schwarze Wand !

12.01.2005



Hab gestern beim Stöbern den Beitrag von Annette (glaub ich zumindest, ich find ihn nämlich nicht mehr) gelesen und hätte dazu mal eine Frage. Auch wir haben unter dickeren Schichten (quadratmetergroße Plastikfliesenplatten unter denen der alte Putz in gr0ßen Brocken von der Wand fiel)sowas gefunden. Nachdem wir die Wände rundum und den Fußboden bis auf die Dielen freigelegt hatten war klar, daß das mal Rächerkammer gewesen sein muß -roch noch so und auf den Dielen klebte noch das runtergetropfte fett, echt lecker.Außerdem befand sich auf dem Speicher noch eine gemauerte Räucherkammer von ca. 6 m2, die, da es sich um handgeformte und nicht gebrannte Lehmziegel handelte vermutlich auch nicht mehr so ganz die neueste war.Der Raum mit den schwarzen Wänden ist nun mit 12 m2 nicht gerade klein, außersdem hatte er, was man durchaus ja auch zugemacht haben kann ein Fenster.Deshalb die Frage -wer kennt sowas noch und warum hat man das mitten ins Haus gebaut?War das damals so üblich? Warum so groß? Und wenn ich schon mal beim Fragen bin- gibt es eine Möglichkeit an mein Passwort zu kommen ich habs verschlampt . Außerdem Entschuldigung, wie ich gestern meine Frage gestellt habe und speichern wollte hab ich immer den Hinweis gekriegt das die Seite nicht verfügbar ist und nachdem ichs dann einigemale probiert hab und dann auf die Seite gewechselt bin hab ich dann festgestellt, das es trotzdem mehrere Male geklappt hat.
Grüße Gudrun schmidt



Herzlichen Glückwunsch zur Schwarzen Küche !



Hallo Gudrun Schmidt,
Sie wohnen in einem sehr alten Haus mit einer ehemaligen Schwarzen Küche. Das was Sie als 12 m2 große Räucherkammer inmitten des Hauses ansehen ist keine Räucherkammer, sondern die alte, ursprüngliche Küche mit einer offenen Feuerstelle. Die hatte nach oben einen offenen Kamin und sicher über dem Feuerplatz ein(ig)e Vorrichtung(en), an denen man die Töpfe und Kessel angehängen konnte. Bei schlechtem Wetter und Wind hat sich der Rauch oftmals auch im ganzen Raum verteilt, wenn er nicht abziehen konnte. Deshalb die Schwarzfärbung überall.
So haben unsere Vorfahren gelebt.! Möglicherweise war das ehemals auch die einzige Feuerstelle und Wärmequelle im ganzen Haus. Es muß also deutlich älter als 200 Jahre sein.
Die Frage ist: Wie gehen Sie mit einem solchen Fund um ?
Der alte Putz und die Mauern, Decke und Böden sind, wie Sie selbst schreiben, sehr stark versottet.

Freundliche Grüße
Dietmar



schwarze Küche



Da diese Küche auch unsere Küche werden sollte konnten wir das logischerweise so nicht lassen. Wir haben die Dielen entfernt - waren eh nur noch zum Wegwerfen gut und auch nur anders als andere Dielen im Haus durchgetretene Fichtedielen. Die Wände haben wir mal sehr vorsichtig an einer Stelle saubergeklopft mit dem Ergebnis das das ganze sich nur an der Oberfläche, vielleicht 4-5 mm tief bzw hoch bewegte.Da es uns interessiert hat wollten wir es nicht weghacken, sondern haben es hinter einer Rigipsschalung versteckt, es existiert daher noch . Das Haus selber ist von 1745, aber ich möchte ganz vorsichtig Zweifel an der schwarzen Küche anmelden. Das Haus ist gebaut worden als Altersitz für die Stiefmutter des Braunfelser Fürsten, der Dame behagt das allerdings nicht so das sie sich mit ihrer Abfindung drei Orte weiter ein kleineres Schloss (Format Fachwerkhaus mit Turm dran) gebaut hat. Danach ist der Hof als fürstliches Hofgut weiterbetrieben worden mit Zollstelle Brauerei, Gaststätte und was da in den letzten 250 Jahren noch anfiel.Hier oben im ersten Stack waren, zumindest falls die Überlieferung was taugt der große Saal, die"normale" Wirtschaft, ein großes Gästezimmer und gekocht wurde unten. Ansonsten ist das Haus gebaut wie viele hessische Bauernhäuser Flur und Treppenhaus Mitte, links Wohnstube, rechts Küche



Danke,



Vielen Dank, Gudrun Schmidt, für diese präzise Geschichtsbeschreibung. Auch wenn es mal ein Hochherrschaftliches Haus war, bleibt es eine Schwarze Küche. Einen sauberen E-Herd mit Ceranfeld hatte man freilich noch nicht. Und die Größe des Raumes spricht auch für die gehobene Gesellschaft.
Es erwartet auch niemand, daß Sie das alles rekonstruieren - obwohl es solche Althaus-Enthusiasten gibt. Denn deren Nachweise einer Schwarzen Küche sind heute nur noch spärlich. Deshalb oben meine Einführung mit einem Glückwunsch.
Die versotteten Schichten kann man freilich nur noch abtragen. Früher hat man alle paar Jahrzehnte mal wieder gekalkt.
Gutes Gelingen wünscht
D.Fr.



schwarze wand



Ich habe ja gar nichts gegen eine schwarze Küche einzuwenden. Als wir das fanden ist ja auch schon eine Zeitlang her, damals hatten wir andere Probleme, so daß die Wand uns eigentlich nicht so beschäftigt hat. Tut sie aber jetzt. Ich habe nach Ihrer Auskunft die noch lebende Kinder der urspünglichen Eigentümer abgegrast- war eine große Familie- die so altersmäßig Baujahr 1910 und 1915 sind und die haben erzählt, das der Raum immer als Daas -wie auch immer das in korrektem Hochdeutsch heißt sinngemäß ist es Darre- bezeichnet wurde.Solange die sich daran erinnern konnten war der Raum aber schon nicht mehr als solcher in Betrieb. Es existiert sogar ein Bild -was sich so alles findet wenn man nachfragt- das das Haus mit einem kleinen Schorstein so a la Bauwagenabzug zeigt. Das schließt naturlich nicht aus, das die ursprüngliche Wandfärbung durchaus einer vorherigen Nutzung als Küche herrühren kann, schließlich steht das Haus ja schon eine Zeitlang länger. Die Hausgeschichte ist im übrigen sehr gut dokumentiert zum einen dadurch das der Hof bei dem Fürsten in der Buchführung war und zum anderen die Familie meines Mannes seit etwa 1800 auf Pächter auf dem Hof saß und die ebenfalls sympatischerweise sehr aufzeichnungsfreudig waren.
Gebündelt, ausgewertet und zusammengefasst worden ist das ganze dann in der Ortschronik.
Vielen Dank, liebe Grüße, G.Schmidt