Dielenerneuerung über Kriechkeller

02.01.2003



Moinmoin,
zwar sind auch wir nicht Eigentümer eines Fachwerkhauses, , allerdings bewohnen wir ein 80 Jahre altes Bauernhaus. Im Zuge der Renovierungsarbeiten stellt sich bezüglich des Fußbodenaufbaus die Frage, ob moderne Isolierungen eingebaut werden sollen oder unter Berücksichtigung des Hausklimas und der Bausubstanz der alte Fußbodenaufbau wieder hergestellt werden soll. Vom Sägewerk und unserem alten Zimmermann bekommen wir unterschiedliche Ratschläge, ein befreundeter Architekt ist unschlüssig. Vielleicht kann uns hier jemand einen Ratschlag geben.
Das Haus ist mit Doppelklinkerwand gemauert. Es liegt ein dauerhaft belüfteter Kriechkeller von 90cm Höhe vor, dessen Untergrund Sand ist . Die Fußbodenbalken haben eine Dicke von 19 cm, Abstand ca. 70 cm. Auf den Balken ist ein Blindboden genagelt, auf dem wiederum die Fichtendielen aufgenagelt sind. Zur Isolierung ist unter dem Blindboden zwischen den Balken im Abstand von ca. 5 cm eine weitere Bretterschicht angebracht. Der Hohlraum war/ist mit Torf o.ä. gefüllt. Den schadhaften Dielenboden wollen wir gegen Eichendielen aus eigenem Bestand austauschen. Zum Aufbau des neuen Bodenbelages nun meine Fragen:
1. Sollte man lediglich den Dielenboden austauschen und die bisherige Isolierung ausbessern, um den Feuchtigkeitshaushalt des Gebäudes nicht zu beeinflussen?
2. Oder sollte man den Fußbodenaufbau bis auf die Balken entfernen und unter Einbringung von Schweißbahnen und Dämmung nach dem Stand der Technik wieder aufbauen?
Bezüglich Variante 2 befürchte ich Probleme mit Feuchtigkeit an den Außenwänden und den Balken.
Für Meinungen oder einen Rat wären wir dankbar.

Herzliche Grüße,
L-E. Weinland



Lüftung



Wenn die Belüftung des Kriechkellers gewährleistet werden kann, ist die erste Lösung mit Erhalt der Torfschüttung ziemlich gut. Sollte es zu Nassfäulepilzem an der Dielung gekommen sein, ist diese zu entfernen. Da eine Schweißbahn in diesem Fall keinen Stand der Technik darstellt, kann Variante zwei zu den vermuteten Problemen führen.



Dielenerneuerung



Hallo,
ich würde die erste Variante beibehalten, aber einen Dämmstoff benutzen der Zugelassen ist als Trockenschüttung: z.B. Perlite,Hanf oder Flachs.



Kriechkeller



Hallo Herr Weinland
zunächst ist es sehr schade, daß Ihr Architekt sich unschlüssig ist. Schließlich sollte er doch der jenige sein, der diese Arbeit für Sie macht.
Ich selber studiere Architektur und bin gelernter Zimmermann. Die kleine Zimmerei meines Vaters hat sich schon vor 15 Jahren auf den Bau von Niedrigenergiehäusern mit Kriechkeller spezialisiert. Mein Interesse daran ist also groß.
Ich möchte auch nochmal sagen, daß sich der Stand der Dinge ständig ändert , und viele gute Dinge sind im Zuge der Industriealisierung in Vergessenheit geraten, aber nicht weil sie bauphysikalisch oder klimatechnisch schlecht waren.
Ich forsche selber gerade in dieser Richtung. Meine Vermutung ist, daß der Kriechkeller gerade klimatisch Vorteile gegenüber der mittlerweile gängigen Betonsohle hat.
Ich kann Ihnen darüber aber noch keine wissentschaftlich bestätigten Angaben machen, nur daß in USA gerade daran geforscht wird laut Frauenhofer Institut.
Was das für Sie bedeutet ?
Grundsätzlich ist gegen diese Art des Bodenaufbaus nichts einzuwenden.
Eine funktionierende Dämmung in der Balkenlage mit einer angemessenen Belüftung des Kriechkellers vorrausgesetzt, sollten Sie dabei bleiben. Ich möchte sie daher dazu ermutigen sich jemanden, vielleicht einen alten erfahrenen Zimmermann oder einen jungen aufgeschlossenen Architekten zu suchen. Aus Rücksicht auf die Charta von Venedig, sollten sie sorgsam mit dem Bestehenden umgehen, gerade bei einem alten Fachwerkhaus, eventuell könne Sie dann sogar Zuschüsse bekommen, wenn es für denkmalpflegerisch wertvoll erachtet wird.
Da kann Sie sicherlich auch ein Architekt beraten. Ich würde Ihnen zu ersterem , also einer reversiblen Einbringung der neuen Dielen und einer Ausbesserung , eventuell zu einer unterseitig seperaten Ergänzug der Dämmung raten.
Was die zweite Variantre belangt ist mir unklar wie denn dieser Aufbau aussehen soll. Schweißbahnen werden in der Regel bei Anwendung von Beton/Estrich in Verbindung mit Holz benutzt.

Grüße Michael Johl