Hausalter?

05.11.2010



Hallo an alle Forumsmitglieder,
da ich neu hier bin wollte ich mein Projekt nach alter Vätersitte kurz vorstellen. Ich habe mir vor wenigen Wochen einen Kindheitstraum erfüllt und einen alten Bauernhof gekauft. Er besteht aus dem Wohnhaus, Stallungen, Gesindehaus und Scheune. Beim Tapeten entfernen kam im Bad eine Spalierdecke mit herunter, und zum Vorschein kam eine teils sehr schöne Holzbalkendecke mit Lehmgefachen (hoffe es heißt so). Ein Drittel der Decke ist recht stark verrußt. Aus Gesprächen habe ich nun erfahren das unter dem Bad; in der Küche, früher eine "Esse" stand und darüber (1.EG) eine Räucherkammer. Dazu hätte ich eine erste Frage: Ist eine "Esse" mit einer "schwarzen Küche" vergleichbar? Anhand welcher Merkmale kann man ein ungefähres Alter des Wohnhauses festmachen? Würde mich über zahlreiche Vorschläge freuen.

Viele Grüsse
Dirk



Hausalter



Hallo Dirk,
Rauchhäuser , mit oder ohne schwarze Küche kenne ich aus folgenden Baujahren:
Rathaus Zierenberg : 1450(i)
Profanbau in Calden : ca. 1650 (i)
Eigenes FWH in Zierenberg :1707 (d)
FWH Oberelsugen : 1747 (i)

Wenn Sie das genaue Alter herrausfinden wollen , können Sie eine dendrochronologische Untersuchung machen lassen.

Aber auch an der Gefügetechnik des Fachwerks(wenn es Fachwerk ist??) kann man einiges erkennen.

Können Sie Fotos einstellen?

viele Grüße



Schwarze Küche



Hallo Dirk,

das klingt durchaus nach einer schwarzen Küche. Eine "Esse" ist/war eine zumeist offene Feuerstelle mit darüber angebrachtem Rauchabzug, der häufig in die Räucherkammer geleitet wurde.

Wo steht denn das gute Stück? Bilder wären schön, alles dokumentieren.

Gruß aus Wiesbaden,
Chrisoph Kornmayer



Das ging ja fix



Besten Dank für die schnellen Antworten. Das Haus steht in Lahnau. Hier ein Bild von der Baddecke.



...und...



hier ein Bild vom Fachwerk im Wohnzimmer.



Frage



@ Robert Göbel
Was bedeuten denn die Buchstaben in Klammern (i)(d)?

Viele Grüsse



Hausalter



Die Wohnzimmerwand scheint aus der Zeit vor etwa 1860 zu stammen.
Die Balken sind wohl handbehauen, es wurde kein Draht o.ä. zum Überspannen verwandt.
Einen weiteren Hinweis könnte das verwendete Ziegelformat geben.

Viele Grüße



Esse



ist meines Wissens nach die Bezeichnung für den Rauchfang über einer offenen Feuerstelle, heute immer noch über Schmiedefeuern zu finden. Der aufsteigende Rauch wird gefangen und wird über einen Schornsteinzug nach aussen geführt oder aber, früher in Bauernhäusern üblich, in eine Räucherkammer und von da nach draussen geleitet. Dort wurde Fleisch und Wurst durch kalträuchern haltbar gemacht.
MfG
dasMaurer





Sowas versteht man in der Eifel unter einer Schwarzen Küche, daher auch der Ruß an der Decke



(i) (d)



Hallo Dirk,
(i) bedeutet: informell belegt zb. Durch Inschrift.

(d) bedeutet: dendrochronologisch belegt.

viele Grüße





Hallo,
vielen Dank für die Informationen! Event. werde ich nächstes Jahr eine dendrochronologische Untersuchung durchführen lassen.

VG Dirk