Nut und Feder trennen um knarzen und quietschen zu beseitigen?

30.03.2012



Hallo zusammen!
Wir wohnen im Dachgeschoss (Eigentumswohnung) eines 1 ½ geschossigen Hauses aus dem Jahre 1897 in Witten an der Ruhr. Der Keller ist aus Bruchstein, die Außenwände gemauert, die Stellwände im Erdgeschoss sind in Fachwerkbauweise. Das Dachgeschoss wurde früher als Heuboden genutzt und Anfang der 1970er Jahre zum Wohnraum umgebaut. Der Deckenunterbau ist eine Holzbalkenkonstruktion mit Balkenabständen von ca. 80 cm, darauf befindet sich direkt der Bodenbelag, der aus 2 cm dicken Redpine-Dielen besteht, der mit Nut und Feder, stellenweise in die Nut genagelt, damals verlegt wurde. Die Innenwände wurden damals in Holzständerbauweise direkt auf den Bodenbelag gestellt. Dabei liegt der Querbalken für die Ständerwände direkt auf dem Dielenboden.
Das Problem:
Der Boden quietscht und knarrzt mittlerweile unerträglich laut. Der Boden wippt, wenn man durch einen Nachbarraum geht, wackeln einen Raum weiter die Gläser im Schrank.
Wir haben uns bisher gescheut den Boden aufzumachen. Vor einiger Zeit haben wir die Nerven verloren und in einer Verzweifelungstat den Oberboden ruiniert, indem wir Hunderte von Spax-Schrauben in der Länge 60 mm in die Dielen geschraubt haben, an denen wir die Balken vermutet haben. Tritt man direkt auf die Stelle, wo die Schrauben sich in den unterliegenden Balken gezogen haben, knarrzt es nicht mehr. Leider gilt das aber nur für diese Stellen. Sprich alle 80 cm. Dazwischen knarrzt es unverändert laut.
Wir wissen, dass man, wollte man den Boden richtig sanieren, ihn aufnehmen müsste, etc, wobei da aber auch die Frage besteht, was man mit den Stellwänden machen soll, die ja direkt auf den Dielenboden aufgebracht wurde. Müsste man dann alle Innenwände einreißen, um die Dielen überhaupt aufnehmen zu können? Das geht natürlich nicht, da wir hier wohnen! Wir suchen einen irgendwie eleganten und praktikablen Kompromiss.
Zum elendigen Knarzen: Ich habe den Eindruck, dass das knarzen dadurch hervorgerufen wird, dass sich im Laufe der Jahrzehnte der Boden so ausgedehnt hat, dass eine immense Spannung entstanden ist. Diese Spannung findet sich an der Nut und Feder wieder. Macht es irgendeinen Sinn, entlang der Stoßkanten mit einer Tauchsäge die Feder zwischen den Dielen auf der gesamten Länge aufzusägen, um so
die Spannung und somit das Knarzen wegzubekommen? Sprich, dass keine Verbindung mehr zwischen den einzelnen Dielen besteht und es somit, meiner laienhaften Einschätzung nach, auch nicht mehr knarzen dürfte.
Kann ich dann, mit einer guten Trittschall schwimmend einen Parkett auf diesen Boden verlegen. Oder müsste man dann erst 22er OSB Platten darauf verlegen?
Dass bringt mich zu einer weiteren Frage, die mir keine Ruhe lässt: Verlege ich OSB Platten und einen neuen Oberboden lastet ja mehr Gewicht auf den Quadratmeter. Kann ich diese Überlegung vernachlässigen, da auch so alte Häuser generell, bestimmte Lasten aushalten?
Wir sind dankbar für jede Anregung.





Wie lange wohnt ihr denn schon da? Ihr schreibt, das es "mittlerweile" unerträglich ist, hat es vorher nicht so geknarzt ?

Wo genau stehen die zwischenwände, auf den Deckenbalken oder mitten auf den Dielen, quasi zwischen zwei Tragbalken. 80 cm Balkenabstand ist nicht ohne.

