Kombination zweier Dämmstoffe bei Auf- und Zwischensparrendämmung?

11.12.2013



Hallo zusammen,

vor kurzem habe ich das Dach meines alten Bauernhauses saniert und dabei eine Aufsparrendämmung der Firma Steico mit 60 mm Holzfaserdämmplatten installiert. Jetzt stellt sich für mich die Frage, ob es konsequent bzw. von Vorteil wäre die Zwischensparrendämmung (180 mm) auch mit diesem Dämmstoff zu versehen oder ob hier auch Mineralwolle ausreichend ist?
Bei dem berechnen der beiden Varianten fällt auf, das die Kombination bei der Dämmstoffe zu Tauwasser führt, was bei einem einheitlichen Dämmstoff nicht angezeigt wird... Kann das bitte jemand erklären?



Vorab vielen Dank für Eure Unterstützung!



Rechnerisches Tauwasser



Die meisten Rechenprogramme verwenden Stoffdaten, bei denen für den Wasserdampfdiffusionswiderstand my eine Bandbreite min/max hinterlegt ist. Das ausgeworfene Ergebnis stellt den "worst case" dar, es werden also alle Varianten durchgerechnet und die tauwassergefährdetste Situation als Ergebnis dargestellt. Das passiert auch bei zwei Schichten mit gleichem Material, also bspw. 50mm + 50mm statt 100mm des gleichen Dämmstoffs.

Wenn man die Stoffdaten editieren kann, macht es Sinn, den my-Wert auf einen festen Wert zu setzen und Varianten "per Hand" durchzuspielen, logischerweise mit dem identischen my-Wert für identische Schichten.

Abgesehen davon ist das Glaser-verfahren nur bedingt geeignet um quantitative Aussagen zu treffen, da von einem statischen Zustand ausgegangen wird.

MfG,
Sebastian Hausleithner



Empfehlung Dämmvariante



Hallo Herr Hausleithner,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort.
Was würden Sie aus Ihrer Erfahrung heraus empfehlen, macht es sinn aus zwei Dämmstoffe (wie genannt) zu kombinieren oder würden Sie eher davon abraten?



Dämmstoff



Die Wahl des Baustoffs/Dämmstoffs hängt von den baulichen Gegebenheiten und Möglichkeiten ab. Eine Pauschalaussage pro oder kontra ist ohne weiteres nicht möglich.
Der grundsätzliche bauphysikalische Unterschied zwischen der MiWo und dem Holzfaserdämmstoff besteht darin, das die Holzfaser Feuchtigkeit auch kapillar transportieren kann während die MiWo "nur" diffusionsfähig ist. Zusätzlich hat die Holzfaser auch Vorteile beim sommerlichen Hitzeschutz sowie beim Schallschutz. Beim Wärmeschutz nimmt sich das wenig, Holzfaserdämmstoffe werden meist mit einem Bemessungswert lambda von 0,39 bis 0,50W/mK angeboten, MiWo 0,32 bis 0,40 (je kleiner desto besser die Dämmwirkung bei gleicher Schichtdicke), das ist bei Dämmstoffstärke von dann 240mm weitgehend irrelevant.
Nachteilig bei MiWo ist natürlich noch die Faserbelastung vor allem bei der Verarbeitung. Im allgemeinen wird das zwar bei Beachtung der Verarbeitungsrichtlinien als unbedenklich eingestuft, allerdings ist die Belastung nicht zu leugnen und manche Personen reagieren nun mal empfindlicher als "allgemein"..
Vorteilhaft bei der Holzfaser ist auch noch der geringere Primärenergieeinsatz bei der Herstellung sowie die grundsätzliche Einschätzung als mehr oder weniger "ökologisch" und "nachhaltig"...

... nunja, dann wäre da noch der Preis...

Langer Rede, kurzer Sinn: Wahrscheinlich (abhängig von dem genauen Dachaufbau und der Konstruktion) spricht eigentlich nichts grundsätzliches gegen die Verwendung der MiWo als Zwischensparrendämmung bei bestehender Aufsparrendämmung aus Holzfaser.

