Lagenaufbau auf Fermacellgipsfaserplatten

18.09.2016 Hans Peter



Wie gestalte ich den Lagenaufbau auf Fermacell Gipsfaserplatten?

Die Gipsfaserplatten wurden an den Stößen verklebt.

Da ich Holzdecken und Holzböden habe und diese "atmungsaktiv" sind, also nicht versiegelt, möchte ich dies auch bei den Wänden beibehalten.

Geplant ist nun die Fermacellplatten zu spachteln (Schraubenköpfe und Stöße) ggf. auch dort zu schleifen.

Die Platten zu Grundieren mit tex color gk sperrgrund, welcher als diffusionsoffen angegeben wird.
(1 Anstrich)

Danach Feinstrukturputz, denke dabei an 0,8mm Körnung.
Ca. 2mm dick. Soll natürlich diffusionsoffen sein.
(1 auftag)
-> Habt ihr eine Empfehlung für einen passenden Putz?
-> Kalkhaltiger Putz ist kein Problem oder sollte besser etwas anderes genommen werden (der Putz sollte aber auch auf alten Ziegelwänden einsetzbar sein damit die Wände in der Wohnung gleichmäßig bleiben)?
-> Ebenso will ich den Putz im Küchenbereich auf die Gipsfaserplatten auftragen
-> Auch im Bad soll der Putz aufgetragen werden, die Gipsfaserplatten würde ich zunächst nicht versiegeln außer in den Spritzwasser Bereichen und in/um die Dusche/Badewanne.



Zu guter letzt soll eine kalhaltige, weiße Wandfarbe aufgetragen werden. Natürlich soll diese auch diffusionsoffen sein.
(1-3 mal auftragen ist kein Problem)
-> Habt ihr eine Empfehlung für eine Wandfarbe, als Farbton hätte ich gerne ein kräftiges, mattes weiß da ich finde dies passt hervorragend zu Holz, fertig gemischte Farbe ist absolut gewünscht
-> was haltet ihr von Kreidezeit Sumpfkalkfarbe? Wäre diese für mein Vorhaben geeignet und ist diese Farbe qualitativ gut/sinnvoll?


Seht ihr grobe Mängel im geplanten Vorhaben?
Gewebeband an den Stößen der Gipsfaserplatten laut Fermacell nicht erforderlich. Die Stöße soll man nur einmal mit der Spachtelmasse abziehen.
Kalk auf Gips ist ebenfalls kein Problem?
Sollte muss ich in den Nassbereichen, z. B. Küche und Bad die Wände versiegeln? Ich bin von diesen Versiegelungen absolut kein Freund mache es aber natürlich wenn nötig.
In der Dusche und um die Badewanne wird vor dem Fliesenauftrag alles versiegelt.

danke schon mal an alle die mir Helfen.



Gestaltung der Fermacellplatten



Handelt es sich bei den mit Fermacell beplankten Wänden um Innenwände, sprich um Wände zwischen Wohnräumen ? Wenn ja, ist die "Atmungsaktivität" sekundär, denn die Räume atmen bei jedem Türöffnen ausreichend, so dass sie nicht ersticken. Dann wäre die Frage nach "biologisch verträglichen" Baustoffen zu stellen, ich befürchte aber, dass bei den herkömmlichen Feinstrukturputzen aus dem Baumarkt Kunststoffvergütung zur Haftungsverbesserung eingesetzt wird.



Teils Teils



Der Großteil sind Innenwände und wenig sind Außenwände.
Ich gehe bisher davon aus das atmungsaktive Baustoffe vor allem zur Verbesserung des Raumklimas von Vorteil sind.

Auswendig kann ich gerade nicht sagen wie der Feinputz den ich im Auge habe heißt, leider...
Jedenfalls ist dieser Atmungsaktiv, zumindest laut Packung.

Hat man bei Kalkfarbe eigentlich immer noch das Problem von abfärben wenn man dran kommt und der relativ schnellen vergilbung der Farbe?



raumklimasteuernde Innenwände



erreichen Sie nicht durch einen 2mm Feinputz, dann sollte es schon ordentlich Kalk-oder Lehmputz mit min.2cm Stärke sein. Ich habe vielmehr Bedenken, wenn Sie auch Außenwände mit Fermacellplatten verkleiden wollen, wie ist denn da der geplante Aufbau ? Hier wäre ein ordentlicher Kalkputz viel wirkungsvoller und vor allem schadenstoleranter.
PS: Tex color mit Kunstoffdispersion, da kann dann getrost mit Alpina-Weiß hinterhergestrichen werden - die erwarteten klimaregulierenden Eigenschaften jedenfalls treten dann nicht ein.



Ja dann...



ist es wohl fast egal welche Farbe ich nehme...

