Feuchte Lehmwand vs. solarer Luftkollektor

22.08.2013 Lehmhaus1863



Wir sind seit einigen Monaten stolze Besitzer eines Lehmhauses von 1863.

Da die Feuchtigkeit an den Wänden im Wohnzimmer spürbar hoch war (waren tapeziert), haben wir uns soz. als "ad hoc Maßnahme" zur Trocknung für einen solaren Luftkollektor entschieden. Die Tapeten haben wir zudem entfernt und die Wand stattdessen mit Lehmfarbe gestrichen.

Der Kollektor ist nun seit 3 Monaten in Betrieb und die "spürbare" Feuchtigkeit an den Wänden ist weg (gem. Feuchtigkeitesdetector noch ca. 15% an der Oberfläche).

Wir sind nun am überlegen, uns noch mehr Kollektoren für weitere Räume anzuschaffen und uns würde deshalb interessieren, ob es hier in der Community auch Erfahrungen zu Luftkollektoren in Lehmhäusern gibt?



Eigentlich...



... ist der Einsatz von direkten Luftkollektoren für die Entfeuchtung im Sommer nicht sinnvoll oder sogar kontraproduktiv, die genannten 15% sind auch deutlich zu hoch (Nebenbei: wie gemessen?).
Vielleicht benennen wir beide aber auch mit der selben Vokabel Unterschiedliches.
Bitte beschreibe die Anlage etwas genauer oder/und lade bitte ein aussagekräftiges Bild hoch.

MfG,
SH





Die Funktionsweise von solaren Luftkollektoren sollte ja bekannt sein (im Netz gibt es auch alle Informationen dazu).

Vereinfacht gesagt, erwärmt der Kollektor die Außenluft und bläst diese dann über einen Ventilator ins Hausinnere ... solare Luftkollektoren tun dies autark (PV-Zelle gibt Strom für Ventilator) - es wird also die von der Sonne erwärmte Luft verwendet und im Inneren des Kollektors noch weiter erhitzt. Da die PV-Zelle den Ventilator auch ohne direkte Sonneneinstrahlung antreibt, funktioniert die Belüftung fast den ganzen Tag, wenngleich die Luft dann nicht so sehr warm ist.

Meistens ist die eingeblasene Luft aber immernoch wärmer als die Raumluft, was m.E. nicht kontraproduktiv ist ... kalte Luft entfeuchtet zwar besser, aber dafür arbeitet/entfeuchtet der Kollektor viele Stunden am Tag und erwärmt dabei auch noch das Raumklima.

Die Feuchtigkeitsmessung erfolgte nur "provisorisch" mit dem Gerät Brennenstuhl 1298680 Feuchtigkeits-Detector MD und in 1cm Wandtiefe. Sicherlich ist die Feuchtigkeit im Wandinneren höher und man kann mit diesem Gerät auch keine "professionelle" Messung machen, aber es läßt sich doch ein Trend erkennen, wenn man an den gleichen Stellen über einen längeren Zeitraum Werte erhebt.

Sind 15% Luftfeuchte für eine Lehmwand wirklich deutlich zu hoch?



Feuchtemessung



Das Problem mit diesen Geräten ist das sie gar nicht wissen was für eine Feuchte da gemessen wird. Damit kann man höchstens die Wand vor der man gerade steht qualitativ beurteilen nach dem Motto oben ist es feuchter als unten oder gestern war es feuchter wie heute.
Messen im Sinne von Zahlenwerten kann man damit nicht.
Sie wissen ja noch nicht einmal ob die Angabe sich auf Masse- oder Volumenprozent bezieht.
Der Durchfeuchtungsgrad- das ist der eigentlich wichtige Wert- kann es auch nicht sein.
So ein Gerät ist nur interessant wenn ich einen oder zwei Referenzwerte habe, also Proben deren Feuchtegehalt exakt mit Darrprobe oder CM- Gerät bestimmt wurden. Dann habe ich so etwas wie eine Eichung um dann weitere Punkte an der Wand zu messen und die Ergebnisse hochzurechnen.





Mir genügt es zunächst zu wissen, dass der Trend stimmt ... vor 3 Monaten war es (an den Referenzpunkten) sehr viel feuchter als heute. Das man mit diesem Messgerät keine professionellen Messung durchführen kann, hatte ich ja auch geschrieben.

