KfW-Effizienz­haus Denkmal

11.01.2019 typewriter



Ich habe eine Frage zu dem Programm KfW-Effizienz­haus Denkmal, genauer gesagt zu den Anforderungen und hoffe, dass mir hier jemand weiterhelfen kann:

Dort heißt es:

"Beim Standard KfW-Effizienz­haus Denkmal darf der Jahres-Primär­energie­bedarf 160 % und der Trans­missions­wärme­verlust 175 % der Werte betragen, die für ein vergleich­bares Referenz­gebäude nach der Energie­spar­verordnung (EnEV) gelten."

Ich habe zwar nachlesen können, was das bedeutet, finde aber keine Angaben dazu, mit welchen energetischen Maßnahmen man diese Werte erreichen kann.

Es geht um zwei Gebäude unter Ensembleschutz. Ein Gewerbeobjekt ca. 110 qm Grundfläche, EG, OG, Dach, kein Keller - 24er Ziegelstein-Wand und ein kleines Siedlungshaus ca. 80 qm Grundfläche (unterkellert), EG + Satteldach, d.h. OG und Dachboden komplett im Dachbereich, Mauerwerk ist hier 30er Bimshohlsteine.

Geplante energetische Sanierungsmaßnahmen sind:

Erneuerung der Dächer, in diesem Zusammenhand Dämmung beider Dächer
Austausch aller Fenster
Dämmung zur Bodenplatte (Gewerbeobjekt), Dämmung der unteren Geschossebene zum Keller (Siedlungshaus)
Komplettaustausch der Heizungsanlage durch eine Pelletheizung, die beide Gebäude versorgt
Einbau dezentraler Lüftungen mit Wärmerückgewinnung

Kann man mit diesen Maßnahmen die geforderten KfW-Effizienz­haus Denkmal Werte erreichen?



Energieberater



Beim KfW-Denkmal ist ein Energieberater mit entsprechender Qualifikation zwingend vorgeschrieben, der auch gefördert wird. Zusätzlich müssen alle Arbeiten mit der zuständigen Denkmalbehörde abgestimmt sein. Ob es beim Ensembleschutz auch geht muss abgeklärt werden. Das weiß ich jetzt nicht. Ich habe ein Einzeldenkmal.

Mit solchen umfangreichen Arbeiten wie sie hier auflisten wäre sogar bestimmt ein höheres Dämmniveau leicht zu erreichen. Ich habe bei mir nur das Dach komplett gedämmt, das Fachwerk nur mit einen U-Wert von 0,8 und Boden bzw. Kellerdecke nur zu 2/3 der Gebäudefläche. Die alten Verbundfenster wurden belassen und nur die 2 Fenster mit Einfachverglasung durch Innenfenster ergänzt.



Abhängig vom Bestandsgebäude



Ganz pauschal kann man nicht genau sagen welche Maßnahmen notwendig sind. Das Referenzgebäude wird anhand deines Gebäudes berechnet.
Aber mit den angesprochenen Maßnahmen sollte es auf jeden Fall klappen.

Wir sanieren auch mit der KfW, allerdings zum Effizienzhaus 115. Ich hab mir mal ne Excel Tabelle erstellt zur Berechnung des Transmissionswärmeverlustes (Kontrolle des Energieberaters). Die kann ich dir zur Verfügung stellen, mit der und dem U-Wert Rechner kommt man schon recht weit.

Der Primärenergiebedarf ist etwas komplexer, das hab ich dem Energieberater überlassen. Mit einer Biomasseheizung (Dein geplanter Pelletofen und meim Holzvergaser :)) hat man dort jedoch bei der Rechnung nen schönen Vorteil.

Gruß
Manuel



Aus meinen Kenntnisstand...



...kann man sich normalerweise aus der Energieeinsparverordnung bei Denkmalen befreien lassen.
Die Förderprogrammen sind eh die Ursache von geldgeförderten Bauschadensentwicklungen.
Ein guter Fachmann zur Auslotung der Gesamtsituation ist eh norwendig.
Ich könnte ihnen sicherlich da einen benennen.



Befreiung



Enev ist bei einem Denkmal nicht die wichtige Frage. Man kann sich in jedem Fall davon befreien lassen. Die KfW Förderung ist aber ganz praktisch und kann zur Finanzierung helfen. Es ist eine Alternative zu steuerlichen Anrechnungen. 15% bei bis zu 100 000 Euro ist eine ganz brauchbare Förderung denke ich.

Einige Dämmmaßnahmen sind auch im Denkmal vernünftig um einen entsprechenden Wohnkomfort zu erreichen. Bei mir hat das Denkmalamt einen Bauphysiker gefordert, der die entsprechenden Konstruktionen begutachtet. Der Aufwand aus diese Einzelmaßnahmen ein zusammenhängende Begutachtung aller Maßnahme zu machen führte auch zu dem KfW Antrag. Obwohl ich weder eine Heizung aus nachwachsenden Rohstoffen machen wollte, da die Ölheizung noch recht neu war, noch die Fenster/Türen austauschen wollte, wurden die notwendigen Einsparungen erreicht. Mit Umstellung auf Pelletheizung und Solarmodulen auf den Nebengebäuden hätte ich problemlos noch weitere Optionen für die Erreichung des notwendigen Standards gehabt.

Ich benötigte eine neue Dachdeckung wobei dann die Werte der Enev bei der Isolierung berücksichtigt wurden und neue Böden über Erdboden in einigen Räumen. Auch aus Komfortgründen wurde das Fachwerk von innen mit 4 cm Pavatex in Lehm gedämmt. Dies entspricht der in der Literatur empfohlenen Dämmung mit einem U-Wert von ca. 0,8 W/qmK.

