Dachkehle

28.01.2014



Hallo,

gibt es eine vorgeschriebene Länge bei der Überlappung von Kehlblechen oder eine DIN-Norm, Baubestimmung oder Sonstiges zur Orientierung?

Problem: Beim Montieren eines Schneefanggitters meinte der beauftragte Dachdecker, dass die Überlappung der zwei Bleche, aus die unsere Kehle besteht, nur 5 cm beträgt. "Normal" wären aber 15 cm (Unterbrechung der Kapillarwirkung?)!
Die Kehle wurde erst vor 3 Jahren von einer Zimmerei erneuert, da die alte undicht war. Im Winter nach der Montage musste die Zimmerei noch einmal ausbessern, da Wasser eintrat. Seither halten wir die Kehle nach Möglichkeiten frei von Schnee (Nordseite). Darum können wir nicht sagen, ob die "Reparatur" (laut Dachdecker fand diese wohl hauptsächlich mit Silikon statt) erfolgreich war oder nur deshalb kein Wasser eintrat, da wir ja Schnee und Eis entfernen.

Über Antworten würde ich mich freuen, da ich bei der Suche bisher keine genauen Angaben gefunden habe!

Viele Grüße und danke!!!



Die Fachregeln



des Dt. Dachdeckerhandwerks besagen folgendes, in Abhängigkeit von der Kehlneigung (nicht gleich Dachneigung, da flacher) für die Überdeckung am Längsstoß der Kehlbleche:

- unter 15° Nahtverbindung wasserdicht
- 15°-22° mindestens 150mm
- über 22° mindestens 100mm

Überdeckung des Kehlrandes durch den Dachwerkstoff (Auskragung über den Kehlrand in die Rinne), rechtwinklig zur Kehle:

- unter 15° mindestens 200mm
- 15°-22° mindestens 150mm
- über 22° mindestens 100mm

Ihr Dachdecker hatte recht.



Danke ...



... für die schnelle Rückantwort!

Aber das bedeutet ja dann, dass der Zimmerer eine mangelhafte Arbeit durchgeführt hat?!
Und anstatt diese ordentlich zu beheben, nur mit Silikon ausgebessert hat. Wahrscheinlich in der Hoffnung, dass das Silikon länger hält, als die Gewährleistungsfrist ... das macht mich schon nachdenklich!

Vielen Dank noch einmal!



Ein Zimmermann ist ja auch kein Dachdecker......



alle Angaben zur Mindestüberdeckung hat Herr Pickartz bereits erwähnt.
Weiterhin vermute ich, dass die Kehlbleche nicht richtig mit Hafterblechen mech. befestigt wurden und somit abgerutscht sind. Das könnte eventl. die geringe Überdeckung untereinander erklären.
Fraglich ist auch die Unterkonstruktion, ob hier ausreichend Auflagefläche(Kehlschalung) für das Blech besteht.

Lassen Sie da am besten nochmal den Dachdecker dran, Eventl. sollte gleich eine vertiefte Kehle eingebaut werden, wenn die Probleme mit dem Wassereintritt nicht von einer mangelhaften Ausführung stammen sollten.

Mit Grüßen
Danilo



Danke ...



... für den zusätzlichen Hinweis!

Aber auch ein Zimmerermeister, muss sich doch an diese Regeln halten, oder?
Und da die Baumaßnahme erst vor 3 Jahren durchgeführt wurde, müsste ja noch die Gewährleistungfrist bestehen. Kennt sich damit jemand aus?

Nochmals Danke und schönen Abend!



Selbstverständlich



reicht eine Überdeckung von 5 cm nicht aus...und zwar nirgends, weder beim Kehlblech noch beim Traufblech noch beim Wandanschlußblech.

Meine Vermutung ist eine ganz andere...ich denke, die Bleche haben einfach vom Zuschnitt her nicht gereicht. Kehlbleche werden meist aus Tafeln hergestellt, die eine genormte Länge haben. Die Größe der Kantbank hat ebenfalls Einfluß auf die zu verarbeitende Länge. Meistens beträgt die bei Kehlblechen 2 Meter.

Ich nehme an, daß die Kehllänge so ungünstig ausgefallen ist, daß hier gestreckt wurde, um nicht noch ein zusätzliches Blech anfertigen zu müssen.

Das ist natürlich Murks und keinesfalls eine Entschuldigung.

Ob deswegen gleich eine vertiefte Kehle vonnöten ist, läßt sich hier so nicht entscheiden. Wir wissen weder die Kehlneigung noch die Dachneigung der an der Kehllinie anschließenden Dachflächen (bei extrem ungleichen Dachneigungen kann es hier z.B. auch zu Problemen kommen).

Eine vertiefte Kehle muß schließlich irgendwann auch wieder in die Dachrinne geführt werden. Dieses angepasste Stück wäre dann umso flacher.

Selbstverständlich unterliegt dieser Ausführungsfehler des Zimmermanns der Gewährleistung. Er muß zwingend nachbessern und ich würde an Ihrer Stelle in diesem Falle auch darauf bestehen, daß er eine Überdeckung von 15 cm einhält und diese für Sie dokumentiert (z.B., indem er die Überdeckung, die man seitlich am Blech sehen kann, mit einem Foto dokumentiert).

Zum Thema Dachsilikon:

Dachsilikon ist im Klempnerbereich nicht unüblich. Aufkantungen an Wandanschlüssen (sog. Pressleisten) werden z.B. sehr gerne mit Dachsilikon verfugt...auch von Dachdeckern und Klempnern.

Im Bereich eines Kehlbleches sind sie allerdings fehl am Platz.

Gruß Andreas



Und erneut ein Dankeschön ...



... für die informative Rückmeldung!!!

Für Novizen und Grünschnäbel wie mich war und ist Fachwerk.de mit seinen Mitgliedern unersetzlich und inspirierend!