Feuchtigkeit im Erdgeschoss

31.08.2006



Liebe Fachwerk-Fangemeinde.

Heute brauche ich Eure Hilfe, bei einem "kleinen"? Problem.

Der Vorbesitzer unseres, 1697 gebautem Fachwerkhauses, hatte irgendwann die Idee, die Dielung im Erdgeschoß mit mehreren Lagen Dachpappe und einem Teppichboden zu bekleben.
Die Außenwände wurden zusätzlich 80 cm hoch verschalt und mit Lackfarbe gestrichen.

Natürlich mit dem Erfolg, daß 1. die Dielen durchgefault & 2. die Außenwände naß sind!

(natürlich ist das Haus nicht unterkellert)

Wie gehe ich das Problem denn nun an?

Mittlerweile habe ich die Dielen nebst Unterbau rausgerissen und auch die Außenwände zum trocknen freigelegt.

Die Vorschläge aus meinem Bekanntenkreis reichen vom Unterfangen des Schwellbalkens – gießen eines Betonbodens bis hin zum Lehmsockel an den Außenwänden!

(leider besitzt keiner meiner Bekannten ein Fachwerkhaus mit Lehmwänden und somit die nötige Erfahrung)

(ach ja – natürlich ist das Haus auch unter Denkmalschutz! Warum???
Schließlich wurden für das Haus Kunststoffenster, Betondachziegel, ein Terrassenanbau von der 1. Etage zum Garten ... und andere z.T. kuriose Sachen genehmigt!?)


Danke für Eure Hilfe


Mario Bauer



jedenfalls sollten nicht wieder die gleichen Fehler gemacht werden!



hier mein Vorschlag zum Fußbodenaufbau:
1.auf gewachsene Erdschicht ca 10-15 cm grober Schotter oder Filterkies aufbringen(eine sog. kappilar brechende Schicht).
2. das ganze gut verdichten
3. zur Wärmedämmung einen Kork-Kalkestrich d=15 cm (eine Mischung aus Korkgranulat Körnung 4-12mm + Trakalk als Bindemittel + gewaschener Sand Körnung 0-8mm. im Betonmischer mit Wasser angerührt und wie Beton eingebaut)in einem Guß aufbringen
4. nach Trocknung können Lagerhölzer H=ca 4-6cm aufgelegt werden.
5.Zwischenschüttung mit ca 5cm Korkgranulat
6. Dielenboden auf Lagerhölzern fixieren.
wichtige Lüftungshinweise: unter dem Dielenboden ca 15 mm Luft zwecks Feuchtezirkulation belassen! Fuß-Randleisten entsprechend hinterlüften! Kein Kontakt des Dielenbodens mit der Außenwand!
Wenn die Wände wieder trocken sind, empfehle ich dort einen neuen Kalkputzauftrag.
Weitere Infos zum Kork-Kalkestrich finden Sie hier in anderen Forumsberichten.
Viel Erfolg!



natürlich müssen die verfaulten Holzschwellen ausgetauscht werden!





Hallo Herr Schillberg,



ich habe etwas Sorge bei Ihren Empfehlungen mit Kork im Fußboden.
Kork fault sehr schnell, wenn dieser ständig Feuchtigkeit ausgesetzt ist. Es gibt auch keinen dampfdichten Beton, denn sonnst würde der Stahl im Beton auch nicht rosten.
Wenn es auch eine Zeit dauert bis der Kork fault, so würde ich (genauso bei anderen organischen Baumaterialien) davon abraten.
Die Schimmel,- und Bakterienzucht ist vorprogrammiert.
.
Da gibt es auch andere Zuschlagstoffe (z. B. Perlite oder Schaumglas) die anorganisch sind und somit nicht faulen.



