Altersbestimmung




Hallo allerseits,

wie bekomme ich heraus, wie alt unser Haus ist? Vielleicht ist das eine sehr blöde Frage, und irgendwer haut mir um die Ohren: "Mann, Du Dussel, das steht doch Da-und-da!" Aber auf dieses Da-und-da bin ich bislang nicht gekommen.

Wir hatten schon zwei Leute da, die sich ein wenig auskennen (eine Dame von einem Freilichtmuseum, ein erfahrener Fachwerkrestaurator), und die haben anhand baulicher Auffälligkeiten übereinstimmend "vor 1900" gemeint. Aber ich hätte es natürlich gerne genauer. Eine dendrochronologische Bestimmung wäre ein Möglichkeit, aber ein dumpfes Gefühl sagt mir, dass es eine teure Möglichkeit wäre. Trotzdem: Kennt jemand Adressen dafür?

Darf ich ansonsten mal das hier versammelte Fachwissen bitten, Tipps abzugeben? Also:
- Gewölbekeller aus Bruchsteinen
- Sockel aus Bruchsteinen, in Lehm/Erde gesetzt
- Erdgeschoss 60cm dicke Lehmwände
- erster Stock Fachwerk mit Natursteinausfachung; Innenwände Lehmziegel
- mit Kalkmörtel verputzt, sehr wahrscheinlich nie Sichtfachwerk gewesen.
- Decken mit Lehm ausgefacht
- Zu einigen Zimmern des ersten Stocks führen Brettertüren. Mehrere Leute haben gesagt, sowas habe man seit rund 150 Jahren nicht mehr gemacht.
- Drei Häuser ortseinwärts steht ein Gebäude von 1817.

Kann man daraus was erschließen?

Herzlichen Dank,
Konrad Lehmann



eine dendrochronologische



untersuchung wird nicht viel bringen, denn üblicherweise wurde und wird gut erhaltens Holz wiederverwendet. Eiche war noch nie billig. von daher eignet sich das allenfalls als flankierende maßnahme. zum derzeitigen zeitpunkt, so ohne weitere anhaltspunkte, wäre es wohl verschwendetes geld.
zum anderen hat man - vor allem im ländlichen bereich - sicher bis weit in unser jahrhundert hinein flächendeckend mehr oder minder qualitätvoll in Fachwerk gebaut. und sicher bisweilen auch die eine oder andere tür wiederverwendet, es gab eine menge schlechte zeiten in den letzten 150 jahren.
ich würde zunächst zu quellenstudium raten: bauakten (auch vor 1900 gab es schon ein umfängliches genehmigungswesen), die sich i.d.r. in den archiven der baubehörden finden, melderegister, kirchenbücher, alte zeitungen, ortschroniken, karten, ansichtkarten und dergleichen mehr. aus vielen kleinen informationen wird sich ein bild verdichten: brände, todesfälle, geburten, hochzeiten.
am beispiel meines hauses: ich hatte ein umbaugesuch aus 1869 für die ladenfront eines fleischergeschätfs in der historischen bauakte. und damit den namen einer besitzerin. archtektonisch musste das haus aber älter sein. anhand historischer addressbücher konnte ich die frau finden und auch das jahr, wo sie erstmalig unter meiner addresse zu finden war: 1848. aus der bekannten baugeschichte der gegend ergab sich abschließed, dass justament zu dieser zeit die gegend umfassend bebaut worden ist, vorher befanden sich dort grün-grundstücke mit aufgelockerter Bebauung , auf denenen innenstädter ein bißchen vieh hielten. ein früherer bau ist also ziemlich auszuschließen. zugegeben: ziemlich easy. aber in einer kleinstadt vor allem hochinteressant - die fleischerdynastie existiert nämlich immer noch. auch wirtschaftshistorisch am ende interessant - das frühe beispiel einer filiale. aus den büchern ergab sich nämlich auch, dass der sohn weiterhin am stammsitz blieb (wo sie heute noch sind). aufgrund des kleinen beitrags zur familiengeschichte habe ich heute bratwürste (und zwar wirklich gute), frei :-)))



Versicherung?



Hallo Konrad,

war das Haus früher versichert? Bei welcher Versicherung? In den Unterlagen steht oft das Erstellungsdatum.



