Kriechkeller - Folienabdeckung über Erdboden/Kiesaufschüttung nachträglich anbringen?




Hallo zusammen,

vorab mein Dank an alle, die in diesem sehr hilfreichen Forum
schon etwas über das schwierige Thema Kriechkeller geschrieben haben und meine Bitte, sich rege an der folgenden Diskussion zu beteiligen.

Bei der von mir gekauften Immobilie gibt es eine Geruchsbelastung,
die wahrscheinlich durch den Kriechkeller entstanden ist.
Da dieser Geruch sehr störend ist, muss bei der Sanierung
also gründliche und nachhaltige Arbeit geleistet werden.

Das Gebäude ist auf einem Betonstreifen-/Punktfundament mit Holzbalkenlage gegründet.
Die den Holzfußboden tragenden Holzbalken sind noch in einem relativ guten Zustand.
Die darauf liegenden Spanplatten weisen von unten gesehen
jedoch z.T. erhebliche Feuchtigkeitsschäden auf.
Außerdem gibt es hier viele offene Fugen und eine lückenhafte Dämmschicht,
so dass sich die Feuchtigkeit überall ansetzen kann und der dadurch entstehende
Geruch fast ungehindert durch den Parkettfußboden hindurch nach oben dringt.
Eine komplette Erneuerung des Fußbodens oberhalb der tragenden Balken
ist also unumgänglich.
Für den Neuaufbau gibt es zwei Varianten, in jedem Fall sollen aber zementgebundene
Spanplatten mit glatter Oberfläche zum Einsatz kommen, um der Feuchtigkeit
möglichst wenig Ansatzfläche zu bieten.
Die zementgebundenen Spanplatten könnten entweder unter oder über den tragenden
Balken montiert werden. Das Anbringen der Spanplatten unter den Balken hätte sicher
den Vorteil, dass ein lückenloser und weitgehend feuchtigkeitsresistenter Abschluss
nach unten hin geschaffen werden könnte. Diese Arbeit in einer Kriechkellerhöhe
von ca ein bis anderthalb Meter zu verrichten ist sicher kein Spaß, aber möglich.
Die nächste Schicht würde aus einer etwa 24 cm starken Zellulosedämmung
bestehen, und darüber kämen dann z.B. OSB-Platten zum Einsatz.
Die Frage ist hier, ob noch eine zusätzliche Dampfbremse im Bereich über der
zementgebundenen Spanplatte erforderlich ist.

Nun nähere ich mich langsam der Titelfrage dieses Themas:
Im Streifenfundament gibt es 13 Lüftungsschächte á 20x10cm in folgender Anordnung:
an den zwei Längsseiten jeweils 5, an der einen Querseite 2 und an der anderen 1.
Parallel zu der weniger belüfteten Querseite steht (in 1,20m Abstand) ein zusätzlicher
(6m langer) Betonstreifen, der 1/10 der gesamten Grundfläche (12x6m) abteilt.
In diesem Betonstreifen gibt es nur zwei kleine Lüftungsöffnungen und keinen Zugang.
Der Gebäudeteil darüber hat einen Estrichboden und diente früher als Versorgungsraum
mit 1500L Öltank. Da dieser nicht mehr gebraucht wird, kann der extra Betonstreifen
und der Estrichboden in diesem Gebäudeteil abgerissen werden.
Dies hat mehrere Vorteile:
- die noch fehlende Lüftungsöffnung kann einfach von innen angebracht werden
- die in diesem Gebäudeteil bisher schlechte Belüftung wird zukünftig verbessert
- es kann ein geschlossener Holzfußboden ohne Materialübergänge hergestellt werden
Wenn man jetzt noch die Lüftungsschächte freiräumt (Farbreste auf den Lüftungsgittern
entfernt, Komposttonne wegstellt, Ziersträucher umpflanzt) ist eine hinreichende
Belüftung des Kriechkellers wahrscheinlich sichergestellt.

