Vertikalsperre gegen Feuchtigkeit

24.08.2006



Vor Zwei Jahren erwarb ich ein Haus Baujahr 1870, das ich durch einen Bautenschützer sanieren ließ.
Vorweg: unmittelbar vor dem (Entfernung ca 1,5m) Haus läuft ein Bach dessen Wasserspiegel ca. 50 cm über dem Niveau des Kellerbodens liegt und unaufhörlich gegen die Kellerwand bzw. in den Keller drückt.
Im erdreichberührenden Teil des EG wurde der alte Dielenboden einschließlich der verfaulten und pilzbefallenen Balkenlage herausgerissen ca. 50 cm Erdreich herausgeschaufelt, mit Rollkies aufgefüllt und eine Bodenplatte betoniert. In die feuchten Außenwände (Tuftstein 50 cm) wurde eine Vertikalsperre eingbracht,und auf die Bodenplatte und die Wand auf 1 m Höhe Dichtschlämme aufgtragen. Anschließend mit WTA vorgeputzt, zum Abschluss kamen 2cm Sanierputz. Die Wände sind seitdem trocken, aber je mehr ich hier im Forum schmökere habe ich starke Zweifel ob diese Maßnahmen alle richtig waren.
Zum Keller meinte der Bautenschützer die Wand könne man verpressen, da eine Abschirmung der Feuchtigkeit von außen nicht möglich ist.
Bin sehr gespannt auf Ihre Meinungen, Rügen oder Kritik !Mit blauäugigen Grüßen
Rudi



Entscheidend ist ist der Keller "nur" feucht oder steht das Wasser im Keller?



Meist haben die Menschen die direkt am Bach gebaut haben auch gewusst wie man diese Keller dicht macht.
Wenn Jedoch Wasser eindringt, dann wie hoch steht dieses und weiter - was soll aus dem Keller werden?



nasser Keller



Hallo Her Bromm
der Keller wurde vor ca. 30 Jahren mit Zementputz verputzt, je nach Jahreszeit waren mal mehr oder weniger nasse Stellen. Allerdings war die Wand regelrecht abgesoffen. Aus diesem Grund empfal mir der Bautenschützer den Putz abzuschlagen, damit die Fließstellen sichtbar werden und die Wand verpresst werden kann. Seitdem machen diese Fließstellen ihrem Namen alle Ehre und ich muß ca 1x pro Woche um die 50-60 Lieter Wasser auspumpen.
der Wasserspiegel ist ca 50cm höher als der Kellerboden.
der Keller soll als Lagerkeller für Dinge die unempfindlich gegen Feuchtigkeit sind genutzt werde. Für Wintergemüse und Apfel herrscht ideales Raumklima. mfg Rudi



Wenn Wasser eindringt, dann kann eine einfache Lösung hergestellt werden



Machen Sie es wie man es früher auch gemacht hat. Stellen Sie an der Außenwand innen eine Rinne her. Ca 5 cm tief und 10 cm breit und leiten Sie das Wasser in einen Pumpensump um es dann mittels einer Pumpe mit Schwimmersteuerung heraus zu pumpen.
Einfach und trotzdem gut.
Wenn Sie an der Innenseite vorher noch einen Sperrputz aufbringen, können Sie möglicherweise das Wasser erheblich reduzieren.
Dazu brauchen Sie evtl. einen Fachbetrieb, denn es muss gegen das eindringende Wasser die Wand abgedichtet werden.
Es sei denn Wasser dringt nicht ständig ein, dann wäre es einen Versuch wert.
Wie gesagt es wäre nur eine Reduzierung.



i-Bausystem



Hallo Herr Bromm
der Plan bei meinem Keller wäre laut dem Bautenschützer folgender: das Mauerwerk auf der Bachseite nach und nach verpressen, bis die Fließstellen weitestgehend einhedämmt sind, eine Hohlkehle aus Sperrmörtel am Übergang von der Wand zum Boden(Stampfbeton), aufbringen einer Dichtschlämme an Boden und Wand, evtl. mit Sanierputz verputzen. Wäre anstatt dieser sehr aufändigen und kostspieligen Maßnahmen das I-Bausystem anwendbar?
mfg Rudi



Es kommt halt drauf an wass erreicht werden soll!



Das I-Bausystem ist keinesfalls irgendeine Abdichtung, logisch, weil dahinter Luftraum ist.
Dies ist eine thermische Trennung um Kondensation zu verhindern.
Wenn jedoch Wasser eindringt müssen Sie damit leben,
denn ....
Verpressungen gegen eindringendes Grund - oder Hangwasser.

Viele der Hausbesitzer sind erschüttert, wenn sie feststellen, dass Ihr Keller feucht wird, oder gar Wasser eindringt. Diese Not macht sich eine Reihe von Firmen zu Nutze und versprechen dem Hausbesitzer zu helfen in dem sie den Keller abdichten. Sehr oft kann man erleben, dass ein sehr billiges Angebot erstellt wird und auch, dass sich dieses Angebot als sogenanntes Einsteigerangebot herausstellt. Die Rechnung fällt dann meist wesentlich höher aus.

