Gewölbekeller scheinbar einsturzgefährdet

24.02.2011



Seit 2008 haben wir in unserem 1872 erbauten Bauernhof (ohne jede Abdichtung zum Vollkeller hin, der aus Bruchstein und Ziegel besteht und über Ziegelgewölbe verfügt) Elektroosmosegeräte eingebaut, nachdem eine vorher erfolgte Injektion der Außenwände komplett verpfuscht und wirkungslos eingebracht worden war.
Die Nässe in den Räumen im EG hat sich etwas verbessert und jetzt wäre der Punkt da gewesen, im Keller den alten Putz abzuschlagen, damit die Wände noch leichter trocknen können. Habe damit angefangen (der Putz kommt auf leichtes Klopfen mit dem 1500 gr-Hammer fast von selbst) und bin dabei auf einen schweren Gebäudeschaden gestoßen:

Die Kellerdecken sind als Ziegelgewölbe ausgeführt, vermutlich mit innerer Schüttung, darüber die EG-Böden. An der Kellerdecke gibt es einen breiten Riss, der sich über die gesamte Länge des Hauses zieht. Das wussten wir schon, vermutlich entstand der Riss vor 82 Jahren, als in 4m Abstand für den Stallneubau ausgeschachtet wurde und die Wände des Kellers dem Gewicht des Hauses fast nicht stand gehalten hätten.

Jedenfalls ist die gesamte Giebelseite in einem Abstand sozusagen vom Rest des Hauses abgerissen, wird anscheinend nur vom Erdreich gehalten. Würden wir hier, um außen abzudichten, das Haus abgraben, würde es vermutlich einstürzen.

Zurück zur Gewölbedecke. Dieser Riss hat dafür gesorgt, dass die mittlere, den Bogen schließende Reihe bereits locker ist, ein Stein könnte bereits fallen, daher habe ich großflächig um den Riss herum, den noch haftenden Putz erstmal dran gelassen. Habe keine Lust, dass mir das Gewölbe kommt.

Was kann ich nun tun, um die Fugen mit adäquaten Material so wieder zu verschließen, dass das Gewölbe wieder fest hält.

Ziel ist, den Keller unverputzt zu lassen und zu versuchen, von außen Meter für Meter die Wände zusätzlich zur E-Osmose-Trocknung abzudichten, aber das ist eine andere Baustelle.

Kann mir einer beschreiben, was ich für die Fugen kaufen muss und wie (bitte nicht mit Fugeneisen, bei der Vorstellung werde ich wahnsinnig) ich das schnellstmöglich in die Deckenfugen bekomme.

Oder muss ich doch einen Statiker (und die Vermieters) anrufen???

Danke und Gruß aus Südbrandenburg
Matthias
PS: Bild von der Katastrophenstelle und exemplarisch anderen Stellen, an denen das Gewölbe nach "entputzen" noch wunderschön aussieht, gibt es morgen...



Gewölbeschaden



Hallo Matthias,
ich bin bereit, mir diesen Schaden einmal vor Ort anzusehen; ohne genaue Kenntnis kann man ohnehin nichts raten.
Mich interessiert nämlich sozusagen als Nebeneffekt die Auswirkungen der Injektion und der Elektroosmose.
Wenn Sie mich dazu mit Informationen versorgen, ist meine Ortsbesichtigung und die Sanierungsberatung im Gegenzug kostenlos. Falls Sie Interesse haben, können Sie mich über mein Profil kontaktieren.

Viele Grüße





Hallo,
kann zwar keine Hilfestellung in Bezug auf den Schaden geben, aber ich würde doch auf jeden Fall auch die Vermieter über das "Problemchen" informieren. Ohne tiefer ins Mietrecht eindringen zu wollen, aber Schäden sind dem Vermieter unverzüglich zu melden.

Gruß
Volker





Was wurde wie und wo gegen injeziert?



