Farbbehandlung - Lärchenholz

28.11.2010



Hallo,

Ich hätte da mal eine Frage an die Farbexperten hier im Forum.

Was ist das Beste vorgehen bei der farblichen Behandlung von Lärchenholz für eine offene Brett- oder Rhombusleistenschalung? Geplant ist zunächst eine helle oder farblose Lasur. Kann aber auch sein, daß das Denkmalamt am Ende doch einen deckende Farbanstrich fordert (ist noch in der Schwebe).

Bei LeinölPro habe ich gelesen, das man auf Grund des hohen Gerbstoffgehaltes im Lärchenholz, das Holz zunächst vom Wetter gerben lassen sollte, bevor man eine Farbbehandung vornimmt. ... Ist das so richtig? Was genau heißt "gerben lassen" (wie lang, was ist die beste Jahreszeit)?

Danke+Gruß,
Stephan



Ganz einfach,



das Holz wird verbaut und nach frühestens 1 Jahr kann man über ´nen Anstrich nachdenken. Dann ist´s ausreichend "gegerbt". Sonne, Wind und Regen machen das dann schon ;-)).
MfG
dasMaurer



Eine farblose Lasur...



...böte wegen fehlender Pigmente keinen wesentlichen UV-Schutz. Aber auch für eine helle Lasur wäre eine einjährige Bewitterung nicht zu empfehlen, allenfalls einige Wochen.

Das Auswaschen der Gerbsäure ausgerechnet "gerben" zu nennen, ist eine putzige Wortwahl. Gerben ist die Behandlung von Fellen etc. zur Haltbarmachung mit Gerbsäure.

Die Gerbsäure ist nicht problematisch, eventuelle Trocknungsverzögerungen stören Sie im Außenbereich sowieso nicht.

Grüße

Thomas



wie



wäre es mit Leinöl (50% Terpentinersatz und Eisenpikmente), oder Ihr lasst es natürlich verwittern. Lärche hat genug Eigenschutz, um Euch zu überdauern. In Österreich werden manchmal nicht mal die Fenster gestrichen ....



Ein Schutz ist sinnvoll,



und statt Eigengemische, die dann letztlich doch eine Lasur sind, wird der Nichthobbychemiker mit einem bewährten Produkt besser beraten sein.

Die sehr gute Haltbarkeit der Alpenlärche, verbaut im alpinen Bereich, kann nicht 1:1 in's Flachland übertragen werden. Zunächst ist die Qualität der Alpenlärche vom richtigen Standort, und zu richtigen Zeit gefällt weitaus höher, als das jetzt übliche Angebot im Holzhandel, oder gar in den Baumärkten. Zum anderen ist alpines Klima oft trockner, vorallem aber kälter als im Flachland und trägt somit zur Haltbarkeit der schönen alten Fassaden in den Alpen bei.

Anzumerken wäre noch, daß Lärche je nach Standort stark zum harzen neigen kann, und somit für eine deckende Beschichtung nicht unbedingt optimal ist.

Grüße

Thomas



Gerbsäure und Lärche ....



Also ich glaube nicht, dass Lärche einen Gerbstoffgehalt hat, der den Anstrich in irgend einer Form beeinflusst.

Vielmehr ist der Harzgehalt der Lärche ein Problem. Hobelware ist oberflächlich oft durch das Eigenharz verpicht und der Anstrich kann nicht so in das Holz einziehen. Nach einer Bewitterungszeit ist die Oberfläche offen und die Farbe zieht gleichmäßiger ein.

Dennoch empfehlen wir, wenigstens einmal - eher zweimal sofort mit der Holzlasur zu Streichen und nach einem Jahr muss bei der Lärche eine Nachpflege wegen dem oben beschriebenen Problem erfolgen. Sonst kann es zu unterschiedlicher Abwitterung kommen.

Die Holzlasur ist recht dünn mit Lösemittel eingestellt, auf Leinölbasis mit Naturharzen. Dadurch dringt sie tief in das Holz ein, gibt aber auch mit den Pigmenten und dem Naturharz eine schützende Schicht.

"farblos" oder "hell" und Lärche geht nicht wirklich. Gegen die Vergrauung helfen nur Pigmente. Auch sog. Nano-Lösungen können da auf Dauer nicht helfen und würden gerade bei Lärche eher ein stumpfes, unnatürliches Bild abgeben.

Deckende Farbe auf Lärche ist nicht einfach, da das Eigenharz gerade auf der Sonnenseite "ausschwitzt". Das wirkt dann recht fleckig.

Streichen sollte man dann, wenn auch verbaut wurde. Natürlich ist bei der Witterung jetzt kaum mehr was zu erreichen. Wir haben Kunden, die auch noch bei 5°C die Lasur verarbeiten. Dann braucht es aber eine sehr lange Wartezeit, bis es zur Aushärtung kommt. Trotz der Sikkative. Anstriche ohne Sikkative würde ich nicht mehr verwenden. In dem Fall würde ich dann auch nur einen Anstrich angehen (evtl. schon in der Werkstatt) und dann den nächsten warmen Frühlingstag abwarten.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



... weiter gefragt ...



Hallo,

und danke schon mal für die ausführlichen Antworten!

Über die UV-Problematik in Zusammenhang mit pigment-freien oder hellen Lasuren war ich mir bereits im Klaren. Ich nehme aber an, daß mir deswegen hier trotzdem Keiner von Euch zu Produkten wie WoodCare oder SunCare raten würde?

Stattdessen halte ich mich an den natürlichen Charakter des Holzes und hoffe auf ein würdevolles und hoffentlich gleichmäßiges Vergrauen. Wenns nicht mehr gefällt, kann man dann ja immernoch zur grauen oder deckenden Lasur/Farbe greifen! Die von mir geplanten Flächen halten sich in Grenzen und sind vor allem der Notwendigkeit zur Unterscheidung zwischen Alt (Denkmal) und Neu (eingeschossiger Badanbau) geschuldet.

Mal aber nochmal nachgefragt! ... Ich nehme an, daß das zu bevorzugende Fassadenholz in den Wintermonaten gefällt werden sollte? Wie lange sollte es dann lagern? Könnt Ihr Bezugsquellen für eine vernünftige Qualität empfehlen? ... Wie sieht es im Berliner Raum einschließlich Brandenburg & MeckPom aus?

Danke schon mal und viele Grüße,
Stephan



Wenn's geringe Flächen sind,



und nicht gestrichen werden soll, würde ich eher zum Thermoholz greifen. Thermisch behandelte Hölzer erreichen zumeist die Resistenzklasse 1, Lärche 3-4.

Das ist teuerer, hält aber mindest doppelt solange, und muß nicht mehr von hell nach dunkel altern. Harze sind auch kein Thema, wie auch der Fällzeitpunkt wohl nicht mehr erheblich sein wird. Eine thermisch behandelte Pappel oder Rotbuche wären hier meine Wahl. Erstere böte ein besonders geringes Gewicht, letztere wird wohl etwas dauerhafter sein.

Eine gute Bezugsadresse wäre die Fa. Hagensiecker.

Grüße

Thomas



stephan



zur Lagerung wären bei 2 cm für 2 Jahre die einfache Regel, aber für die Fassade dürften wohl ein Jahr reichen.