Unabhängig von der Mess-Problematik geht es mir in diesem Beitrag aber um die Frage, ob es hier noch mehr Erfahrungen mit solaren Luftkollektoren z.B. in Kellerräumen oder Bädern insb. von Lehmhäusern gibt?



Gut, wir meinen mit Luftkollektor das selbe Prinzip...



Mit der Dauerlüftung tagsüber holst Du Dir im Sommer bilanziert genauso feuchte Außenluft ins Gebäude, wie Du abführst, jedenfalls was die absulte Wassermenge betrifft; die relative Luftfeuchtigkeit, die ein Standardhygrometer anzeigt, mag ja nach dem Kollektoraustritt geringer sein.
Bei ungünstigen Klimatischen Bedingungen ist die Bilanz u.U. negativ, das war mit kontraproduktiv gemeint. Wenn ich bspw. jetzt meine Wetterstation befrage würde ich bei 26°/45% Außenklima rund 10,9 g/m³ (Wasserdampf/Qubikmeter Luft) gegen 22°/50% innen tauschen, entspr. 9,7 g/³ tauschen. Das ist jetzt natürlich nicht dramatisch und bei Dir stehen aktuell wohl auch andere Zahlen an, ein paar andere Faktoren spielen auch noch eine Rolle. Das Prinzip sollt aber deutlich geworden sein.

Zum Ablesen eines Trends ist Dein Gerät durchaus geeignet, die absolute Zahl von 15% hat jedoch keine belastbare Aussagekraft. "Normal" wäre, je nach Zusammensetzung des Lehms, eine Ausgleichsfeuchte von deutlich unter 5% (bezogen auf die Masse). Sollte der Trend stagnieren und die Wände auch "gefühlt" feucht bleiben, ist irgendetwas anderes als die entfernte Tapete als Ursache zu suchen. Vielleicht beschreibst Du Dein Lehmhaus etwas detaillierter und/oder stellst ein Foto ein.

Vor einigen Jahren war ich an der Planung von zwei Luftkollektor-Anlagen bei Ferienhäusern beteiligt. Diese sollten allerdings lediglich die vorhandene Elektroheizung bei der Frostfreihaltung bei Abwesenheit unterstützen. Es handelte sich allerdings nicht um Lehmbauten, sondern um Holzhaüser, eins als "Nurdach"-Haus auf Betonkeller, eins in Rahmenbauweise ohne Keller.

Vorteil von Luftkollektoren ist die schnelle Reaktionszeit, der ordentliche Wirkungsgrad bei diffuser Solareinstrahlung, die einfache Technik und die Tatsache, dass keine Leitung platzen kann. Hauptnachteil ist die geringe Speicherfähigkeit des Wärmeträgers "Luft", entsprechender Aufwand muss dann allerdings bei der Auslegung eines geeigneteren Speichers und des Wärmetauschers sowie der Wärmeverteilung getrieben werden.

MfG,
Sebastian Hausleithner



Leuchtet ein



Danke für die ausführliche Erläuterung. Das Problem mit dem höheren Gehalt von Wasserdampf / Luftfeuchte die man sich von außen ins Haus holt leuchtet mir ein.

Allerdings befinden sich in dem Wohnzimmer, wo der solare Luftkollektor einbläst, auch Heizkörper, welche die Luft ja wiederum trockener machen. Zudem werden wir im gleichen Raum auch einen Kamin installieren ... wie würdest du das ganze vor diesem Hintergrund einschätzen?

Hier übrigens mal ein Link zu den Kollektoren die ich meine:
http://www.veh-warmluftkollektoren.de/139.html

Wir haben den SolarVenti SV14 im Einsatz und planen weitere solcher Kollektoren für den Keller (Naturstein -> neigt zu Schimmelbildung) sowie Bad.



Das genannte Gerät/System kenne ich nicht.



