Kapillartransport?

31.01.2021 DieRestaurette

Kapillartransport?

Liebe Community,
wir müssen in zwei Röumen die Decke anheben (aktuelle Stehhöhe 190 cm... ) und dafür die alten Balken entfernen. Die Wände bestehen aus Fachwerk aus Eiche und Füllungen aus Bruchsteinen. Die Balkenköpfe liegen offen zwischen Rähm und Stockschwelle. Aus optischen und statischen Gründen wollen wir die Balken bündig mit der Innenwand absägen und die Balkenköpfe in der Mauer belassen. Die Wände werden anschließend innen mit Lehmputz und Holzfaserplatten (8 cm) gedämmt und mit Wandheizung versehen.

Ich frage mich nun schon eine Weile, ob wir Probleme mit Kapillarkondensation an den innenliegenden Schnittkanten bekommen könnten. Der verbleibende Balkenkopf hätte nur eine Länge von ca. 12 cm. Würde Nässe durch Regen über die Längsfasern nach innen transportiert?
In unserer Region wird das Fachwerk zumeist unbehandelt gelassen, so dass Schutzanstriche, welche das Holz ein wenig hydrophobieren würden, eigentlich nicht in Frage kommen. Eine verwitterte Oberfläche nimmt aber weniger Wasser auf, so dass ich mich frage, ob die Kapillarwirkung bei den Balkenköpfen überhaupt eine größere Rolle spielt, als beim übrigen Ständersystem. Die befragten Holz-Kollegen sind sich natürlich auch mal wieder nicht einig :o)



Kapillarkondensation



meinst Du die Gefahr, dass Wasser ( Z.b. durch Schlagregen) die Balkenkköpfe außen durchfeuchtet und dann über die Längskapillare der " Kopfstümpfe" nach innen in Deine Innendämmung wandert ?
Die Vermutung klingt erstmal logisch. ich vermute aber, dass diese Feuchte marginal sein wird, und genauso wieder raustrocknet, wie sie reingekommen ist. Zudem dürfte die Wandheizung von innen den Prozess kräftig unterstützen.
Ich würde die Kopfstümpfe von außen satt mit Leinöl tränken und dem Restfachwerk entgegen den örtlichen Gepflogenheiten auch einen Anstrich gönnen.



Entspricht auch meinem Bauchgefühl.



aber ganz sicher bin ich mir halt nicht :D
Und ja, das mit dem Leinöl hab ich auch schon überlegt - allein schon, um einige der ausgetauschten Balken farblich durch eine leichte Pigmentierung einzupassen.
Die Fassade ist eh eine bunte Mischung, die uns die Haare raufen lässt.



Kapillartransport



Eure (Ihre und Rolands) Überlegungen sind m. E. richtig.
Einerseits transportieren die Balkenköpfe wegen der Faserrichtung des Holzes definitiv mehr Wasser nach innen als die parallel zur Wand liegenden und stehenden Hölzer, andererseits dürfte es wiederum nicht so viel sein, dass es sich nicht hinter der Wand in der Fläche (schadlos) verteilt. Vor allem wenn das Holz satt geölt wurde. Sie müssen aber dafür sorgen dass diese Verteilung auch vollflächig garantiert ist.
Was dabei hilft ist, die Lehmputzschicht auf der rohen Fw-Wand, auf die die Dämmplatten geklebt werden, mind. 2-3 (besser 4-5) cm dick aufzuziehen. Diese Lehmmasse wirkt als Puffer und reduziert die Wassermenge die evtl. in die Dämmplatten zieht. Diese dicke Lehmschicht kann mit einem Lehm-Dämmputz hergestellt werden, was wiederum eine dünnere HWF-Platte ermöglicht.

Eine andere Überlegung wäre, ob es sinnvoll und machbar ist, die Balkenköpfe von innen bis zur halben Wanddicke zu kürzen und statt dessen Holzklötze die parallel zur Wand liegen einzubauen.
So kann das Wasser nicht bis ganz nach innen durch dringen.

