Emmissionsarme dauerelastische Kunststoff-Trittschalldämmungen?

05.05.2009



Hallo zusammen,

altes Thema, neuer Fragesteller :-)

Beim recherchieren nach möglichen Lösungen zur bestmöglichen Trittschallminimierung für meinen alten Dielenboden, bin in auf diverse Kunststoffgranulat Erzeugnisse gestossen.

Die sehr hohe Dichte dieser Materialien (ca.900kg/m³)sind im Vergleich zu Kork und Styropor hinsichtlich der Schallabsorbtion ja schon von Vorteil.

Beim Stöbern im Netz bin ich z.B auf das Material "DAMTEC whisper" gestossen, und bin von dessen Materialeigenschaften recht überzeugt.

Allerdings ist der Emmissionsprüfbericht des Materials von 2001, und ich bin mir nicht sicher, ob, und in welcher Menge giftige Phthalate (Weichmacher, welche angeblich wie Hormone wirken, und unfruchtbar machen sollen) dort eingebracht wurden.

Nun meine Fragen:
Hat jemand von euch Erfahrungen mit solchen Materialien aus Kunststoffgranulaten (vgl. Waschmaschinenunterlage) als Trittschalldämmung?
Kennt jemand evtl gleichwertige Erzeugnisse mit aktuellen Emissionsprüfberichten für bis zu 10Euro/qm?

Bitte keine Grundsatzdiskussion, dass der Dielenboden doch grundsätzlich erhaltungswürdig wäre. Meiner ist es leider nicht.

mit freundlichem Gruss
Hans





Hallo Hans,

so ganz kann ich mir das noch nicht vorstellen. Wie sieht den der bisherige Deckenaufbau aus (Holz, Schüttung, Beton, Estrich ...??) und wie der in Zukunft geplante?

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Momentan ist der Boden folgendermaßen aufgebaut:

- Holzbalkendecke ( mit Koksschlacke Füllung in den Zwischenräumen)
- Holzdielen (direkt auf die Balken genagelt)

Der neue Laminatboden soll nun von dem Holzdielenboden entkoppelt werden.
Also soll auf den vorhandenen Boden:

- Trittschalldämmung mit hoher Dichte
- doppelseitiges Klebeband
- Laminatiboden

aufgebracht werden. Durch das Verkleben mit Klebeband auf einer dauerelastischen Unterlage erhält der Laminatboden zusätzlich Gewicht, und bleibt dennoch schwimmend und schallentkoppelt verlegt.

Da mich weder Styropor noch Kork bisher nicht überzeugen konnten (zu geringe Dichte), suche ich nach Alternativen.
Diese Kunststoff Erzeugnisse, die ähnlicher Konsistenz wie die Waschmaschinenunterlagen im Baumarkt sind, scheinen recht geignet zu sein.
Lediglich mögliche Emmissionen von toxischen Stoffen lassen mich noch zögern.

Diese Waschmaschinenunterlagen schon einen arg unangenehmen Geruch. Und 120qm von dem Zeug unter dem Laminat könnten in den Wohnräumen schon ein Problem werden.
Möglicherweise sind die Materialien, die für Trittschalldämmungen verwendet werden, geruchsneutraler.
Aber da ich mich nicht auskenne, dachte ich es frage mal ob jemand Erfahrungen mit anderen Trittschalldämmungen hat, ausser denen, die in Baumärkten verkauft werden :-)

Hier mal ein link zu solchen Produkten:
http://damtec.kraiburg-relastec.com/kraiburg/live/damtec/dam_navi/powerslave,id,11,nodeid,11,site,Produkte,_language,de.html

Auf Anfrage wurde mir ein Emmissionsprüfbericht für Damtec whisper übermittelt. Aber der ist leider von 2001 und damit m.E nicht mehr ausreichend aktuell.

MfG
Hans



Trittschalldämmung



Hallo,

scheint im Normalbetrieb zu funktionieren, Kunststoff ist darin nur der PU-Kleber, der alles zusammenhält. Der Rest ist "Quasi-Bio": Gummi und Kork.
Bedenken:
1. PAk-Anteile im Gummi schlecht für Mensch beim Anfassen
2. Im Brandfall Wirkung wie Autoreifen, da nützt auch B2 nicht.
Ich frag mich, wieso das Zeug in Wohnungen alleine deshalb nicht verboten wird.

Grüße



Trittschalldämmung



Hallo Hans,
Wofür brauchen Sie eigentlich so eine hohe Schalldämmung?
Wie sieht die Deckenoberfläche jetzt in Bezug auf Ebenheit aus?

Viele Grüße





Nunja, wir haben die untere Etage vermietet, und ich bin manchmal nachtaktiv.
Ich bin mir im klaren, dass ich keine 100%ige Schallisolierung erreichen werde.
Aber ich möchte wenigstens die beste Lösung, die ich mit meinem Budget erzielen kann.

Ebenheit ist leider keine Eigenschaft meines Dielenbodens.

