Küche mauern - Fachfragen

11.02.2014



Hallo Fachwerk-Communitiy,

ich lese immer fleißig mit und habe mir auch schon viele Anregungen zu natürlichen und atmungsaktiven Putzen hier geholt.
Nun steht aber mein neues Projekt an und ich komme nicht so richtig weiter.
Ich möchte meine Küche mit Klinkern mauern (hartgebrannte).
Gemauert werden sollten teilweise die Schrankwände und um den Herd herum.
Das Haus ist ca. 28 Jahre alt. Die Küche ist im Gartengeschoss, drunter ist also noch Keller. Ich habe einen schwimmenden Esstrich mit Fußbodenheizung.
Boden ist noch keiner drin, soll aber gefliest werden. Eigentlich wäre es schön, wenn der Boden direkt auch als unterstes Fach dient. Von daher wäre es also besser erst die Fliesen zu legen und dann darauf zu mauern. Geht das oder ist das unsinn und man mauert besser direkt auf den Esstrich?
Kann man ganz normal Mauern, also die Mauer mit Mörtel auf den Boden sowie an die Wand? Da das ein schwimmender Esstrich ist, habe ich Angst, dass es Risse gibt.
Ich habe hier im Forum bei einem Nutzer Lüftungsschlitze in den Mauern gesehen, benötigt man das zwingendermaßen und wenn ja, warum?
Herzlichen Dank schon einmal und viele Grüße
Melanie



Küche mauern



1. Zuerst die Küche fliesen lassen, am besten mit Feinsteinzeug.
2. Die Mauern setzen. Die ersten Schicht mit Ansetzbinder anlegen, dann mit Gips- oder Gips-Kalkmörtel mauern.
3. Vollfugig mauern, die Fugen nach dem Anziehen abbügeln und glätten.
4. Steine danach sofort trocken von Mörtelresten abputzen (trockene, harte Schwämme, geknülltes Packpapier o.ä.)
5. keine freistehenden Mauern setzen, immer an mindestens eine Wand anbinden bzw. über Eck im Verband mauern. Zur Verzahnung rostfreie Nägel in Fugenhöhe in die Bestandswand eintreiben.
6. Über Zwischenböden, Abdeckplatten o.ä. immer einen oberen Abschluß zur Stabilisierung setzen.
7. Nach dem Trocknen Fugen mit farblosem Einlassgrund imprägnieren.

Warum Gipsmörtel:
Er ist für Laien leichter verarbeitbar und reversibel. Ein paar Hammerschläge und das Zeugs liegt draußen wenn es nicht mehr gefällt. Die Fliesen bleiben dabei ganz.





Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für die schnelle Antwort und Entschuldigen Sie, die weiteren Fragen, ich habe zwar schon gemauert, aber das war eine ganz normale Außenmauer ohne schnick schnack, die noch nicht mal schön aussehen musste, weil sie eh verputzt wurde :-) und nicht solch ein Projekt im Innenbereich. Und da ich Fehler gerne im vorhinein auschließen möchte (kostet nur Geld, Zeit und ums Material ists auch immer schade) möchte ich so genau planen wir nur möglich.

Die Fliesen, also das Feinsteinzeug halten das Gewicht, also das übliche Küchenzeugs + die Mauern?
In den Fugen, also den Gips(kalk)mörtel müssen auch die Einlagebretter / Schubladen / Türen mittels kleinen Holzleisten befestigt werden. Dies ist Gewichtstechnisch für den Mörtel auch kein Problem?
Ist es langfristig für die Klinker besser, diese ebenfalls zu imprägnieren? Oder soll man dies besser lassen, Zwecks Mischung organisch / nicht organisch?
Was genau meinen Sie mit "oberen Abschluß zur Stabilisierung"?
Wie sieht es mit Dämmung aus, ist es notwendig zwischen Arbeitsplatte / Mauer oder bereits installierter Mauer / Ziegelmauer eine Dämmung anzubringen?



Mauer



Hallo Melanie,
ohne genaue Kenntnis wie das alles mal aussehen soll sind Tipps zu solchen Einzelfragen schwierig. Der Estrich sollte die Belastungen aus der Aufmauerung problemlos wegstecken können. Wie die Zwischeneinlagen befestigt werden können muß man vor Ort entscheiden. Es gehen z.B. jeweils zwei dünne Stäbe aus rostfreiem Edelstahl oder verzinktem Stahl, die in die Fugen eingelegt werden und über beide Seitenwände reichen. Solche Stäbe (Durchmesser ca. 10 mm) gibt es z.b. für Treppengeländersysteme aus Stahl als Meterware.
Mit oberem Abschluß meine ich eine obere Einspannung damit die Wände nicht oben frei schwingen können. Beim Herd wäre das eine Arbeitsplatte, der Küchenschrank erhält z.B. eine obere Platte aufgelegt oder wird bis unter die Decke straff gemauert.
Was das Aussehen betrifft:
Jeder Klinker hat nur eine gerade und glatte Seite neben beiden Kopffflächen. Das heißt wenn Sie die Wände halbsteinig als Läuferverband setzen (11,5 cm breit) dann sieht eine Wandfläche ordentlich aus, die andere nicht.
Wozu Dämmung?
Die Schrankfächer bleiben doch offen, oder?
Hinter dem Herd brauchen Sie keine Dämmung.



Last



Hallo Herr Böttcher,

und wieder vielen Dank für Ihre Antwort und Ihre Tipps.
Eine obere Einspannung ist auf jeden Fall überall vorhanden.
Bei den Befestigungsmöglichkeiten bleib ich vermutlich bei der Lösung mit den dünnen Holzleisten (ich kann mehr ausgleichen, falls die Mauer doch nicht 100% gerade wird)

Mir ging es eigentlich eher um die Traglast des Gipsmörtels, oder ob dieser nach ein paar Jahren bröckelig wird, und um die Traglast der Fliesen. Um den Esstrich mache ich mir auch keine Gedanken, der sollte 2 Tonnen locker wegstecken.
Dämmung damit sich der Schall nicht auf das komplette Haus überträgt?
Die meisten Schrankfächer bleiben offen, bei einigen kommt eine Türe davor.
Viele Grüße



Mauern



Warum sollte Gipsmörtel bröcklig werden? Er hat kein Verfallsdatum wie eine Packung Leberkäse. Geschädigt werden kann er durch ständiges nasswerden und statische bzw. dynamische Belastung. Beides sollte bei Ihnen nicht zutreffen.
Was für Schall soll übertragen werden? Ihre Teller klappern nicht im Schrank, außerdem gibt es zum Nachbarn (normalerweise) eine schalltechnische Trennung.
Da macht eine an die Wand geschraubte Ablufthaube mehr Krach denn die sendet Schwingungen aus wenn der Lüfter läuft.
Ihre dünnen Holzleisten müssen Sie befestigen, das wird schwierig. Es geht nur mittig in den Steinen, keinesfalls in den Fugen. Besser sind Winkelschienen mit Langlöchern, die lassen sich besser anbauen da die tragenden Schrauben nicht so lang herausstehen müssen. Bohren Sie nicht! im Schlagbohrmodus und mit wenig Druck.
8 mm sollte der max. Durchmesser der Löcher sein, besser weniger. Nehmen Sie deshalb lieber meinen Vorschlag.