Wie kann ich den Keller sanieren..........

22.03.2013 gonzinho1966



Hallo, ich habe vor kurzem die Ölheizung aus dem Keller geschmissen und jetzt nach Abbau der Anlage einen ungenutzen Raum zur Verfügung. Ich habe das Haus (Alter ca. 130 Jahre) vor 5 Jahren gekauft und mein Vorgänger hatte schon einige Baumaßnahmen getätigt, bevor er die Ölanlage installiert hat. Die alte Bruchsteinmauer hat er teils verputzt und teils mit Beton (?) verkleidet. Es fühlt sich zumindest ähnlich wie dieser an. Nachdem er alles gestrichen hatte, hat sich über die Jahre Feuchtigkeit durch die Wände von außen durchgedrückt. An den "Beton"-Stellen blättert nur die Farbe ab, der Putz ist an einigen Stellen passabel, an anderen so brüchig, daß man ihn mit den bloßen Fingern abbröckeln kann. Auf der Treppen platzt auch die Farbe ab, Salpeter drückt sich durch. Dies ist auch auf dem Boden der Fall, der aber ansonst recht trocken erscheint. Ist sehr massiv, evtl. auch Beton reingegossen? Ich glaube am anschaulichsten sind die Bilder, die ich gemacht habe. Ich stelle sie mal hier rein. Ach so, noch ein Wort zum Material der Wände: ist ortstypisch für die Vordereifel aus Lavakrotzen (ein relativ poröses Gestein). Wandzwischenräume und Fugen sind mit Sand, Lehm, was auch immer gefüllt. Kann ich schlecht bestimmen. Auch davon ein paar Bilder. Vielleicht kann sich jemand ein Bild der Situation machen und hat eine Idee.

Viele Grüße
M. Hammes





Sorry, weiß nicht, wie ich mehrere Bilder auf einmal in den Beitrag bekomme.........





noch eins





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und vorerst letztes



Kellersanierung



Die Feuchteproblematik in Altbauten, speziell in den Kellern, kann man nur systematisch angehen im Versuch, die grundlegende(n) Feuchtequelle(n) zu ermitteln und eine angemessene + nachhaltige Lösung zu finden.

Das bedeutet regelmäßig, wenn man´s ernst meint mit der Schadensbehebung: eine Grundlagenermittlung zu betreiben, die bauliche Situation genau zu erkunden (Einbauzustand erdberührter Bauteile / Nutzung / Lüftungsverhalten / ersichtlicher und verdeckter Wasserandrang aus Oberflächenwasser und Bodenwasser), vielleicht ein Bodengutachten einzuholen zur geologischen und hydrologischen Situation, um verbindliche Auskünfte zu bekommen, wie man in Punkto Gebäudedrainage und Abdichtung zu verfahren hat.

Alles andere ist eher ungeplanter Aktionismus bis hin zu Schnellschüssen wie falschen oder überflüssigen Drainagen, sinnlosen und teuren Abdichtungs-maßnahmen, "Mauerwerkstrockenlegungen" mit dubiosen Mitteln etc.

Als Erkenntnis zum Schluß kann sich auch ergeben, das die Situation mit vertretbarem Aufwand nicht zu sanieren ist. Der Keller ist von seiner Konstruktion, seiner Anlage und Materialwahl wahrscheinlich für eine "moderne" hochwertige Nutzung gar nicht nutzbar. Das bedeutet, das Sie die Charakteristik des Kellers akzeptieren müssen, ohne ein vollkommen anderes Nutzungskonzept realisieren zu können.

Im letzten Jahr habe ich ein Sanierungsgutachten für ein Krotzenhaus in Kruft angefertigt. Der Vorbesitzer des jetzigen Eigentümers hatte mit massiven und falschen Abdichtungsmaßnamen die Kellerfeuchte bis in das EG getrieben.

In Ihrer Situation würde ich Ihnen bis auf Weiteres raten, das gesamte Mauerwerk von allen alten Anstrichen, Putzen und Betonresten zu befreien und die Feuchtigkeit durch richtiges Lüften abtrocknen zu lassen. Alle weiteren Maßnahmen können nur nach einer Beurteilung der Gesamtsituation konzipiert werden.

