Kalkfarbe auf Gipsputz?

06.10.2005



Guten Abend,
wir sind seit 8 Wochen Besitzer eines Hauses aus dem Jahr 1934, das wir jetzt in Eigenarbeit und mit Hilfe eines Architekten und verschiedenen Handwerksfirmen renovieren.
Neben vielen anderen Fragen, stellt sich jetzt die Frage nach dem Anstrich der verschiedenen Zimmer, darunter vor allem der Küche, eines Hauswirtschaftsraums (mit Trockner und Waschmaschine) und zweier Badezimmer. Die Wände sind teilweise mit Gipsputz versehen und meine Frage ist, ob ich darauf eine Kalkfarbe Streichen kann (bisher klebte dort Rauhfaser, bzw. waren die Wände von unten bis oben gefliest).

Darüber hinaus gibt es noch Kellerwände aus Sandstein/Ziegel, teilweise mit Salpeterausblühungen, wo wir den Putz abklopfen und ggf. ebenfalls die Wände kalken wollen.

Mit besten Grüssen

Annika



Wandfarben



Hallo Annika,

auf Gipsputz deckt und haftet Kalkfarbe nur schwer. Man muss Grundieren mit Kaliumaluminiumsulfat oder Kaseingrundierung die Flächen vorbehandeln.

An den Kellerwänden müssen die Salzausblühungen abgefegt werden, bevor eine Farbe drauf kommt. Egal welche Farbe eingesetzt wird, lange heben die Farben nicht. Mit der Feuchtigkeit und dem Salz kommt keine Beschichtung klar. Wenn eine Farbe unbedingt sein muss, ist nur Kalktünche empfehlenswert. Diese muss allerdings immer wieder überarbeitet werden. Am einfachsten lässt man das Mauerwerk wie es ist. Die Salzausblühungen sollten aber regelmäßig entfernt werden, ansonsten kann die Wand nie trocknen.

Gutes Gelingen



Zustimmung



Kann die kritischen Einwände nur unterstützen. Gips ist bei einigen Farben ein problematischer Untergrund.

Bernd



Kalkfarbe auf Gips geht klasse!!!!!



Hi,

habe nun seit einigen Jahren Erfahrung mit Kalkanstrichen auf trockenem (!) Gipsputz. Klappt super, pudert nicht, hält excellent.
Habe alle meine Farben selbst angerührt mit Luftkalk (10Euro für ein ganzes Haus, Alaun als Fixierer, Pigmente -> such nach Forumsbeiträgen mit meinem Namen...). Habe auch nie grundiert, nur den Gipsputz vorher angefeuchtet (mit einem Pinsel Wasser
drangeschmissen), ansonsten haftet die Kalkfarbe in der Tat schlecht. Mehrere Schichten erhöhen die Leuchtkraft, immer erst trocknen lassen um das Endergebnis zu beurteilen...;
Wichtig ist aber, dass die Wand "saugen" kann, wenn die Wand jemals eine Farbschicht (Akryl oder anderes) abbekommen hat,
hält der Kalk nicht gut.

bis denno
Torsten



Kasein und Anstrichtechnik



Danke erstmal für die Antworten... ich sehe, die Meinungen gehen auseinander.
Gut, den Keller lasse ich dann ohne Kalkanstrich bzw. mache ihn nur dort, wo die Wände ohne Ausblühungen sind und anscheinend trocken.
Andreas rät bei Gipsputz zu Kaseingrundierung. Kasein in Kalkputz oder -Anstrich verbessert die Haftfähigkeit, wenn ich frühere Forumsbeiträge richtig verstanden habe. Im Internet lese ich jetzt, dass Kasein (entweder reines oder unreines) selbst herzustellen ist aus Magermilch oder Quark. Wenn ich das also machen würde, wie stelle ich anschliessend die Grundierung her (Verhältnis Wasser zu Kaseinpulver)?. Oder kaufe ich der Einfachheit halber das Kasein im alternativen Baustoffhandel oder in der Apotheke (mir fällt im Moment keine andere Bezugsquelle ein)?
Torsten, noch eine Frage zu Deinem ermunternden Beitrag: Wie wischfest ist der Anstrich?
Unser Architekt findet die Idee eines Kalkanstrichs gut und weist mich auf die Produkte der Firma "Auro" hin.
Das Problem bei unserer Hausrenovierung ist, dass alles in den nächsten 7 Wochen recht zügig gemacht werden soll. Neben Beruf, Familie (zwei kleine Kinder) und den üblichen Alltagsarbeiten bleibt deshalb wenig Zeit, um ungestört Putze, Anstriche usw. lange vorher anzusetzen und die Zutaten dafür aufzutreiben. Ich gehe davon aus, dass Zutaten für alternative Baustoffe nicht unbedingt bei 'Praktiker und Co.' erhältlich sind.