Besondere Sorgen muss man sich dann allerdings noch um die aufsteigende
Bodenfeuchtigkeit im Kriechkeller machen. denn leider gibt es bisher keine
Folienabdeckung auf dem Erdboden. Trägt man die etwa 20-25 cm hohe
hauptsächlich aus Kies, aber auch aus Sand bestehende Schicht auf dem
Kriechkellerboden ab, kommt harter und steiniger Lehmboden zum Vorschein.
Die Frage ist nun, ob es sinnvoll ist, eine Folienabdeckung auf der jetzt bestehenden
Kiesschicht nachträglich anzubringen und darüber eine weitere Kiesschicht aufzuschütten?
Damit wäre die aus dem Erdreich aufsteigende Feuchtigkeit jedenfalls umfangreich
abgeschirmt.
Das Problem dabei ist wahrscheinlich, dass das Wasser damit nicht weg ist,
sondern sich nur andere Wege der Verteilung suchen wird. Vermutlich würde so
die Gefahr entstehen, dass die Boden-/Luftfeuchtigkeit sich unter/über der Folie sammeln
und an deren Rand in die Betonsteine des Streifenfundaments einziehen könnte.
Vielleicht könnte man dies umgehen, wenn man die Folienabdeckung mit der horizontalen
Wassersperre im Betonstreifenfundament verbinden würde.
Hier gibt es jedoch zwei große Probleme:
- die aus Bitumenpappe bestehende Wassersperre ragt kaum aus dem Mauerwerk hervor
- die Bitumenpappe befindet sich über der ersten (sichtbaren) Betonsteinreihe und wird
an einer Stelle stufenförmig geführt, um das natürliche Gefälle im Gelände auszugleichen
Es gibt noch eine zweite Wassersperre über der letzten Betonsteinreihe bzw. unter dem
aus Beton gegossenen Rand des Streifenfundaments. Es ist jedoch nicht erkennbar,
ob die Bitumenpappe hier durchgängig vorhanden ist, da sie durch den Beton verputzt ist
und nur an bestimmten Stellen sichtbar wird, nämlich da, wo die tragenden Balken
aufliegen und da, wo die Lüftungsschächte nach oben hin begrenzt werden.

Hier ist nun der Rat von Experten erforderlich:
In den aktuellen Feldstudien zu Kriechkellern in unseren Breitengraden ist die Verwendung
einer weitgehend wasserundurchlässigen Folienabdeckung über dem Erdboden oft
die erste normative Regel für ein funktionierendes System.
Anders als bei der Neugründung stellt sich bei der Sanierung allerdings die Frage,
ob und ggfs wie diese Grundregel technisch überhaupt sinnvoll umgesetzt werden kann.



Kriechkeller abdichten



Eine kleine Skizze der Betonständerkonstruktion und der Lüftungsöffnungen hätte den Beitrag etwas abkürzen können...

Grundsätzlich richtig:
Feuchtebelastung vom Boden durch Abdichtungsfolien reduzieren.
Es ist dabei nicht so, daß die Feuchtigkeit sich dann andere Wege sucht.
Eher wie im Boot:
Wenn das Leck geschlossen wurde ist das Boot dicht,
Wenn's noch ein Loch gibt muß dieses auch abgedichtet werden.

Wenn aufgrund der örtlichen Verhältnisse und evt enger Umgebungsbebauung keine genügende natürliche Belüftung erfolgt sollte ggf die Anzahl der Öffnungen reduziert werden und eine feuchte/temperaturgesteuerte motorische Zwangslüftung erfolgen.

Zumindest die Öffnungen verschließbar machen, sodaß bei ungünstigen Verhältnissen der Zutritt wärmerer, feuchterer Außenluft verhindert werden kann um die Entstehung von Kondensationsfeuchte zu vermeiden.

Es ist äußerst unwahrscheinlich, daß Feuchtigkeit in den Betonsockeln weiter aufsteigt.
Das läßt sich ggf durch eine einfache Vergleichsmessung oder Versuch feststellen.
Zementgebundene Spanplatten (Betonyp, Cetris o.ä) hatte ich schon in anderen Beiträgen als feuchtebeständige Platten empfohlen und sind auch hier eine Möglichkeit.
Allerdings sind die nicht diffusionsdicht und stellen keine Feuchtigkeitssperre dar.

Die Luftdichtung sollte besonders sorgfältig vorgenommen werden.

Sofern konstruktiv möglich wäre es günstig, die Holzträger etwas anzuheben, um darunter zB eine durchgehende EPDM-Plane als Feuchtigkeitsabdichtung zu verlegen.

Andreas Teich



komfortabler Kriechkeller...



1 bis 1.5 m ? Wie feudal, unter meinem Haus in Kalifornien konnte man wirklich nur robben.

Die Spanplatten haben vielleicht das gleiche Geruchsproblem wie es oft bei älteren Fertighäusern auftritt. Was ist zwischen dem Fertigfussboden und den Spanplatten - irgendeine Schüttung ?

Die Lüftung des Kriechkellers scheint mir fast schon exzessiv. Druckunterschiede zwischen Wohnbereich und Keller werden feuchtwarme Luft aus dem Innenraum nach unten saugen.

Bitte die Suche mit Stichwort Kriechkeller bemühen, ich habe hier schon einschlägige Links gepostet, die ich nicht nochmal raussuchen will...

Mein Vorschlag:

Neuer Fussboden (z.B. Massivholzdielen direkt auf die Balken)

Dämmschüttung z.B. Blähton, Perlit oder Zellulose.

Zementgebundene Platten statt den Spanplatten klingt gut

ev. noch etwas Dämmstoff (z.B. Untersparrenfilz) unter die zementgebundenen Platten (keinen cm verschenken) - wenn oben wirklich 24 cm Dämmung sind, kann man sich das aber sparen.

Von unten diffusionsoffenes Windpapier antackern und an die grossen Querbalken kleben, dann wird es nicht mehr durch die Konstruktion ziehen.



