Kappendecke von oben dämmen

14.12.2017 AlexXYZ



Hallo,
da es viele und gespaltene Meinungen gibt habe ich explizit für diesen Punkt ein neues Thema aufgemacht, vielleicht hilft diese Ideensammlungen auch anderen mit ähnlichen Problemen.

Zur Ausgangslage: wir haben ein Haus von 1920 der Sandsteinkeller hat eine Kappendecke mit Ziegeln und Stahlträgern im Abstand von ca. 90 cm. Die Kappen sind bis auf die Stahlträger verputzt. Die Decke von oben hat eine Schicht, sieht aus wie Beton auf die Höhe der Stahlträger ( man sieht die Träger von oben). Längs zu den Trägern sind Holzbalken im Abstand von 60cm verlegt, auf diesen Balken sind Dielen, in den Hohlräumen eine Mischung aus Schlacke und Bauschutt.
Wir möchten die Kappendecke von oben dämmen und nicht vom Keller her wegen den Wärmebrücken an den Ränder usw.

Die Dielen sind beschädigt und sollen raus, später soll Click-Vinyl drauf.

Jetzt habe ich verschiedene Meinungen für einen Neuaufbau der Konstruktion.
Der eine sagt es muss leichtbeton drauf usw. (finde ich aus statischer sicht schwierig).
Einer sagt lieber nochmal mit Balken arbeiten... usw.

Eine Idee:

Schutt und Schlacke raus, Balken raus und dann neue Balken quer zu den Stahlträgern und auf den Trägern mit Holzkeilen oder Gummigranulat nivilieren.
Dann ohne Folie Zellulose oder Perlit schütten in die Hohlräume, auf die Balken OBS Platten, dann Trittschalldämmung und dann Click-Vinyl.

Jetzt gibt es wieder verschiedene Meinungen bezüglich Folie, die einen sagen es muss eine Dampfsperre auf die Rohdecke und manche sagen auf keinen Fall. Ich persönlich befürchte bei bei einer Folie dass sich Feuchtigkeit an den Trägern sammeln könnte und die dann anfangen zu Rosten...
Was haltet ihr von dem Aufbau? Und Folie oder nicht?



Fußbodenaufbau



Ich habe drei Gegenfragen:
1.Warum finden Sie Aufbeton aus statischer Sicht schwierig?
2.Wieviel Aufbauhöhe zwischen Oberkante Rohdecke und fertigem Fußboden steht zur Verfügung?
3. Wie wird der Raum zukünftig genutzt werden?



Beton



wir haben 12 cm zur Verfügung...
Schwierig hatte ein Architekt der da war gesagt, er würde eher eine Trockenbauweise mit Balken etc. machen...
Die Wohnräume werden als Wohnung d.h Küche Bad, Flur Wohnzimmer, Schlafzimmer, Büro/Kinderzimmer genutzt...



Fußbodenaufbau



Fußbodenaufbau in Feucht- bzw. Nassräumen im Trockenbauverfahren ist technisch machbar aber nicht einfach.
Ich sehe mehrere mögliche Varianten.
Die Vorbereitung der Flächen ist bei allen Aufbauvarianten gleich:
Zuerst alles ausbauen, die Deckenoberseite sorgfältig von allem Losen und Staub reinigen. Anfeuchten, dann zum Höhen- und Ebenheitsausgleich einen Verbundestrich einbauen. Das kann ein werkgemischter Trockenmörtel sein, NM 10 oder NM 15. Die Oberfläche soll eben, waagerecht und sauber abgerieben sein. Der Mörtel dient gleichzeitig als Korrosionsschutz für die Obergurte.

1. Massivestrich, alle Räume
Ca. 70 mm trittfeste Holzfaserdämmplatten, Zwischenlage, ca. 30 mm Gußasphaltestrich

2. Trockenestrich in normalen Wohnräumen
Dämmung aus Schaumpolystyrol (Maß der Zusammendrückbarkeit c beachten)
ca. 25 mm Fermacell Trockenestrich oder OSB

3. Trockenestrich in Nassräumen
Wedi- Fußbodenplatten, Abdichtungssystem, Fliesebelag auf Entkopplungsmatte
Alternativ EPS/XPs, 25 mm Aquapaneel, Abdichtungssystem, Entkopplungsmatte, Fliesen.
Der Ausgleichsestrich stabilisiert die Decke zusätzlich und erhöht deren Tragfähigkeit.



unsere Idee



Was halten Sie von unserer Idee oben mit Balken, Perlit usw.? In den Trockenräumen?
Wir sind auch am überlegen nur in der Küche Vinyl zu legen und in den anderen Trockenräumen nochmal Dielen...

Das alte Bad hat außer an der alten Dusche schon Fließen drauf gehabt, das heisst auf dem Boden liegt Styropor, Folie und dann Estrich oder Beton, keine Ahnung was massives halt.
Jetzt reißen wir 2 Wände auf und nehmen uns von 2 Zimmern etwas für das Bad zu vergrößern, an diesen Stellen ist noch die alte Bodenkonstruktion... können wir an diesen Stellen dann auch einfach Styropor, Folie und Estrich gießen?



Fußbodenaufbau



Ich habe Ihnen Varianten genannt die dem Stand der Technik entsprechen, bauphysikalisch sicher und schnell zu realisieren sind.
Für Heimwerkerbasteleien bin ich nicht zuständig.



Fußbodenaufbau über Kappendecke



Eigentlich wurde schon alles gesagt.

Bei unter Umständen doch aus dem Keller diffundierender Feuchtigkeit würde ich keinen diffusionsdichten Plastikbelag verwenden- wenns stabil sein muß dann besser Eichedielen.

