Schimmel im Gewölbekeller trotz Lüftung -Pflastern ?

20.08.2008



Hallo, liebe Freude,

seit längerem bin ich regelmäßiger Besucher dieser wunderbaren Seiten. Heute habe ich ein Problem, dass ich mit Euch teilen möchte.

Ich habe eine Frage zu meinem Gewölbekeller und möchte daher kurz die Randbedingungen schildern, damit Hinweise leichter fallen.
Der Keller liegt in einem Haus mit Bj. 1938. Der normale Keller ist ca. 2,40m hoch, der Gewölbekeller liegt noch 4 Stufen tiefer und besitzt einen - nach meinem persönlichen Eindruck - sehr fest gestampften Lehmboden, der recht uneben ist (ca. 15cm Differenz). Er hat eine Tür zum Kellerflur, die zur Belüftung stets halb offen steht. Zusätzlich ist ein Fenster dauerhaft gekippta aber mit einem Holzladen verschlossen. Sinn der Sache ist, dass ein Luftaustausch stattfinden soll, aber gerade im Sommer kein allzu großer um die Luftfeuchte draußen zu halten. An kalten Sommermorgen reiße ich früh morgens, jedenfalls wenn ich daran denke, die Kellerfenster auf um die Wärme und Feuchte rauszubekommen.
Die Luftfeuchte pendelt zw. 50% (Winter) und 70% (Sommer), bei 11°C (Winter) bis 17°C (Sommer). Dies ist das erste Jahr in unserem Haus. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass die Umzugsleute beim Einzug vergangenen Sommer Kartons ausgelegt hatten und diese nach einigen Wochen auf der Unterseite sehr hässlich von Schimmel befallen waren. Daraufhin habe ich an den betroffenen Stellen die obere Lehmschicht abgekratzt und mit Antischimmelzeug besprüht. Der Gewölbekeller ist über 3m hoch, der übrige Keller hat eine Art Estrich auf Zementbasis, die heute so nicht mehr gemacht wird.

Nun ist es so - und das ist das Problem - dass die bodennah lagernden Etiketten meiner Weinflaschen und sogar die der Bierflaschen mächtig schimmeln.

Hat jemand einen Tipp, ob das bereits durch die Luftfeuchte zustande kommt oder eher auf dem vorherigen Schimmelereignis beruht. Flaschen einen Meter über dem Boden sind viel weniger betroffen, aber durch den offenen Boden wohl auch weniger der Feuchte ausgesetzt. In der ersten bodennahen Ebene ist kaum noch etwas zu lesen.
Haltet Ihr die beschriebene Art zu Lüften für sinnvoll ? Denn etwas Luft muss ja aus Keller wegen des Lehmbodens auch hinaus. Warme Luft ist halt auch feuchter.

Als Folge erwäge ich daher den Boden mit Kies (o.ä.) und Splitt (ö.ä.) zu begradigen und Ziegelsteine quer auf den Boden zu legen, also zu pflastern. Dies ist wasserdampfdurchlässig und der Ziegel soll als Wasserdampfpuffer fungieren. Nebenbei passt es auch zum Ziegelgewölbe, welches aber noch hinter einer Putzschicht versteckt liegt. Zwischen dem Boden und dem Gewölbe sind Bruchsteine gemauert.
Hält das der Ziegel auf dem Boden auf Dauer aus oder weichen solche Steine mit der Zeit auf ? Kann dieser einfache Bodenaufbau empfohlen werden ? Sollten einige cm Lehmboden abgetragen werden?

Ich entschuldige mich für den Umfang meiner Anfrage und danke Euch für Eure Ratschläge !



