Kalksandstein um 1900



Kalksandstein um 1900

Hallo liebe Altbauexperten,

ich habe auf meinem Hof ein Stallgebäude, erbaut um 1900, genaues ist nicht bekannt.
Das EG ist komplett, das OG teilweise aus Kalksandstein (ca. NF) gemauert. Die bis 60cm dicken Wände sehen insgesamt noch einigermaßen solide aus (Laienmeinung), die einzelnen Steine sind jedoch sehr brüchig und die Fugen sanden aus. Gleichartige Gebäude im Ort zeigen ähnliche Erscheinungen.
Nun habe ich recherchiert, dass der Baustoff KS damals recht neu war. Die industrielle Produktion begann 1894.

Meine Frage wäre, hat jemand Erfahrungen oder gibt es ggf. Publikationen zu dem Thema, die belegen, dass die frühen KS-Bauwerke grundsätzlich problematisch hinsichtlich der Dauerhaftigkeit sind. Das entspräche dem mir bisher zugetragenem Hörensagen.

Danke
...und Gruß



Kalksandstein



Wenn die Wände bisher (ohne Putz) gehalten haben - über 100 Jahre - was hast Du da für einen Eindruck zur Haltbarkeit. Das eine ist das Hörensagen - das andere ist das sichtbare Ergebnis. Es gibt auch jetz noch KS-Stein, die ohne Putz nach kurzer Zeit brüchig oder unansehnlich werden.



Kalksandsteinwände



Die Brüchigkeit wird ohne Putz sehr gefördert- wobei die evt auch durch ungeeigneten Mörtel unterstützt wird.
Bei der Wandstärke und der bisherigen Lebensdauer hätte ich keine Bedenken.
Allerdings würde ich losen, absandenden Fugenmörtel auskratzen, einen Vorspritz auftragen und dann ein- bis zweilagig mit Kalk-Zementputz oder hydraulischem Kalkputz Verputzen und anschließend zumindest wetterbelastete Wandflächen mit Silikatfarbe streichen.

Die Fachwerkbalken sehen etwas mitgenommen aus.
Auf Schäden überprüfen und die Gefache ggf nur mit dünnem Schlämmputz versehen und streichen.

Bei Wohnnutzung wäre wohl eine Außendämmung zB mit Zellulose und Stegträgern sinnvoll-alternativ Hanfdämmung, Holzfaserdämmplatten oä.

Andreas Teich



Kalksandstein um 1900



Hallo und erst mal danke für eure Antworten.

Es ist eurer Meinung nach dann eher die Kombination aus KS und fehlendem Putz, die zu den Schäden führt? Und heutiger KS würde sich unter den Bedingungen auch so verhalten?

Folglich läge die Ursache weniger im Baustoff selbst, sondern im damals möglicherweise noch fehlenden Wissen, dass speziell KS nur verputzt dauerhaft haltbar ist.
Dann wundert mich jedoch, dass die Innenseiten der Außenwände und Innenwände gleiche Zersetzung zeigen. Oder reicht dafür schon die Luftfeuchtigkeit?

Außerdem gibt es einen weiteren Stall auf dem Hof. In gleicher Bauweise errichtet, ähnlich alt, allerdings aus weichgebrannten Vollziegeln. Auch unverputzt! Die Steine sehen noch tadellos aus.

@ Olaf
Klar, 100 Jahre sind ein stolzes Alter und ich habe auch keine akute Befürchtung, dass der Stall in sich zusammen fällt. Ich versuche lediglich abzuschätzen, wie sich der Zustand in den nächsten 20, 30, 50... Jahren entwickeln könnte.

@ Andreas
Wohnnutzung ist nicht vorgesehen. Vor irgendwelchen Sanierungsmaßnahmen muss ich jedoch sicher sein, dass die Standfestigkeit gegeben ist. Das werde ich noch mal von Fachleuten vor Ort klären lassen.

Falls jemand noch konkrete Erfahrungen mir der "ersten Generation" KS-Bauwerke hat, würde ich mich freuen...

Danke
...und Gruß