@Herrn Bromm zum Thema Kork und faulen etc.



der beschriebene Kork-Kalkestrich wird nachweißlich seit ca 1840 -wahrscheinlich einige Jahrzehnte länger -im Bauwesen angewendet.(einschlägige Fachliteratur steht mir hier zur Verfügung). Da unsere Kunden seit über 16 Jahren den Korkestrich ausschließlich mit Korkgranulat aus Naturkoreknrecycling herstellen,(Weinkorken, die im feuchten Keller liegen,Schimmel ansetzen etc) haben wir den Extremtest in Sachen "Kork fault?" hinter uns. Außerdem wirkt der Traßkalk fungizid vorbeugend.
Das von Ihnen vorgeschlagene Perlite ist nach meiner Erfahrung in Feuchtkellern höchst problematisch, da Perlite-ähnlich wie Blähton-Feuchte kapillar aufnimmt und speichert. Ich hab das an einer Baustelle mit üblen Folgeschäden live erlebt: nach 3 Jahren wucherte der Hausschwamm! Bei Blähglas ist das ganze noch ne Nummer problematischer: da das Zeug total dampfdicht ist,kommt es sehr schnell zu Folgeschäden durch Feuchtestau!
Da bleibe ich doch lieber beim Kork,der sogar Hochwasserschäden schadlos übersteht.



Wenn Kork und Kalkestrich halten was Sie versprechen ist das OK, aber ...



der Schluss daraus ist merkwürdig.
Sie wollen doch damit nicht sagen, dass deswegen der Hausschwamm entsteht. Da schießen Sie ordentlich daneben.
Das Wachstum hat damit nichts zu tun, dies hat ganz andere Ursachen.
Und das mit der Feuchteaufnahme muss man auch relativeiren.
Woher sollte denn die Feuchte kommen, doch nicht vom Perlite?
Ich bin kein Vertreter davon, sondern die Feuchte kommt entweder aus dem Erdreich oder auch von innen. In beiden Fällen braucht es eine Diagnose und auch eine Lösung.
Wenn von außen, dann sollte eine Abdichtung erfolgen. Diese kann auch innen aufgebracht werden.
Wenn das Problem von innen kommt, na dann reduziert man die Feuchte. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Eine davon ist ein Luftentfeuchter die andere ist gesteuert zu lüften.
Das mit foamglas ist auch ein Lapsus. Hier verwechseln Sie Ursache und Wirkung. Ob eine Wand - egal mit was für einen Verputz oder einer dampfdichten Beschichtung belegt ist, ändert am Feuchtegehalt der Wand überhaupt nichts.
Eine Wand atmet nicht!
Und glauben Sie nicht an das Märchen, dass sich in dder Wand etwas verändert nur weil die Oberfläche dicht ist.
Entweder die Kapillaren sind voll oder nicht.
Beispiel: Die Kapillaren sind nach mehreren Jahren gefüllt. Es gibt keine Veränderung im Querschnitt, wenn in-nen alles dicht ist. Außerdem entfällt, durch die dichte Folie oder auch Foamglas oder was auch immer, der Feuchteanteil über Tauwasser.
Wenn innen nichts mehr verdunsten kann, steigt die Feuchte um so höher auf?
Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten über den Weg der Feuchte. Wie bereits erwähnt: Ist die Mauer erst einmal gesättigt, kann ein Nachwandern nur erfolgen, wenn etwas verdunstet. Dies geschieht normalerweise sowohl nach innen wie nach oben. Wenn ein Abdichtung in der Mauer (im Querschnitt) fehlt, sollte eine eingebaut werden. Diese Leistung ist völlig unabhängig von der Maßnahme einer Innenabdichtung.
Anders verhält es sich im Querschnitt auch nicht durch eine verputze Oberfläche. Hinter jedem Verputz bleibt es auch feucht.
Dies ist bei Kellerwänden auch oft gewünscht. Dies deswegen, weil sonst die Salze durch Kristallisation einen Schaden anrichten können und die Oberflächen zerstört werden.
Die grobe Skizze zeigt den Wandquerschnitt mit gefüllten Kapillaren.
Was soll sich da innen ändern? Es dauert Jahre bis die Feuchte durch eine Wand über die natürliche kapillare Wanderung innen ankommt.
Es würde nur was nachwandern, wenn innen etwas verdunstet!



@Herr Bromm, bei Dieser Anfrage geht`s um einen Fußbodenaufbau



über Erdreich. Also nicht um Kelleraußenwände.
Die Pilzsporen waren natürlich im Erdreichboden (inaktiv) vorhanden,und wurden im feuchten Lebensmilieu der kapillar vollgesogenen Bodenfüllung aus Perlite schnell aktiv.
Das gleiche hab ich mehrfach bei Blähton erlebt.