Lagerhölzer auf Sand, auf Holzkohle oder auf Mineralisch ummantelte Holzspäne?

28.09.2016 Rosengoldmarie



In der Fachliteratur liest man, dass bei Rekonstruktion eine Bodenplatte aus Beton gegossen werden sollte, die unter den Innenschwellen durchgeführt werden sollte.
Der Aufwand ist uns zu groß und überhaupt wollten wir gern ganz auf Beton bzw. Zement als Baustoffe verzichten.

Der seit über 100 Jahren unter den Dielen liegende Sand ist tocken, dennoch müssen einige Innenschwellen wegen Faulschäden ausgetauscht werden. Wir überlegen jetzt, den Sand auszutauschen und durch eine kapillarbrechende Schicht Kies zu ersetzen. Zusätzlich soll Holzkohle unter den Schwellbalken konservierend wirken. Hat jemand Erfahrung damit?
An modernen Baustoffen, die unter bzw. zwischen den Lagerhölzern zur Anwendung kommen könnten, fallen uns Blähton oder mineralisch ummantelte Holzspäne ein. Gibt es dazu schon Erfahrungen?
Viele Grüße,
Bettina & Dietmar



Fußbodenaufbau



Diffusionsoffene Fußbodenaufbauten im Wohnbereich sind kontraproduktiv und in Verbindung mit Dielen bzw. Holzbauteilen schadensträchtig, da sich die Lebensgewohnheiten mittlerweile geändert haben. Die verfaulten Innenschwellen sind ein Zeichen dafür. Solche Aufbauten schützen vor kapillarer Feuchte; etwas das in Gebäuden in den seltensten Fällen erforderlich ist. Vor gasförmiger Feuchte, also Wasserdampf, schützen sie nicht. Das führt in Verbindung mit Hohlräumen unter der Dielung zu hohen Bauteil- bzw. Gleichgewichtsfeuchten. Dazu kommt noch überschüssige Luftfeuchte aus der Raumluft die unter die Dielung in den Hohlraum gelangt und dort kondensiert. Die beim Darüberlaufen immer etwas federnden Dielen wirken dabei wie eine Membranpumpe, an den Rändern zu den Wänden erfolgt der Luftaustausch. Die linienförmige Auflagerung auf Balken die nie richtig fest und eben liegen begünstigt das. Knarrende Dielen sind ein Zeichen dafür.

Bodenplatten aus Beton haben in der Altbausanierung nichts zu suchen. Man verwechselt sie oft mit einer Sauberkeitsschicht aus Beton die beim Neuaufbau von Fußböden erforderlich und nützlich ist.
Was ist der Unterschied:
Eine Bodenplatte ist eine Gründungsart, ein Flächenfundament. So etwas wird im Neubau eingesetzt, in der Sanierung überflüssig. Die Gebäude haben bereits Fundamente.
Solche Platten unter den Innenwänden durchzubauen ist ebenfalls überflüssig, teuer und schadensträchtig. Never change a running system, klemmende Türen und rieselnder Putz können sonst das Ergebnis sein.
Sauberkeitsschichten sind ebene, glatte, einige Zentimeter dicke Platten aus unbewehrtem Beton, die als Arbeitsebene zur Aufnahme der Fußbodenaufbauten dienen. Zuerst kommt eine diffusionsdichte Abdichtung. Effekt: der Beton darunter bleibt erdfeucht, die Schichten darüber trocken. Darauf kommt die Dämmung, bei Dielung z.B. trittfeste Holzfaserdämmplatten. In die obere Lage werden Latten zur Fixierung der Dielung eingebettet, die Dielen verschraubt. Effekt: Kein Hohlraum, kein Pumpen, kein Knarren, warme Füße da die Dielen vollflächig auf den Dämmplatten aufliegen.
Bei Nassräumen gibt es andere Aufbaumöglichkeiten mit gedämmten Trocken- und Nassestrichen.

http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/fussboeden.html





Vielen Dank, Herr Böttcher, für Ihre ausführliche Antwort und die detaillierte Begründung Ihrer Überlegungen. Noch eine Frage: diffusionsdichte Abdichtung meint Folie? Gibt's eine Alternative?

Viele Grüße
Bettina Soltau



Abdichtung



Ja, mineralische Dichtschlämmen, kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen und Schweißbahnen. Die sind auch dampfdicht.





Viel besser als Herr Böttcher kann man das kaum erklären.

Gruß, Christoph Kornmayer





Ist als Sauberkeitsschicht auch ein Stampflehmboden denkbar? Wir haben bereits Erfahrung mit der Herstellung von Stampflehmböden (in der Scheune ausgeführt: 30cm kapillarbrechender Kies, darauf in Lagen 15cm Lehm).