In dem Fall kann statt ganz dichter Folie auch eine Dampfbremse mit Sd-Wert größer ca 5 m auf dem Rohboden verlegt werden.
Da Keller i.A. keine sonderlich tiefen Temperaturen aufweisen ist Kondensat unwahrscheinlich und bei Dampfbremsen (und nicht -sperren) noch weniger zu erwarten.

Außerdem ist es kein Problem die Metallträger mit Rostschutz oder Zementschlämme zu streichen.

Solche Konstruktionen wurden überprüft und sind bewährt-
der alte Boden hat schließlich auch lange gehalten.
Zellulosedämmung kann auch in viel schwierigeren Fällen verwendet werden.

Dass Weichholzdielen bei geringer Pflege und größerer Belastung irgendwann hinüber sind ist eh klar.

Wenns auf gute Dämmung ankommt ist Schaumbeton oä nicht sinnvoll, der deren Dämmwert max 20-50 % beträgt gegenüber
üblichen Dämmstoffen.

Sofern die Decke tragfähig ist können natürlich auch plattenförmige Dämmstoffe und Trockenestrich etc verwendet werden- das ist aber ohnehin klar.

Es gibt immer mehrere Varianten- was ist jeweils sinnvoll, auch unter dämmtechnischer und ökologischer Sicht und was ist schadensfreier und wirtschaftlicher?

Auch im Bad können Dielen verwendet werden, wenn nicht gerade Kleinkinder den Boden unter Wasser setzen.
Und Zwischenwände können auch auf tragfähige Holzböden gestellt werden.(siehe Dachgeschoß-Foto in meinem Profil)

Ansonsten hat jeder Gipsplattenhersteller solche Bodenaufbauten dargestellt.

In meinem eigenen Gebäude ist auch seit über 100 Jahren ein Holzdielenboden über einer Decke mit Kappengewölbe.
Nachdem ich den vor gut 20 Jahren geschliffen und geölt hatte ist der Boden seitdem wieder wie neu.

Andreas Teich



Dämmung



Danke dass Sie sich nochmal gemeldet haben, ich konnte meine Partnerin überzeugen und es werden in den meisten Räumen Dielen aber mit Feder und Nut, diese werden ja meistens verleimt ist das ein Problem? Vielleicht kann ich Sie auch überzeugen in der Küche Dielen zu legen...
Weiterhin, welche Dampfbremse würden Sie uns da empfehlen?
Und wie hoch muss die Folie gehen? bis an die Sockelleisten?
Dann werden wir die neuen Balken im Abstand von 50cm quer zu den Trägern legen, müssen an den Rändern auch Balken längst zu den Trägern liegen?
Gibt es noch eine alternative zu Dielen, vielleicht etwas günstigeres?



Dielenfußboden



Ja- irgendwann muß man sich entscheiden-
wobei ich Dielen ohnehin als angenehmsten Boden empfinde.

Dielen dürfen nicht in Nut und Feder verleimt werden-
sie werden nur schräg über der Feder verschraubt.

Verleimt wird nur Fertigparkett und nur dann wenn es nicht flächig mit dem Untergrund verklebt sondern schwimmend verlegt wird.

Bei der Dampfbremse muß nur der Sd-Wert in etwa stimmen und keine zu dünne nehmen, die leicht perforiert wird.
Die Stöße am besten verkleben.
Wenn der Untergrund sehr rau ist bessser noch eine Schutzfolie zB Geotextil unterlegen (etwa 1,-€/qm).
(Wenn der Keller trocken ist kann ggf auch auf die Dampfbremse verzichtet werden.)

Die Dampfbremse bis etwas über die Dielen hoch Verlegen und dann zB hinter den Fußleisten befestigen.
Gegen Staub aus der Dämmung würde ich zwischen KVH und Dielen einen Streifen Dampfbremsfolie am Rand unter den Dielen bis unter die Fußleisten verlegen.

Dielen sind schon fast der günstigste Boden
- am besten im Internet suchen. Auch Eiche ist bisweilen günstig, aber fast nur als Systemdiele, die auch verwendet werden können.
Ich habe bei uns die rustikale Sortierung verwendet, die zwar kleine, ausgespachtelte Risse, Äste etc haben kann, dafür aber eine lebendigere Oberfläche hat und am günstigsten ist.

Nur als erste Randdiele die längeren nehmen, wenn die Dielen in verschiedenen Längen geliefert werden.

Ihr könnt mir die benötigte Fläche und eure Adreses mailen, dann kann ich mich wegen Preisen erkundigen-
falls die Suche hier nichts ergeben sollte.

Wenn ihr alles ausgeräumt habt zuerst genau die Höhen messen, um die möglichen KVH-Dimensionen festzulegen.
Das Unterkonstruktionsholz besser selber aussuchen-
es muß gerade sein und nicht verdreht (was ohnehin nicht vorkommen sollte).
Wollt ihr alles selber machen?
Jetzt schon Hygrometer im Keller und in den Wohnräumen aufstellen.

Andreas Teich



Kappendecke mit XPS und Heizestrich



Hier die Berechnung für den Boden, alternativ mit XPS und Heizestrich für Fußbodenheizunng gerechnet.

Der Dämmwert von XPS ist zwar besser, aufgrund der höheren Wärmeverluste der Fußbodenheizung und der wegen des Estrichs geringeren Dämmstärke ergibt sich der 74,2 % schlechtere U-Wert mit entsprechend höheren Wärmeverlusten gegenüber dem im früheren Beitrag berechneten Fußbodenaufbau mit KVH, Zellulosedämmung und Dielenboden..

Ohne Fußbodenheizung sind die Wärmeverluste zwar etwas geringer, dafür ist der Boden IMMER fußkalt,
ganz im Gegensatz zu Holzdielenböden.

Andreas Teich