Kondensatausfall an Passdübeln vermeidbar oder unproblematisch?

28.09.2016 D.Selle



Hallo,

hier liegt eine Schädigung des Deckenbalkenskopfes am Auflager vor. Eckständer, Dachsparren und Aufschiebling sind ebenfalls geschädigt.
Ständer ist bereits neu, Sparren konnte zurückgeschnitten werden und wird in geeigneter Weise auf dem Deckenbalkenkopf über dem Auflager befestigt werden, Aufschiebling muß noch neu.

Nun zur Fragestellung:

Der betroffene Deckenbalken ist zugleich Teil der Giebelwand, ca. 40cm sollen erneuert werden, durch anpassen eines neuen Teilstücks von Länge 120cm, Das Ersatzstück wird mittels eines gegenläufig schräg eingeschnittenen sthenden Blattes angesetzt. Die Planflächen des Blattes sollen verleimt werden und mit 3 Paßbolzen gesichert werden, M16, Güte 8.9. Zusätzlich werden noch zwei bulldogs passend eingelegt.

Die Passbolzen verlaufen durch den Balken von der kalten Außenseite auf die relativ warme Innenseite in die Zwischendecke . Ich habe Bedenken, dass an der Innenseite an der Schraube Kondensat ausfällt.

Kann man dem irgendwie Vorbeugen?

z.b. außenseitig einfräsen und mit Holzscheibe verschließen,
Stabdübel nehmen,
etc.

Oder sind meine Sorgen unbegründet?

Gruß
Detlef



Holzbau



Hallo

kein Leim

keine Stahlstangen (Kondensat)

mfG

Florian Kurz



und was nimmt man dann?



Hallo,

prima, jetzt weiß ich das das ingenieursmäßige Verbindungsmittel "Passdübel" nicht sinnvoll sind, da sie schreiben "keine Stahlstangen" , impliziert das, dass auch Stabdübel nicht verwendet werden sollten. Verleimen der Passungen auch nicht.

Und was dann?

Holznägel schräg eingeschlagen?

Gruß
Detlef



Balkenverlängerung



Eine liegende Verblattung nehmen.
Die Verbolzung läuft dann senkrecht und nicht waagerecht von außen nach innen. Kein Kondensat da kein Temperaturgefälle.

Was ist problmatischer,vielleicht etwas Kondensatausfall am Bolzenkopf innen oder vielleicht Auffeuchtung der waagerechten Fügung im Balken?
Die Frage sollte sich der Auftraggeber stellen.
Eine Fuge gibt es außen in jedem Fall.

Meine Meinung: Das bisschen Kondensat was auf ein paar cm² Bolzenkopf vielleicht und ab und mal entstehen könnte halte ich für unerheblich.
Beide Varianten sind m.E. unbedenklich.
Ist denn der Deckenbalken innen komplett sichtbar? Normalerweise läuft davor ein Streichbalken.





Hallo Hr. Böttcher,

einen geruhsamen Feiertag und danke für ihre Antwort.

Exkurs:
An dem Objekt gibt es mehrere Stellen, wo Balkenköpfe angeflickt wurden. An der diagonal gegenüberliegenden Hausecke hatte der Architekt, seinerzeit moniert, das ein liegendes Blatt zur Anwendung kam. Die Ausführung könne weniger Knickkräfte übertragen, Holzdübel seien nicht zulässig und am Ende des liegenden Blattes müsse jeweils der volle Balkenquerschnitt durch ein Passbolzen mit dicker U-Scheibe gegen Aufspalten gesichert werden. Er schlug damals vor ein Stehendes Blatt gegenläufig eingeschnitten zu verwenden. Klang schlüssig, also diesmal anders ... dafür kamen mir diesmal Bedenken bezüglich Kondensat.

und weiter gehts:
Steichbalken gibt es keine. Auf den Deckenbalken liegen normalerweise dicke Lehmwickel auf. Hier jetzt nicht mehr , wegen div. Schäden in den Deckenfeldern. Aufgrund des Schiefstandes der Decke wurde dieser Deckenbalken leicht genutet, eine Latte angenagelt und die Decke mit 40mm Lärchenbohlen zum nächsten Deckenbalken wieder verschlossen. 10cm unterhalb eine Lattenkonstruktion und daran dann verputzte Herkalitplatten . Die Passbolzen befinden sich also genau im Hohlraum zwischen den Heraklitplatten und den Deckenbohlen.
Die Bohlen stecken an dem fraglich Balken in der Nut und auf der Latte und beim nächsten Deckenbalken oben auf.