Beste Grüsse

Annika



wischfestigkeit



1. bedingt wischfest, aber leicht nachbesserbar (einen Rest der Mischung in ein Glas und Schraubendeckel drauf; bei weisser Farbe ist das eh kein Problem

2. ich glaube (meine persönliche Meinung), dass jegliche Ausgabe von mehr
als ca 15 Euro für den Anstrich eines ganzen Hauses (10 Euro für einen Sack Luftkalk, 5 Euro für ein Säckchen Alaunsalz, plus eventuell einige Euro für natürliche Pigmentpulver wie Ocker, Rostrot etc) unnötig ist. Dies bezieht sich auf ein Haus mit "gesunden" Wänden aus Gips oder kalkputz, ohne irgendwelche vorherigen Anstriche (in letzterem Fall hilft nur ausprobieren). Aber mal ehrlich, jeder der mal mit Kalkfarbe gemalt hat stellt fest wie enorm diese Farbe deckt und "klebt". Ach ja, bei mir sind sogar Balken damit angestrichen, und Holzdecken, hält wunderbar seit Jahren

3. Kalkfarben in Natur-Öko_Bio-bauläden sind meinserachtens eine schöne Gelddruckmaschine.....früher habe ich die auch einmal benutzt und es hat rein gar keinen Unterschied zu meiner heutigen Variante gemacht, im Gegenteil, die selbstgemischten Farben hielten noch besser.

4. Ich rede hier nicht von Sonderfarben, Spezialfarben, Kalkkaseinfarben auf
Lehmputzen etc, bei denen ich einen gewissen Mehraufwand durchaus verstehen kann.

mfg
Torsten



Nicht unmöglich ...



... aber manchmal problematisch!

Hallo Torsten - schön mal wieder von Dir zu lesen. Deine Lobreden über Kalk kann ich gut nachempfinden - aber Gips als Untergrund bleibt nun mal problematisch, insbesondere, wenn es ein Maschinenputz ist und der Untergrund wenig porös ist. Aber ich bin nun mal aus diversen Gründen ein notorischer Gips-Hasser.

Die Wischfestigkeit von reinen Kalkanstrichen (fast wässrig auftragen) kann man erhöhen durch die Zugabe von Distelöl (max 1%) und zwischendurch immer gut mischen, weil sich die Suppe gern trennt ;-)

Kalk-Kasein-Anstriche lassen sich prima mit Magerquark herstellen.
Rezepte gibt es im Forum reichlich:

Basisrezept:

10 Liter Wasser und ca. 3 - 4 kg Weißkalkhydrat mehrere Tage einsumpfen lassen.

Dann 500g Magerquark, 1 Ei und ca. 50 ml Distelöl (von Aldi o.ä.) einrühren.

Auf Gips würde ich vorher eine Probefläche anlegen.

Gruß

Bernd



Kasein und Schimmelgefahr



... nachdem ich jetzt noch weiter im Forum "geblättert" habe, stosse ich auf Einwände, nachdenen Kaseinbeimisching zwecks Wischfestigkeit und besserer Haftung der Farbe in feuchten Räumen Schimmel begünstigen könnte. Mit geht es ja vor allem um den Anstrich feuchterer Räume (zwei Bäder, Küche, Hauswirtschaftsraum)... hm, also doch ohne Kasein und nur mit Distelöl? Welche Funktion hat dabei das Alaun in den diversen Farbrezepten?
Noch ne Frage: Erfolgt der Farbauftrag mit besonderen Quasten oder Pinseln, oder kann Kalkfarbe wie Dispersionsfarbe gerollt werden?

Danke im Voraus für Eure Antworten!

Annika

P.S. Eben habe ich meinem Vater enthusiastisch vom Kalkfarbenplan berichtet, er darauf :"Das gab's früher, aber so was macht man doch heute nicht mehr"...grmpf!



Generationen und Unwissenheit



Hallo Annika,

die Erlebnisse mit Deinem Vater sind wohl irgendwo symptomatisch für eine generationen-übergreifende Unwissenheit in der Anwendung von Baustoffen. Wenn alle Scheußlichkeit und Un-Natürlichkeit immer wieder unter dem Diktat des Komforts, der Arbeitserleichterung etc, verkauft wird, dürfen wir uns auch nicht wundern, wenn wir heute mit Allergien und anderen ???? "groß" werden.

Zurück zum Problem:
Du bist in Deinen Angaben zu anderen Rezepten leider sehr ungenau. Wer hat wann was zu welchem Untergrund etc. erzählt.

Kalk- und Kalk-Kasein-Anstriche sind aufgrund Ihrer hohen Alkalität gerade prädestiniert für Räume, in den aufgrund irgendwelcher Umstände Schimmelgefahr bestehen könnte.

Es gibt immer wieder ein paar Scharlatane, die meinen, Kasein (Quark) würde Schimmel begünstigen - vergessen dabei aber, daß das ganze nach Aufschluß durch Kalk (oder andere alkalische Mittel) dann chemisch etwas anders aussieht.

Ähnliche, emotionale Vorbehalte gibt es auch gegen Kuhsch*** im Putz als Sperrmittel bei Versottungen. Die Natur ist doch noch immer der bessere Lehrmeister.

Kalkanstriche solltest Du mit einem normalen Quast ausführen - im Kreuzgang; erst waagerecht, dann senkrecht.

Wünsch Dir einen "freien Kopf".

