Allgemeine Frage zu Fachwerkhauskauf




Hallo,

meine Lebensgefährtin und ich interessieren uns für den Kauf eines Fachwerkhaus, Bjh. 1836, welches vor ca. 15 Jahren letztmalig modernisiert worden ist (Innen- und Außenrenovierung, neue Ölheizung mit Leitungen, elektr. Leitungen, Holzfenster-Doppelverglasung und Dacheindeckung). Das Haus verfügt nur im Erdgeschoss über Wohnräume (Wohnfläche 180 qm). Nun die Fragen:

1.
Zwischen Holz und dem Gefach wurde Silikon eingespritzt. Durch einen Bekannten, der allerdings kein Experte ist, habe ich erfahren, dass Silkon über die Jahre brüchig werden und Feuchtigkeit eintreten kann. Ist das so richtig? Wenn ja, wie kann man diesen Zustand nachträglich beheben und wie hoch sind die Kosten einzuschätzen?

2.
Der Heizölverbrauch beträgt ca. 4000 l/Jahr. Ist dies ein guter Wert für ein Gebäude dieser Größe?

3.
Allgemein habe Bedenken, dass man ein Fass ohne Boden kauft und über die Jahre immer wieder teure Investitionen zu tätigen sind. Irre ich mit dieser Annahme oder ist ein Fachwerkhaus immer ein Groschengrab?

Ich bedanke mich schon mal im Vorraus für die Antworten.



Hauskauf



Hallo Andre,
der Verkäufer muß Ihnen einen Energieausweis vorlegen, mit dem Sie den Verbrauch einschätzen können.
Wenn er das nicht macht, verstößt er gegen geltendes Recht.
Zur Zahl selber:
Ich gehe davon aus, das die 4.000 Liter für Heizung und Warmwasser draufgehen.
Was nicht bekannt ist, ob alle Räume kontinuierlich durchgeheizt wurden, mit welchen Temperaturen geheizt wurde usw., also die individuelle Nutzung durch die Bewohner.
Unabhängig davon ist das ein recht hoher Wert, umgerechnet sind das ca. 220 KWh/m² x a.
Laut der WSchVo 1984 dürften es nur 180 sein, laut den Zahlen der WSchVO von 1995 nur 130, von der aktuell gültigen EnEv ganz zu schweigen.
Nun ist das bei Fachwerk nicht ganz so eng zu sehen, trotzdem halte ich diesen Wert für inakzeptabel bei einem modernisiertes Haus.
Was Ihnen das Öl jedes Jahr kostet, können Sie sich wohl selber ausrechnen.
Was das Silikon betrifft:
Silikon ist ein Dichtstoff für Wartungsfugen, es muß in regelmäßigen Abständen erneuert werden.
An Außenfachwerk hat es nichts zu suchen.
Natürlich ist ein Haus mit Sichtfachwerk teurer in der Unterhaltung und hat, was die Nutzung betrifft, Nachteile im Vergleich zum Neubau.
Ich empfehle Ihnen vor dem Kauf sich die hölzernen Teile des Fachwerkes genau anzuschauen. Wenn Sie es nicht können, holen Sie sich einen Fachmann dazu.
Fragen Sie den Verkäufer nach einer genauen Aufstellung über die damals vorgenommenen Sanierungsleistungen.

Viele Grüße





Danke für die schnelle Antwort. Nach dem Energieausweis hatte ich gefragt. Dieser existiert aber nicht.



Bielefeld



Ich bin auch Bielefelderin und saniere ein altes Haus (Teilfachwerk). Falls du Tipps zu Sachverstädigen braucht oder einfach nur mal über alte Häuser quatschen willst, kannst du dich gerne bei mir melden.

LG, Anja



Moin Andre,



4000l Öl pro Jahr sind nach heutigen Massstäben nicht akzeptabel, also "behandlungsbedürftig" - das sollte sich auch im Kaufpreis wiederspiegeln.

Wenn ich dich richtig verstanden habe ist nur das EG ausgebaut, dann würde sich eine Geschossdeckendämmung anbieten: Entweder atmungaktiven Dämmstoff oben auslegen/ausrollen oder zwischen die Deckenbalken einbringen/einblasen lassen (z.B.Zellulosedämmung ab ca. 50€/m³ incl. Einbringung). Vom Preis-/Leistungsverhältnis die effizienteste Dämmmassnahme.

Das "Fass ohne Boden" entsteht hauptsächlich durch nicht-artgerechten Ausbau, aber auch durch die nötige Hand- und Massarbeit, weil nix von der Stange passt. Wenn du von den zeitintensiven Arbeiten eine Menge selber machen kannst, hält sichs in Grenzen und ist auch ein guter Weg, um mit seinem neuen Zuhause zusammenzuwachsen.

Könntest du ein paar Bilder einstellen?

Gruss, Boris



Fotos



Fotos möchte ich nicht einstellen, da diese vom Makler sind (Copyright).

Der Zwischenboden soll gedämmt sein. Welche Art der Dämmung müsste ich aber noch erfragen.



Fachwerk



Hallo,

wenn das Haus unter Denkmalschutz steht braucht es keinen Energieausweis, andernfalls ist der Verkaeufer aber dazu verpflichtet. Verweigert der Verkaeufer den Energieausweis ist das eine Ornungswidrikeit und kann angezeigt werden.

Ich persoenlich wuerde mich weniger um den Energieausweis kuemmern, da das Heizverhalten den Verbrauch am staerksten beinflusst und somit nicht berechenbar ist.

Viel wichtiger waere mir die Bausubstanz. Silikon hoert sich fast nach no-go an, da sollte man schonmal genauer hinsehen was das fuer Sanierungskosten nachsich zieht und was sonst noch verpfuscht wird. Dass ein Fachwerkhaus generell teuerer ist wuerde ich so nicht stehen lassen. Mit richtiger Baustoffwahl kann man sehr wohl guenstig und langlebig ausbauen und muss langfristig nicht schlechter fahren als mit ner neumodischen Betonbude.

Gruesse,
Stefan