Wohnraum über Bruchsteinkeller

04.11.2005



Tag zusammen!
Schon lange schmökern wir aus purem Interesse an der Materie in eurem Forum, und jetzt bräuchten wir einen konkreten Rat:
Unser Haus wurde etwa 1930 gebaut, genau weiß das keiner. Das Kernhaus hat einen Keller aus Bruchsteinen, darauf Holzständer mit Bims ausgemauert.Beim Herausnehmen einer Wand wurde klar, dass es mehrmals umgebaut wurde,(dabei wurden auch tragende Wände versetzt... Jetzt ist durch den Einbau einiger hübscher Stahlträger die Statik wieder hergestellt, aber das ist ein anderes Thema. Im Moment beschäftigt uns der Fußbodenaufbau des neu verbundenen Raumes im Erdgeschoss: Unter der einen Hälfte ist eine Kappendecke mit ziemlich buckliger Betondecke, in der anderen Hälfte haben wir noch freien Blick in den Bruchsteinkeller. Die Wände dort sind ca. 60 cm dick, viel Basalt aber auch anderes was es hier in der Region so gibt.Es roch etwas muffig dort. Der Putz fiel von selber in großen Stücken von der Wand. Der "Bauunternehmer unseres Vertrauens" meint, das beste wäre, die Wand offen zu lassen, also nicht zu verputzen, da sowieso kein Putz auf dem Basalt halten werde. Jetzt haben wir fast alles abgeklopft, der moderige Geruch ist weg, die Wand sieht wunderschön aus, wir wollen sie gar nicht verputzen. Nur die Verfugung ist ziemlich bröselig und lässt sich mit einem Pinsel rauskehren... (Zum Aufbau: Die Steine sind wohl in Lehm gesetzt worden, später dann mit etwas Grauem (Trass? Kalkputz?) verfugt worden. Da die Lücken nun teilweise sehr groß sind, denken wir, dass wir wenigstens teilweise wieder verfugen sollten. dazu die Frage Nummer eins: Mit Lehm?? Oder mit Kalkputz?? Es soll ja atmen können. Zur Klarstellung: der Keller soll nicht bewohnt werden, er soll zum Lagern von Gemüse, Gartengeräten, Fahrrädern und vielleicht mal Wein dienen, darf also so angenehm kühl bleiben! Frage zwei ist das drängendere Problem:
Über diesem Keller befindet sich wie oben beschrieben ein Wohnraum (Esszimmer). Die Decke des Kellers sind ca. 12x20cm dicke Holzbalken. Obendrauf sollen OSB Platten als Untergrund für Linoleum. Von unten waren (mit Nägeln nicht viel größer als Heftzwecken) Rigipsplatten angepinnt, darauf Steinwolle, die feucht war. das kam alles mit lautem Krachen runter, als wir oben das Laminat rausgerissen haben...
Wie bauen wir nun am gescheitesten den Boden auf? Ein bißchen Wärmedämmung wäre ja ganz schön, schließlich sitzen die Kinder viel auf dem Boden. Aber welches Material hält die Feuchtigkeit vom Keller aus? Wo muss eventuell eine Sperrfolie hin? Mit was muss die Kellerdecke verkleidet werden? (Wie war das wohl ursprünglich mal, bevor Rigips dran kam?)
Wir sind etwas ratlos, es fällt uns nichts sinnvolles ein.
Wir hoffen nun auf eure Erfahrung, Kompetenz und Schreibfreude!



Kellerdecke



Guten Tag Frau Helfer,

Als Verfugungsmaterial ist nach der DIN 1053 (Mauerwerk)
für Keller ein Mörtel der Gruppe I, also reiner Kalk- oder Lehmmörtel, verboten.
Im harten Bruchstein bekommen Sie mit einem MG II (Kalkzementmörtel) keine Probleme, weil dieser nach wie vor das weichere Teil bleibt (die Fuge soll weicher sein als der Stein). Er ist dann auch beständig gegen Auswaschungen und fixiert das Mauerwerk.

Die Holzbalkendecke ist nicht unbedingt der Stand der Bautechnik, auch nicht zum Errichtungszeitpunkt !
Ich hätte gar keine Bedenken, sie gegen eine Betondecke auszutauschen und finde das auch nicht altbauschädlich, weil 1930 schon Kellerdecken in F 90 vorgeschrieben waren.
Dämmung dann wie üblich:
8 cm auf die Unterseite, z.B. Thermarock, verputzt.

Gegen ständige Feuchtigkeit im Keller hilft nur die Lüftung.

