Klimaverhältnisse Keller - unbeheiztes Erdgeschoss

22.02.2020 MarcomitZeh



Guten Tag zusammen,

meine Frau und ich haben vor einigen Jahren einen Bauernhof im Havelland gekauft, dabei ist eine Ziegelscheune von 1832. Ein Raum der Scheune ist unterkellert, wird aber nicht genutzt, weil die Decke einsturzgefährdet ist. Zugang zum Keller gab es bisher über eine 2m lange und 1 m breite Deckenöffnung an einer Längswand, die mit einer schweren Bodenluke aus Holz abgedeckt ist und in der derzeit lediglich eine Leiter steht. Meine (sehr liebe) Schwiegermutter, die mit uns wohnt, kann die Bodenluke nicht bewegen und so steht sie permanent offen.

Wir wollen im Sommer die Kellerdecke erneuern und bei der Gelegenheit auch gleich einen schwiegermuttertauglichen Zugang schaffen - in Form einer gut begehbaren Holztreppe (37 Grad Steigwinkel). Die Bodenluke soll entfallen, stattdessen wollen wir die Deckenöffnung mit Holz verkoffern und eine Tür einbauen.

Noch nicht ganz sicher bin ich mir, ob wir bei der Gelegenheit nicht auch gleich eine Treppe zum Dachboden mit einbauen wollen - würde sich logistisch anbieten und die Verkofferung der Öffnung zum Keller hin könnte wesentlich kleiner ausfallen.

Anbei einige Zeichnungen (beige sind die Holzabkofferungen). Sorgen macht mir nun das Binnenklima im Keller und im EG während des Winters:

Der Keller steht dreiviertel in der Erde, ich rechne damit, dass es dort auch im Winter vielleicht so 6 Grad hat. Im Erdgeschoss wird man im Winter wegen der dicken Ziegelwände vielleicht noch 2 Grad haben, auf dem Dachboden wegen der dünnen Dachziegel und der Lüftungsöffnungen dürfte es genauso kalt sein wie draußen.

Wenn ich nun im Winter im Keller 6 Grad habe - steigt dann warme Luft durch die Deckenöffnung nach oben und sammelt sich in der Holzabkofferung im Erdgeschoss? Kommt es dann durch den Temperaturunterschied Holzinnenseite (warm) - Holzaußenseite (kalt) zu Kondensatausfällung, und kann das dazu führen, dass meine Holzabkofferung anfängt zu faulen oder - bei der Variante mit 1 Treppe und einer Holzabkofferung bis unter die Decke des EG - dass mir die Eisenträger in der Decke anfangen zu rosten?

Im Sommer sehe ich das Problem nicht, da ist es im Keller kühl, im EG darüber wärmer. Die warme Luft bleibt dann von ganz alleine oben im EG, im Keller bleibt eine Kaltluftblase unten liegen und es dürfte eigentlich nicht zu Vermischungen kommen.

Ich freue mich auf Eure Gedanken dazu. Vielleicht hat der eine oder andere auch dieselbe Situation bei sich und hat konkrete Erfahrungen. Vielleicht mache ich mir auch ganz umsonst Gedanken - das wäre natürlich der beste Ausgang der Anfrage hier.

Also - wie ist das mit warm und kalt und Kondensat und Holz und Eisen?

Viele Grüße
Marco



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Klimaverhältnisse



wie sind denn die Nutzungsvorstellungen für alle Räume.? Ist der Keller belüftet, meist waren das ja Kartoffel- oder Rübenkeller unter den Scheunen mit Lüftungslöchern. Wie ist der Fußboden des Kellers ausgebildet?



Hallo Pope,



der Keller hat zwei kleine Einfachglasfenster, durch die früher vermutlich Kartoffelrutschen heruntergelassen wurden - denke ich mir wegen der abgeschliffenen Ecken der Fensterlaibungen außen. Keine weiteren Lüftungsöffnungen. Fußboden im Augenblick gestampfte Erde, soll später Ziegelpflasterung im Sandbett werden, ohne Dampfsperre nach unten. Der Keller soll bewusst als Feuchtkeller ausgebildet werden, um da später gut Gemüse lagern zu können.

Der Raum darüber ist derzeit ungenutzt, spätere Nutzung wahrscheinlich Abstellraum oder so - jedenfalls unbeheizt. Eine (nicht luftdichte) Brettertür nach außen, zwei Türen zum unbeheizten Nebenraum (eine ist auf der Zeichnung zu sehen, im Grundriss sind beide eingetragen), drei Einfachglasfenster, keine sonstigen Lüftungsöffnungen nach außen.

Viele Grüße
Marco



Solche Konstruktionen



wie Du da vor hast, sind durchaus auf vielen Höfen zu finden. Deine Bedenken sind unbegründet. Warum? Gehen wir mal die Lastfälle durch:
1. Sommer: Hier besteht die Gefahr, dass der Keller zu feucht wird, wenn die Öffnungen nach außen undicht sind und zuviel feuchtwarme Luft an den Kellerwänden kondensiert. Also sollten alle Öffnungen nach außen und ins EG dicht schließen.
2. Winter: Der Keller wird etwas wärmer sein als das EG, die Luft also etwas feuchter. Es besteht die Gefahr von Kondensation an der Kellerzugangsverkofferung. Die würde ich trotzdem dicht ausführen ( siehe Sommer). Eine evtl auftretende Kondensation an der Kellerseite der Konstruktion trocknet im Sommer bzw. bereits im Frühjahr wieder aus und schadet dem mit Leinöl behandeltem Holz nicht.
In jedem Fall sollte, um eine optimale rLF und Lagertemperatur zu erhalten, eine meßtechnische Überwachung stattfinden. Dann könnten, falls zu trocken, im Sommer die Fenster bzw. die Tür immer noch geöffnet werden bzw. im Winter, bis zur Frostgrenze gelüftet werden, um überschüssige Feuchte abzuführen. Bei der Lagerung darauf achten, dass bestimmte Gemüse und Obstsorten nicht zusammen gelagert werden sollten, etwa Äpfel und Kartoffeln. Eine Unterteilung des Raumes mit jeweiliger Lüftungsmöglichkeit ( Fenster) sollte also vorgenommen werden.

PS. die Eisenträger sollten natürlich, unabhängig von den klimatischen Verhältnissen rostschutzbehandelt werden, dies geht gut mit Leinölfirniß, gibt es bei der Farbmanufaktur Werder auch relativ preiswert und in verschiedenen Farben.



Hallo Pope,



vielen Dank für die wirklich umfassende und hilfreiche Antwort. Ich weiß dann jetzt Bescheid und kann das Projekt beruhigt angehen, ohne Sorgen über irgendwelche Spätfolgen. Danke!
und viele Grüße
Marco