Bruchstein Keller, Trockenlegung

30.01.2007


An alle die ein ähnliches Problem mit Ihrem Keller haben.

Habe vor ca. 10 Jahren ein Haus gekauft das Anfang der vierziger gebaut wurde, und bis 1996 eigentlich kaum renoviert wurde. 1997 habe ich dann eine Komplettsanierung durchgeführt wie Dachstuhl und 1. Stock abgebrochen, Innen und Aussenverputz abgeschlagen, neue Fenster und Türen, neues Bad, Elektrik komplett ausgetauscht, Abwasser und Brauchwasser komplett neu verlegt, Zentralheizung.
Nur der Keller kam immer zu kurz, da man ihn vorzugsweise nur zum Abstellen von Dingen brauchte die man dann später doch entsorgte.
Was aber immer störte war das abgestellte Kartons innerhalb kürzerster Zeit durch die Feuchte zerbröselten und der unheimlich tolle Motergeruch durch Haus zog.


Nun war es so weit der Keller soll bewohnbar gemacht werden, also ran ans Problem. Zuerst habe ich mich mit bekannten Unterhalten was man tun könnte um einen solchen Feuchtbiotop trocken zu bekommen. Von A bis Z wurden mir Vorschläge unterbreitet die von einfach Beton reinkippen und gut ist bis ist nicht machbar reichten. Also habe ich Abend für Abend das Internet auf solche Probleme hin durchsucht (unter anderem auch diese Seite hier gefunden) und mir ein konzept zusammengestellt. Eins war von Anfang an klar, nur von Innen ist das Problem nicht in den Griff zu bekommen, sondern nur von aussen.

Beschreibung des Kellers:
Bruchstein Mauerwerk 55cm stark grobe Fugen mit Lehm gemauert.
Boden, reiner Mutterboden teilw. Betonbodenplatten verlegt.
Stahlfenster.

zum Konzept:
1. Haus Seitenweise freilegen, bis zur Unterkante des Streifenfundaments, cirka 1m Breite nach unten etwas verjüngt. (Bild 1)
2. 30cm dickes WU-Beton Fundament als Stabilisator und Sauberkeitsschicht, Wände Verputzen mit 620 Verputz.
3. nach 3-4 wöchiger trockenzeit 2 faches Streichen der wände mit Bitumenvoranstrich.
4. PE-Bitumenschweißbahnen vollflächig und 10cm überlappend auf der Wand verschweissen.
5. 8cm dicke Hartschaumplatten als Dämmung mit KMB ankleben.
6. Recyclingboden verfüllen und verdichten.
nach fertigstellung der Aussenwände kam das Kellerinnere dran.

1. Boden 20cm ausschachten um die Deckenhöhe zu halten nach einbringen des Betonbodens.
2. Horizontalsperre mit V60 Schweißbahnen mit Glasvlieseinlage und 10 uberlappend verschweißt.
3. Altverputz von den Wänden schlagen und neu verputzen mit 620er.
4. Hartschaumplatten 4cm stark als Dämmung gegen aufsteigende Kälte.
5. Plastikfolie (stark genug) auf den Platten auslegen.
6. Stahamierung Q8 Matten auslegen (überlappend 3 vierecke)
7. WU-Beton Verlegen ca.15cm stark
zum schluß wurden dann die Stahlfenster gegen Plastikfenster ausgetauscht.


Dies ist jetzt genau 14 Monate her und was soll ich sagen, der Keller ist Wohnraumtechnisch voll nutzbar schön trocken und der Motergeruch gehört auch der Vergangenheit an.


Ich hoffe es hilft manchen bei der Entscheidung weiter



Trockenlegung Keller



Lieber Klaus,
Glückwunsch zum trockenen Keller.
Da ich aber als Gutachter immer was zum Meckern brauche (was jetzt kommt,ist nicht persönlich gemeint) und Du die Sanierung als nachahmenswertes Beispiel bringst, einige Hinweise und Erläuterungen von mir für Nachnutzer:

1. Freilegen Kellermauern
Zum Freilegen von Grundmauern und Fundamenten gibt es technische Regeln, um Einstürze und Setzungen zu vermeiden.
Eine Regel besagt, das Bauwerke nicht ohne ausreichende Sicherungsmaßnahmen wie z. Schachtabschnitte bis zur Fundamentunterkante oder tiefer freigeschachtet werden dürfen. Gut, das hier nichts passiert ist.