Die "Krotzen" = porige Basaltlava sind ein dichtes Material mit einer sehr geringen kapillaren Saugfähigkeit und einem - für Natursteine- recht hohen Dämmwert. Der Feuchtetransport wird hier bevorzugt über die Mörtelfugen geschehen, die durchaus aus Lehm oder altem Kalkmörtel mit geringem/ausgewaschenem Kalkanteil bestehen können. Die Salzbelastung tut ihr übriges durch ihre hygroskopische Wirkung. DIe Salze können aus früherer Tierhaltung stammen (Fäkalien/Schlachtungen), aber aus aus Dunggruben, alten Sickergruben (Latrinen), defekten Regen- und Abwasserleitungen (FAllrohre und Grundleitungen). Letzteres ziemlich häufig.


Nehmen Sie doch mal Kontakt zum Bau- und Energienetzwerk (BEN) Mittelrhein in Koblenz auf. Das BEN hat im letzten Jahr etliche Mustersanierungsgutachten für regionaltypische Altbauten des Kreises MYK zu sehr günstigen Konditionen gefördert. Gutachten auf dem Niveau von förderfähigen Bafa-Gebäudeenergieberatungen. Vielleicht ist dieser Topf für 2013 nochmals gefüllt worden und Sie können Ihr Haus einmal gründlich überprüfen lassen.

Ihre Anfrage an das BEN können Sie richten an Frau Renate Michel,BEN Mittelrhein e.V., August-Horch-Str. 6-8, 56070 Koblenz,info@ben-mittelrhein.de.





Hallo Herr Pickartz,

herzlichen Dank für die ausführliche Antwort.

Das, was Sie im zweiten Absatz schreiben ist bedingt durch die Situation vor Ort und die Lage des Hauses nicht möglich (oder wenn doch, wahrscheinlich unangemessen aufwendig/teuer).

Das im dritten Absatz möchte ich auf jeden Fall vermeiden.

Ich möchte den Keller auch nicht "modern hochwertig" nutzen, eher als Lagerraum für Wein, Obst und sonstige feuchtigkeitsunempfindliche Dinge. Die Charakteristik des Kellers akzeptiere ich, das "feuchte Klima" als solches stört mich nicht. Ich würde nur gerne das "schimmelige" Aussehen der Wände und Decke beseitigen. Daher bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als wie von Ihnen vorgeschlagen zuerst Altanstriche, -putze usw. zu entfernen. Wird natürlich eine Menge Arbeit und Dreck....

Zu der Adresse in Koblenz nehme ich gerne Kontakt auf, ist ja bei mir um die Ecke. Vielleicht kann mal jemand kurzfristig vorbeischauen.

Vielen Dank noch einmal für die Antwort und die Tips !!!

Viele Grüße
M. Hammes



Begutachtung



Das BEN führt selbst keine Begutachtungen durch, vergibt aber Aufträge an externe Gutachter. Vielleicht wäre ein Sanierungsgutachten für Sie interessant, wenn Sie den Bestand Ihres Hauses einmal im Gesamten unter dem Aspekt der substanzgerechten und der energetischen Sanierung untersuchen lassen wollen.

Wäre vor allem dann sinnvoll, wenn Sie über den Einbau einer neue Heizung nachdenken. Je nachdem, wie die Antwort des BEN ausfällt, können Sie sich bei Rückfragen und weiterem Beratungs- oder Planunsgbedarf gerne mit mir in Verbindung setzen.





Ich glaube, ein Sanierungsgutachten mit entsprechenden Maßnahmen, die sinnvoll ineinandergreifen, hätte vor 4 Jahren, direkt nach dem Erwerb des Hauses und vor Einzug gemacht werden sollen. Dafür ist es m.E. jetzt wohl zu spät, da ich einige Maßnahmen bereits getroffen habe. Z.B. habe ich die Öl-Heizung vor kurzem gegen eine Infrarot-Heizung getauscht und gerade eine Photovoltaik aufs Dach montiert. Die Kellerveränderung sehe ich also als separates Projekt ohne weiteren Zusammenhang mit dem Rest des Hauses.

