Dielenboden

13.12.2014



hallo liebe experten,

bin mittlerweile leicht bis mittelschwer frustriert und steh mir glaub ich langsam selbst im weg.
ich wohne in einem Haus aus den 60er Jahren. Wir haben schöne Kiefer(?)dielen.
Kapitel 1. :
Vor zehn Jahren hab ich diese abgeschliffen, nach Entfernung von Teppichboden und Klebern. Hat prima geklappt.
Hab dann farblos lackiert. War nicht billig und ne Empfehlung meines Baustoffhändlers. (Dem glaub ich nix mehr)
Meine Hunde, meine Freunde, meine Katzen und ich haben den Boden innerhalb von vier Jahren komplett ruiniert.
2. Kapitel:
Vor fünf Jahren dann erneut geschliffen. Wieder sehr schönes Ergebnis. Anderen Händler ausgewählt. Der hat mir einen auch sauteuren 2 Komponentenlack verkauft. Den hab ich drei mal draufgemacht. Hat gut getrocknet.
Wiederholung vom ersten Kapitel:
Meine Hunde, meine Katzen, meine Freunde und ich haben den Boden innerhalb von vier Jahren komplett ruiniert.
jetzt hab ich einen gescheckten Boden , teils noch Lackreste, teil durch meine Arbeitsschuhe- wohne auf dem Land und ziehe n i c h t jedesmal die Schuhe aus, meine Hunde tun das auch nicht... ist der Boden arg mitgenommen.

Meine Frage: ich möchte Holz. Das habe ich. (Laminat, Linoleum (war in der Diskussion), Parkett, Estrich. Nein.
Holz. Von mir aus in ner Wirtshausbodenoptik.
Also gleichmäßig patiniert. Ein Boden ist zum drauf gehen. Aber eine gleichmäßig Optik hätt ich schon gern.
Hat jemand Erfahrung mit dem Aufbringen einer Lehmschlempe?
Ich werde nichts mehr lackieren, aber achtzig jahre zu warten bis sich eine gleichmäßige Patina bildet dauert mir zu lang...
Freu mich auf kreativ- alternative Gedanken!

Gruß vom Lutz



Fußbodenaufbau



Lehmschlämpe?
Was soll das denn?
Früher gab es mal Händler die verkauften feinen weißen Seesand, damit wurden die Dielen nach dem Wischen bestreut.
So was haben Sie doch nicht im Ernst vor, oder?



Nix lehm,



wirklich nicht.

Ihr Problem ist einfach, Daß Sie auf einem weichen rohen Holz eine harte, kratzerempfindliche Schicht haben. Durch jeden Kratzer dringt Wischwasser in das rohe Holz und verfärbt dieses grau. Die Kiefer ist absolut nicht die erste Wahl, wenn es um strapazierte Böden geht. Das grundsätzliche Problem ist aber der Lack. Es gibt keinen Lack, der für Ihre Anwendung geeignet ist. Egal was sie draufstreichen, nach 3 Jahren siehts Mist aus und nach 5 Jahren Schleifen Sie wieder.

Lösung: Wenn Sie mit einem guten Öl imprägnieren, ist die Schutzschicht im Holz, nicht darauf. Ein richtig geölter Boden bildet also niemals das Schadbild zerkratzter Lackschichten. Richtig gepflegt, patiniert so ein Boden langsam.

Es gibt das Heißölverfahren aus dem Hause "Natural", damit habe ich seit vielen Jahren die allerbesten Erfahrungen gemacht. Eindringtiefe, Sättigung, Verteilung, Oberfläche sind optimal. Dazu informiere ich auch gern detaillierter.

Grüße

Thomas



Hallo Lutz,



diese Erfahrungen kenne ich sehr gut: Kinder mit Spielzeugautos, brmmm, brmmm; Hunde: sich freu, heraumras, Vollbremsung auf 20 Krallen > KEIN Lack hält dem stand! Und eine Mischung aus Lackresten und ungeschützt vergrauendem Holz ist das Schlechteste aus beiden Welten.

Daher rate auch ich zu der Behandlung mit einem guten Fußbodenöl, das ein klein wenig einsickert und die Oberfläche härtet. Keine Garantie gegen Kratzer, aber ein deutlicher Schutz und eine gleichmäßig patinierte Oberfläche. Man kann das Öl heiß einlassen, man kann es aber auch einfach mit einem Schwämmchen "einmassieren" - ACHTUNG, überständiges Öl sofort wegwischen! Der weitere Vorteil gegenüber Lack ist ein relativ diffusionsoffener Boden, der ökologisch und gesundheitlich unbedenklich ist.

Außerdem kommt es definitiv nicht nur auf die Holzart, sondern auch auf den Aufwuchs an. Kiefern, die auf sehr nährstoffarmen Böden aufwuchsen (wie z.B. bei uns in Brandenburg), wuchsen langsam > engere Jahresringe, höhere Dichte, höheres Raumgewicht > bessere HÄRTE. Das macht eine Kiefer noch nicht zu einer Eiche, sie bleibt ein Nadelholz; aber eine Märkische Kiefer von armem Standort ist deutlich härter als der Rest der Nadelgewächse.

Wir haben so einen Kieferndielenboden, der inzwischen wilde Kerle, Hunde, Partys und Arbeitsschuhe gesehen hat. Man sieht die Beanspruchung, man sieht die Mikrokratzer der Hundekrallen, man sieht aber trotzdem eine insgesamt lebhafte, lebendige und trotzdem saubere und gleichmäßige Dielenfläche.

Schönen Gruß nach Bayern!



Ein härtendes Öl,



ob jetzt aufgeschwämmt oder gespachtelt, ob heiß gefönt oder mit der UV-Lampe bestrahlt hätte ich jetzt auch empfohlen. Von Bembé gibts auch gute Produkte...



Bisschen Materialkunde:



UV-härtende Öle sind ebensolche, die nicht (ausschließlich) oxydativ härten. Durch die Zugabe von Isocyanaten baubiologisch abgewertet, werden sie fast ausnahmslos in den Fertigungsstraßen der Industrie verwendet. Der Bastler hat gar kein Gerät für die Verarbeitung solcher Öle.

Ich empfehle die Verwendung guter Öle von Naturölherstellern mit volldeklarierten Inhaltsstoffen. Dazu zählen z.B Kreidezeit, Livos, Naturhaus, Natural. Das einzige reine Heißöl gibt's von Natural.

Grüße

Thomas



das h?rt sich gut an!



recht vielen Dank an alle, die mir geantwortet haben!
ich f?hle mich jetzt doch bereits viel sicherer in meiner Entscheidung. Lack kommt also nicht mehr in Frage.
Werde im Juni erneut schleifen und mit einem guten ?l behandeln.
Wirklich ein herzliches Danke und sch?ne Weihnachtstage f?r alle!
Gru? Lutz