Richtig lüften

08.07.2010



Liebes Forum,
jetz lese ich schon eine ganze Weile mit und habe doch mal eine Verständnisfrage.
Mein Keller ist ein wenig feucht geworden weil er über das Frühjahr hin bis vor kurzem dauerhaft belüftet wurde. Gerad Mai/Juni, während der hohen Luftfeuchtigkeiten stand der Keller offen und wurde zusehend nasser. In den letzten Nöchten sanken die Temperaturen ab, ich lüftete in der Nacht, und ich konnte bereits die Luftfeuchtigkeit von 88% auf 75% senken.

Trotz des Erfolges frage um es zu verstehen nach. Heute ist es bei mir (draussen) 29°C und die Luftfeuchtigkeit (draussen) beträgt 32 %.

Wenn ich nun Kellerfenster und Türen öffne (Keller: 17°C, Luftfeuchte 75%, Wandtemperatur Mauerfuß: 15°C Lasse ich doch trocknere Luft hinein, oder was hat das noch für Auswirkungen auf meinen Keller?

Werden dann nicht sogar die Wandoberflächern erwärmt, sodass sich das vorteilhaft auf den Taupunkt auswirken kann?

Vielen Dank,
Gerd





Hallo Gerd,

die von Dir gemessenen Werte beschreiben die relative (!) Luftfeuchtigkeit und zwar bezogen auf die jeweilig herrschende Temperatur.

Beispiel:

30 Grad bei 50% Luftfeuchte
Die absolute Luftfeuchte beträgt hier 15,15 g/m³ Luft

15 Grad bei 50% Luftfeuchte
Die absolute Luftfeuchte beträgt hier 6,40 g/m³ Luft

Ein heftiger Unterschied !

Schau mal bei

www.feuchte-keller.de

rein, da kannst Du Dir eine Tabelle downloaden.

Gruß



Kondensat



Hallo Gerd,
das mit dem Erwärmen funktioniert schon, allerdings müssen Sie dann pro Stunde ein paar hundert m³ Luft durch den Keller schleusen, das ist ohne Zwangslüftung nicht machbar.
Erst wenn der Keller, und damit meine ich die Masse der Bauteile, sich deutlich erwärmt hat, beginnt die Trocknung. Bis dahin halten sich je nach Strömung Kondensatausfall und Verdunstung die Waage.
Solange die Wand deutlich kälter ist (die Taupunkttemperatur ist in Ihrem Keller present) wird Kondensat ausfallen. Warum?
Je kälter Luft ist, je weniger Wasser kann in ihr in Gasform als Dampf gelöst sein.
Die relative Luftfeuchte sagt aus, wieviel % noch gelöst werden kann bis Sättigung erreicht ist.
Ein zweiter Wert ist die absolute Luftfeuchte. Die sagt aus, wieviel Gramm pro m³ real in der Luft gelöst sind.
Dann gibt es noch die Sättigungsfeuchte, das ist die Menge an Wasserdampf, die maximal bei 100% rel. Feuchte in g/m³ in der Luft gelöst sein kann.
Diese Werte sind, bis auf die absolute LF, abhängig von der Temperatur.
Beispiel:
Bei Ihren 29°C und einer rel.LF von 32% haben Sie eine absolute LF von c. 10 g/m³ Wasser.
Wenn diese Luft auf Kellertemperatur, also 17°C, abkühlt, steigt die relative LF auf ca. 75%, obwohl die Menge an Wasser gleich bleibt, 10 g/m³.
Bei 15°C liegt die rel. LF bereits bei 80%.
Wenn Sie an einem heißen Sommertag Luft mit 30°C und 60 %rel.LF in den Keller lassen, dann wären das bei Abkühlung auf 17°C bereits eine Steigerung auf eine rel.LF von fast 100%. Das überschüssige Wasser fällt an den kühleren Stellen als Kondensat aus.
Also: Je kälter die Luft,um je weniger feucht ist sie.
Bei minus 10°C ist die Sättigungsfeuchte (100%v rel.LF) schon bei einem Wassergehalt von 2- 3 g/m³ erreicht.
Wenn diese Luft in den Keller gelangt und sich dort auf 17°C erwärmt, dann beträgt ihre rel. LF noch nicht einmal 10%.
Kalte Luft wird also "trockener", je wärmer sie wird.
Warme Luft wird "feuchter", je kälter sie wird- bezogen auf die relative Luftfeuchte.

Viele Grüße



Wenn Sie es einfacher haben wollen



und Ihnen der Kopf bei all dem Zahlengetümmel schon brummt:

Außenluft wärmer als im Keller: Schotten dicht!
Außenluft kälter als im Keller: Luft ahoi!

Dann geht nix den Bach runter.

Konrad Fischer



Kleiner Fehler.



@ Georg Böttcher

>>“Die relative Luftfeuchte sagt aus, wie viel % noch gelöst werden kann bis Sättigung erreicht ist. ...”

Die Angabe % rel. LF sagt aus, wie viel Wasser grade in der Luft gelöst ist.
Das bezieht sich immer auf das maximal erreichbare, also die Sättigung 100%, aber nur bei gleichbleibender Temperatur.

Grüße aus Schönebeck