Grundwasser im Gewölbekeller

08.02.2009



Ich bin am Kauf eines alten Hauses von etwa 1880, mit 2 Gewölbekellern, interessiert. Das Haus ist oft renoviert und auch umgebaut worden und ist eigentlich in einem recht guten Zustand. Allerdings macht mir einer dieser beiden Gewölbekeller große Sorgen. Im Moment steht das Wasser etwa einen Meter hoch...ein richtiger See! Nach Aussagen einer Bekannten, ist das wohl schon länger so. Genauere Angaben kann ich nicht bekommen, da die Besitzer des Hauses verstorben sind und keine Nachfahren haben. Wegen der gegebenen Situation konnte ich mir nicht genau anschauen, ob das Wasser tatsächlich von unten kommt oder durch die Wände gepresst wird. Allerdings denke ich, Ersteres ist wahrscheinlicher. Der 2. Gewölbekeller ist trocken.
Zur Situation: Das Haus steht an einem kleinen Hang. Vorne ist die Strasse, hinter'm Haus, niedriger gelegen, ein Garten. Vom Garten aus kommt man in den trockenen Gewölbekeller, der noch ein paar Stufen tiefer liegt als die Gartenoberfläche. Der nasse Gewölbekeller ist nur vom Haus aus zugängig, liegt aber auf der Höhe des anderen Gewölberaums. Über den Gewölbekellern befindet sich der eigentliche Keller des Hauses, zum Teil ausgebaut, viel betoniert und mit ebenerdigem Zugang zu einer Garage, die nach vorne zur Strasse hin öffnet. Allerdings ist diese, wie auch der Rest des neueren Kellers, etwa zur Hälte in die Erde eingelassen (nach vorne zur Strasse hin; nach hinten in den Garten kommt man ebenerdig raus). Über diesem neueren Keller ist die Wohnung. Das Dorf liegt am Berg mit keinen Gewässern weit und breit... außer dem See im Keller.
Besteht hier die Gefahr, daß die Sandsteinmauern angegriffen werden und die ganze Statik des Hauses in Gefahr ist? Wie kann man ein solches Problem in den Griff bekommen? Kann man überhaupt?
Ich bin sehr dankbar für alle Tips und guten Ratschläge.

Claudia



Hallo



Haben Sie schon die Wasseruhr kontrolliert oder mal die Hauptzuleitung abgesperrt?

Sven



nasser Keller



Hallo Claudia,
Ob dies Grundwasser ist, kann man ohne weitere Informationen nicht sagen.
Ich halte es für sehr unwahrscheinlich, da eine Hanglage vorliegt.
Eher möglich ist das Eindringen von Hang- bzw. Schichtenwasser.
Man baute früher ohne Not kein Haus bzw. einen Keller in das Grundwasser hinein.
Eine gravierende Änderung des Grundwasserstandes seit 1880 halte ich für sehr unwahrscheinlich.
Bauliche Eingriffe, wie z.B. Straßenbau, führen eher zum Absinken als zum Ansteigen des GWS.
Man sollte also die Ursache des Wassereinbruchs lokalisieren, danach kann man sich Gedanken über die Beseitigung machen.
Rein gefühlsmäßig tendiere ich zu Hang- und Schichtenwasser, das bei größeren Regenfällen in den Keller im Bereich des Mauerfußes und durch den Fußboden eindringt.
Wahrscheinlich wurde dieses temporäre Sickerwasser über ein Schöpfloch entfernt.
Wenn niemand mehr das Wasser abpumpt, kann es sich sammeln.
Eine weitere Möglichkeit wäre ein Schluckbrunnen. Das ist ein Loch, das durch den Grundwasserstauer bis in einen tieferen Grundwasserhorizont reicht. Das Wasser kann so in tieferen, durchlässigen Schichten versickern. Wenn dieser Schluckbrunnen zugesetzt ist, läuft auch nichts mehr ab.

Zur Problematik Gefährdung der Standsicherheit:
Natursteinmauerwerk wird durch Wasser allein nicht gefährdet, wenn man einmal von aggressiven, sauren Grundwässern absieht.
Was mir mehr Sorgen macht, ist das Stehen des Wassers in dem Keller.
Das es zum Aufstau kommt, deutet auf bindigen, nicht durchlässigen Baugrund.
Solche lehmigen, tonigen Böden, sind trocken fest wie Beton, wenn sie einer ständigen Feuchtebelastung ausgesetzt werden, verlieren sie ihre Tragfähigkeit. Sie werden weich bis breiig.
Das Wasser sollte also auf jeden Fall raus.
So kann man feststellen, ob ein Schöpfloch/Schluckbrunnen vorhanden ist.
Außerdem wird es zeigen, ob Wasser sofort und ständig nachsickert sowie wo es eindringt.
Fall ständig und unabhängig von der Witterung Wasser nachströmt, dann ist der unwahrscheinlichste, aber schlimmste Fall vor, Grund- bzw. Schichtenwasser.
Ständiges Abpumpen erzeugt dann einen ständigen Fluß von Wasser unter bzw. durch die Wandfundamente. Stehendes wasser schadet einer Mauer nicht, aber strömendes Wasser, das Bodenteilchen ausspült. Die Gefahr eines Grundbruches wächst rapide.

Fazit:
Ich würde den Verkäufer auffordern, erst einmal das Wasser abzupumpen, damit man mehr sehen kann. Dann soll er sich zum Wassereinbruch klar bekennen, also Grund- oder Schichtenwasser AUSSCHLIESSEN.
Wenn er das nicht macht, dann kann man über den Preis verhandeln oder die Finger davon lassen.
Wenn Ihr das Haus haben wollt, wäre solch ein Keller technisch und finanziell beherrschbar, wenn Ihr darin nicht gerade Elektronik lagern wollt.

Viele Grüße



Wasser im Gewölbekeller



Falls es tatsächlich Schichtenwasser ist, müßte man dann nicht von außen abdichten, damit nichts mehr in den Keller laufen kann? Kann es nicht sein, daß der Lehmboden verschlammt und so die Stabilität verloren geht?
Es wäre also möglich, daß sich in diesem Keller ein Schöpfloch oder vielleicht sogar ein Schluckbrunnen befindet? Das wäre positiv, oder? In einem solchen Fall müßte man dann wohl regelmäßig abpumpen... je nach Witterung?
Ich werde auf jeden Fall mal noch mehr Informationen einholen. Wäre es sinnvoll mit einem Fachmann diesen Keller zu inspizieren? Nach welcher Art von Qualifikation würde ich da suchen?....Oh je, ich hab so gar keine Ahnung von dieser Materie... noch nicht.
Vielen Dank für die hilfreichen Kommentare.

Claudia



Indoorpool



Hallo Frau Risch-Wynn,

ausschließen kann man natürlich gar nichts, aber wenn schon der Nachbarraum nicht betroffen ist würde ich zunächst einmal dem Gedanken von Herrn Ruge verfolgen, ob da nicht irgendeine Leitung undicht ist.
Dies kann allerdings ebenso außerhalb des Hauses im Straßen-/Bürgersteigbereich sein. Riecht das Wasser evt. brackig, kloakig? Ist es ggf. klar?
Ein Meter dauerhafter Wasserstand ist schon beträchtlich.
M.E. kann das eigentlich gar nicht von unten kommen, da müsste ja förmlicher Druck bestehen. Auch dagegen spricht eben, dass nur ein Raum betroffen ist.

Zunächst muss man das Wasser abpumpen und nachschauen wo das Wasser herkommt. Alles andere ist ein müßiges Stochern im Dunkeln.

Gruß aus Wiesbaden,

Christoph Kornmayer