Gutes Gelingen



Kellerdecke aus Holz



Erst mal vielen dank für die präzise Antwort! Ich dachte mir schon, dass die Holzbalkendecke nicht genauso alt ist, wie das restliche Haus: die Balken sind einfach zu glatt und maschinell gefertigt. Vielleicht war ursprünglich auch eine Holzbalkendecke drin, die dann durchgefault ist. Nach anderen Anzeichen denke ich, dass die Balken irgendwann in den 70ern eingezogen wurden. Der Gedanke, eine Betondecke einzuziehen, eröffnet natürlich ganz neue Möglichkeiten. Technisch wird das, denke ich, kein Problem sein. Und dann würden unsere Bauschmerzen, was die Verwendung von Holz im Keller betrifft, auch vergehen! Der Keller ist nicht wirklich feucht, halt kühl, eigentlich angenehm. Ich denke, das Muff-Problem entstand dadurch, dass der Basalt verputzt war und die Feuchte dahinter gefangen war. (Der Bauunternehmer sagte "der Basalt schwitzt im Sommer", das verstehe ich so, dass durch falsches Lüften die Feuchtigkeit aus der warmen Luft an den kalten Wänden kondensiert ist. Der Mechanismus ist uns bewusst und ich denke, das haben wir im Griff. Jetzt, nachdem die Wände schon einige Wochen "nackt" dastehen, trocknen sie ab und der Geruch ist, wie gesagt, nicht mehr moderig. Trotzdem war uns die Holzdecke im Keller unsympatisch. Aber da an dem Haus vieles, sagen wir, sehr kreativ umgebaut wurde haben wir schon vermutet, dass das nicht dem Stand der Technik entsprochen hat!
Zu den Wänden: Sollten wir auch die wirklich großen Lücken nur mit Kalkzementputz füllen, oder Steine mit "reinkleben"? macht das einen Unterschied in der Stabilität? (Ist die Stabilität überhaupt gefärdet, wenn die Fugen so tief, zum Teil 20 cm, rausbröseln???? Die Wand ist etwa 60 bis 70 cm dick).



Natürlich hat das keinen Einfluss auf die Stabilität



Und Sie können Steine dazwischen schieben.
Zum Lüften. Leider schreiben hier auch viele unsachlich.
Es soll auch kontrolliert werden, wann und wie gelüftet werden kann dazu mein Beitrag.
Feuchtigkeitsschäden und Schimmelpilzbildung auf der Innenseite von Außenwänden bewohnter Räume sind immer wieder Anlass für kontroverse Meinungen.
Häufig wirken beim Auftreten solcher Schäden verschiedene Ursachen zusammen.
Dem Entstehen von Tauwasser und Schimmelpilzen auf der inneren Oberfläche von Außenwänden bewohnter Räume liegt ein einfacher physikalischer Vorgang zugrunde: Warme Raumluft kühlt an käl-teren Wandoberflächen so weit ab, dass in der Raumluft enthaltener Dampf auf der Wand zu Wasser kondensiert was sowohl von Möbeln als auch den Wänden „aufgesaugt“ wird. Diese Feuchtigkeit und „Nahrung“ (z.B. Tapetenleim) sind die Grundlagen für die Entwicklung von Schimmel. Es muss noch nicht einmal flüssiges Wasser vorliegen. Sogar schon eine relative Feuchtigkeit von > 60 % reicht aus.
Dazu kommt: Feuchte und nasse Baustoffe haben eine wesentlich schlechtere Wärmedämmung als trockene.
Anhand der nachstehenden Tabelle kann man erkennen, dass mit zunehmendem Feuchtigkeitsgehalt die Wärmedämmung deutlich absinkt.

Mit Zunahme der Feuchte sinkt die Wärmedämmung erheblich!

Die innere Wandoberfläche darf deshalb nicht so weit abkühlen, dass es bei normaler relativer Luftfeuchtigkeit von ca. 50 bis 60 % im Zimmer zu 80 % relativer Feuchtigkeit oder sogar zu Schwitzwas-serbildung kommt. Dicht vor den Außenwänden aufgestellte Möbel, Vorhänge usw. erschweren oder verhindern eine ausreichende Erwärmung der verdeckten Bauteile. Es wird zwar eine ausreichende Luftumwälzung - aber nicht der Feuchtigkeitszutritt behindert.

Richtiges Lüften
Es gibt eine Menge von unklaren Ausdrücken und Erklärungen. Was bedeuten z. B. Ausdrücke wie "Stoßlüften", "Dauerlüften", "Feuchte- oder temperaturabhängiges Lüften", etc.?
Wichtig zu wissen ist, warme Luft kann wesentlich mehr Wasser aufnehmen als eine kalte.
Z.B. kann eine 20° C warme Luft maximal 17,3 Gramm Wasser enthalten, jedoch nur 4,5 Gramm bei 0° C. Aber 4,5 Gramm ergeben bei 20 Grad Wärme nur ca. 35 % relative Luftfeuchte.
So ist auch klar, warum wir im Winter in unseren Wohnräumen eine sehr trockene Luft haben können. Zwar soll die "verbrauchte" Luft erneuert werden, doch muss durch gezieltes und regelmäßiges Lüften die relative Luftfeuchtigkeit niedrig gehalten werden. Besonders bei modernen dichtschließenden Fens-tern erfordert das größere Aufmerksamkeit.
Richtig lüften heißt; die Luft auszutauschen und dies abhängig von der Temperatur und der relativen Luftfeuchtigkeit.