Augenscheinlich ist er schon gerade, aber wenn man eine 2,5m Wasserwage auflegt, sind die Wellen im Boden deutlich zu erkennen. Wohlmöglich muss ich noch mit Ausgleichsmasse vorarbeiten.

Aber mir geht es an dieser Stelle nur um diese Granulatmatten.

Mich wundert es einfach nur, dass es kaum Erfahrungsberichte über solches Material gibt.

Lediglich die Produktinformationen der Hersteller. Und die erzählen einem ja bekanntlich was vom Pferd...

Is ja toll wenn das Zeug super den Schall isoliert. Aber sollte ich dafür tagein tagaus ausdünstende Weichmacher einatmen müssen, wäre das kein besonders guter Kompromiss.

Niemand hier, der solch ein Material mal verlegt hat?

Was würdet ihr verwenden? Kork?

Gruss
Hans



Trittschalldämmung



Mir ist dieses Material im Geschoßwohnungsbau nicht untergekommen und weiß daher nicht, ob das Material überhaupt im Wohnungsbau zugelassen ist.
Der angegebene Markenname war bei Google nicht zu finden.

Ich empfehle Ihnen, lieber bei den bewährten Methoden und Materialien der Deckensanierung zu bleiben, wenn es denn erforderlich sein sollte.
Schon der Höhenausgleich kann nämlich bei Ihrer Variante noch mal richtig Geld kosten (Ohne diesen Ausgleich sind Laminatelemente nicht sauber zu verlegen).
Bewährt haben sich z.B. Trockenestrichelemente, schwimmend auf einer Schüttung verlegt. Die alten, kaputten Dielen müssen natürlich vorher raus, die Schüttung bitte drinlassen. Ein Ausgasen von Aromaten ist hier nicht gegeben.
Eine Alternative sind neue Dielen, aber dazu gibt es bestimmt noch Hinweise der Holzfraktion zur schalldämmenden Verlegung.
Vergessen Sie nicht, das bei allen diesen Varianten zu einer Erhöhung des Fußbodenaufbaues um mehrere Zentimeter kommen wird. Das macht sich an den Türen bemerkbar.

Viele Grüße



Alte Dielen sind...



...in aller Regel, da hat Georg völlig recht, für die direkte Verlegung von einer dünnen Trittschalldämmung + Laminat ungeeignet. Das Hohlliegen vieler Partien ist nicht vermeidbar, damit auch Schäden vorprogrammiert. Betrachten Sie sich doch bitte mal die bedauernswert dünne Feder eines 8 oder 12mm starken Laminates.

Zudem ist gerade Laminat aufgrund seiner harten Oberfläche besonders laut (klack, klack, klack). Manchmal scheint mir, der dünne Trittschallschutz wurde von einem Laminathersteller erfunden. Lassen Sie doch bitte den mit Holzimitaten bedruckten Sondermüll bei Obach oder Hornbi. Auch Laminate sind Quellen für Emissionen. Für die eigene Wohnung keine gute Wahl.

Sollten nur geringere Unebenheiten auszugleichen sein, können offene Dielenfugen mit Schaum-PE-Schnüren geschlossen werden, der Boden grob überschliffen, und dann mit einer faserarmierten Ausgleichsmasse überspachtelt werden. Darauf sollte denn aber zumindest ein Fertigparkett. Geölte Oberflächen sind etwas leiser als lackierte, und sie können die Raumfeuchte ein klein wenig regeln. Rollkork wie auch 5mm Holzweichfaserplatten sind unbedenkliche Unterlagen dafür.

Unebenheiten zu groß? Nivellierte Verlegung von OSB 25, weiter wie oben.

Soweit der Statiker mitspielt, ist auch die entkoppelte Verlegung massiver Dielenböden auf der Balkenlage durchaus möglich.

Gutes Gelingen wünscht

Thomas



Hier wäre...



der Link zum flüsternden Damtec:

http://www.bautechnik.rrg.de/kataloge/katalog_trittschallschutz.pdf

mir kommt's wie eine werbetechnisch aufgepeppte Bautenschutzmatte vor. Im Text steht denn auch genau das, was ich oben schrieb (ideale Grundlage für die Dämmung dünner, harter Fußbodenbeläge). Über ein spezielles Klebeband (Emissionen?) wird die Matte mit dem leichten Oberbelag verklebt und erhöht somit dessen Masse. Wo man das eine nicht will, braucht man das andere nicht.

Das löst keine Begeisterung aus, es gibt Besseres.

Grüße

Thomas



Hmmm...



Ich habe mir mal die Seite mit den Eigenschaften von Damtec Whisper angesehen.

Ich hätte auch Vorbehalte wegen des Materials - auch wegen der nicht spezifizierten Eigenschaften bezüglich Feuchtetransport.

Ich habe schon in einigen Zimmern erfolgreich die 5-6 mm dicken Platten aus Pappe eingesetzt. 3 mm sind im Altbau zu dünn. Wichtig ist auch, dass man nicht das dünnste Laminat nimmt.

Wenn Du Dielen darunter hast, ist es wichtig, diese Dielen VOR der Verlegung vernünftig am Untergrund zu befestigen (schrauben) (wo dies nicht mehr der Fall sein sollte). Sonst hast Du knarrende Dielen. Das hört man.