Dabei können auch die zusätzlichen Arbeiten wie die notwendige Erneuerung von Elektro- und anderen Installationen mit eingerechnet werden die im Zuge der energetischen Renovierung notwendig sind.



Danke!



Danke für die vielen Antworten. Der Energieberater ist schon im Boot. Er ist nur ein Verfechter vakuumverschweisster Steckdosen und Passivhäuser und will immer die Maximaltherapie, die einfach unbezahlbar ist. Er hat uns auch gesagt, dass wir voraussichtlich die Außendämmung bräuchten, um die KFW-Denkmal Werte zu erreichen. Das konnte ich mir nicht vorstellen, daher meine Frage hier im Forum.

Ich würde grundsätzlich gerne auf eine Pelletheizung verzichten, da ich darüber viel negatives gelesen und gehört habe,was Ausfälle und Wartungsanfälligkeit angeht. Für ca. 450qm Fläche bräuchte ich auch ein ziemlich grosses Pelletlager... Ich werde mich hier einmal gesondert umhören, wie so die Erfahrungen mit Pelletheizungen sind und ob jemand einen Tipp für ein bestimmtes Modell hat.

Grossartige Community übrigens!



Über



Pelletheizungen weiß ich nichtwirklich viel, aber es heisst dass die Pellets oft aus illegalen Waldrodungen in Osteuropa stammen würden. Wie dem auch sei, ich bin bei dieser Heizung auch skeptisch, denn sie ist ebenfalls nur dann ökologisch, wenn faktisch 100 % der verfeuerten Holzmasse nachwächst, was ich mal anzweifeln würde. Und falls der Pelletrohstoff mal knapp wird, wie kommt die sensible Technik mit einem andren Brennstoff klar.
Offenbar habt ihr als Energieberater einen echten Dogmatiker, den Begriff "vakuumverschweißte Steckdosen" höre ich das erste mal. Außendämmung bei einem Denkmal vorzuschlagen wäre für mich ein k.o.-Kriterium und würde eine Zusammenarbeit im konkreten Projekt sehr unwahrscheinlich machen bzw. das Vertrauensverhältnis nachhaltig beeinträchtigen.



"Vakuumverschweißte Steckdosen"



Diesen nicht ganz ernst gemeinten Begriff haben wir nach Gesprächen mit dem Energieberater selbst geprägt. Er steht aber auf maximale Abdichtung von allem und maximale Dämmung.

Sein Sanierungsvorschlag für unser 50er Jahre Siedlungshäuschen (EG + Satteldach) war alles vom Dach bis zum EG wegzureissen, eine Etage aufzustocken und ein Flachdach draufzusetzen.



Energieberater



Ich würde den Energieberater als "Erfahrung" abhaken und einen denkmalerfahrenen Energieberater suchen. Nach den Aussagen die sie hier posten ist die Person sicher nicht in der Liste https://www.energie-effizienz-experten.de/index.php?id=19393 mit Denkmal Fortbildung was aber unbedingt notwendig ist.

Perfekte Abdichtungen von innen halte ich nach meinen Erfahrungen für utopisch. Gerade im Altbau gibt es so viele versteckte Ecken, dass es fast nicht möglich ist diese Dichtheit zu 100% zu garantieren. Das ist aber die Voraussetzung einer solchen Maximalsanierung.



Energieberater



Doch, er ist in der Liste. Und auch der einzige in meinem näheren Umkreis.

Der Mann ist schon nicht verkehrt.

Er hat ja auch akzeptiert, dass wir das so weder wollen noch finanziell umsetzen können.

Er schein eben Passivhäuser im Bauhausstil zu lieben. Das darf er ja, solange er mich damit bei der Sanierung nicht ruiniert.



Nur zu Nachdenken



Bei solch komplexen Projekten gebe ich immer den Ratschlag der Kosten-Nutzen-Abwägung.

Kritisch zu betrachten ist allein der Sachverhalt, dass man komplett neue Bau-, Dämm- und Energiekonzepte in ein altes Gebäude einpflanzen will, welches vor vielen Jahren unter völlig anderen Sachverhalten mit anderen Materialien gebaut wurde. Damit wird häufig eine Sanierungskette erzeugt, die dem Bauherren an die finanziellen Grenzen und im schlimmsten Fall in alte, kalte Schimmelbude bringt.

Nur ein kurzes Beispiel: Häufig wird eine Solarthermieanlage mit Energieeinsparungen von 60% und mehr beworben. Allerdings beziehen sich die 60% auf die maximal 10% der benötigten Enrgie zum Warmwasseraufbereiten. An kalten Wintertagen wäre dies also eine Einsparung von ca. 0,5 bis 1€. Fallen keinerlei Reparaturen an, rentiert sich also die Anlage nach etwa 10-12 Jahren. Ei einer gedämmten Fassade liegt der Zeitraum bereits bei 25 Jahren.

Der monetäre Zugewinn der Förderung wird häufig und meist recht deutlich von den hohen Zusatzkosten aufgefressen.



Sorry aber,



" Der Energieberater ist schon im Boot. Er ist nur ein Verfechter vakuumverschweisster Steckdosen und Passivhäuser und will immer die Maximaltherapie, die einfach unbezahlbar ist"
Ich glaube nicht das dieser Berater der richtige ist!

Es gibt genau für diesen Fall den entsprechenden Berater der sicher nicht solchen Schwachsinn empfiehlt!



@ Gerd



....dem kann ich nur beiflüchten!

Ich hatte da ja schon einmal auf einen versierten zum Thema hier hingewiesen.
Telefon ist da ein guter Weg!