Daher kann ich mich nur grundsätzlich äußern. Bei incl. Zubehör Geräte- und Installationskosten von weit über 1000,- pro Gerät und Dauerbewohnung (also Überwachung) kannst Du viele viele Stunden mit einem elektrischen Heizlüfter aus dem Baumarkt für 30,- im Badezimmer im Prinzip den gleichen Effekt erzielen... der tut allerdings auch noch ohne Sonne seinen Dienst.
Für den feuchten Keller könnte eine Temperierungsanlage eine gute Wahl sein.
Ein Forumsmitglied hier (Florian Kurz, www.slow-house.de) ist da felsenfest von der grundsätzlichen Eignung für alle Einsatzzwecke überzeugt. Ich selber bin da nicht so dogmatisch, aber für die vorliegende Problemstellung im Keller könnte es passen.

Unter z.B.
www.temperierung.net

oder
http://www.slow-house.de/slow-house/I-3_files/Temperierung-Text-Gro%C3%9Feschmitt.pdf

kannst Du Dich einlesen.

Die grundsätzliche Problematik mit der feuchten Zuluft betrifft insbesondere den Sommer und tritt durch die kühleren Wandoberflächen im Keller gegebenenfalls besonders deutlich auf. Ein optimiertes Lüftungsverhalten kann das Problem möglicherweise schon ausreichend reduzieren. Die alte Regel mit dem "Lüften im Sommer, nur wenn es draußen kühler ist", also in den Abend- und Morgenstunden (wenn möglich auch nachts, --> Einbruchschutz) hat schon seine Richtigkeit. Das Badezimmer natürlich nach der Dusche stoßlüften.

Ich halte das Prinzip des Luftkollektors zur Lösung von Feuchteproblemen im Sommer für nur sehr eingeschränkt geeignet. Es ist ein Unterschied ob man warme Luft mit der gleichen absoluten Feuchtigkeit ansaugt oder die vorhandene Luft erwärmt und dann ablüftet.

Eine Alternative wäre möglicherweise eine kleine Wärmepumpe mit Entfeuchtungsfunktion (Split-Gerät), wenn der Aufstellort des Außengerätes nicht gleich an die Terasse des Nachbarn grenzt.

MfG,
Sebastian Hausleithner



Noch ein Nachtrag:



Auf der FAQ-Seite des ins Auge gefassten Herstellers sieht dieser das genauso wie ich:

"Frage: Ist es sinnvoll, den SolarVenti in unbeheizten Kellerräumen einzusetzen?

Antwort: In Kellerräumen, die ungedämmt und unbeheizt sind, raten wir von dem Einsatz des SolarVenti ab. Grund: Der SolarVenti bläst frische und vorgewärmte Luft ein. Doch der Keller mit seiner massiven und kalten Bausubstanz (auch im Sommer beträgt die Wandtemperatur meist nur 8-10°) wird dadurch an den Wänden nur unbedeutend aufgeheizt, sodass die warme Luft stark abkühlt, oftmals sogar unter die Kondensationstemperatur. Dadurch kann Kondensfeuchtigkeit entstehen."

Ein weiteres Problem kann auch noch für Pollenallergiker entstehen, da sich bei dem Gerät kein entsprechender Filter nachrüsten lässt.

MfG,
Sebastian Hausleithner



Luftkollektor nicht, aber Solarheizung



Wir standen vor dem gleichen Problem: 50 cm Stampflehmmauern & feucht. Haben zuerst als Notmaßnahme (Baustelle fand nur am Wochenende statt, sonst Haus unbewohnt) mit Zeitschaltuhr und großem Ventilator das Morgen- + Abendlüften simuliert - je nach Wettervorhersage und Luftfeuchtigkeit. Hat schon mal geholfen.
Dann in Ausbaustufe II haben wir einen gebrauchten 2m2 Sonnenkollektor mittels PV + 12V Pumpe direkt an 3 improvisierte Heizkörper angeschlossen. Heizt wenn die Sonne scheint, wenn nicht dann nicht. Hilft bis heute um - gerade im Sommer - zu verhindern, dass die warme Luft an den kühlen Lehmwänden kondensiert, weil die Raumtemperatur konstant höher ist als ohne. Keine Kelleratmosphäre mehr. Raumfeuchte schwankt je nach Außenfeuchte ist aber mittlerweile weit weg von den anfangs konstant 90%. Weitere ganzjährige Temperierung ist in Planung.
MfG
Ute