einem stark nachgedunkelten Lack/bzw. eingefärbten Lack aus. Vielleicht täuscht es ja, aber ich glaube nicht, dass es sich hier um Bierlasur handelt.
Früher hat man noch hochwertige Kieferbretter verarbeitet ohne Äste, daher das für uns ungewohnte, höherwertige Aussehen.
Ich würde versuchen mich mit einer Öllasur dem Farbton anzunähern. Farbunterschiede sind im Holz immergegeben. Und ob es wirklich so stark auffällt, wenn die Türen erstmal lasiert sind, ist fraglich. Anstelle mit Pigmenten und Öl zu experimentieren, würde ich entweder ein farblich passend pigmentiertes Öl fertig kaufen oder einen Versuch mit etwas Ölfarbe in Leinöl starten, das aufwendige Anreiben der Pigmente entfällt dann. Frustfreier (und billiger) ist sicher die Kaufmethode. Falls es "deinen" Farbton nicht geben sollte, einfach zwei Öle der gleichen Firma mit unterschiedlichem Farbton mischen. Das macht dir evt. sogar der Fachhandel.
Das lasieren kannst du dann selbst übernehmen.
Ich habe gerade mal nachgegoogelt z.B. Livos bietet eine Lasur namens Kaldet im Farbton Brasil, an der dürfte in etwa dahin kommen wo du hinwillst. Es gibt aber sicher noch andere Hersteller die ähnliche Produkte liefern. Lass dir die Verabeitungshinweise geben und befolge sie und du wirst sicher Freude an deinen Türen haben:)
Gruß
Dorothée





Hallo Dorothee,

habe bereits einige Muster der Holzlasur bestellt und werde es sofort ausprobieren. Lasse Dich wissen, wie es geklappt hat. Vielen Dank für Deine Hilfe!

Alles Gute

Klaus