Fußbodenaufbau



Sie tauschen bei diesen Varianten Not gegen Elend.
Eine Dampfsperre auf die kalte Außenseite zu bringen ist, je nach Dämmung, Raumnutzung und Belag, mehr oder weniger falsch.
Mein Vorschlag:
Die Decke bis auf die Tragbalken und Unterzüge strippen.
Als Fehlboden statt der diffusionsarmen Spanplatten klassisch Rauhspund einlegen.
Darauf eine diffusionsoffene Winddichtung tackern und kleben.
Die Zwischenräume können mit kapillaraktivem Dämmstoff aufgefüllt werden.
Auf die Balken eine, besser zwei Lagen feuchteresistentes OSB ( 28 bzw. 2 x 15 mm mit versetzten Fugen) mit verleimten Fugen und Randabdichtung verlegen.
Darauf dann den geplanten, gedämmten Fußbodenaufbau setzen.
Variante a) Dielung:
60 mm trittfeste Holzfaserplatten mit eingelegter Lattung, Dielen, geölt.
Variante b) Fliesenbelag:
Wedi- Bodenplatte o.ä. ca. 60 mm,
Abdichtung,
Entkopplungsmatte,
Fliesenbelag.
Variante c) Estrich:
Holzfaser- Bodenplatten ca. 40 mm,
Wellpappe,
Gußasphaltestrich.

Die Lüftungsöffnungen müssen offen bleiben.
Im Sommer kann da eine Menge Luftfeuchte über die Außenluft eingetragen werden, die kondensiert aber in der Regel an den kühleren Betonteilen und dem Kies.

Ich kann Ihnen noch eine Billiglösung anbieten: Alles in der Decke bleibt wie es ist.
Alle Lüftungsöffnungen bis auf zwei schließen, auch den Einstieg!
In eine Öffnung einen sensorgesteuerten Lüfter einsetzen der gezielt bei Feuchteanfall und abhängig von der Außentemperatur für einen Luftaustausch durch Überdruck sorgt.



Bodenabdeckung



Besten Dank an Andreas Teich, yogumon und Georg Böttcher
für die vielen nützlichen Ratschläge.

Wenngleich die zementgebundenen Spanplatten hier auch gute Kritiken erhalten haben,
scheint die Meinung zu überwiegen, dass man über den tragenden Balken
Massivholzdielen bzw. Rauhspund montieren sollte.
Dies hat auch der Zimmerer meines Vertrauens vorgeschlagen - damit ist das ja
schon fast entschieden. Die hier gegebenen ausführlichen Tipps zum Fußbodenaufbau
können ihm vielleicht auch als weitere Anregungen dienen.

Ich denke auch, dass die feucht gewordenen Spanplatten als Hauptursache
für das Geruchsproblem angesehen werden können - die lückenhaft darüber liegende
Dämmschicht besteht übrigens aus einer Art Glaswolle.
Diese Sichtweise hat einen großen Vorteil: werden die Spanplatten entfernt,
verschwindet auch der Geruch, Not und Elend vorbei.

Ich möchte jetzt noch einmal auf die Bodenabdeckung zurückkommen.
Es ist geplant, die momentan vorhandene Kiesschicht zunächst abzutragen,
dann eine Folienabdeckung auf dem Erdboden anzubringen und schließlich den Kies
darüber wieder zu verteilen. Soweit ich weiß, soll die Folie dabei aber nur am Rand
des Betonstreifen-/Punktfundaments locker anliegen ohne spezielle Befestigung.
Um noch einmal das Bild vom Boot und Schließen von Lecks aufzugreifen:
Ergibt sich hier an der Schnittstelle zwischen Folie und Betonsteinen
nicht noch ein weiteres Loch, das auch abgedichtet werden muss?

Im übrigen ist mir noch nicht ganz klar geworden, ob das nachträgliche Anbringen
der Folienabdeckung auf dem Erdboden wirklich konsensfähig ist.

Für weitere Stellungnahmen in dieser Richtung wäre ich sehr dankbar.

Hier noch der Hinweis, dass in meinem Profil noch weitere Bilder
zu dem betreffenden Kriechkeller vorhanden sind.



Folie auf dem Boden



Halte ich für unproblematisch. Müsste aber ziemlich solide sein damit sie nicht sofort perforiert wird, wenn man über den Kies läuft.

Für einen feuchtebelasteten Holzschopf habe ich 0.5 mm PVC Teichfolie auf den Erdboden verlegt, darüber Geotextil-Vlies als Schutz, Splitt zum Ausgleich und Gehwegplatten. Ist bis jetzt "furztroche" wie man hier so schön sagt.

Eine andere, etwas aufwendigere Variante wäre eine einfache PE-Folie, darüber ein paar cm Magerbeton. Wenn der Fussboden oben rausgerissen wird, wäre das vielleicht gar nicht so mühsam. In den USA nennt man das "rat slab", weil es Getier vom Graben abhält.