Schimmel, Lüften, Lehmboden



Hallo Herr Löffert,

da Sie nicht von nassen Wänden und in Pfützen patschen berichten gehe ich - ohne es gesehen zu haben - erstmal von Kondensfeuchte aus. Im wesentlichen erscheint Ihr Umgang mit dem Keller und dem Lüften als bedacht und in Ordnung. Schließen Sie das dauerhaft gekippt Fenster und lüften Sie wie gehabt. Ein Effekt kann sich bereits nach ein paar Wochen einstellen.
In meinem eigenen Keller – sehr ähnliche Verhältnisse - wurde während des Umbaus nach einer neuen Leitungsführung durch einen Lichtschacht ein etwa 12 x 25 cm großes Loch nicht verschlossen. Die Feuchtebelastung im Keller hat innerhalb kurzer Zeit dadurch sichtbar und spürbar zugenommen.

Während das Ziegelgewölbe und der Lehmboden Feuchte aufnehmen und abgeben können, werden dies die Glasflaschen keinesfalls machen. Das aufgeleimte Papier allerdings nimmt Feuchte an und kann dies an den Untergrund (Glasflasche) nicht abgeben. Das schimmelt dann irgendwann wie eine vergessene alte Karotte im Kühlschrank. Die weiter unten gelagerten Flaschen dürften - wenn Sie nicht frei in Raummitte stehen - auch beim morgentlichen Lüften weniger feuchteärmere Luft abbekommen => also es wird weniger im Papier sitzende Feuchte abgeführt. Ein Temperaturunterschied zwischen oben und unten gelagerten Flaschen dürfte zu gering sein um einen Effekt zu haben. Ein beispielsweise frei im Keller von der Decke hängendes Blatt Papier sollte nicht anfangen zu schimmeln.
Organische Stoffe sollten in einem solchen Keller nicht gelagert werden. Ob durch das Entfernen der Putzschicht eine weitere Verbesserung erzielt werden kann kommt auf das Material des Putzes an.

Ich selbst bin noch in der Umbauphase, werde den Lehmboden allerdings so belassen. In meinem angrenzenden Haus wurde vom Vorbesitzer eine Splittlage eingebracht. Funktioniert auch. In einem weiteren kleineren Raum wurden zur Bauzeit des Hauses wegen des dort liegenden Wasseranschlusses Vollziegel verlegt. Dies ist bisher der dauerhaft trockenste Raum.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



P.S.: Bei Bierflaschen erachte ich das persönlich als nicht so schlimm, während es bei Weinflaschen schon eine schiere Katastrophe ist. :o)





Das Thema scheint mir abgehandelt was mich allerdings interessiert Herr Kornmeyer.
Wieso ist Schimmel bei Weinflaschen eine Katastrophe und bei Bierflaschen nicht so schlimm?

Sagen Sie mir aber nicht man würde es schmecken!? Schließlich wurde Frostschutz im Wein nur durch Laborprüfungen gefunden und nicht weil sich ambitionierte Weintrinker-,Kenner beschwert hätten :-))

schöne grüße von der Milchfront
jens



Abgehandelt



Schönen Dank für die umfangreiche Antwort Herr Kornmeyer. Ich werde Ihrem Hinweis mit dem Fenster nachgehen, obwohl die Luftmenge wegen des Ladens nicht groß sein kann. Vielleicht reicht es es ja trotzdem zur Befeuchtung. Auch sonst ist Ihre Einschätzung sehr stimmig (Pfützen, Blatt Papier etc.).

Ich sehe das Thema allerdings nicht als abgehandelt an. Eine Außenabdichtung mit Drainage etc. kommt aus finaziellen Gründen nicht in Frage, zumal mind 3,50m tief "geschürft" werden muss. Diverse Fragen/Antoworten zu dem Thema sind mir natütrlich bekannt.

Daher die Frage nach dem Boden. Abdichten möchte ich den Lehmboden im Keller nicht, jedenfalls nicht mit "ganz dichten" Bodenbelägen. Ich vermute ich sähe das Wasser dann über die Wand wieder.

