Dielen: (hoch)glänzend und pflegeleicht - geht beides?

05.09.2012



Hallo allerseits,

in unserem Haus sollen die alten Pitchpine-Dielen abgeschliffen und dann neu lackiert/geölt werden. Meine Suche auf tausenden Webseiten und in Foren führte zu widersprüchlichen Angaben darüber, was denn nun das beste sei: Lack (wasserbasiert/dd-lack), hartwachsöl, öl...

Da das die Zimmer im EG sind, in denen die Leute auch mal mit Schuhen reinkommen, hätte ich gerne einen sehr pflegeleichten und resistenten Boden - dies spricht, soweit ich das bisher verstehe, für Öl oder DD-Lack. Andererseits wäre es mir sehr wichtig, dass der Boden weiterhin, so wie bisher, glänzt - was für Lack spricht.

Wie sind eure Erfahrungen? Gibt es Wasserlacke, die wirklich kratz-fest sind und glänzend? Oder muss ich da einen DD-Lack nehmen? Oder muss ich den Wunsch nach Glanz begraben? Könnt ihr konkrete Produkte empfehlen?

Vielen Dank
Ramona



Hart ist gut?



Hallo

je härter desto spröder

Je mehr "Lack" desto empfindlicher!

Wenn Sie einen unempfindlichen EG Boden haben wollen - Stein!
Anderweitig soll man die Schuhe ausziehen.

Jedes Krümelchen wird Ihnen einen Lack verkratzen.
Wenn Sie den dann wieder "aufhübschen" wollen muss der ganze Boden bearbeitet werden.

Bei Ölen kann man auch partiell nacharbeiten.

Florian Kurz
www.slow-house.de



Wasserlacke sind,



speziell auf der harzreichen pitch-pine, nun aber gar nicht zu empfehlen.

Nach einiger Zeit wird jeder Lack geschliffen werden müssen, Öl bei richtiger Pflege in viel längeren Intervallen oder auch gar nicht. Lacke auf Nadelhölzern sind generell noch ein bisschen schlechter als auf Harthölzern.

Verzichten Sie auf den Glanz, und gönnen Sie sich einen pflegeleichten Ölboden.

Grüße

Thomas





Wenn Sie z.B. mit Naturhaus Hartöl und abschließend zweimal mit Naturhaus Hartöl High Solid ölen, dann haben Sie zu Beginn auch etwas Glanz. Mit der Zeit und zunehmender Belastung wird es wohl weniger. Bei entsprechender Pflege hält der Boden jedoch ewig und Sie ersparen sich die Schleiferei. Partielles Nacharbeiten ist immer möglich, natürlich auch erst einmal sichtbar. Bei einem Holzboden stört mich das wenig, selbst Macken gehören mit der Zeit meiner Meinung zu einem richtigen Holzboden.

Bernd Kibies





Hallo,

gibt es also keine Möglichkeit, Hochglanz zu erhalten? Es würde nun mal sehr gut zu den Dielen passen, immerhin waren die 100 Jahre lang glänzend... Es würde mir schwer fallen, darauf zu verzichten. Ich hatte gehofft, dass es z.B. einen Lack gibt, so wie er in Museen verwendet wird, der sowohl Hochglanz als auch gute Resistenz bietet.

Gruesse
Ramona



Sagen Sie mal , Ramona, --



-- glauben Sie wirklich, daß es einen ewig hochglänzenden
Holzfußboden geben kann ? -
-
Bisher haben drei kompetente Fachleute auf Ihre Frage geantwortet und ihre Meinung dazu dargelegt.
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Scheinbar sind Sie beratungsresistent oder Sie können fliegen.
-
Ein Fußboden ist ein Fußboden, weil er ständig mit Füßen getreten wird !
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An den Schuhen oder auch an den Latschen der Benutzer haften stets scharfkantige Sandkörnchen, welche wie Sandpapier die Oberfläche des Fußbodens regelrecht abschleifen.
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Deshalb ist ein Fußboden ein ständiger Pflegefall,
der einfach akzeptiert werden muss.
-
Hochglanz will immer Hochglanz sein !
-
Bitte noch einmal die bereits eingestellten Beiträge
durchlesen - oder fliegen lernen !
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Viele Grüße an die Hochglanz - Ramona, welche auch nicht ewig hochglänzend aussehen kann !





