Kellerfragen (1890)

09.12.2014



Guten Abend,

wir sanieren gerade ein Haus (Feldbrandziegel) von 1890 zum KfW Effizienzhaus Denkmal.

Das Gesamtkonzept beinhaltet Dachflächendämmung, Innendämmung Knauf Tectem, Fußbodendämmung mit Fußbodenheizung & Dielenboden, neue Fenster in 3- Fach-Verglasung,
Gasbrenntwerttherme.

Es handelt sich um ein 2 Familienhaus.


Der Keller besteht in 2 Kellerräumen aus ca. 50cm starkem Ziegelmauerwerk, sehr poröser Kalkmörtel
und in einem (nachträglich aus ca. 1960) in Stampfbeton

in den 60er Jahren wurde innen eine Teerpappe aufgebracht und in Kalksandstein vorgemauert.

Beim Wechseln der Kellerschächte ist aufgefallen, dass das Mauerwerk aussen unveputzt ist.

Frage ist nun, was tun?
Aufgraben, Fugen säubern, ausfugen, mit Kalkputz verputzen, Kies einfüllen, Drainage reichlich über der Grundleitung verlegen? Oder eher eins der Hochglanzprogramme eines Herstellers auswählen inkl. Abdichtung?

Unsere Energieberaterin würde immer am liebsten alles dämmen - Macht man damit an der Stelle nicht mehr kaputt?

Und - sollte die Innenschale aus KS entfernt werden? Der Keller ist trocken und so i.O - es geht um die Substanz der Wand.

Zweite Sache: Die Gastherme soll dort im ungedämmten Keller installiert werden, da es aus baulicher Sicht keinen Sinn macht diese auf dem Spitzboden zu platzieren - Könnnen daraus irgendwelche Nachteile entstehen? Der Keller wurde bereits in den letzten ca. 70 Jahren als Heizkeller genutzt.



Einem Dämmkonzept



sollte immer eine möglichst detailllierte und umfassende Bauaufnahme vorausgehen, die insbesondere auch Feuchtebelastungen des Bauwerks in erdberührten Bereichen und auch fehlende oder schadhafte Bauwerksabdichtungen berücksichtigt.

Es macht keinen Sinn, ein maximales Dämmpaket über das Haus zu stülpen, nur um der EnEv gerecht zu werden oder die technischen Anforderungen eines KfW-Kredits zu erfüllen, wenn solche grundlegenden und individuellen Details übersehen wurden. Schäden werden so vorprogrammiert.

Eine TechTem-Innendämmung einzuplanen, ohne den Nachweis einer vorhandenen und funktionierenden horizontalen und vertikalen Bauwerksabdichtung, gerade im Sockelbereich, ist wagemutig. Die Platten haben ein großes Feuchtespeichervermögen.

Die KS-Abmauerung + Bitumenbahn sollte entfernt werden. Sie treibt bei einer fehlenden Aussenabdichtung die Mauerwerksfeuchte nach oben und vergrößert das Schadenspotential bei einer fehlenden horizontalen Mauerwerksabdichtung unterhalb der Kellerdecke. Dieses Detail muß überprüft werden.

Von Spontanplanungen zum Thema nachträglicher äußerer Kellerabdichtung oder gar einer Drainage-wenn sie denn wirklich nötig sein sollte (...meistens nicht...) sollten Sie erst einmal gebührend Abstand nehmen, solange die Grundlagenermittlung nicht durchgeführt worden ist.

Hat Ihre Energieberaterin diese umfassende Bauaufnahme durchgeführt bzw. ist sie dazu fachlich in der Lage? Bzw. haben Sie diese Bauaufnahme beauftragt?



Selbstverständlich



wurden alle Wandbereiche gesichtet - Es lag bis auf einer Stelle (aussen defektes Fallrohr) keine Feuchte vor, trotz fehlender Horizontalsperre. Dazu muss man sagen, dass an 3 Seiten bis an das Haus gepflastert ist (2 Seitig entsprechender Straßenunterbau) und das Bodenniveau EG ca. 50cm über Straßenniveau liegt. Entsprechend gibt es aussen einen verputzen Sockel (Darunter eine umlaufende Rollschicht), der intakt ist und ebenfalls ca. 50 cm über und ca. 30cm unter Straßenniveau reicht.

Der Teilkeller erstreckt sich auf einer Giebelseite Straßenseitig. Durch das Gefälle der Straße zur Mitte hin gelangt dort ohnehin wenig Niederschlag ins Erdreich.

Angesichts dieser Fakten wurde keine Horizontalabdichtung in Erwägung gezogen - Würden Sie dies in einem solchen Fall anraten?

Beim Keller wollen wir lediglich die Fehler der letzten 60 Jahre ausgleichen - Der Anspruch ist ein reiner Nutzkeller mit gleichmäßiger Luftfeuchte.
Mit der Entfernung des KS haben wir eigentlich schon gerechnet - Die Frage stellt sich nach der Aussenkonservierung.

Uns wurde von einer Seite zur Festigung mit Kaliwasserglas und anschließendem Verputz geraten. Innen entsprechend Fugen auskratzen und mit Kalkschlämpe streichen/alternativ ein Kalkverputz

Ob unsere Energieberaterin entsprechende Kompetenzen in dem Fachgebiet aufweißt, kann ich nicht beurteilen. Sie ist jedenfalls bei der KfW für Denkmalsanierung gelistet.



Nun sind da sehr sonderbare Empfehlungen die Feuchte wird noch oben getrieben, wenn..



.. die Wand (wie hier beschrieben) innen dicht ist.
Es stimmt einfach nicht auch wenn es immer wiederholt wird.
Entweder eine Wand ist feucht (nach einigen Jahren) - damit sind die Kapillaren mit Wasser gefüllt und nur dann wenn innen etwas verdunstet kann etwas nachgesaugt werden. Die Wand dichtet sich quasi von selbst ab.
Und den Kapillaren sagt auch niemand, dass diese das Wasser - jetzt nach oben umleiten sollen.
Es gibt sehr viele dieser Behauptungen - auch noch heute – die so den Lehrbüchern zu entnehmen sind.
Es ist jedoch falsch !
Das Gegenteil ist eher richtig, denn wenn feststeht, dass das Groh der Feuchte aus Tauwasser von innen entsteht, dann entfällt diese Feuchteabgabe.
Somit kann (notfalls) die Feuchte mittels Luftentfeuchter auch reduziert werden ohne, dass etwas nachgesaugt wird!