Der Sinn von doppelseitigem Klebeband erschließt sich mir nicht. Das hält doch sowieso nicht! Sinnvoll ist es hingegen, die einzelnen Platten der Unterlage mit Klebeband zusammenzukleben, damit sich beim Verlegen keine Spalten bilden.

Gruß

Wolfgang



Mein Tipp



Kaufen Sie sich ein paar Kilo von dem Zeugs, machen Sie's warm (40 Grad oder mehr) und legen Sie's in ihr Schlafzimmer.

Wenn Sie absolut nichts riechen, dann machen Sie's noch wärmer oder kaufen noch mehr.

Wenn's dann immer noch gut ist ist's gut.

Ansonsten: mir wäre es suspekt, ich würde mineralische Füllung bevorzugen. Ich weiss ja, wie die Spielsachen meiner Kinder aus Plastik stinken. Das merkt man wirklich!

Gruss
stt



Also wenn



es um Schalldämmung geht, sind harte Beläge wie Fliesen oder Laminat schon mal die schlechteste Wahl.
Denn hier wird auch in hohem Masse Luftschall erzeugt, der sich in einem Altbau mit Holzbalkendecken nur unzureichend dämmen lässt.
Für die Dämmung von Körperschall(Trittschall) ist es erforderlich, die entsprechenden Bauteile vollständig mit weichen Materialien vom restlichenden Baukörper zu trennen.
Dabei spielt das Gewicht des Dämmaterials keine Rolle.
Die tolle DAMTEC-Matte hat offensichtlich keine bauaufsichtliche Zulassung, und wenn ich mir die Zutatenliste und das Sicherheitsdatenblatt ansehe, juckt mir schon beim lesen die Nase. Gummi ist nun mal ein dehnbarer Begriff. Kautschuk ist drin, aber was noch alles?
Auf jeden Fall Weichmacher, und von denen sind eigentlich alle bedenklich.
MfG
dasMaurer





Hallo Hans,

neben Brandschutz und den Emissionen hätte ich Bedenken hinsichtlich des Feuchtetransportes. Hierzu gibt der Hersteller keine Auskunft.
Wenn beispielsweise Feuchte aus einem im darunter liegenden Geschoss befindlichen Bades in die Deckenkonstruktion gerät kann diese evt. nicht mehr abgeführt werden da die Gummischicht zusammen mit dem Laminat dies verhindern wird. Nicht gut.

Lösungsmöglichkeiten wurden ja schon einige genannt, keinesfalls sollte nach dem Entfernen der bisherigen Dielen der Balkenzwischenraum belastet werden. Die Last sollte wie bisher über die Balken abgetragen werden.

Gruß aus Wiesbaden,
Christoph Kornmayer





Zunächst mal vielen Dank für die zahlreichen Antworten.

Ich teile Ihre Bedenken.

Jedoch wurde das Laminat schon geliefert, und ein anderer Bodenbelag kommt jetzt nicht mehr in Frage.
Milbenfänger-Teppiche hatte ich von Anfang an ausgeschlossen.
Fliesen wären zwar meine erste Wahl gewesen, aber schienen mir ein zu hohes Gewicht für die Holzbalkenkonstruktion zu sein.

Wenn die Trittschalldämmung also keine Gummimatte sein soll, können Sie mir dan bessere Alternativen nennen?

6-8mm Kork? Kork soll allerdings schimmelanfällig sein.
Styropor? Da wäre der Feuchtetransport m.E auch nicht möglich.
Gibt es bessere Lösungen?

Den alten Dielenboden rausreissen, ist eigentlich keine Option für mich. Ich möchte ihn eher mit Ausgleichsmasse ebnen (nachdem er auf den Holzbalken verschraubt wurde - die alten genagelten Verbindungsstellen knatschen nämlich an einigen Stellen)

Es wurden bisher mineralische Dämmstoffe und Pappe erwähnt. Kann mir aber nocht nicht vorstellen, welchen Vorteil diese Materialien gegenüber Syropor und Kork haben könnten.

Gruss und Dank
Hans



Schimmel



Ich denke, bis der Kork schimmelt, sind die Dielen darunter schon würfelbrüchig...

Kork entkoppelt gut, auch Holzweichfaser. Pappe? Falls damit die graue 1mm dicke Rohfilzpappe gemeint ist, davon würde ich nicht allzuviel erwarten.

Grüße

Thomas



Pappe



Nein, mit "Pappe" habe ich die 5-6 mm dicken, meistens grünen Platten gemeint, die aus weichem faserigem Material bestehen.

Dünneres Zeug ist gar nix im Altbau.



Kork schimmelt?



Ich hab auch viel Kork - hab bislang noch keinen Kork gesehen, der schimmelt.

meine Erfahrungen
stt



Oha,



diese "Pappe" ist eine Holzweichfaserplatte, üblicherweise nur durch holzeigene Inhaltsstoffe gebunden, und ein hochwertiger Bau- und Dämmstoff.

Grüße

Thomas