2. Baugrund
Für eine senkrechte Abdichtung ist die Wahl des Abdichtungssystems abhängig von der anstehenden Bodenart und der Oberflächenform des Geländes. Bei nicht bindigen Böden (Kiese, Sande)genügt eine Abdichtung gegen Bodenfeuchte. Bei bindigen Böden, die ich hier in diesem Fall vermute, ist die Abdichtung anders auszuführen, da es zu zumindest kurzzeitig stauendem Wasser kommen kann. Die Fundamentstabilisierung ist wasserundurchlässig, der umgebende gewachsene Boden ebenfalls. Entweder man vermeidet hydrostatischen Druck durch eine Drainage oder die Abdichtung muss gegen Wasserdruck ausgelegt sein. Dies ist hier glücklicherweise der Fall.

Viele Grüße
Georg



Trockenkegung Keller



Hallo Georg,

na klar habe ich mir vorher gedanken gemacht wie ich meinen Keller richtig Abdichte (DIN 18 195 Bauwerksabdichtung), da ich kein Geld ausgeben wollte um ein Bodengutachten zu erstellen, habe ich den Fall anstauendes drückendes Wasser angenommen und so abgedichtet. Drainage kam für mich nicht in Frage da wenn man sie Fachgerecht ausführen möchte mit Inspektionsschacht, Spülschacht, Anschluss ans Abwassernetz oder Sickerschacht dies mit sehr viel Arbeit verbunden ist und ob sie dann jahrelang funktioniert ist eine andere Frage.

Zum absichern des Graben sei gesagt, das es hier ein gewachsener Boden der Klasse 1 ist und der nicht unbedingt mit Spundwänden abzusichern ist (geb schon zu war mir am Anfang auch etwas heikel) aber wie gesagt nur am Anfang, dann sah man schon das da nichts passiert einstürtzt nachruscht.

Zur Einsturzgefahr des Hauses, da ich wie geschrieben Seite für Seite aufgegraben habe und wieder geschlossen habe bis 60cm vor Hauswandecke, wie soll da ein Haus einstürtzen???


Gruß
Klaus



Bruchsteinkeller, Trockenlegung



Hallo Klaus,
mein Hinweis zur Sicherheit bezog sich nicht auf den Arbeitsschutz beim Schachten. Aber wenn Du für das nächste Mal dazu noch ein paar Informationen über die geltenden Regeln brauchst:
Der Böschungswinkel von ca. 80°, der bei Dir vorhanden war, ist bei bindigen Böden zu hoch, zulässig sind 60° oder der Graben darf max. 1,25 m tief sein, bei Abschrägung im oberen Bereich oder Einsatz einer Gurtung max. 1,75 m. Die untere Arbeitsraumbreite sollte min. 0,60 m betragen. Da nichts passiert ist, gut, aber Nachahmer sollten zumindest wissen, gegen welche Regeln sie verstoßen.
Bodenklasse 1 sind flüssige bis breiige Böden nach DIN 18300. Diese DIN klassifiziert die Böden nach dem Aufwand für die Gewinnung und nicht nach ihrer Standsicherheit oder Tragfähigkeit.