"...stellenweise in die Nut genagelt..." das wäre schonmal ein punkt, genagelte Dielen quitschen wie verrückt, weil sich das Holz am Nagelschaft reibt.

"...Laufe der Jahrzehnte der Boden so ausgedehnt hat..."
Nach meinen Erfahrungen schrumpf das Holz höchstens, so das sich kleine spalten bilden, hab noch nie gehört das sich ein Dielenboden ausdehnt.



Knarzen



Die einfachste Lösung wäre meines Erachtens eine Lastverteilschicht (z.B. OSB) aufzubringen,muß vielleicht nicht unbedingt 22mm sein. Ohne könnte das (heutige,moderne,dünne Furnier-) Parkett allein den Effekt wahrscheinlich nicht erreichen...?
Das könntet ihr auch direkt ausprobieren,indem eine aufgelegte Platte versuchsweise betreten wird. ;)
Fugen aufsägen würde ich nicht. Die Geräusche würden evtl. verschwinden,aber der Boden auch elastischer,gerade im Hinblick auf die Übertragung von Schwingungen in den Nebenraum.



Quietschen von Holzböden



Algemeine Regel zum vermeiden von Quietschen:
-Schaumgummi zwischen verschiedenen Schichten anbringen
-Schrauben statt Nagel
-Schaumleim (ja, wie heisst so wass in deutscher Sprache?) in Nuten
-Ausdehnungsfuge an den Mauern respektieren

MFG
Roland
www.goforwood.info



@ Roland



"-Schaumgummi zwischen verschiedenen Schichten anbringen
-Schaumleim (ja, wie heisst so wass in deutscher Sprache?) in Nuten"

2 untaugliche Ratschläge. Da wo es knarrt (also aneinander reibt) bekommt man keinen Schaumgummi dazwischen. PU-Leim in Nuten? Die Verklebung der Dielenlage ist nun wirklich das Allerletzte und widerspricht allen Verlegeregeln. Außerdem hält keine Verklebung dauerhaft bei stark schwingenden Böden.

@ Ralf

Was grundsätzlich zu tun wäre, ist Dir sicher auch klar:

- Die Balkenlage des Heubodens ist vermutlich unterdimensioniert und für Wohnzwecke weder gedacht noch hinreichend. Daher das Schwingen der gesamten Deckenlage. Die Balkenlage wäre also zu verstärken.

- Die Dielen mit der (fast) Furnierstärke von 20mm sind für die angegebenen Balkenabstände klar unterdimensioniert. Das ist jede Bastelei verlorene Liebesmüh. Auf die zu ertüchtigende Balkenlage sollte also eine neue Dielung mit 27/28mm Stärke.

Eine "Verbesserung" von zweifelhaftem und nicht vorhersehbarem Wert wäre:
- Altdielen grob anrauhen (24er Überschliff mit der Parkettschleifmaschine)
- armierter Ausgleichsspachtel zur Nivellierung
- 2x OSB 15mm überlappend verlegt, durch Klebepunkte untereinander und in Nut und Feder verklebt, mit der Unterdielung verschraubt
- Neue Dielung 20mm oder Fertigparkett verlegen

Das ist kein geringer Aufwand. Und der Erfolg wird zweifelhaft sein. Unbedingt im Vorfeld einen Statiker konsultieren!

Ich würde stattdessen die Zwischenwände opfern, die ja wohl auch nicht mehr wert sind als der unzureichende Fußbodenaufbau, und wie oben beschrieben vorgehen. In diesem Zuge könnte auch mehr Masse in die verstärkte Balkenlage gebracht werden, was das Schwingen der Fläche weiter reduziert.

Das wird nicht so billig wie Hausfrauentips a la "maschinenöl in die Fugen, hat bei mir wunderbar geholfen". Ein Fußboden verdient aber nunmal eine grundhafte Betrachtung (sagt der Fußbodenbauer:-)

Grüße

Thomas