Eine andere Frage ist die 8 cm dicke Innendämmung.
Frage: Haben Sie die 8 cm explizit für die zu dämmenden Wände berechnen lassen?
Eine Faustregel sagt, das eine Innendämmung von 6 cm unschädlich für das Fachwerk ist, wenn es von außen nicht extrem wetterbelastet ist. Was über diese 6 cm raus geht könnte kritisch sein. Es sollte immer genau berechnet werden.

Gruß,
KHH



Außen falsch verfugt



Was mir an dem Bild direkt ins Auge gefallen ist ist, dass der Fugenmörtel unter dem Rähm zu weit auf das Holz gezogen ist. Da dringt Wasser ein!
Auch wenn es anscheinend nicht lange her ist dass die Natursteinwand neu verfugt wurde, sollten Sie da nochmal ran gehen.
Zur Not, wenn die oberen Steine zu weit raus ragen um sie "ordentlich/schön" verfugen zu können, diese bis unter das Holz etwas abschrägen.
Entweder vorsichtig die Kanten nur mit einem kleinen Meisel weg stemmen, oder, wenn die Steine zu hart sind und das Gefüge lose würde, mit der Flex weg scheiden und die (zu gerade gewordene) Schnittkante mit Hammer und Meisel vorsichtig brechen.

Gruß,
KHH



Danke


Danke

für die Antworten. Der Lehmputz wird eh mehrere cm stark ausfallen, da die Wände sehr krumm sind.
Das Foto ist ein Haus in der Nachbarschaft - unser Haus hat in dem Bereich noch den 70er Jahre Putz drauf. Die Wand bekommt schon einiges an Feuchtigkeit ab - NNW Seite und regionaltypisch ist der Dachüberstand nur 20 cm. Die wussten schon, warum sie mit Eiche bauten...
Ich hätte nur eine Innenansicht der Wand.



Dämmstärke



Karl-Heinz, wenn die Restaurette eine Wandheizung plant ( und das ist glaub ich der Fall), sind dann immer noch die 6 cm Dämmstärke ein Orientierungsmaß oder sind dank WH größere Dämmstärken möglich ? Forumsmitglied Herr Teich spricht da gerne auch mal von 10 cm.



Berechnet



und empfohlen wurden uns 8 cm für die Fachwerkwände und 6 cm für die Bruchsteinwände.



Eine Wandheizung ist keine Garantie



Hallo Roland,

ich kratze mich mich immer wieder zweifelnd am Kopf, wenn von 10 cm Innendämmung auf Fachwerk gesprochen wird. "Mein" Energieberater, der sich auf Fachwerkhäuser spezialisiert hat, sieht das jedenfalls seeehr kritisch.
Eine Wandheizung garantiert nicht pauschal, dass lange genug und mengenmäßig genug Wärme(-energie) durch eine so dicke Innendämmung nach außen durch dringt, um die Jahresbilanz des Feuchteeintrags, besser gesagt der Rücktrocknung im Positiven zu halten. Sprich mehr Feuchtigkeit weg trocknet als eindringt.

Ganz abgesehen von der reinen Theorie, bzw. noch berechenbaren Bauphysik, kommt es auch auf das Heizverhalten der Bewohner an.
Z. B. , wenn die irgendwelche Räume, die wenig benutzt werden, oder Zimmer die eh meistens kühler gehalten werden (Schlafzimmer) nicht genug geheizt werden, nützt die Wandheizung dem Fachwerk auch nichts. M. E. kann man aber vom Bewohner nicht verlangen sein Verhalten den Anforderungen seines Hauses anzupassen. Wenn man schon saniert ist es wohl besser, weil zielführender, die Anforderungen so zu gestalten dass es egal ist wie sich der Bewohner verhält.
Gerade dieser Gesichtspunkt wird aber gerne bei der Planung vergessen.....

Ich will damit nicht sagen, dass man generell keine 10cm Innendämmung auf Fachwerk bauen kann/sollte.
Ich will nur sagen, dass es ab 6 cm meiner Ansicht nach auf jeden Fall und immer individuell, dem Objekt entsprechend bewertet (im Sinne von vor Ort angeschaut) und berechnet werden sollte, da die äußeren Gegebenheiten (Lage, Wind-/Wetterrichtung, Dachüberstände, usw.) genauso individuell sind wie die Häuser selbst.

Gruß,
KHH



Ok, danke



das war mir nicht ganz klar.




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