Nun zum Eigentlichen:
Mein Hinweis zur Sicherheit bezog sich auf Regeln bei der Freilegung von Fundamenten.
Streifenfundamente tragen durch Sohlpressung und durch Mantelreibung. Mantelreibung ist der Widerstand gegen Abscheren, der zwischen der senkrechten Fläche und dem Erdreich herrscht. Je tiefer das Fundament, je höher der Anteil, der durch Mantelreibung getragen wird.
Wenn ich eine Seite des Fundamentes bis zur Unterkante freischachte, fällt diese Mantelreibung weg, zum Abtragen der Last bleibt nur noch die Sohle. Wenn jetzt noch bei bindigen Böden Vernässung der Fläche vorkommt (starker, längerer Regen in die Baugrube, keine Wasserhaltung), kann es zum Grundbruch kommen, das Fundament weicht seitlich in die Baugrube aus.
Daher gilt die Regel, das Fundamente nur abschnittsweise an einer Wand freigelegt werden dürfen, damit noch genügend Halt durch das verbliebene Erdreich vorhanden ist.
In Deinem Fall ist es gut gegangen, mir geht es aber um andere Heimwerker, die sich Dein Beispiel zum Vorbild nehmen. Wenn ihre Verhältnisse etwas ungünstiger liegen, kann es zu Schäden oder Schlimmerem führen. Jedes Jahr sterben einige Heimwerker bei genau diesen Arbeiten oder müssen von der Feuerwehr ausgegraben werden.
Nun noch mein Hinweis zur Abdichtung:
Es ist gut, das Du den Lastfall stauendes Wasser angenommen hast, denn mit der für mich unbegreiflicherweise eingebauten "Sauberkeitsschicht" aus WU- Beton hast Du Dir eine Versiegelung der Grabensohle eingebaut, die garantiert kein Wasser durchlässt, bei Regen Wasser in dem verfüllten Erdreich aufstaut und auch langfristig dafür sorgt, das dieser Wasserdruck auf die Abdichtung wirkt. Dazu kommt noch, das ständig drückendes Wasser unter die Fundamentsohle geleitet wird und hier die Tragfähigkeit des bindigen Baugrunds herabsetzt. Das kann durchaus in mehreren Jahren zu Setzungen führen, vielleicht nur im mm- Bereich. Diese paar Risse können aber dafür sorgen, das Deine jetzt noch funktionierende Abdichtung nicht mehr so gut funktioniert.

Viele Grüße
Georg



Bruchstein Keller, Trockenlegung



Hallo Georg,

was soll ich sagen hört sich alles wie es halt so ist in Deutschland nach Vorschriften wie DIN, DIN-EN, Normen usw. an. Klar gibts die fürs und wieder einer Sache, aber genau diese Dinge bringt die Leute (Staat) nicht weiter weil immer irgendwo einer aufsteht und sein misstrauen äussert und nur darauf wartet das es eintritt um dann zu sagen "Ich habs gewußt das das schief geht". Wenn man aber mit technischem Sachverstand an eine Arbeit ran geht, hat man eigentlich nichts zu befürchten, mir ist noch kein Fall geläufig das wenn man eine Hausseite freilegt bei Wandstärken von einem halben Meter das da etwas Einstürtzt.

Setzungen nach mehreren Jahren können immer passieren ob da ein Gürtel aus WU Beton ist oder nicht (Bodenbewegungen), ich würd mal behaupten das da kein Wasserdruck an der Fundamentsohle entsteht und somit auch keine Aufweichung des Bodens ich denke eher es verhält sich genau umgekehrt (trocknenere Sohle).

Um das ganze abzuschließen, man könnte darüber noch Wochenlang diskutieren ohne auf einen Nenner zu kommen so scheitern auch die meisten Projekte, wollte ich nur mein Wissensstand bezüglich Kellertrockenlegung die bezahlbar ist weitergeben (darstellen). Vielleichts hilfts ja den einem oder anderem.

In diesem Sinne

Gruß
Klaus



Aber warum wurde dieser Aufwand betrieben? Wasser - als Flüssigkeit war doch überhaupt kein Thema.



Ob eine Abdichtung erforderlich war ist fraglich.
Hat dies überhaupt jemand fachlich bewertet?
Wenn ja - wie?
Das Problem das Sie zu lösen hatten war doch ausschließlich Kondenswasser!
Die Lösung wäre ein guter Luftentfeuchter gewesen. Eventuel noch eine Dampfsperre und eine Wärmedämmung an der Innenseite.
Alles andere war zuviel und nicht notwendig.
.
Wie wurde übrigens der Boden beim auffüllen verdichtet?