Hallo,

es geht nicht um Beratungsresistenz, und ich habe die Antworten gelesen - wenn diese mich nicht interessiert hätten, hätte ich wohl kaum meine ursprüngliche Frage und meine Nachfrage gepostet.

Ich hatte mir eben nur die Frage gestellt, welche Mittel es heutzutage gibt, den Boden glänzend zu bekommen. Früher ging das ja - und aus meiner Sicht würde ein glänzender Boden auch eher zu dem Haus bzw. den Räumen passen. Im allen anderen Rüumen machen wir ja auch einen geölten Boden.
Ich will hier kein Forum-War starten, und auch niemandem auf die Füsse treten, sondern hatte nur eine (Nach-)Frage gestellt.



Früher ging das ja ...



... aber nicht in der Bauernstube sondern in den Räumen, die von Bediensteten regelmäßig mit viel Fleiß und Schweiß auf Hochglanz gebracht wurden. Der Durchschnittsbürger hatte für so einen Anspruch keine Zeit und Kraft. Erst recht kein Dienstpersonal.

Geht heute auch noch: mit viel Fleiß und Maschine. "Pflegeleicht und resistent" waren die Glanzböden früher nicht und können sie jetzt genauso nicht sein.

Geölte Böden können mit einem Finish-Öl oder mit einem Fußbodenwachs durchaus auf Glanz gepflegt werden.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Früher…



… nahm man dies hier:

http://www.eichwaelder.de/Altes/glaenzer01a.JPG

oder Bohnerwachs!



Vor 100 Jahren...



...hat noch niemand glänzend lackiert, soviel steht fest.

Zu Nadelholz mit größeren Härteunterschieden zwischen Früh- und Spätholz passt Lack auch technisch nicht.

Letztlich ist ein geölter Boden viel pflegeleichter, weil er nicht geschliffen werden muß. Lack hingegen ist immer 'mal wieder zum Schleifen fällig.

Grüße

Thomas



Der einsame Rufer…



… natürlich herrscht im Fachwerkforum-Mikrokosmos die Einsicht, dass geölte Fußböden vorzuziehen sind, aber wenn man sich umhört, "beraten" lässt oder gar das Internet bemüht?

Selbst im Tischlerforum geht die Tendenz der Meinungen zum Lackversiegeln, auf den zahlreichen "Beratungsseiten" auf Baumarktniveau ist Versiegeln nach wie vor standard, bestenfalls wird ölen mit Osmo-Produkten als pflegeaufwändige!!! Alternative vorgestellt.
Bei Woodworker.de geht die Tendenz scheinbar zwar in Richtung ölen, aber welcher Konsument verirrt sich schon dahin?

Leider sind die "Argumente" der Industrie rhetorisch gut gemacht und sprechen die Sorgen der üblichen Bauherren viel eher an, als halbwissenschaftliche Fakten mit leicht arrogantem oder gar agressivem Unterton vorgetragen.

@Ramona: Warum "sollen" denn die Dielen jetzt überhaupt abgeschliffen werden, wenn alles gut war? Wie wurde denn vorher der Hochglanz bewerkstelligt? Dann macht es doch einfach wieder so.

