Restauration einer schönen Holztür - wie?

07.01.2006



Hallo zusammen,

ich renoviere gerade ein Zimmer in einem ca. 400 Jahre alten Haus. Nun will ich mir die Tür vornehmen.

Die sehr schöne Optik hat leider so einige Macken, der Anstrich ist brüchig. Eigentlich wollte ich die Tür komplett Abschleifen und evtl. wieder dunkel beizen und Ölen oder lackieren.

Nach einer Probe an einer schadhaften Stelle stellte sich jedoch heraus, dass die Optik nicht durch die schöne Holzmaserung entstand, sondern durch die Deckschicht! Unter der brauntönigen Deckschicht ist eine graue Schicht, darunter dann das Holz.

Was ist hier los? Wer weiß, wie diese ansehnliche Optik erzeugt wurde und wie ich Sie an den schadhaften Stellen ausbessern kann?





Danke und viele Grüße,
Tobias.



Lasuren



Hallo Tobias,

früher wurden diverse Techniken eingesetzt, um eine Maserung zu imitieren. Weitverbreitet waren Bier-Lasuren. Du kannst ja mal mit diesem Stichwort googeln.

Bernd



Habe gerade mal google gefragt ---



grundsätzlich hat Bernd schon den richtigen Pfad beschrieben.
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Versuche es doch einmal mit folgender Wortkombination :
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" Malerarbeiten, maserieren"
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Bin damit bei google fündig geworden.
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Andreas



Bier ist immer gut!



Hallo
Bitte nicht abschleifen!
Lassen Sie doch der Tür auch ein bisschen Alter!
Mit feuchtem Lappen abwischen mit warmen Schmierseifenwasser - dann leicht mit Leinöl (kaltgepresst) überarbeiten - die Fehlstellen evtl nach alter Manier Bierlasieren - Tipps unter anderem im Buch von Ziesemann, Krampfer, Knieriemen: Natürliche Farben im AT-Verlag erschienen.

Am Rande: Die Tür ist aber nicht 400 Jahre!

mfG

Florian Kurz



Bedenken Euer Ehren



Einmal ist es für Un-Geübte nicht einfach, eine Bierlasur herzustellen und zu verarbeiten.

Da diese Lasuren nicht wasserfest sind, wurden sie früher in der Regel mit Klarlack überzogen. Die vorhandenen Risse und Aufwerfungen auf dem Foto sind wahrscheinlich in der Klarlackschicht.

Diese zu entfernen und dann mit neuer Lasur einen vernünftigen Ansatz zu bekommen, dürfte nicht ganz einfach sein.

Ohne Schutzschicht (Lack oder auch Wachs) wäre der Vorschlag mit dem Seifenwasser auch kontraproduktiv - die Lasur wäre im Eimer (oder auch in der Schlüssel)
Der Tipp mit dem Leinöl etc. dürfte dann auch nicht greifen, da der Lack versprödet ist und nicht die Lasur.

Andererseits wissen wir noch garnicht, ob es eine Bierlasur ist.

M.E. hat Knieriemen in seinem Buch auch keinen derartigen Tipp gegeben - lasse mich aber gern mit Seitenangabe belehren.

Gruß aus BS

BF



Aber Hallo!



... warum denn nicht mir Seifenwasser - feuchtem Lappen Abwischen?
und warum soll da Klarlack drauf sein?
Schellack etwa?
Das wär für eine Bauernhaustüre zu teuer gewesen!
alle anderen Mittelchen sind "natürlich", Bier, Pigemente und auch Leinölige Produkte ...
auch "altes" Leinöl kann "spröde werden!
der Kniereimenverweis war ein HINWEIS - kein Biebelzitat!

Die Tür ist doch ein Traum - und die dann mit Lack zu kastrieren ...

da bin ich aber nicht einverstanden ...