Fotos und weitere Details



Also, die Fotos werden einiges erklären, dennoch ein paar Details, die vielleicht interessant sind: Haus 14x11m, Bj 1872 (laut Ortschronik), Feldstein/Ziegelkeller, DDR-Beton- oder gar kein Kellerboden, keine Seitenabsperrung, keine Drainage, Grundstück mit 4m Niveaudifferenz nach hinten auf 60 Meter, leider genau der Durchfluss von Regenwasser für die überm Haus liegenden Felder und (interessant wegen Bodenverdichtung) unserer Pferdekoppel. Schichtenwasser vorhanden auf 170 cm, Grundwasser zwischen 4 und 9 Meter da, Haus steht (wie gesamtes Grundstück auf Lehmader. Früher bis 1990 ofenbeheizt, Brotofen im Keller, Räucherkammer im Dach, Holzfenster, Holzböden, Holztüren, Kaltdach, jahrzehntelang ohne Dachrinnen. Vollkeller, EG, VollOG, Darüber 1/2 OG, darüber Spitzboden (weil Kniestock genialerweise 110 hoch). 4m neben Haus Stall, dazwischen Feldsteinpflaster-Einfahrt, wo nach Wolkenbruch schon mal 30-40cm Wasser auf die Dorfstraße laufen.

1997 nach 7 Jahren Leerstand Sanierung EG: Plastik-Fenster und -türen (leider!) Fliesenboden, keinerlei Trocknungsmaßnahmen oder Absperrung, stattdessen innen alles tapeziert (worst thing you can do!), Einbau Ölheizung, Brotofen, Kachelöfen, Holzböden ist leider alles raus. 2002 alle Dachrinnen endlich neu (eine aber mit unzureichendem Ende), 2004 (nach Tiefschnee am Dachboden!) auf Betreiben hin neue Verlattung mit Unterspannbahnen, Dachstuhlausbesserungen, Abriss aller außer Betrieb befindlichen Kamine bis unter Dachhaut, Eindeckung mit Tonziegelpfannen. Boden nicht isoliert, Decke zum EG nicht isoliert.

2009/2011: in den meisten Zimmern Tapeten ab, Wände mit mineralischem Spachtel behandelt, mit Mineralischer Farbe bzw Kalk gestrichen, Treppenhausdecke (früher pfiff es vom Keller bis zum Dach) isoliert (Treppe von unten mit Papierisolierung, Sperre und OSB12er versehen, Ränder verschlossen und schon ist bei Sturm Ruhe im Haus.

Das Haus war von 1998 bis 2001 von einer Familie mit 1 Hund und 2 Kindern bewohnt, es wurden da nach der Sanierung noch keine Feuchteschäden bemerkt in der Wohnung. Nachbarn (die schon immer hier leben) fragten sich "Wie haben die die Bude wieder trocken bekommen"

2002 zeigten sich erste Schimmelbildungen, die Wände in drei Räumen waren feucht, Putz schwarz oder Tapete schwarz.

2003 wurde (siehe Bilder, wenn ich es schaffe, die zu laden) eine meiner Meinung und auch anderer Leute Meinung nach von einer "günstigen Wald- und Wiesen-Firma" völlig verhunzte drucklose Injektion völlig unzureichend und stellenweise auch undurchgängig durchgeführt, drei fehlende Kellerfenster eingesetzt und ein großer Raum im Keller erhielt (von der gleichen Firma) einen auf Baufolie gegossenen Betonboden. Effekt: Stehhöhe weg, Wasser kam zwischen Boden und Feldsteinwand.

Und zwar kommt es immer nach Starkregen und/oder bei der Schneeschmelze. Das muss auch zu DDR-Zeiten so gewesen sein, denn in die bereits 2001 vorgefundenen Böden sind an drei Stellen Pumpensümpfe eingeladen, die auch zeigen, dass die Betonschicht, die hier eingegossen wurde, gute 35 cm dick ist.

So, da die Injektion nichts (!) brachte, haben wir mit den Vermietern beschlossen, auf Elektroosmose zu setzen, da bei Feldsteinkeller bekanntlich das Problem besteht, dass man nicht einfach bis zum letzten (ersten, Ansichtssache) Stein runter abgegraben werden kann, ohne die Statik des Hauses zu gefährden. Außerdem gab es da ja schon besagten Riss. Sägeverfahren fiel wegen unterschiedlich hoher Feldsteinmauer im Keller aus, teilweise gehen die Feldsteinwände bis zum Beginn der Gewölbebögen... Was die so alles gebaut haben... und noch hält es...