Was den neumodischen Irrglauben nach Ungiftigkeit von Farben, nur weil sie wasserlöslich sind, angeht: Für Gewerberäume und Industrie gibt es 2k-Böden, die zwar während und kurz nach der Aufbringung übelst ausdünsten, aber danach auch strengste Normen bezüglich Gesundheitsschutz/Arbeitssicherheit erfüllen, mit anderen Worten, danach gibt es den selben Kunststoffboden wie mit acrylbasierten Lacken, nur deutlich härter.
Für Privatwohnungen sind mir diese Gesundheitsbestimmungen gar nicht bekannt, die Leute dürfen sich vom Prinzip her jeden Dreck auf den Boden oder an die Wände schmieren, den die Industrie anbietet.
Wenn Ihr Euch unbedingt den hochglanzversiegelten Boden antun wollt, fahrt danach doch einfach 3 Wochen in Urlaub, bis dahin dürfte es ausgedünstet sein, jeder Industrie-Teppich, auch die meisten in den Autos verpressten, gibt schlimmere Ausgasungen ab.

Oder schafft Euch Hauspersonal an, welches, wie vor 100 Jahren mit den alten Hausmitteln und viel mühseliger Handarbeit den Hochglanz immer wieder neu herstellt.
Zu meiner Kindheit war unser Altbau-Treppenhaus eine gefährliche Hochglanz-Rutschbahn. Ausgetretene ochsenblutrote Holztreppenstufen und alter Linoleumfußboden auf den Absätzen wurde durch unermüdlichen deutschen Hausfrauenfleiß stets glatt-glänzend gewienert. Wehe, man wollte mal eben in Socken eine Etage tiefer, zur Oma, blaue Flecken und Knochenbrüche…

Leider waren die damaligen Mittel geheim bzw. ich wollte es als Kind gar nicht wissen.



Geschenkt bekommt man nix!



heute wie früher kam der "Glanz nicht von ganz allein" und auch nicht von einem Hochglanzlack für Fußböden, das war die harte Arbeit der Hausfrau!

http://de.wikipedia.org/wiki/Bohnerbesen

Noch meine Mutter hat diese Hobby ausführlich gepflegt, später gab's mal als Geschenk einen elektrischen!

Nicht gepflegt wurde bei uns damit das Eichenstabparkett von Ende der 50er, das war nämlich lackiert, weil es modern und pflegeleicht sein sollte und sah bald an allen Stellen, auf denen kein Teppich drauf lag, entsprechend abgelatscht aus.

Die modernen Pflegesysteme für geölte Böden enthalten auch Bestandteile, die bei regelmäßiger Anwendung und ein wenig Nachpolitur ein mindestens seidenglänzendes Ergebnis ermöglichen.

In den Museen liegen nicht alte Pitchpine Dielen, sondern in der Regel Industrieparkett aus Harthölzen. Diese kann man mit Fußbodenöl ziemlich glänzend bekommen (siehe z.B. http://www.pallmann.net/nc/referenzen/)

Gruß G



Wenn nun mit dem Beitrag ...



... von Christian Bisping harte Lacke durchaus eine Empfehlung bekommen, dann möchte ich nochmal den Hinweis von Thomas Böhme verstärken: Es ist Pitchpine und kein Hartholz.

Gerne pflegen wir einen Mikrokosmos in Sachen Ölen. So klein ist der aber gar nicht mehr. Nicht umsonst versuchen "die Großen" immer mehr das Thema zu besetzen. Vor 20 Jahren wurde viel weniger geöltes Fertigparkett angeboten. Jetzt gibt es kaum eine Marke mehr, die das nicht hat. Ähnlich verhält es sich bei den Farbherstellern: Erst in den letzten 20 Jahren haben die sich besonnen und mischen wieder Öle.

Bei PitchPine wäre sachlich gesehen der Lack einfach keine gute Empfehlung - egal ob 2-K oder Baumarktqualität.

Grüße aus Frangn

Frank von Natural-Farben.de



Nachtrag zum Thema:



In der bunten Welt der Foren findet sich für absolut jede vorgefasste Meinung auch eine Bestätigung. Das gilt auch für das Tischlerforum, wo sich die sachverständigsten aller sachverständigen Sachverständigen wechselseitig gut finden. Eine gute Begründung, warum NADELHOLZ-Böden lackiert werden sollten, fand ich auch dort durch die Jahre nicht.