Der Deckenbalken hat einen Querschnitt von H22*B24cm und ist hinreichend dimensioniert (leicht überdimensioniert :-)). Mein Vorschlag war nun Außen im Sichtbereich den Bolzenkopf einzulasssen und mit einem Passstück aus Holz zu verschließen, innen zu Isolieren und den zweiten Passbolzen, der außenseitig im Hohlraum zwischen 2 Häusern nicht direkt sichtbar ist, außen mit einer Isolierkappe zu versehen und innenseitig im Holhlraum ebenfalls etwas zu isolieren.

a. Einwände?

b. Warum soll man das Blatt nicht verleimen , wie Hr. Kurz schrieb?

Herzlichen Gruß

Detlef Selle



Balkenverlängerung



Viel Ahnung von Statik scheint der Architekt nicht zu haben.
Seit alters her werden Balken so verlängert; an biegezugbeanspruchten Stellen mit einem (liegenden) Hakenblatt.
Wir reden hier von einem geraden Blatt. Egal ob liegend oder stehend, es ist dafür da Zug- und Druckkräfte zu übertragen.
Bei Biegezug sind beide keine gute Lösung, das stehende Blatt ist von beiden die schlechtere Variante.
Bei Verbolzungen ist ein stehendes Blatt also statisch ungünstiger als ein liegendes, die Bolzen liegen waagerecht in der Mitte in der neutralen Zone und wirken als Hebel senkrecht zur Faserachse. Es entsteht Laibungsdruck quer zur Faser, da wo das Holz weniger trägt.
Beispiel: Ein Nadelholz C 16 kann z.B. mit Druck parallel zur Faser bis 17 kN/mm² belastet werden, bei Druck quer zur Faser nur mit 2,2 N/mm². Bei einem liegenden Blatt stehen die Bolzen senkrecht, der Laibungsdruck erfolgt ausschließlich senkrecht zur Faser.
Der Nachteil eines einfachen liegenden oder stehenden Blattes bei Biegezug: nur der obere Stoß überträgt (Druck)kräfte, wenn er sauber gearbeitet ist. Die untere Fuge kann keine Zugkräfte übertragen, das müssen die Bolzen übernehmen. Beim stehenden Blatt können sie das nicht denn sie liegen in der neutralen Zone.
Das ist bei einem wenig belasteten Balken natürlich nicht so wichtig wie bei einer Verbindung im Momentenmaximum. Ich gehe davor aus das die Verbindung um die es geht nicht besonders auf Biegezug beansprucht wird und die Bolzen nur der Lagesicherung und Aussteifung dienen.

Bei einem liegenden Blatt kann man die waagerechte Kontaktfläche mit Weißleim verkleben; das setzt aber exakt gearbeitete Flächen voraus. Die Klebefuge wird bei Biegung mit Scherkraft beaufschlagt, das steckt ein Holzleim sehr gut weg. Bei einem stehenden Blatt wird die Klebefuge im Wechsel unten mit Zug und oben mit Druck belastet, dazu kommen noch Zugkräfte quer zur Klebefuge aus den Verformungen infolge der Verformungen aus Laibungsdrücken an den Bolzen. Die beiden Schenkel der Blattung treiben an den Enden auseinander. Zusätzliche Bolzen um das Aufspalten in der neutralen Faser zu verhindern muß ich bei beiden Arten der Verblattung einsetzen, denn das stehende Blatt wird durch Torsion aus der einschnittigen Bolzung belastet und das liegende durch Querkraft.

Zur geplanten Ausführung: Wenn die Innenseite der Bolzen verdeckt liegen kann ich sie dämmen. Dazu genügen schon ein oder zwei Zentimeter Korkplatte, aufgeklebt. Außen den Bolzen bzw. die Unterlegscheibe einlassen und mit einer Holzscheibe passgenau schließen.
Darauf achten das die Bolzenlöcher erst im Einbauzustand und ohne Übermaß (Bohrloch = Bolzendurchmesser) gesetzt werden. Die Bohrlöcher vorher einölen, die Bolzen sollten vor Rost geschützt sein.



Eine gute Erklärung,



nachvollziehbar und verständlich, vielen Dank!!!

Das stehende Blatt wird nicht mehr zu verhindern sein oder ich mache mich gewaltig unbeliebt.
Die Verbindung wird eher auf Zug bansprucht, Last durch die Decke , Mauerwerk oberhalb oder Raumnutzung ist als gering anzusehen, zumal der Balken ca. alle 133cm durch einen Ständer gestützt wird.

Gruß
Selle