Kiefernpech als Holzschutz?

17.10.2010



Hallo Gemeinde,
ich befasse mich gerade mit dem Anstrich des Kiefern-Fachwerkes. Das FW wird gerade repariert und in Teilen ersetzt. Als Anstrich war wohl Karbolineum (lt. Nachbarn)drauf und damit sehr giftig.
Entweder streiche ich wie bisher mit Remmers Aidol, bekomme aber nicht die Oberfläche wie am Originalen FW.

Oder mit Kiefernpech. Was ist denn davon zu halten, für mich als Laien kling das mit dem Destillat gut.

Hat damit jemand Erfahrung?

Trocknet das ganz durch oder bleibt da eine schmierige Schicht?

MfG Torsten Ufer



Hmm



Nutzer Donald Wagstaff hat seine Scheune mit so etwas gestrichen, eventuell mal anfragen (seine Muttersprache ist allerdings Englisch).



Kiefernpech als Holzschutz



Pech und Teere beinhalten polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe. Sie sind außerordentlich krebserzeugend , mutagen und anderweitig giftig. Die Verwendung regelt die Chemikalienverbotsverordnung. Dort steht auch, wo noch derartige Stoffgemische eingesetzt werden dürfen z.B.Bahnschwellen, Leitungsmasten.
Generell gilt im eigenen Interesse: Hände weg von solchen Materialien. Es gibt viel interessantere Möglichkeiten Holz zu schützen. Die eleganteste Methode ist Leinöl.
Leinöl polymerisiert zu einem elastischen, hoch witterungsbeständigem Polymer. Man kann das Leinöl auch zusammen mit anderen ungesättigten Verbindungen wie z.B. Methylacrylat oder Styrol polymerisieren. Diese sehr niedrig viskosen Stoffe dienen als Reaktivverdünner und ermöglichen eine besserere Kriechfähigkeit. um eine besserere Umsetzung zu erreichen ist in jedem Fall der Zusatz von Cobaltseifen und organischen Peroxiden nötig.
MEK-Peroxidlösung hat sich bei mir gut bewährt. Durch den Zusatz von Schwermetallseifen des Cobalts oder Kupfers auf Basis von Ölsäure erhält man eine fungizide Wirkung und die Seife Ölsäure polymerisiert gleich mit und dient gleichzeitig als Katalysator auch Sikkativ genannt.
Was will man mehr? Man kann das ganze natürlich auch einfärben.
Bei Fragen: 0160/95392146 Daniel Schwartz Technikhandel Chemikalienrecycling, Handel, Spezialdienstleistungen



Holzschutz-Dilemma bei Kiefernholzfachwerk



Ich halte den Einsatz von chemischen Schutzmitteln gegen Pilze hier nicht für zielführend. Wenn nicht der gesamte Splintbereich durchtränkt wird - und das ist mit Streichen nicht zu erreichen - wird jeder Schwindriss es holzzerstörenden Pilzen ermöglichen, die Schutzzone zu hinterwandern. Das Holz kann dann von innen zerstört werden. Eine Nachbehandlung von Schwindrissen ist bei Fachwerk aber nur von einer Seite möglich.

Verwenden Sie gegen die Pilzgefahr besser Leinöle, um die Wasseraufnahmefähigkeit zu verringern, und legen sie besonderen Wert auf einen kapillaraktiven Aufbau der Fachwerkwand. Kiefer ist ja nur bedingt für Außenfachwerk geeignet. Und die Wetterseite mit einer Vorsatzschale versehen. Usw., usw.

Der Hausbock-Gefahr kann zwar mit chemischen Mitteln durch einem Randschutz begegnet werden, eine Nachbehandlung der neu entstehenden Schwindrisse ist aber notwendig.

Holzpech wird in älteren Literaturquellen (habe hier zwei von 1916 und 1950) übrigens als wirkungsvolles Imprägniermittel für z.B. Bretter bezeichnet. Wurde auch zur Konservierung von Tauwerk in der Schifffahrt verwendet.
Eine Tiefenimprägnierung nur durch Streichen kann damit aber nicht erzielt werden.

Gruß
Boris Blenn