Sicherlich sind manche Ölprodukte nicht so gut wie andere. Über Probleme mit OSMO-Wachsölprodukten für den Fußboden findet sich in diesem Forum einiges, und auch, warum ich von ihnen abrate.

Seit 2004 habe ich den Lack an den Nagel gehängt, eben aus Gründen wie Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und Pflegeleichtigkeit. Natürlich sieht eine Lackfläche erstmal ultraclean aus. Sie muß aber, wie auch eine geölte Fläche, gepflegt werden. Bei mir privat sieht das so aus, daß in meiner Küche, vor rund 5 Jahren heißgeölt, jedesmal beim Wischen eine Spezialreinger in's Wasser kommt. Einfacher geht's auch bei Lacken nicht. Ein Lack wäre aber nach 5 Jahren Küchenbelastung vor Herd und Spühle schon durchgetreten, und das nächste Mal schleifen+lackieren+ausräumen+dreck+nutzungsausfall der Küche würfe seine Schatten voraus. Beim Öl ist nix durchzutreten, weil es keine Schicht AUF dem Holz gibt. Und auch das weitaus einfachere Nachölen (Grundreinigung+Nachölen ohne Abbau Einbaumöbel etc.) ist noch nicht dran.

Alles in Allem: Ein Fußboden ist keine Handtasche. Soweit Vernunft mit im Boot ist, spricht aus meiner Sicht alles für ein gutes Fußbodenöl. Lackieren ist möglich, auch mit Hochglanz. Die Nachteile dessen sollte man aber eben auch in Kauf nehmen. Wer alle paar Jahre umdekoriert, findet das Schleifen und Lackieren vielleicht ganz toll. Für mich (und meine Kunden) wäre es ein Graus.

Grüße

Thomas



Um Missverständnissen vorzubeugen:



Ich bin absolut kein Fürsprecher von Bodenversiegelungslacken, ich bemerke nur, dass die Lack-Lobby ziemlich präsent an allen Fronten ist und vor allem nicht wenig Einfluss auf verarbeitende Betriebe nimmt.

Somit braucht man sich nicht zu wundern, wenn es immer wieder Leute gibt, die Lackieren und Versiegeln des Dielen- oder Parkettbodens als die größte Selbstverständlichkeit ansehen. Diese Leute sind nicht beratungsresistent, sondern einfach nur falsch beraten. Leider scheint diese Art von "Beratung" trotz steigender Gegenstimmen immer noch in der Übermacht zu sein, auch in meinem Bekanntenkreis muss man immer wieder aufs Neue Überzeugungsarbeit leisten, im Hausgarten.net-Forum bin ich sogar schon zweimal wegen unerlaubter Schleichwerbung verwarnt worden, weil ich Natural-Produkte empfohlen habe.

Die Lack-Exkursion habe ich nur erwähnt, um dem Irrglauben, alles, was an Farben wasserlöslich ist, sei deshalb automatisch ungiftig und irgenwie gesund oder gar öko, entgegenzutreten.

In meinen Bunkerräumen habe ich direkt auf dem Sichtbeton einen transparenten Expoxidharzboden, der sieht auch nach Jahren noch aus, als stünde alles unter Wasser, also hochglänzend und trotz vieler Straßenschuhe und Bürostuhlrollen eigentlich keine sichtbaren Kratzer oder Laufspuren, aber so ein Zeugs würde ich niemals einem Holzboden antun, auch nicht oder erst recht nicht für industrielle Nutzung.



Es sind nicht immer...



...die bösen Lobbyisten der Industrie.

Generationen von Parkettlegern haben einfach nichts anderes gelernt als lackieren. Und der Parkettleger verdient ja auch an der Sanierung. Immer wieder.

Grüße

Thomas



Die wollen…



… auch nur Geld verdienen und dabei gehen sie ziemlich professionell vor. Kriterien wie gut oder böse würde ich da gar nicht ansetzen.