Grüße
Achim Löffert

P.S: Auch ich empfinde die nachhaltige Beschädigung der Etiketten meiner besten Weine als erheblich schlimmer, als bei den Bierflaschen. Allerdings dürfte bei der Verkostung dies bei Weinflaschen eher akzeptiert werden als bei Bierflaschen...



Schimmel auf Weinflaschen vs. Schimmel auf Bierflaschen: Unterschiede



Hallo Herr Schröters,

beim Unterschied zwischen Wein und Bierflaschen geht es eher um den den Inhalt denn um das schimmelige Etikett. Ich lebe nun mal in einer Weingegend und da liegen die inhaltlichen Vorlieben eher bei den Weinflaschen. :-))

Wobei ein Jahrelang dem Schimmel ausgesetzter Weinkorken auch den Inhalt irgendwann vermuffen wird.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Pfarrer Assmann



Hallo Herr Löffert,

eine Außenabdichtung oder Drainage steht höchstwahrscheinlich gar nicht bei Ihnen an und würde bei gleicher "Kellerbewirtschaftung" defacto nichts ändern.

Die Luftmenge die ausgetauscht wird ist enorm - je nachdem, wie dicht der Laden sitzt, ob er Schlitze hat usw. Meine kleine Öffnung und ein Türschlitz haben mir innerhalb von wenigen Wochen den ganzen Keller befeuchtet.

Solange Sie den Lehmboden nicht "luftdicht" verschließen können Sie das machen wie der Pfarrer Assmann.

Lehmboden belassen, reine Splittschicht oder auch Splittschicht mit verlegten Vollziegelsteinen dürfte funktionieren.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer



Lüftest Du wirklich richtig?



Das in der Wand befindliche Wasser verdunstet und geht damit in die umgebende Luft über, die hierdurch feuchter wird. Die Verdunstung des Wassers aus der Wand ist um so schneller, je trockener die Umgebungsluft ist. Da die Umgebungsluft mit zunehmender Wasserverdunstung feuchter wird, nimmt auch die Verdunstungsgeschwindigkeit des Mauerwerk - Wassers ab. Die Trocknung des Mauerwerks verlangsamt sich also mit zunehmender Luftfeuchtigkeit.

Hierzu einige Zahlen.

Ein Quadratmeter nasses, gesättigtes, 50 cm dickes Mauerwerks enthält etwa 200 - 300 Liter Wasser. Ein Kubikmeter Luft kann bei +10 °C nur 9,5 Gramm und bei +20 °C etwa 17,5 Gramm Wasser aufnehmen. Der Begriff der relativen Feuchte ist allgemein bekannt. Was ist jedoch relative Feuchte?

Enthält 1m³ Luft bei +10 °C nur 4,75 Gramm Wasser, dann ist sie nur zu 50% gesättigt, denn sie könnte das Doppelte an Wasser (9,5 g) aufnehmen. Man sagt dann, die Luft hat eine relative Feuchte von 50%.

Bei +20 °C enthält Luft mit 50% relativer Feuchte 17,5 g * 50% = 8,75 Gramm Wasser.

Man sieht, dass warme Luft mehr Wasser aufnehmen kann als kalte Luft. Eine merkbare Wasserverdunstung aus nassem Mauerwerk findet zudem nur bis etwa 80% relativer Feuchte der Umgebungsluft statt.

Ein Beispiel:


In einen Keller mit nassem Mauerwerk gelangt Luft mit +10 °C und 50% relat. Feuchte. Diese Luft enthält also bereits 4,75 g Wasser. Das nasse Mauerwerk hat etwa die gleiche Temperatur wie das aussen anliegende Erdreich, also auch etwa +10 °C. Luft mit 80% relat. Feuchte enthält 7,6 g Wasser. Die Luft kann also je m³ noch 2,85 g Wasser aus der Wand aufnehmen. Enthält 1 Quadratmeter Wand 285 Liter /Kilogramm Wasser, dann werden zur Austrocknung 100000 m³ Luft je Quadratmeter nasser Wandfläche benötigt. Das heisst, man muss die feucht gewordene Luft durch kräftiges Lüften austauschen und Geduld haben, bis die Wand völlig ausgetrocknet ist.