MfG,
Sebastian Hausleithner



auch so gemacht



Hallo Mercutyo,

habe mir einen ähnliche Frage gestellt und mich dann für den Mix von Holzweichfaser und Steinwolle entschieden. Eigentlich wollten wir unser Fachwerkhaus von außen mit 200mm Steinwolle dämmen. Ausschlag dafür waren vor allem die Kosten bei ca. 400qm Fassadenfläche. Von vielen Seiten wird das dämmen mit Steinwolle an Fachwerk abgeraten. Rechnerisch möglich, aber sehr kritisch bei Tauwasser bzw. Wassereintrag weil nicht kapilar leitfähig (wir haben eine vorgehängte Fassade). Der Kompromiss ist nun, dass wir 120mm Steinwolle und darauf 80mm Holzweichfaser verwenden. Durch die Holzweichfaser soll die gesamte Konstruktion robuster bzgl. einem möglichen Wasserintrag werden. Ob es funktioniert kann ich nicht sagen. Für mich fühlt es sich gut an.
In ihrem Fall ist ja auch im kritischen Bereich (außen) das sorptive Material. Die Mineralwolle sollte innen allerdings gut abgedichtet werden damit keine Belastung der Raumluft entstehen kann(auch wenn das anscheinend alles nicht mehr so schlimm ist).
Für die Holzweichfaser spricht evtl. noch ein besserer Schallschutz (von innen wie von außen).
Wenn Geld eine untergeordnete Rolle spielt und auch nicht das letzte W/qmK dann würde ich mich für durchgängig für sympatischere Material Holzweichfaser entscheiden.

V. Brose



Primärenergiegehalt



Ich bin da bissel überrascht.
Der NABU gibt in seiner Dämmstoffdatenbank 600 kWh für die Holzfaser an. Bei der MiWo finde ich nur Angaben zu 200-400 kWh??



Die Masse machts...



In Holzweichfaser steckt erstaunlich viel graue Energie, siehe auch http://www.eco-bau.ch/index.cfm?Nav=20&js=1 für eine Tabelle.

Warum nicht flexible Holzfaserdämmung ? Billiger und leichter einzubauen.





Warum sind denn überhaupt die 60er Steico Holzfaserplatten verwendet worden?
Das würde doch anders viel günstiger!
Wenn es um den Preis geht, dann doch bitte ganzheitlich! Das spart nicht nur das Budget, sondern man ist hoffentlich auf der "sicheren Seite". Das fragt sich Bauherr nach der ersten Baumaßnahme um sich zu vergewissern ob er mit dem weiteren Aufbau alles richtig macht . Und wenn Bauherr dann MiWo als zweiheitlichen Stoff verwenden wird (Hust! Du Rita, ich hab Kopfschmerzen und kann nicht schlafen... Schnauze Herbert. Coole Atmo! Oh, ist das heiß unterm Dach heute Nacht.) so wäre das wenigstens Konsequent, aber halbe Sachen das bringt nichts.



Hmmm



@fabig: es ist immer schwer einzuschätzen, wie solche Zahlen zustande kommen... oft jedenfalls ist "Entsorgung" und "Recycling" nicht im Primärenergiebedarf enthalten...

MfG,
Sebastian Hausleithner



Zwei Dämmstoffe



Hallo Herr Steiner,

danke für den kritischen Gedanken.
Aber es ist halt manchmal nicht so einfach, denn der Vergleich ist lässt sich oft nicht eindeutig vollziehen - s. Primärenergiebedarf oder Dämmwert usw. Aber ich entnehme deiner Ausführung, eher konsequent zu handeln, d.h. nur einen Dämmstoff (Holzfaser) zu verwenden oder?





Je mehr Meinungen, über vor und Nachteile vorhanden sind, desto komplexer ist das worüber man Nachdenken sollte. Was sind denn nun Kriterien?
Bleibt man beim Aufdach mit Holzfaser und der Verwendung von flexibler Holzfaserdämmung innen, ist das für meinen Geschmack ideal. Ganz einfach weil es ein Material mit Holzgeruch ist. Sehr sympatisch finde ich. Die Freude daran, etwas natürliches zu verbauen, dürfte sich auf die Lebenseinstellung und das Wohlbefinden auswirken. Ausdünstung aus Klebern wie in der Miwo welche für Raumluftbelastung sorgen kann, (nicht muß!) bleibt garantiert aus.
Bei Besuchen in Miwo gedämmten Häusern habe ich die Erfahrung gemacht, das die Raumluft trocken und stickig ist. Ich könnte so nicht leben. Es ist wie schon gesagt eine Lebenseinstellung. Die Verwendung konsequent natürlicher Baustoffe schließt gesundheitliche Probleme in aller Regel aus.

Das wäre mein Kriterium. Aber Vorschreiben kann das niemand. Sicher kann man auch mit Miwo oder Zellulose gute Dämmwirkung erzielen. Ich habe mich für Zellulose- Altpapierschnipsel entschieden.

Aber wenn ich schon mit 60er Holzfaseraufdach auftrumpfe, dann würde ich doch annehmen das Geld reicht dann auch für
den hochwertigen Holzflexfaser-Stoff.
Bei ebay gibt es Anbieter.
Grüße