Langzeiterfahrungen Innendämmung Holzfaser oder Schilf

21.07.2017 BufordTJustice



Hallo Forum!

Wir wollen unseren Altbau von 1917 mit Anbau 1960 bei der energetischen Sanierung mit einer Innendämmung versehen.

Mauerwerk Altbau: Kalksandsteinziegel mit Putz ca. 40cm, ab 1.OG 28cm
Mauerwerk Anbau: Hollochziegel mit Putz ca. 30cm über alle Stockwerke

Als Dämmstoff soll Holzfaser oder Schilfrohr in 40 bzw. 50mm + Wandheizung + Kalk- oder Lehmputz zum Einsatz kommen.

Hat jemand im Forum Langzeiterfahrung mit solch einem Wandaufbau?

Außendämmung wollen wir vermeiden.



Innendämmung



Individuelle Erfahrungen helfen Ihnen herzlich wenig.
Die Bedingungen sind überall unterschiedlich; die Häuser, die Nutzungsgewohnheiten, die klimatischen Bedingungen, die Qualität der Ausführung.
Was bei anderen gut funktioniert muß es nicht bei Ihnen.
Außerdem wird kaum jemand wird bereit sein negative Erfahrungen zu vermitteln und damit indirekt eigene Fehler zuzugeben.



Innendämmung mit Schilf



Einen guten Tag,
Innendämmung ist machbar.ist in der Praxis erprobt und hat sich bewährt.Dazu gehört auf jeden Fall Schilfdämmplatten.

Wir verkaufen das Material schon seit 1987 und seitdem wird es von Häuslebauer eingesetzt wie oft sehr oft. Ich selbst habe es an Denkmalhäuser als Innendämmung angebracht mit und ohne Wandheizung und andere Lehmbaufirmen bestimmt auch.Bauschäden durch Schilfdämmung sind mir nicht bekannt.
Innendämmung mit Schilfdämmplatten und HWF ist möglich.
Kann sie gerne Beraten,Rufen sie durch Tel. 0636492100
Beste Grüße
Waldemar Eider



Nun ja...



...mittlerweile gehen da auch die Fachmeinungen auseinander.
Durch Zusammenarbeiten mit Baubiologen sind derzeitig bereits analytische Untersuchungsergebnisse vorhanden, dass trotz aufgelegter Wandheizungssysteme Holzweichfaserinnendämmungen nach 8 - 10 Jahren derart viel Restkapillarfeuchte angesammelt hat, dass diese Systeme dämmtechnisch kippen und zu Schimmel- bzw. Fäulnisprozessen führen.
Gerade aus diesen Gründen haben wir unsere Dämmschwerpunkte materialtechnisch auf magnesithgebundenen Heraklithplatten gelenkt, auch wenn die Dämmwerte etwas schlechter ausfallen.
Aber diese Produkte sind schimmelresistent ab Hersteller ausgewiesen.
Und befestigungstechnisch für weitere Aufbauten (wie WH usw.) sehr interessant.
Sie sind ganz einfach schraubfest!
HWpl. da leider nicht!





Vielen Dank für die Antwort!
Sind diese Ergebnisse publiziert? Wenn ja wo?



Innendämmung



Erkenntnisse aus Schadensfällen und Versuchen- auch Langzeitversuchen- sind in die technischen Regelwerke eingeflossen. In der Gebäudesanierung sind das insbesondere die WTA- Merkblätter 6-4 und 6-5.
Dann die DIN 4108- 3 die sich u.a. mit der feuchtetechnischen Beurteilung von Innendämmsystemen beschäftigt. Dort sind z.B. die Kriterien für nachweisfreie Innendämmsystemen aufgeführt. Alle anderen Systeme sind laut DIN auf Ihre feuchtetechnische Sicherheit hin
NACHZUWEISEN und zwar mit dem Periodenbilanzverfahren.
Das Glaserverfahren ist dafür ungeeignet.
Für den Nachweis von sorptiven und kapillaraktiven Innendämmsystem ist das Periodenbilanzverfahren ausdrücklich nicht anwendbar. Geeignet sind dafür nur hygrothermische Simulationsverfahren.
Was heißt das:
NICHT DAS MATERIAL IST ENTSCHEIDEND.
Die Planung (dazu gehört die richtige Materialwahl) und die fachgerechte Ausführung ist es.
Ob Ihr Bauvorhaben im Sinne des WTA- Merkblattes und der DIN nachweispflichtig ist oder nicht muß anhand der Daten geprüft werden.
So einfach über die Materialwahl Fehler auszuschließen geht also nicht, das ist zu einfach.
Deshalb können Sie mit solchen Informationen in der Art: Schilfdämmung- alles kaputt oder Holzfaser- alles prima
nix anfangen.
Wenn Sie nach weiteren Publikationen suchen:
Das Tagungsheft vom 4. Innendämmkongress der TU Dresden der dieses Jahr stattfand.
Besonders zu empfehlen daraus ist der Vortrag von Hartwig M. Künzel vom Fraunhofer IRB.



Oder auch hier einlesen..