Die Gipsfaserplatten werden doch als Feuchte regulierend angepriesen?
Das heißt wenn hohe Raumfeuchte herrscht wird etwas Feuchtigkeit in die Gipsplatten aufgezogen und bei niedriger Raumfeuchtigkeit wieder abgegeben?
Also ähnlich wie bei unbehandeltem Holz.

So dachte ich nun das durch diffusionsoffene Schichten inc. Farbe dieser Effekt erhalten bleibt.
Warum macht die Tex-Color Grundierung dies zu nichte? Der Hersteller gibt die Grundierung als diffusionsoffen an.

Bei den Außenwänden...
Von außen nach innen wurde das von einer Fachfirma gemacht. Auf die Folie (da Dachbereich) wurde dann eine Lattung aufgebracht und darauf die Fermacellplatten.



Anstrich auf Fermacell



Mit der Grundierung bringen Sie ja schon eine Dispersion an die Wand und richtig, wenn Sie sich mal die Angaben für Alpina Seidenlatex anschauen: Hoch atmungsaktiv. Damit werben auch die Hersteller anderer Dispersionsfarben, wie gesagt: sie werben damit. Ich nehme oft Silikatfarben, die sind zwar auch mit Acrylaten verschnitten, aber unter 5%, damit kann ich leben. Habe auch schon Kreidezeits Sumpfkalkfarbe probiert, aber nur auf kalkgeputzten Wänden, konnte keine bzw. minimalste Abkreidungen feststellen, der Weißfaktor läßt sich durch einen Schuß kalkechtes Pigment (blau) verbessern. Inwieweit das vergilbt kann ich nicht beurteilen, aber ist eben "natur"- man kann ja nicht alles haben. Abriebfest soll auch Kalk-Kasein-Farbe sein, aber wie die auf Fermacell funktioniert weiß´ich nicht -Datenblätter lesen hilft da. Eine Wandbauplatte aus Gipsstoffen ist nicht dafür hergestellt eine Feuchteregulierung in einem Raum zu gewährleisten - dies muss über Raumlüftung und Heizverhalten bewerkstelligt werden.



Die Feuchteregulierung



Von den Gipsplatten soll/ist ja auch nur ein Bonus fürs Raumklima wie es bei Holz der Fall ist. Zumindest habe ich diese so verstanden.
Das dadurch Heiz- und Lüftverhalten vernachlässigt werden kann oder in ähnlicher Weise wie es sich nun mal gehört missachtet wird war nie angedacht.

Das heißt es sollte nur als Bonus zum Raumklima beitragen können so wie es z. B. Holz kann. Mehr war von mir nicht angedacht.

Zu den Farben.
Das heißt wenn ich jetzt die Grundierung auftrage dann ist die Platte "dicht" und ich brauch mir wegen der Farbe und deren Diffusionsfähigkeit im Grunde kein Kopf mehr machen und kann so mehr oder weniger das nehmen was mir am besten gefällt?
Das bedeutet, Dispersionsfarbe, welche Handelsüblich ist, macht dann auch kein "Schaden" mehr?



Platte dicht



würde ich nun nicht sagen, aber die erhoffte Bonuswirkung ist sehr eingeschränkt, jedenfalls glaube ich, das in einer Blindstudie niemand am Raumklima erkennen könnte, ob nun ein diffunsionsoffener Anstrich oder eine Dispersionsfarbe drauf ist. Bitte lesen Sie doch mal das technische Merkblatt von tex color gk grundierung, dort vor allem die Inhaltsstoffe. Wenn Sie sich etwas einlesen, werden Sie verstehen, was ich meine.Ich denke, dass im gegenwärtigen Naturbaustoffhype die "Atmungsaktivität" von Baustoffen weit überschätzt und dazu benutzt wird, um eigentlich alt Bewährtes wie Kalkanstriche, Leinölprodukte usw. teuer an den Mann/die Frau zu bringen. Bitte nicht falsch verstehen: Ich selbst verwende, wo es nur geht, auch natürliche Materialien und nehme dafür auch Mehrarbeit (z.B. beim Leinölanstrich) in Kauf, aber dies vor allem deswegen, weil ich ein Freund des nachhaltigen Denkens und des entschleunigten Handelns bin und als gebürtiger Leipziger die Umweltschäden der umliegenden Chemieindustrie zu DDR-Zeiten noch prägend in der Nase habe.



Das Merkblatt



habe ich mir schon angeschaut, aber als Laie ist es schwer anhand der Inhaltsstoffe erkennen zu können ob die Diffusionsoffenheit nun stimmt oder nicht.

Mit welchen Produkten könnte man denn eine Diffusionsoffenheit erhalten?
Also
-welche Grundierung?
-welcher Feinputz?
-welche Farbe?