FK



Jawohl Herr Kurz,



Bier ist immer gut - jedenfalls nach getaner Arbeit.
Tatsächlich haben Sie Recht, daß die Tür, um die es hier geht, keine 400 Jahre alt sein kann.
Denn, als ein gelernter Tischler weiß man einfach,
daß es abgeplattete Füllungen erst sehr viel später gab.
Diesen heutigen Beitrag zu einer Vierfüllungstür sollten
wir eigentlich weiterdiskutieren - ohne zu versuchen, ihn zu zerpflücken.
Die eigentliche Frage besteht ja darin, die originale Maserierung wieder herzustellen.
Doch, das kann heute leider Niemand mehr.
-- Leider --
-
Diese Techniken kann man allerdings auch niemals in einem Blitzkurs erlernen.
Die Kunst des Maserierens erlernt und erfährt man nur durch den täglichen Umgang damit.
- Furchtbar - , wieder ein Berufsbild weniger.
- Heinrich Heine schrieb vor vielen Jahren :
-
" Denk` ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht."
-
A.M.



Kopfschüttel



Hallo Herr Kurz,

Sie sollten sich mal Ihres Mottos besinnen. Hier wurde noch keine Diagnose gestellt, aber Sie sind bereits mit der Therapie am Basteln.

Bierlasuren sind nun mal wasserlöslich - und wenn man dann mit Seifenwasser auf eine ungeschützte Lasur geht, gibt es halt eine Schweinerei.

Vielleicht kennen Sie nur Schellack, aber es gab außer den teuren Import-Produkten auch heimische - z.B. aus Leinöl und Kollophonium.

Womit hat man denn Ihrer Meinung nach die Lasur geschützt?
Übrigens: Knieriemen empfiehlt Bienenwachs-Balsam (s.S. 48/49).

Farbenfrohe Grüße

BF



Aber Herr Kurz,



Die eigentliche Bierlasur ist doch nur ein Gemisch aus BIER
und Farbpigmenten.
Diese Mischung bestimmt doch nur den Grundfarbton .
Um diese Schicht zu verfestigen, bedarf es doch wohl einer
Lackierung, die die Maserierung durchdringt und verfestigt.
Gleichzeitig soll die Lackschicht das Möbelstück bzw.
die Tür o.dgl. über Jahrzehnte schützen und erhalten.
-
A.M.



Lasur



Holzmaserierungen(Holzimitation)wurden nicht nur mit Bierlasuren sondern sehr oft auch mit Öllasuren ausgeführt!
Ein sehr interessantes Buch hierzu:
P.van der Burg
Holländische Malschule für Holz-und Marmor-Imitation
Nachdruck 1895



Verwirrung perfekt



Hallo zusammen,

bin begeistert von der lebhaften Diskussion.

Am Rande: Es war nicht die Rede davon, dass die Tür 400 Jahre alt ist! Lediglich das Haus.

Ich stimme zu, dass diese Tür traumhaft schön ist, daher suche ich hier nach Rat, wie sie zu erhalten ist. Nun ist die Verwirrung aber perfekt. Vielleicht ergibt sich im Laufe der Diskussion ja noch eine Laien-geeignete Methode.

Viele Grüße,
Tobias.



Verwirrung



Hallo Tobias,

zuerst gilt es herauszufinden, welche Materialien eingesetzt wurden, z.B.

- Bierlasur mit/ ohne Überzug (ggf. auch Essig-Lasur)
- Öl-Lasur
- Kasein-Lasur (wurde aber nur selten eingesetzt, da zu spannungsreich auf Holz => reißt leicht).

Willst Du eigentlich das vorhandene Bild erhalten - oder mit geeigneten natürlichen Materialien etwas neues (anderes) schaffen. Im 2. Fall - wenn nicht zu erhalten - hilft dann nur Schleifen oder Laugen.

Bernd



Versuch einer



Entwirrung.
Grundsätzlich wäre es wünschenswert, den Originalzustand
wieder herzustellen.
Ein Restaurator könnte dies.
Ein Laie nicht.
Abschleifen ist sehr aufwändig und die Profile könnten
zerstört werden.
Abbeizen kann man selbst erledigen.
( obwohl aufwändig )
Ablaugen ist zu brutal, weil der Knochenleim, welcher die
Tür zusammenhält auch zersetzt wird.
Nun habe ich das Foto beschriftet und zum Verständnis
Markierungen angebracht.
Beispielsweise könnten die Abplattungen und die Bekleidung
Ockerfarben gestrichen werden und der Rest elfenbeinfarbig.
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Oder das Flügelrahmenprofil, die Füllung und die Bekleidung
in einer Farbe.
- Wie auch immer, möglichst Ton in Ton und nur 2 Farben
verwenden.
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Mit vorschlagenden Grüßen
Andreas Milling