..Das Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege Benediktbeuern setzt sich für die Erhaltung des baukulturellen Erbes und der historischen Bausubstanz ein. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die energetische Verbesserung von Bestandsgebäuden unter Einbeziehung denkmalpflegerischer Belange. Ziel ist es, Experten aus Denkmalpflege und Bauphysik zusammen zu bringen und Themen wie Energieeffizienz, Nachhaltigkeit, Ökonomie und Ökologie, erneuerbare Energien, aber auch den städtebaulichen Kontext gemeinsam zu diskutieren, und zugleich historische und innovative Materialien und Techniken zu erforschen und zu erproben. Das passiert direkt am historischen Gebäude der Alten Schäfflerei, erbaut ca. 1760, und auf dem Freilandversuchsgelände des Fraunhofer IBP in Holzkirchen.
Das Zentrum ist eine Initiative des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP und des Fraunhofer-Informationszentrums Raum und Bau IRB. Das Konzept des Fraunhofer-Zentrums Benediktbeuern basiert auf vier Säulen: Forschung, Demonstration, Sammlung von Wissen und Wissensvermittlung. Im Kern steht die Überzeugung, dass Forschung ein wesentlicher Faktor für das Fortbestehen unserer Baudenkmäler sowie traditionell bebauter Umgebung ist.
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Weiter leicht verständlich ist auch der Beitrag:
https://www.denkmalpflege.fraunhofer.de/files/pdf/Poster_Innend%C3%A4mmung.pdf
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und auch noch: https://www.dbu.de/123artikel35047_2430.html



Innendämmung



Da kann ich ergänzen:
Ein weiterer Vortrag auf dem Innendämmkongress trug den Titel:
"Vergleichende Untersuchung unterschiedlicher Innendämmsysteme in der alten Schäfflerei Kloster Benediktbeuern"
(Autoren Martin Krus, Stefan Bichlmair, Ralf Kilian, Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP)
Im Obergeschoss wurden 9 verschiedene Innendämmstoffe auf Felder aufgebracht und einem mehrjährigen Monitoring unterzogen. Die Ergebnisse kann man im Tagungsheft nachlesen, sie vorzustellen geht hier zu weit. Untersucht wurden nicht nur die Feuchteverläufe im Wandquerschnitt sondern auch die Auswirkungen auf die hölzernen Balkenköpfe.
Ansonsten gibt es eine Vielzahl von Erfahrungsberichten in der Fachliteratur, ich lese u.a. "Bauen im Bestand" und das Bundesbaublatt. Dort wird regelmäßig über den neuesten Stand der Bautechnik und die gewonnenen Erfahrungen berichtet.



Ja - richtig ....ist falsch



Der Udo hat doch nicht geschrieben - ich empfehle Baubiologen, sondern " durch zusammenarbeit" usw...
Ansonsten richtig, es ist eher eine Frage der Physik.



Ach Oliver....



...es werden doch ewig Streitpunkte bleiben!
Immer schön die Worte genau im Blick behalten!!

Danke Edmund!



Das Buch



bezüglich des 4. Innendämmkongresses habe ich mir nun erstmal bestellt.

Ich werde in den kommenden Tagen die Planungsgrundlagen (Wandaufbau, Einbaulage der Balkenköpfe, Schlagregenschutz) sammeln und im Anschluss etwas genauer vorstellen.



Und auch noch ein Bericht



zum lesen.
https://wufi.de/literatur/Theuerkorn,%20Fritsch%20et%20al%20-%20Neuer%20Baustoff%20f%C3%BCr%20umweltfreundliche.pdf



Hi, bin ich im falschen Forum gelandet?



Bisher habe ich mich gefreut über die qualifizierten Beiträge von Euch Beiden. Was ist passiert?
Natürlich gibt es viele Unterschiede und auch unterschiedliche Vorstellungen weil wir alle nicht alles wissen können.
Anderen helfen ist doch auch Euer Anliegen.
Genau das war auch einer der Gründe für mich damals die WTA zu gründen.
Jeder hat mir etwas Anderes erzählt und nur gemeinsam mit vielen Kollegen aus dem Fachbereich und auch der unterschiedlichen Meinungen konnte auch ich dazu lernen.
Lasst uns doch diskutieren aber muss dies hier und in dieser Form sein?
Ich lade Euch Beide gerne ein auf meiner Seite weiter darüber zu diskutieren wie wir weiter miteinander umgehen.
Bitte.
Nichts für Ungut aber wir werden das Problem gemeinsam lösen.



@ Oliver...



....ich weiß, dass die Heraklith einen schlechteren Wert haben.
Trotzdem kläre ich all meine Lösungsvorschläge über Planer oder auch Sachverständige ab.
Alleingänge sind für mich kein Maß der Überheblichkeit.

Leider, weiß ich, was diese Zahlen bedeuten!!



Diese Untersuchung würde ich gerne mal sehen



"Durch Zusammenarbeiten mit Baubiologen sind derzeitig bereits analytische Untersuchungsergebnisse vorhanden, dass trotz aufgelegter Wandheizungssysteme Holzweichfaserinnendämmungen nach 8 - 10 Jahren derart viel Restkapillarfeuchte angesammelt hat, dass diese Systeme dämmtechnisch kippen und zu Schimmel- bzw. Fäulnisprozessen führen."

Wir haben Langzeiterfahrungen mit Heraklith, Schilf und Weichholzfaser. Die Weichholzfaser hat sich gegenüber anderen Varianten wie schon erläutern durchgesetzt.

Wenn bei Innendämmung im angedachten Aufbau Schäden entstehen dann meiner Erfahrung nach durch hohe Schlagregenbelastung oder falschen Einbau.

Grüße Gerd