Eine wasserdichte Wanne
Besonders diffizil ist die Angelegenheit, wenn die Hausbesitzer der Meinung waren, bei ihrem Haus handelt es sich um eine dichte Wanne. Die Enttäuschung ist auch groß, wenn man bei Untersuchungen feststellt, dass statt Beton (der als Ortbeton gegossen wird), es sich um Betonsteine (die vermauert wurden), handelt.
Hier eine nachträgliche Abdichtung herzustellen ist fast ausgeschlossen. Es helfen die schönsten Versprechungen und Urkunden auch nicht darüber hinweg, dass es insbesondere an der Statik des Gebäudes liegt, dass keine nachträglichen Abdichtungen hergestellt werden können.
Es gilt nämlich die Gesetzmäßigkeit, dass der Wasserdruck nur aufgenommen werden kann, wenn eine dementsprechende Verankerung oder der Wasserdruck mit einem "Gegengewicht" ausgeglichen wird. Dies bedeutet auch, dass z.B. wenn davon auszugehen ist, dass außen ein Meter Wassersäule über dem Kellerfußboden ansteht bei einer nachträglichen Abdichtung mindestens 50 cm Beton aufgefüllt werden müsste. Da dieser doppelt so schwer ist, reicht die Hälfte der Wasserhöhe. In den meisten der Fälle ist dies jedoch technisch nicht machbar.

Eine ganz andere, aber auch wichtige Betrachtung ist, dass wenn Wasser in ein Gebäude eindringt nie genau kontrolliert werden kann, woher dieses Wasser kommt. Außerdem, wenn diese eine Stelle abgedichtet wird, könnte es durch das ansteigen des Wassers an einer anderen Stelle, die bisher nicht betroffen war, wieder austreten. Dies dadurch, weil durch die bisherige Fehlstelle eine Entlastung vorgenommen wurde. Es baut sich also ein erneuter Druck auf und Wasser kann an anderer Stelle eindringen.
Genauso problematisch bleibt bei Undichtigkeiten in Beton, dass es sich dabei um sogenannte Kiesnester handeln könnte, wobei ebenfalls davon auszugehen ist, dass wenn eine Stelle dicht ist, dann an einer anderen Stelle das Wasser eindringen kann.

Die Grundwasserstände unterliegen erheblichen Schwankungen.
Nach einer Verpressung wird so manchen Bauherrn oft suggeriert, die bis dahin erfolgte Abdichtung war schon ein Erfolg. Dabei handelte es sich nur um das zurückweichen des Wasserstandes.
Zu berücksichtigen ist außerdem noch, dass oft nach dem das Grundwasser sich wieder absenkt, die eigentliche Fehlerquelle nicht mehr zu ermitteln ist. Oft kann man diese falsche Einschätzung jedoch erst nach einem erneuten ansteigen des Grundwassers feststellen, was jedoch auch Jahre dauern kann. Die dadurch notwendigen Nacharbeiten sind somit kein erneuter Mangel. Es ist denkbar, dass mehrmals eine Verpressung durchgeführt werden muss.

Der Keller kann von innen abgedichtet werden
Nun solle nicht der Einruck erweckt werden, eine nachträgliche Abdichtung von der Innenseite ist in jedem Falle auszuschließen. Es gibt durchaus Fälle bei denen eine Abdichtung sinnvoll ist, jedoch bedarf es hier sehr guter Fachkenntnisse und auch ein gewissermaßen ehrliches Verhalten. Insbesondere auch die Information an den Hausbesitzer, was machbar und was nicht machbar ist.
So ist es durchaus denkbar, wenn z.B. während der Bauzeit zwischen der Schalung bei dem Erstellen des Betoniervorganges entweder ein Stück Holz oder auch ein Metall oder sonstiger Gegenstand in diese Schalung fällt, so dass diese keine ausreichende Betonüberdeckung aufweist, zu einer Undichtigkeit führen kann. Eine solche Fehlerstelle ist, wenn sie erst gefunden ist, ohne Problem abzudichten.
Ganz anders sieht es aus, wenn z.B. zwischen der Bodenplatte und der aufgehenden Wand kein Fugenband verwendet wurde. Es kann dann schon bei den geringsten Setzungen oder auch den thermischen Bewegungen zu einer Undichtigkeit wegen geringfügigen Bewegungen kommen.
Hier ist oft eine Abdichtung möglich. Jedoch schon ungleich problematischer und dies setzt ebenfalls sehr viel Fachwissen voraus.
Selbstverständlich spielen auch die Materialauswahl und die qualifizierte Ausführung durch die Handwerker eine wichtige Rolle.

Der deutsche Holz- und Bautenschutzverband DHBV, ein Zusammenschluss von qualifizierten Fachbetrieben, hat für solche Arbeiten ein Merkblatt bzw. ein Empfehlungsblatt für die Bearbeitung solcher Probleme herausgegeben. So dass sich auch der nicht so fachkundige, an Hand der Beschreibung orientieren kann welche Maßnahmen durchgeführt werden müssen. Auch einige Materialhersteller haben ihre Verarbeitungsrichtlinien mit solch qualifizierten Merkblättern ausgerüstet.
Jedoch bleibt die Problematik wie oben beschrieben und deshalb sollte genau und sorgfältig geprüft werden, welche der Maßnahmen zum Erfolg führen ! .....können.

Normenwerke; Merkblätter; Verarbeitungshinweise. Siehe auch: http://www.wta.de/