Wir kriegen den Lehm aus einer Kiesgrube für 5 Euro die Tonne gesiebt und geliefert. Also äußerst günstig.

Grüße,
Bettina Soltau



Sauberkeitsschicht



NEIN.
Warum? Weil die Idee entschuldigen Sie dumm ist.
Ca. 40 cm Aushub mehr sind pro 10 m² Fläche etwa 4 m³ Festboden zu lösen und herauszuschaffen. Das sind etwa 6 Tonnen Masse und etwa 100 Schubkarrenladungen- für 10 m²! Die gleiche Menge muss wieder rein.
Wer keine Arbeit hat macht sich welche...
Ich denke Sie werden bei Ihrer Sanierung noch genug an Arbeit bewältigen müssen, warum also mit sinnlosen Tätigkeiten Zeit, Geld und Kraft vergeuden.

Ich rede hier noch nicht einmal vom Einbau. Eine Lehmschicht kriegen Sie
NIE
so gerade und eben hin wie eine Betonschicht die auch noch billiger ist.
Außerdem ist der Lehm nicht als Arbeitsebene geeignet, er kann keine Abdichtung tragen und wird bei den weiteren Arbeiten zertrampelt. Einen Lehm wie einen Estrich einzubauen traue ich Ihnen- halten zu Gnaden- nicht zu.
Wofür kapillarbrechenden Kies?
Der ist bei einer Abdichtung überflüssig.
Wenn Sie den Artikel zu meinem Link gelesen hätten wäre Ihnen klargeworden das Sie mit dieser Schachterei die Standsicherheit Ihres Hauses gefährden.





Doch, Herr Böttcher, ich habe Ihre Darlegung mehrfach gelesen. Wir suchen halt nach einer Möglichkeit, ohne Beton und ohne Zement auszukommen. Dass das eine Heidenarbeit macht, stimmt natürlich.
Glatt kriegt man den Stampflehmboden schon, wenn auch nicht sooo glatt wie einen Betonestrich.
So richtig wissen wir halt auch noch nicht, wie wir es machen wollen, zumal wir auch in Küche, Bad und Flur eine Fußbodenheizung wollen, neben der Wandheizung an den Außenwänden.
Wegen der Standsicherheit brauchen wir uns Gott-sei-Dank keine großen Sorgen zu machen. Das Haus ist, anders als viele alte Fachwerkhäuser, tief gegründet. Bei einer Probegrabung war bei einer 70cm tiefen Grabung noch immer kein Erdreich und auch nicht die Unterkante des Feldsteinfundaments erreicht.
Viele Grüße
und danke für Ihre Geduld,

Bettina Soltau



Zement … oder Chaos



Hallo

für manche ist Zement und DIN etwas heiliges … ein heiliger Bauhorizont … 

… meist waren die Altvorderen schon meilenweit voraus … 

… und das Argument: "die Wohn- und Lebensumstände haben sich geändert" … ist wo viel Wert wie die Aussage, dass Wasser nass und Feuer heiss ist … 

…und wenn dann noch ein html oder gar pdf rumgeistert … dann MUSS es ja die Wahrheit sein …

Membranpumpen und pumpende Fußböden sind ebenfalls nix anderes als "atmende Wände" … 

Allerdings sind Holzkohle und ummantelte Holzspäne und auch Stampflehmböden nichts anderes als Schlagworte, die nicht immer gut und heilsam sind, auch wenn sie aus einem "BioGesundundGlücklichBauBuch" herausgeholt werden …

Florian Kurz



Gründung



Die OBERKANTE und nicht die Unterkante eines Streifenfundamentes ist die Grenze des Aushubes für Laien. Das umsomehr wenn es sich wie bei Ihnen um eine Steinpackung handelt. Warum?- das steht in meinem Artikel ausführlich beschrieben.
Wenn Sie ohne Beton und ohne Zement auskommen wollen so halte ich das für einen Spleen aber es ist durchaus möglich.
Nur nicht so wie Sie sich das vorstellen.
Näheres dazu steht auch in meinem Artikel.
Um das abschließend noch einmal klarzustellen:
Ich missioniere nicht oder bin im Auftrage der Zementindustrie unterwegs, ich versuche Fragestellern wie Ihnen zu helfen- ohne ideologische oder pseudoreligiöse Ansichten sondern mit Hilfe von Pragmatismus und jahrzehntelanger Erfahrung.
Sie können das nutzen oder nicht. Ich zwinge niemandem meine Meinung auf.



Gründung



Doppelt