Noch ein Beispiel:


An einem schwülwarmen Tag gelangt Luft mit +20 °C und 80% relat. Feuchte in den Keller. Diese Luft enthält also bereits 14 g Wasser. Diese Luft kühlt sich an der nassen, kalten Wand auf +10 °C ab. Sie kann bei 100% relat. Feuchte aber nur 9,5 g Wasser enthalten. Das heisst, dass die Luftfeuchtigkeit an der kalten Wand kondensiert. Die Umgebungsluft gibt je Kubikmeter ca. 4,5 g Wasser an die kalte Wand ab. Die Wand "schwitzt". Das Kondenswasser läuft an der Wand herunter. Es sieht dann so aus, als wenn die Wand wieder undicht geworden sei.

Die Beispiele zeigen, dass die Trocknung der nassen Wand im Winter schneller abläuft als im Sommer.

Benutzen Sie deshalb nur kalte Luft! Warmluftgebläse können die Trocknung verzögern!

Wenn Sie im Keller leichten Durchzug haben, trocknet die Wand am schnellsten. Wollen Sie die Trocknung von nassen Wänden beschleunigen, dann können Sie einen sogenannten Kältetrockner benutzen. Diese Geräte entfernen das Wasser aus
der Luft, sie senken also die relative
Feuchtigkeit.

www.porofin.de -Trocknungshinweise





Herr Rupnow,
Sie bessern sich ja.
Der erste hilfreiche und passende Beitrag den ich hier von Ihnen Lese!

gruß jens





das muß belohnt werden!
ich vergeb einmal "hervorragender Beitrag" auch wenn es mir nichts neues offenbart.
Vielleicht jedoch dem Fragesteller.



Danke an alle Antworten



Die Temperaturabhängigkeit der Wasseraufnahmefähigkeit der Luft und die Folgen für die relative Luftfeutigkeit sind mir wohl bekannt. Daher resultierte das Lüftungsverhalten, das ich als richtig angesehen habe und auch noch so vertreten kann.

Ich nehme aus den Antworten insbes. mit, dass die durch den Landen ausgetauschte Luftmenge ggf. größer ist, als von mir angenommen und einen wesentlichen Einfluss haben kann. Das Fester bleibt vererst zu, Lüftungen werden nur stoßweise vorgenommen. Mal sehen, was sich tut in den nächsten Wochen.
Der Bodenbelag wird dann vielleicht in Winter kommen.

Viele Grüße
Achim



Lehmputz selbst zieht Feuchtigkeit



Hallo,

einfach ersetzen durch ein geeignetes Putzsystem.
http://www.mauertrocken-shop.de/download/info_spezialputz.pdf

MfG A.Cyba



aufsteigende Feuchte



Hallo Frau Cyba,

da müssen Sie mir mal kurz auf die Sprünge helfen. Sie sprechen von einem Putzsystem. Wird jetzt nur verputzt oder doch die Wand aufgeschnitten? Dann ein Kunststoffkeil / -schiene eingelegt an die bündig verputzt wird? So ganz habe ich das nicht verstanden.

Wie funktioniert es, das an der Außenwand anliegendes Wasser nicht den Bereich oberhalb des Schnittes durchfeuchtet? Oder bedeutet der Hinweis auf Ihrer Internetseite; "Garantierte Dichtheit gegen aufsteigende Feuchtigkeit gem. DIN 18195 Teil 4" das die Wand von außen bereits abgedichtet ist und Ihr System ausschließlich den Part der "aufsteigenden Feuchte" in Angriff nimmt?

Verkaufen Sie ebenso den Putz und handelt es sich innen dann um Zement-, Kalk- oder Kalkzementputz? Oder liefern Sie einen Zusatz zum Putz und um was handelt es sich dabei?

Um Aufklärung bittend grüßt aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer