Kappendecke - Hilfe und Statiker gesucht

01.09.2015 Luminohof



Bei der Sanierung des zu unserem Vierseithof gehörenden, etwa 100 Jahre alten Waschhauses haben wir eine Frage zu der preußischen Kappendecke.

Die Doppel-T-Träger sind in gutem Zustand, 20 cm hoch, 10 cm breit, in Abständen von 1,50 m. Die Kappendecke ist gemauert, ca. 10 c, hoch. Die darüberliegende Schüttung haben wir bereits komplett entfernt.

Teilweise war die Decke in den letzten Jahren der Witterung ausgesetzt und ist an der Unterseite grün, generell ist sie aber in so gutem und stabilem Zustand, daß sie eventuell dennoch erhalten werden kann.

Angedacht ist eine Schüttung (zB gebundener Blähton) bis zur Oberkante des Trägers, darauf Schwalbenschwanzplatten mit 3,5 cm Beton, darauf Dielung. Ich habe hier aber auch die Enpfehlung gelesen, erst die Zwickel mit 2 cm C 20/25-Beton zu stabilisieren. Andere sagen wiederum, daß jede starre Schicht schädlich sei.

Vielleicht bekomme ich hier eine fachliche Einschätzung? Ein mit der Thematik vertrauter Statiker aus der Region wäre sehr willkommen.

Vielen Dank!



Kappendecke



Mein Vorschlag:
Oberseite reinigen, entrosten,
Zementmörtel oder Estrichbeton bis Oberkante Träger bzw. bis Oberkante Ausmauerung einbauen, gerade abziehen,
Nach Erhärtung und Trocknung Obergurte Rostschutz auftragen, ca. 50-80 mm trittfeste Holzfaserplatten einbauen, in die odere Lage Traglattung einbetten (sollte Plan mit der Oberkante Platte oder ein oder zwei mm drunter liegen)
Dielung.
Die lange Trocknungsphase kann man umgehen wenn man eine Dichtung auf den erhärteten aber noch feuchten Beton/Mörtel auflegt (Folie) und dann mit der Dämmung weitermacht.



Kappendecke



Vielen Dank für die prompte Antwort. Natürlich wäre die Auffüllung mit Beton (dann aber wohl mit mind. 6 mm Bewehrung) eine erstmal befriedigende Lösung. Aber auf einer 100 Jahre alten Kappendecke? Unser Problem ist ja gerade, daß der Großteil der Fachleute wie geschrieben von einer starren Schicht abrät. Es wäre toll, wenn jemand genau auf diese Problematik eingehen könnte. In den nächsten Tagen kommt jedenfalls schonmal ein Fachmann vom Landesamt für Denkmalschutz.



Kappendecke



Eine Bewehrung ist nicht erforderlich.
Der Zwickelbeton stabilisiert die Decke und erhöht ihre Tragfähigkeit.
Ein Gewölbe ist nichts was beweglich sein sollte.
Was den Denkmalpfleger betrifft:
Ich hatte vor zwei Jahren schon mal eine längere Auseinandersetzung, da ging es um den Fußbodenaufbau auf einem barocken Kreuzgratgewölbe.
Falls der Mann damit nicht einverstanden sein sollte kontaktieren Sie mich.



Sanierung Kappendecke mit Holzboden



Was die mögliche Ablehnung einer starren Schicht auf der Kappendecke betrifft:
Kappendecken sind ohnehin ein starres System und nicht mit einer Holzbalkendecke vergleichbar.
Wenn die nicht (mehr)starr wäre hätte ich größte Bedenken wegen der Tragfähigkeit- ansonsten sollte bei intaktem Stahlträger und Ausmauerung die Begutachtung durch einen Statiker unnötig sein.

Ist die Oberkante des Trägers ungefähr bündig mit der Oberkante des Gewölbes?

Alles lose beseitigen,Träger entrosten, Rostschutz auftragen.
ggf mit Zementmörtel/Estrichmörtel auffüllen und auf dem Gewölbe eine einigermaßen glatte Putzschicht herstellen.

Darauf würde ich bei einem Holzboden eine Feuchtigkeitssperre Verlegen (zB Geovlies, darüber durchgehende EPDM Folie 1 mm dick-(Teichfolie genügt, oder eine andere Abdichtung (Bitumenschweißbahn etc).

Wenn der Raum darunter als Wohnraum genutzt wird kann die Feuchtigkeitssperre ggf entfallen, wenn der Mörtel/Beton ausgetrocknet sind oder nur eine stärkere 0,2 mm PE-Folie verlegt werden.

Wenn die Randträger nicht mittels Zugeisen mit dem vorletzten Träger verbunden sind könnten diese ggf nachgerüstet werden.
Eine Möglichkeit:
Sofern notwendig auf die Träger ein KVH-Holz auflegen zum Höhenausgleich, quer dazu KVH-Holzbalken, zB 6/12 cm im Abstand von ca 50 cm verlegen,
Zwischenraum mit Dämstoff auffüllen, zB Zellulose, Hanf,Schüttungen etc
darauf dann geölte Holzdielen verschrauben.

Alternativ kann eine Schüttung aufgebracht und nivelliert werden, darauf eine druckfeste Holzfaserplatte und darauf Holzbalken/Latten, minimal 4/6 cm als Traghölzer für die Dielen.Dazwischen Dämmstoff einbringen.

Ggf nachfragen
Hilfreich wäre ein Foto von oben sowie eine Beschreibung der vorgesehenen Nutzung des oberen und unteren Raumes.

Wenn Feuchtigkeit kein Problem ist kann der Grünbelag mit einem Hochdruckreiniger mit geringer Wasserzugabe entfernt werden, dann mehrfach auf den feuchten Untergrund Kalkfarbe oder nach Abtrocknung Kalkkputz und auf den feuchten Putz 2-3 mal Kalkfarbe mit der Deckenbürste aufstreichen .

Andreas Teich



Kappendecke



Vielen Dank für die tollen Antworten. Das klingt wirklich sehr einleuchtend und hat uns enorm geholfen.

Die Oberkante des T-Trägers liegt deutlich über der nur sehr flachen Kappe (ca. 7 cm), so daß wir wohl nur mit ein paar cm Estrichbeton auffüllen, dann Schüttung und dann Nachrüstung des Randträgers wie von Herrn Teich beschrieben. Abschlußbericht folgt.

Recht vielen Dank für die Mühe!



Kappendecke



Wie groß ist die Spannweite (Länge) der Träger?
Können Sie Fotos von der Decke (von unten und/oder von oben) einstellen?
Ich frage deshalb weil das möglicherweise keine Kappendecke ist. Ich präzisiere meinen Vorschlag wenn mir die o.g. Informationen zur Verfügung stehen.



Holzboden auf Kappendecke



Foto wäre in jedem Fall hilfreich.

Wenn die Träger der höchste Punkt sind wäre das einfachste,
quer auf die Träger zB 6/12 cm Kanthölzer aus KVH im Abstand von ca 50 cm auszulegen.

Dadurch werden die Zwischenfelder nicht belastet und die ganze Konstruktion liegt freitragend nur auf den Stahlträgern auf.

An den Auflagerpunkten auf dem Stahlträger Gummigranulatstücke auflegen zur Schalldämpfung und zum Höhenausgleich.

Zwischenraum mit Zellulose oder Schüttung etc auffüllen bis Oberkante Holzbalken- besser noch leicht überhöht.
Die Dämmung mit irgendeiner Folie, Winddichtung etc abdecken, damit das Material beim Verlegen der Dielen nicht in die Brettfugen kommt.

Dann den Bodenbelag verschrauben, sodaß er mit leichtem Druck auf der Dämmung aufliegt, um einen Resonanzboden mit Trommeleffekt zu vermeiden- (sinnvolle Maßnahme zur Schallreduzierung).

Wenn die Ausmauerung/Betonierung ok und fest ist ohne Risse würde ich zumindest gegen Schimmel, Pilze,Algen etc diese Bereiche mehrmals mit Kalkmilch einstreichen-
(dazu Weißkalkhydrat in Wasser dünnflüssig anmischen)

Bei normaler Luftfeuchtigkeit des darunterliegenden Raumes und bei dem beschriebenen diffusionsoffenem Bodenaufbau kann auf eine Dampfbremse verzichtet werden.

Andreas Teich



Doppel



Doppel gelöscht
Andreas



Ist es überhaupt eine Kappendecke?



Das ist eine gute Frage, Herr Böttcher. Das Stichmaß der Wölbung ist tatsächlich so gering, daß es nicht den statischen Vorgaben einer Kappendecke entspricht. Auf 1 m Spannweite kommen nämlich nur ein bis max. zwei cm Wölbung, an manchen Stellen noch weniger. Ausgemauert ist mit sehr harten Hohlziegeln.

Sorgen macht uns übrigens nicht die Tragfähigkeit nach oben, da wir mit Schwalbenschwanzplatten auf den Trägern auf der sicheren Seite wären, sondern die Stabilität der Kappen nach unten. Nach den letzten Informationen schien es zwar sinnvoll, eine Stabilisierung mit Estrichbeton vorzunehmen, wobei bei 1,50 m Spannweite die Stärke und Art der Bewehrung noch offen waren. Aber jetzt sind wir doch wieder unschlüssig und hoffen, doch noch jemanden aus der Region zu finden, der zuverlässig darlegen kann, daß die Decke nicht doch plötzlich herunterkommt, zumal wenn so viel Gewicht dazukommt.

Problematisch sind ja auch die Druckkräfte auf die Außenwände. Je flacher die Kappen, desto stärker der Druck. Wir müssen daher, wenn wir die Kappen belassen, auf jeden Fall noch Seile oder andere Verbinder einbringen.

Wenn wir sie herausnehmen, können wir dafür leicht mit zwischen die Träger gelegten Kanthölzern völlig neu aufbauen und haben eine Sorge weniger...

Im Folgenden eine Reihe von Bildern: das Häuschen von außen, die Kappen von oben und unten und mit den Problemstellen (Grünbelag, kleine Risse).



Gesamtansicht Haus



Kann ich Bilder nur einzeln eingeben? Hier das Haus mit der offenkundigen Schwachstelle, daß die Giebelwände nach außen gedrückt werden (die Träger liegen parallel zur Frontseite).

Das Obergeschoss ist übrigens halbiert, weil der Raum rechts saniert, der Bereich links zur Terrasse werden soll.



Kappendecke



Hier eine der Kappen von oben.



Kappendecke



Noch ein Blick von oben



Kappendecke



Wölbung



Kappendecke



Offenkundige Schwachstellen sid die Endfelder, die zu großen Druck ausübern und die Wände nach außen drücken. Mit Stahlseilen theoretisch korrigierbar.



Keine Kappendecke



Bei den nach außen drückenden Feldern wird es einfacher sein, diese abzureißen und neu zu betonieren mit eingelegten und mit Nachbarträger verschraubten Ankern/Gewindestangen und außenseitig Maueranker zur Stabilisierung der Außenwände.
Wie wurde früher der Raum oben genutzt?
Wurden die Zwischenfelder belastet oder waren die mit Bohlen überspannt?
Aufgelegte Lewis-Platten inkl Estrich würden die Träger mit ca 140 kg/m2 bei einer Aufbauhöhe von 75 mm belasten, zuzüglich Gewicht durch den Bodenbelag.
Bei Entfernung der Ausmauerung kein Problem- als zusätzliche Belastung ggf zweifelhaft, auch wegen Auflager.

Mittig abgesenkte Felder können ggf etwas hochgedrückt und Risse anschließend verpreßt werden.

Wenn die Stabilität nicht sicher geklärt werden kann und ehe Ängste wegen Deckeneinsturz bestehen lieber abreißen- das erspart dann auch eine aufwendige Sanierung der Deckenuntersicht.

Alternativ können auch dickere freitragende Dreischicht-Holzplatten auf die Stahlträger verlegt werden ohne Kanthölzer.
Standardmäßig in 5 m Länge aber auch in größeren Längen lieferbar, sodas der gesamte Raum mit einer durchgehenden Länge überspannt werden könnte.
Nach Reinigung und Lackierung der Träger sind die Platten auch ggf als Untersicht mit sichtbaren Stahlträgern verwendbar.

Auf die Holzplatten eine ca 20 mm Holzfaserplatte, darauf ggf 4-5 cm dicke Betonplatten-je nach Schalldämmanforderungen.
Randbereiche, Fugen etc ggf mit feinem Sand auffüllen
Darauf 4/6 cm Holzlatten im Abstand von ca 50 cm,
dazwischen 40 mm Holzfaserplatten
Darauf Holzdielen verschrauben
oder eine Trockenestrichvariante falls Fliesen verlegt werden sollen.

Andreas Teich



Kappendecke



Vielen Dank!

Die Idee mit Dreischichtholz auf sichtigen, sanierten Trägern ist natürlich auch interessant. Mal überlegen.

Das Obergeschoss war nur eine Gesindekammer in die Schüttung eingebetteter Lattung und Dielung direkt auf den Trägern.

Wie nennt sich die Decke denn, wenn es keine Kappe ist?



Kappendecke



Es könnte alles so einfach sein... isses aba nich! (Fanta 4)
Bei der Decke sehe ich, was die Ausmauerung der Felder betrifft, zwei Varianten:

1. Das ist eine Stahlsteindecke, zwischen den Hohlziegeln liegt Bewehrungsstahl(Schürmanndecke, Kleinsche Decke...). Eine Verankerung des Endfeldes zur Eliminierung des Schubes ist dann nicht erforderlich.

2. Die Kappen sind unbewehrt aber tragend. Das gab es auch, aber dann mit speziellen sich verzahnenden Sonderziegeln (Rheinesche Formsteindecke, Försterdecke, Exzelsiordecke, System Ludwig...).

3. Die Kappenausmauerung erfolgt nichttragend.

Die Schubbewehrung liegt bei Variante 2 und 3 entweder zwischen den Ziegeln, also nicht sichtbar, oder in der Wand am Auflager der Träger.

Ich vermute Variante drei trifft hier zu. Die Vermauerung erfolgte nicht besonders sorgfältig. Ich sehe die Kappenausmauerung als nicht tragfähig an. Sie bildet nur einen räumlichen Abschluß nach unten.

Zur Sanierung:
Aus den nichttragenden Kappen tragende Gewölbekappen zu machen ist möglich. Allerdings setzt es eine Zugbewehrung an den Endfeldern voraus, am besten mit Gewindestangen.
Wenn man, wie ich in meinem ersten Beitrag geschrieben habe, die Felder mit Beton bis Höhe Obergurte der Träger auffüllt bildet sich in der jetzt dickeren scheitrechten Gewölbekappe eine höhere Stützlinie und damit ein tragfähiges Stützgewölbe aus. Dafür ist eine sorgfältige Reinigung und Vornässung der Oberseiten erforderlich damit ein schubfester Verbund zwischen Kappe und Aufbeton hergestellt wird. Der weitere Deckenaufbau kann dann wie von mir beschrieben erfolgen.
Wenn die Kappen im jetzigen Zustand verbleiben dürfen sie nicht belastet werden,der Deckenaufbau darf Eigen- und Verkehrslasten nur über die Obergurte der Träger abtragen.
Die gerissene Ecke sollte durch Spiralanker o.ä. gesichert werden.
Überprüfen Sie ob nicht auch Absenkungen im Gründungsbereich durch Wassereintrag o.ä. vorhanden sein könnten!