Ich habe gestern meinen Vorbesitzer kontakiert und ihn über den Keller befragt. So sind die Bodenwanne und Teile der Wände tatsächlich aus Beton(rundum der "Sockel" bis eine Höhe von ca. 0,5 - 1m und teils auch bis in 2m Höhe. Der Keller war damals ca. 1m höher und er hat ihn ausgeschachtet und mit der Betonverschalung seitlich gegen seitliches Abrutschen des Erdreichs gesichert. Der größte Teil der Wände und der Decke sind alte Bruchsteinmauer. Nach seiner Aussage waren die sehr unansehlich (wilde Mischung von Lava, Schiefer, Sonstigem Gestein, Erdreich), weshalb er sie dann verputzt und gestrichen hat. Ein bloßes Freilegen würde also wahrscheinlich nicht den gewünschten optischen Erfolg bringen. Vielleicht könnte man aber nach einem Freilegen einen anderen Putz aufbringen, der nicht wie der jetztige auf Dauer "wegfault", sondern kein Problem mit Feuchtigkeit der darunterliegenden Wand hat. Gibt es sowas? Lehm oder Ähnliches?



Kellerputz



Ob ein Verputz der Kellerwände ratsam ist, hängt von der Feuchtebelastung, dem Wasserandrang ab. Es gibt Kalkputze, die für feuchtes Kellermauerwerk geeignet sind. Alle anderen Materialien scheiden hier aus. vor allem Lehm- und gipshaltige Putze. Auf keinen Falle sind Sperrputze zu verwenden. Sie sind kontraproduktiv und treiben die Feuchtigkeit nur hoch.

Bei wirklich starker Feuchtebelastung und/oder Salzeintrag macht ein Verputz keinen Sinn. Er behindert die Austrocknung ode wird vom Salz abgesprengt. Da wäre dann eher nur eine saubere Neuverfugung des Mauerwerks zur Stabilisierung zu empfehlen.

Gibt es Risse im Kellermauerwerk? Das "Tieferlegen" und untergraben der alten Fundamente ist statisch nicht ohne Risiko.





Keine Risse im Kellermauerwerk.

Wie stark die Feuchtebelastung ist, kann ich nicht sagen. Wie mißt man die denn? Das ist ja wahrscheinlich meßbar. Subjektiv "aus dem Bauch heraus" (mir fehlt ja die Expertise) würde ich die Belastung als nicht allzu hoch ansehen.

Eine Verfugung wäre schön. Das mache ich bereits im Innenbereich der ans Haus angeschlossenen Scheune mit Traßzementmörtel. Allerdings habe ich dort auch eine schöne "saubere Wand". Ob das im Keller auch so aussieht? Der Vorbesitzer hat das ja verneint und das was ich bis jetzt probeweise freigelegt habe, scheint das zu bestätigen.

Ich lade mal Bilder hoch. In der Scheune sieht man das recht schön, das Bild aus dem Keller bringt es nicht so richtig rüber. Es sind halt nicht sauber übereinander aufgeschichtete Lavakrotzen wie in der Scheune, sondern größere Zwischen-/Hohlräume mit Erdreich/Schiefer usw.





Mauer Scheune mit Altfugen/unverfugt





Mauer Scheune neu verfugt



Wie kann ich den Keller sanieren



Den Ausführungen von Herrn Pickart kann man nur zustimmen!

Es wird egal sein was sich unter dieser Verschlimmbesserung verbirgt,es wird besser sein wie das was man auf den Bildern sieht..!
Warum der Vorbesitzer an der Seite noch betoniert hat versteht man nicht. Fehlstellen ersetzt man oder nimmt ähnliches, zumal solche Mauern tief ins Erdreich gehen.

Die Idee mit dem Weinlager finde ich gut. Lassen sie überall
Abstand zur Wand und nehmen sie kein Holz.

Viel Erfolg





Ich habe mich doch entschlossen, mir viel Arbeit zu machen. Einen Teil der Wände habe ich bereits von altem Putz befreit und ich denke, die alten Bruchsteinwände können sich doch eigentlich sehen lassen (s. Bild). Jetzt werde ich mit Traßzementmörtel ausfugen. Dann sollte in diesem Bereich des Kellers eigentlich die entsprechende "Atmungsfähigkeit" gewährleistet sein.





nimm mal lieber Trasskalkmörtel





Wirklich? In der Scheune habe ich den Traßzementmörtel genommen. Ist der Traßkalkmörtel noch besser geeignet?



Wie kann ich den Keller sanieren



Bravo. bin ganz begeistert!
Sie haben die Ansage gelesen: Die Entfeuchtung entsteht weitgehenst über die Fugen! Nehmen sie PM Binder: Mischung !:5
viel Erfolg!