Altersbestimmung



Guten Abend Herr Lehmann,

wir stehen aktuell vor einem ähnlichen Problem. Die Verwandtschaft weiß einiges zu erzählen, doch hieb- und stichfeste Fakten sind bislang auch in unseren Unterlagen nicht aufzutreiben. Erschwerend kommt hinzu, daß der Ehemann meiner Großtante (Gott hab´ ihn seelig) eben jenen Balken aus dem Ständerwerk entnommen und den Vermutungen zufolge an irgendwen verkauft hat, auf welchem sich der seinerzeitige Zimmermann verewigt hatte.

Jedenfalls hat man uns den Rat gegeben, bei einem ggf. vorhandenen Heimatverein die Archive sowie die Unterlagen beim Stadt- oder Gemeindearchivar (evtl. auch Kreisarchiv) durch zu stöbern. Das ist übrigens in der Regel kostenfrei, soweit ich weiß (beim Heimatverein erfordert es vielleicht eine kleine Spende). Ansonsten kann man Ihnen dort vielleicht weitere Ratschläge erteilen.

Wie meine Vorschreiberin Frau Ingenkamp schon ausgeführt hat, können auch die alten Kirchenbücher weiterhelfen. Unter Umständen auch das Standesamt, wenn man weiß, welche Personen das Haus im Laufe der Zeit bewohnt haben.

Jedes noch so kleine "Mosaiksteinchen" könnte Ihnen die nötige Information erschließen.

Viel Spaß beim Stöbern und viel Erfolg wünschen wir Ihnen.

Mit freundlichen Grüßen
Fam. Hecke



Bibliothek



Also mein Haus war in alten Karten (Büchern) von 1898 drin, und auch von 1860, aber nicht von 1802. Von den meisten Städten gibt es alte Karten, Bilder etc. Deshalb könnte ein Bibliotheksbesuch die gesuchte Antwort liefern.

Grüsse
stt



das steht doch Da-und-da!"



Guten morgen Konrad Lehmann
Spass bei seite
Einfach oben rechs bei suche "" Altersbesimmung "" eingeben
dann kommen einpar sehr gute Beiträge.

Mit zimmerlichem Gruß
Andreas Vollack
aus Hann.Münden



Adresse:



Zugegeben, Freunde von mir - aber kompetente Freunde:
Büro für Bauforschung
Scherf-Bolze-Ludwig
Str. der Einheit 14
07613 Silbitz
T. 036693/22945
Die Herren betreiben ein Büro, welches sich überwiegend mit Hausforschung, Fachwerk-Gefüge-Forschung und bauhistorischen Untersuchungen beschäftigt, Dendochronologie ist dabei ein Instrument von mehreren Möglichkeiten.
"Running-Gag" bei den Jungs ist allerdings, das alles was jünger als Barock ist, als Neubau bezeichnet wird.
Anrufen - geholfen wird bestimmt.
Grüße aus Leipzig
Martin Malangeri



Urkataster



Hallo, oft bringt es auch etwas das Kataster zu Urkataster zurückzuverfolgen. Die Preußen waren da schon früh sehr genau, weil danach Steuern berechnet wurden. Wie es in Thüringen aussieht weiß ich nicht. Aber man kann ja einmal beim Katasteramt nachforschen. Vielleicht hilft es weiter. Mit freundlichen Grüßen Ulrich Arnold





Guten Tag,
eine Dendro wurde seinerzeit für ein Gebäude im Bergischen Land vom zuständigen Kreis bezahlt. Der Bauherr, war auch hier im Forum mal sehr aktiv, hatte sämtliche Denkmalbehörden kontaktiert. Über mir nicht bekannte Wege kam schließlich dieser Kontakt zustande. Eine Dendro macht natürlich nur Sinn, wenn hier ein sicherer Befund zur 1. Bauphase mit neuem Holz vorliegt. Das ein Haus komplett mit Hölzern aus Wiederverwendung erbaut wurde, ist mir in meiner langjährigen Berufspraxis noch nicht untergekommen. Der nette Mensch, der diese Bohrungen macht, weiß i.d.R. auch wo zu bohren ist. Zur genauen Bestimmung werden schließlich mehrere Bohrproben entnommen.
Mit freundlichen Grüßen
Bernd Kibies