Welchen Sinn hat eine Diffusionsoffenheit außer der Steigerung des Raumklimas noch?
Die Isolierungen nach außen sind bis Dampfbremse erledigt, also kann es nur noch ums Raumklima gehen?



diffusionsoffenheit



Ich bin kein Farbenhändler, bitte schauen Sie doch mal z.B. bei "Sio-Farben" oder Kreidezeit oder anderen Öko-Händlern, die können Sie auch anrufen und sich direkt beraten lassen. Gute Erfahrungen habe ich auch mit den Beeckschen Farbenwerken gemacht, sehr freundlich die Leute.
Diffusionsoffenheit hat keinen Sinn, sie ist eine Materialeigenschaft und beschreibt die Eigenschaft von Baustoffen oder anderen Materialien Wasser in Form von Dampf hindurchzulassen bzw. zu sperren (Wasserdampfdiffusionwiderstand). Innerhalb von geschlossenen Räumen, also Wohnungen, ist dies unerheblich, weil allein durch das ständige Öffnen der Zimmertüren ein Ausgleich des Dampfdrucks passiert und es gar nicht zur Diffusion von Wasserdampf durch die Wände kommt -also brauchts auch keine diffusionsoffenen Innenwände. Anders bei Außenwänden: Dort herrscht (vor allem im Winter) ein Temperaturgefälle vom Zimmer (+20grd) nach draußen (-10grd). Da wärmere Luft mehr Wasserdampfanteile haben kann als kalte kommt es zu einem Dampfdruckgefälle, d.h. die warme, feuchte Raumluft hat das Bestreben, durch die Wände hindurch zu diffundieren um den Druckunterschied zwischen drinnen und draußen auszugleichen. Irgendwann, je nach Baumaterial der Wand erreicht die warme, feuchte Luft von drinnen eine Grenze in der Außenwand die so kalt ist, dass der Wasserdampf kondensiert und die Wand durchfeuchtet. Den Effekt kennt man von der Bierflasche, die im Sommer aus dem Kühlschrank auf den Biergartentisch gestellt wird und sofort anläuft. Diffusion ist also ein bauphysikalischer Prozess. Das Durchfeuchten der Wand sollte nur in dem Maße geschehen, wie die Feuchte über den Sommer auch wieder austrocknen kann, sonst drohen Schäden an der Bausubstanz. In Ihrem Dach z.B. soll die Dampfbremse/sperre verhindern, dass Feuchte in die Dämmung diffundiert, dort irgendwo kondensiert und die Dämmung durchfeuchtet. Bei Holzfaserdämmung ist dies nicht so problematisch, weil die Kapillaren des Dämmmaterials über den Sommer ein Austrocknen nach außen ermöglichen, bei Mineralwolle ist das schwieriger, weil diese nicht kapillar leiten kann, dort müssen hohe Temparaturen dafür sorgen, dass das Wasser in der Wolle wieder gasförmig wird und nach außen diffundieren kann. Eine sehr komplexe Materie die Bauphysik !



fermacell Platten



Hallo Hans Peter!

du bist gut informiert – es ist richtig, dass fermacell Platten mit Stoßfugenklebung nicht mit einem zusätzlichen Gewebeband armiert werden müssen. Du solltest jedoch die Empfehlungen des Farb-/Putzherstellers einhalten, die sind je nach Hersteller unterschiedlich.

Bei der „Feuchteregulierung“ ist es so, wie von Pope beschrieben, man kann sie nicht einkalkulieren. Mit fermacell hat du allerdings weniger „Barackenklima“ und mehr Wohlfühl-Atmosphäre im Raum.

Viel Erfolg!



Ich habe da



Bei genau der Kombination gefuellte Sumpfkalkfarbe auf die mit Kasein grundierten Gipsfaserplatten aufgebracht und bin sehr zufrieden ... auch im Bad

Peter



Ich habe den örtlichen Künstler



angerufen und der meinte die Kalkfarbe würde er mir passend mischen.

Allerdings sieht er ein Problem darin das die Altwandbestände mit unbekannten Anstrichen nicht verträglich mit der Kalkfarbe wären.
Ich habe ihm gesagt das ich einen 2mm Feinstrukturputz (Klakzement) auftragen werde, also überall.

Er konnte mir dann aber leider auch nicht so genau sagen ob das dann wirklich hält bzw. eine passende Lösung ist.

Kann mir jemand von euch sagen ob eine 2mm Kalkzementputzschicht ausreichend ist um die Kalkfarbe haftend und vernüftig an der Wand zu haben?

Ansonsten wird es eng für die Kalkfarbe :/

Dazu meinte er noch das durch die Grundierung der Gipsfaserplatten eine atumgsfähigkeit sowieso schon zu nicht sein. DA ging es dann seiner Meinung nach nur um die Optik.



Anwendungsberatung



Guten Abend noch einmal,
Ich würde die Anwendungsberatung von z.B. Kreidezeit (gefuellte Sumpfkalkfarbe) oder Auro (Streichputz) anrufen und befragen. Die sollten eine belastbare Aussage treffen können.

Beste Grüße
Peter