Oberstes Gebot: je kürzer lüften, um so besser, dafür noch mal wiederholen!
Eine Beschleunigung des Luftaustausches kann auch dadurch erreicht werden, indem wir für eine sogenannte Querlüftung sorgen. Dabei wird der Effekt ausgenutzt, dass beim Öffnen gegenüberliegender Fenster (oder Türen) die Luftströmung besonders hoch ist.
Achten Sie dabei auf Zugluft, damit keine Scheiben zu Bruch gehen!
Danach dauert es eine Zeit, bis sich die Luft wieder erwärmt hat und auch Feuchtigkeit aufnehmen kann. Dabei wird auch u.a. gespeicherte Feuchtigkeit von Oberflächen aufgenommen, d.h. die Oberflächen wirken als Puffer. Praktische Messungen haben ergeben, dass dies bis eine 1/2 Stunde dauert, d.h. das nächste Lüften, sollte auch davon abhängig gemacht werden.
Längeres Lüften, wie in der „Fachliteratur“ oft zwischen 10 und 15 Minuten angegeben, bedeutet, dass die Gegenstände in den Zimmern und auch die Oberflächen der Wände mehr abkühlen. Dieses mehr bedeutet, dass mehr Energie durch Heizen wieder nachgeführt werden muss.

Wie lange lüften?
Der menschliche Körper ist ein sehr gutes "Messgerät". Es kann folgendes Experiment durchgeführt werden: In der Frühe reagieren wir noch sehr empfindlich auf Temperaturunterschiede. Stellen Sie sich
an die entlegenste Stelle - gegenüber dem zu öffnenden Fenster. Nun bittet man jemand, Fenster oder Türe ganz zu öffnen. Das Kippen der Fenster reicht nicht aus! Sobald man empfindet, dass die kalte Luft an einem vorbeistreicht, stoppt man die Zeit. Sie werden überrascht sein, denn es vergehen nur wenige Sekunden, meist handelt es sich um 5 -10 Sekunden. Diese Zeit hängt auch ab, wie stark der Wind weht. Ich gebe die Empfehlung, das fünf- bis zehnfache der Zeit zum Lüften anzusetzen, dann kann man davon ausgehen, dass der größte Teil der Luft ausgetauscht ist. Leider wird oft verwechselt, dass nur ein kalter Raum „frisch“ wäre.

Eine Kontrolle ist einfach.
Nun kann man am Hygrometer ablesen, dass die relative Luftfeuchtigkeit in der Regel absinkt und nach einer bestimmten Zeiteinheit wiederum ansteigt. Dies deswegen weil die kalte Außenluft wenig Feuchtigkeit beinhaltet und im Raum die Temperatur relativ schnell wieder ansteigt. Dies geschieht durch Wärmeabgabe der Wände, Einbauteile und der gelagerten Gegenstände.
Deswegen sollte keinesfalls zu lange gelüftet werden, da sonst die Oberflächen und Gegenstände unnötig abkühlen.
Dabei ist zu beachten: 1 Grad mehr, also statt 20 z.B. 21 Grad bedeutet ungefähr 6% mehr an Energiekosten!!!
Bitte bedenken Sie: All die Energie die unnötig zum Fenster hinausgelüftet wird, muss wieder nachgeheizt werden!
Und Energie kostet Geld - und wer wirft das schon gern sinnlos aus dem Fenster...
Das richtige Thermohygrometer erhalten Sie bei: http://www.matzner-messgeraete.de/



von oben dämmen für mehr Stehhöhe im Keller



@ Isar-Bautenschutz
Herzlichen Dank für die ausführlichen und verständlichen Infos zum Lüften und den Mechanismen des Wärme- und Feuchtigkeitsaustausches!

@ Dietmar Beckmann:
dank Ihrer zündenden Idee haben wir heute eine Betondecke beauftragt. Eine Frage zu der von Ihnen vorgeschlagenen Dämmung: 8cm +Putz würden uns dann noch 1,80m Stehhöhe lassen. Für mich kein Problem, aber mein Mann ist 1,83m groß... Im Erdgeschoss hätten wir den Platz eher. Wäre es auch ok, von oben zu dämmen (wir hatten jetzt den Hinweis: Perliteschüttung, Fermacellplatten und darauf das Linoleum) Würde das ausreichen? Und macht es einen Unterschied?
Haben wir da irgendwas nicht bedacht? Für einen Tip wären wir dankbar!

Herzliche Grüße, Ursula