Bruchstein Keller, Trockenlegung



Dazu brauche ich keinen FachIdioten der das bewertet, Kondenswasser war nicht das Problem sondern feuchte Wände und dies bekommt man nur von aussen in den griff von innen ist immer fraglich, aber das wissen sie ja selbst am besten.
Und was zuviel oder zu wenig war, können sie mit Sicherheit von ihrem Schreibtisch aus nicht bewerten da gehört schon mehr dazu.


Verdichten des Bodens na wie sich gehört laut DIN alle 40 cm verdichten. Aber das wissen sie doch. Bei belegen des Bodens mit Verbundsteinen 10cm frostschicht Schotter und min. 5cm Split und alles gut verdichten.



Danke für Ihre Ratschläge. Da Sie ja alles wissen, warum fragen Sie überhaupt?



Sie selbst haben das Problem beschrieben!
Ich zitiere: Was aber immer störte war das abgestellte Kartons innerhalb kürzerster Zeit durch die Feuchte zerbröselten und der unheimlich tolle Motergeruch durch Haus zog.
Weitere Einlassungen erspare ich mir - wegen Ihrer "freundlichen" Einlassung.
Viel Erfolg



Bruchstein Keller, Trockenlegung



Ich Frage doch gar nicht, sondern gebe nur Antwort auf Ihre Fragen an mich. Aber wissen Sie welches die besten Fragen sind? Da wo man die Antwort schon weis.



Trockenlegung Bruchsteinkeller


Trockenlegung Bruchsteinkeller

Tja, lieber Klaus,
es stürzen Häuser ein, wenn man die Fundamentsohle freischachtet.
Ich hatte mal so einen Fall, bei dem eine Giebelwand umgefallen ist.
Trotz eindeutiger Arbeitsanweisung wurde am Giebel nicht in Abschnitten, sondern im Ganzen heruntergeschachtet, um ein Gebäude als Nachbarbebauung zu gründen. Bei noch nicht einmal der Hälfte der Giebelbreite stürzte die Wand in die Baugrube. Zum Glück ist dem Maschinenfahrer nichts passiert, da ein paar Bürokraten dafür gesorgt hatten, das die Kabine verstärkt war.
Ursache für den Einsturz war die Arbeit von 3 "Experten".
Der erste hatte bereits 80 Jahre vorher entschieden, das ein bisschen Beton auf blankem Sand den Giebel schon halten würde (was er auch 80 Jahre gemacht hat). Der nächste "Fachmann" hatte beim Sanieren der Erdgeschoßdecke unbürokratisch die Maueranker über dem Streichbalken abgeflext, vermutlich weil sie störten (hat ja auch ein paar Jahre gehalten). Der letzte im Bunde glaubte wie Du, das Sicherungen beim Aushub nur was für Weicheier sind und Geld und Zeit kosten. Dazu kam noch eine Türöffnung mit Rundbogen, der ein Widerlager an der Giebelwand hatte.
Alle diese Ereignisse haben für sich allein den Einsturz nicht verursacht. Man sollte sich aber deshalb nicht unbedingt darauf verlassen, das die Sicherheitsreserven schon reichen werden.
Am Montag habe ich mir z.B. in Eisleben eine rückwand angesehen, die sich seit der Sanierung vor einigen Jahren stetig in Richtung Hof bewegt. Ursache: Hier und da ein Türdurchbruch unter einem Kreuzgratgewölbe, man hat ja Stürze eingebaut. Ich habe ganze Aktenordner mit den Ergebnissen der Arbeit unbürokratischer Experten...



Trockenlegung Bruchsteinkeller



Das spricht ja nicht gerade für die Fachleute und Firmen wenn die Häuser zum einstürzen bringen, da gehört ja schon viel dazu an Nachlässigkeit wie du auch beschreibst.
So was könnte mir nicht passieren, dazu bin ich einfach zu viel experte