Die E-Osmose führte zu einem leidlichen, aber bei weitem noch nicht befriedigendem Ergebnis, Folge: Dauerhafte Mietreduzierung, da sowohl wir als auch Vermieterin ziemlich am Verzweifeln sind, was noch gemacht werden kann...

Es hieß: Nach einiger Zeit sollte versucht werden, den Putz zu entfernen, das mache ich nun. Und stellenweise kommen dabei sehr sehr schlechte, teilweise (eher im "inneren" des Hauses, also keine Außenmauern, irgendwie auch logisch nachvollziehbar) sehr gut erhaltene Wände zum Vorschein, nur trocken ist da unten noch lange nichts und ich frage mich, ob es das jemals wird. Würde am liebsten den Keller abreißen und neu bauen lassen (hier fuhr schon eine Kirche auf einem Lastwagen spazieren, warum soll man dann nicht den kompletten Keller austauschen können?

So und nun versuche ich noch ein paar Bilder hoch zu laden, sollte das nicht klappen, ich verschick die auch gerne an ähnlich Erfahrene oder Fachleute gerne per email!

Das Angebot von Georg Böttcher übrigens würde ich gerne aufgreifen, vielleicht verständigen wir uns darüber per mail - wir sitzen hier 80 km südwestlich von Berlin...



Bilder



Hier noch ein Bild, wie man alle in einen Beitrag lädt habe ich noch nicht raus...



Bild vom Riss



Irgendwie komisch, aber dann muss ich halt ein paaar Mal posten bis die wichtigsten Bilder drin sind...



Und noch ein Bild



Und zwar diesmal (hoffentlich gut sichtbar) die Abrisskante die zwischen Decke (Gewölbe) und Wand (Giebelwand des Hauses Richtung Stall) entstanden ist... Der Riss ist wie gesagt ewig und drei Tage alt, da 1928 der Stall gebaut wurde und dafür wohl sehr unachtsam (oder unkundig?) ausgeschachtet wurde, da in 4m Entfernung von diesem Riss, unterm Stallboden, die Grube in die Erde gemauert wurde. Wahrscheinlich hat sich dabei die Wand etwas nach außen gedrückt.

Ein Übriges dazu wird übrigens auch die Gott sei Dank vor sieben Jahren beseitigte Dacheindeckung beigetragen haben. Der Dachdecker meinte bei der Demontage der alten Verlattung, dass es keine alten Nagellöcher im Stuhl gab. Das heißt, die schweren Doppelbiber aus DDR-Beton waren - übrigens mit einer Überlappung von sage und schreibe 13 cm - auf die origniale Verlattung, die einer Biberschwanzeindeckung zugehörte (historische Fotos belegen das) einfach draufgehangen worden. Somit war das Dach laut Dachdecker etwa 2,5x schwerer als das Original... kann ja auch was für die Wand heißen...



Noch ein Bild



Das könnte noch interessant sein. So sieht die Gewölbedecke im Kellergang aus, der liegt haus-mittig, wird also wenn überhaupt nur dann von Wasser getroffen (so wie vor vier Wochen, als die 40 cm Schnee in drei Tagen schmolzen), wenn Unwetter von außen das Wasser (unter anderem durch die Fugen zwischen den Feldsteinen, die sind nämlich auch alles andere als dicht) reindrückt oder reinfließen lässt (obwohl wir ein "abgeschirmtes Beet" hinterm Haus haben und ich das Sims des Kellerfensters in der Einfahrt (wo, wie geschrieben, das Wasser bisweilen 30cm hoch durchschießt) mittels einer Reihe Ziegelsteine, die ich eingemörtelt habe, um 12 cm erhöht habe.

Und so hätte ich gerne, dass nach dem Sommer alle Decken im Hause aussehen. Dass der Keller je ganz trocken oder gar nutzbar im Sinne von bewohnbar oder als Lager für verderbliche Stoffe wie Holz oder Stoff dienen könnte, das haben wir uns ohnehin schon abgeschminkt...