Bernd



Nochmal zum Schimmel



Guten Abend, Bernd und alle anderen Antwortschreiber,

es sind kaum 24 Std vergangen und ich habe schon eine menge Antworten, Ihr seit wirklich klasse!
So..., zum Schimmel, das stammt hier aus dem Forum, war vermutlich eine Einzelmeinung, ich zitiere:
"Kaseinfarben auf feuchten Wänden sind problematisch. Es besteht die große Gefahr der Schimmelbildung. ...In solchen Räumen sind Kaseinfarben oder Kalk-Kaseinfarben nicht gerade als geeignet zu bezeichnen. Hier wäre ein Wandanstrich mit Silikatfarben (reine Wasserglasfarbe, keine Dispersionssilkatfarbe!) geeigneter" (Eingesandt von G. Schneider am 20.04.04 auf eine Forumsfrage zu Geruch nach Kalkkaseinanstrich.

Zu der Ungenauigkeit mit den Rezepten. Da habe ich jetzt einige Forumsbeiträge gelesen und daraus geschlossen, das es mehrere Inhaltsstoffe geben kann, mit denen sich Wischfestigkeit erzielen lässt. Vermutlich verwechsele ich aber auch Äpfel mit Birnen. Befasse mich allerdings auch erst seit 2 Tagen konkret mit dem Thema 'Kalkputz und Kalkfarben'. Ich gelobe Besserung und lese demnächst erst genauer nach, bevor ich frage ;)

LG, Annika



Kalk - Kasein



Hallo,

wie Bernd schon richtig mitgeteilt hat, kann Kalk und Kalk - Kasein kann selbst in Naßräuen, keinen Schimmel bilden. Durch zugabe von Kalk in Kasein wird die Schimmelbildung verhindert.

Zur Bindung auf Gipsputz sollte man einen quarzgefüllten Mineralgrund benutzen, gibt es im Fachhandel. Dieser wird auch zur Herstellung von Spachteltechniken auf Kalkbasis auf Gipsputze eingesetzt.

MFG Franz - Josef



Nachschlag



Danke Franz-Josef für die Rückenstärkung.

Habe mir die bisherigen Texte nochmal angeschaut.

Teilweise geht es da durcheinander mit feuchten Wänden und hoher Luftfeuchtigkeit (Nassräume).

Auf feuchten Wänden sollte kein Kalkanstrich eingesetzt werden - hier sollte erst einmal der Grund für die Feuchtigkeit festgestellt werden.

Prinzipiell besteht bei derartigen Konstellationen die Gefahr, daß sich Schwefelverbindungen und Salze im Mauerwerk befinden, die kalk-zerstörend wirken. Auf derartige Effekte hatte Andreas Engbarth auch schon am Anfang hingewiesen.

Gruß aus BS

Bernd





Hallo
hier ist immer von Kalkánstrich die Rede:
kann ich den Putz ,ich möchte Sumpfkalk verwenden,
in mehreren Schichten anbringen,und dann immer dünner
werden?

also von Putz in Richtung Farbe gehen?

früher als weosseln bezeichnet (mit frisch glöschtem Kalk)

ein genaues Rezept
Farbe /Putz wäre nicht schlecht.

Habe auch schon gehört daß ein Kalkputzanstrich der beste Wurmschutz ist.Da Würmer das Holz dann nicht mehr mögen wegen des alkalischen Gehalts.
Christoph Böck





meinte natürlich weisseln



Kalkputz



Ich kann die Frage 2 Jahre nach der Verwendung selbst beantworten:

es geht wunderbar,
Meine Mischung war:
ca 1/3/1 Sumpfkalk/Kalksand/Calciumhydroxid
mit Wasser (Vorsicht Schutzbrille)zur Breikonsistenz
aufgerührt.

Zum Schluß pure Sumpfkalkfarbe durch Wasserverdünnung,
mehrmals mit Bürstenpinsel drüber.
Absolut abriebfestes sehr schönes Ergebniss.



übelste probleme auf MP75 mit Kalkfarbe



Also ich hatte üble Probleme mit Kalkfarbe auf MP75. Blätterte enorm ab. Starke Rissbildung nach 3-4 Tagen. Wobei mir der Vorbesitzer sagte er hätte für den Putz MP75 verwendet. Bis ich dann im Keller einen Restsack Armierungsmörtel fand und mir dann meinen Teil denken konnte. Vermutlich hat er diesen entweder in dem Raum solo benutzt oder in Mischung.
Jedenfalls kann man sich nicht darauf vrlassen, dass im Putz keine anorganischen Bestandteile vorhanden sind, wenn man es nicht selbst gemacht hat.
Auf einer Wand, die ich mit reinem Gipsputz Restaurieren musste, haftet die Kalkfarbe denn auch gut.

Also den "Klebe-und Armierungsputz" mit Lehmstreichputz überzogen und dann gekalkt. (Kalk-Kasein/Borax-Leinöl) Das hält ohne Probleme. Da kein Feuchtraumbereich, sollte es auch langfristig zu keinen Ausblühungen kommen.

Weiterer Fehler: Zu hohe Temperatur beim Streichen im Sommer ---> Aufbrennen.