Kalkputz und Wandheizung

29.11.2012 Hans-Jürgen



Hallo in die Runde,

ich bin ja ein absoluter kalkputzfan und habe schon etliche Flächen mit meinen selbstgemischten Kalkputzen versehen. Dabei habe ich mal einlagig, mal aber auch zweilagig gearbeitet - dabei habe ich die erste Lage mit dem Gitterrabott bearbeitet und später selbstgemachten Feinputz augezogen und gefilzt.

Nun stelle ich mir immer wieder die Frage, ob selbstgemischter Kalkputz denn nun auch mit Wandheizungen funktioniert? Ich habe vor, einige Räume mit einer leichten Innendämmung zu versehen (HWF) und darauf eine Wandheizung zu installieren. Hat denn schon mal jemand einen selbstgemischten Kalkputz in Verbindung mit Wandheizung und Holzweichfaser verwendet und kann berichten?



Hallo,



bitte prüfe erst mal ob Dein Kalkputz auf den Weichholzfaserplatten hält!

Wir arbeiten oft mit leicht hydraulischen Kalkputzen nehmen dafüt aber einen Kalkhaftputz der mit der Zahlkelle aufgezogen wird als "Haftvermittler"

Grüße aus KOblenz





Hallo Herr Meurer,

da ich die Platten noch nicht habe, kann ich natürlich auch keinen Test machen.

Nun hatte ich einen alten Handwerker hier auf dem Bau und der meinte, das sei kein Problem, zur Not könne man ja einfach ein Schilfrohr auf die Holzfaserplatten tackern und man wäre sicher, dass der Kalkputz hält.

So eine Lösung habe ich noch nie gesehen...was sagen denn die Experten dazu?



Schilfrohr



ist nicht so einfach an den Platten zu befestigen, der Aufwand scheint mir unverhältnissmäßig hoch.

Ich denke ein Kalkhaftputz, aufgekämmt ist die einfachste Lösung.

Grüße





Vielen Dank für die Einschätzung. Welchen Kalkhaftputz verwenden sie denn dabei?

Darauf sollte dann meine Baustellenmischung auch eine gute Verankerung finden, oder?



Natürlicher Kalkputz und Wandheizung mit Innendämmung



Hallo Hans-Jürgen, Hallo Kalkputzfan :-)

ich hätte da einen Tipp für dich (nicht ganz uneigennützig...)
Schaue doch mal auf unseren Seiten www.climate-wall.de nach. Dort wirst du alles finden was du möchtest. Wir sind Hersteller des ökologischen Wandheizungssystem "ClimateWall" und verwenden schon immer natürliche Kalkputze um unsere System damit zu verputzen. Und jetzt kommt das Beste!!:-) Eine innendämmung auch Holzweichfaserplatten sind bei unserem System schon mit dabei. Das Wandheizungssystem besteht nur aus den Materialien Holzfaserplatten von Gutex, natürlicher Kalkputz von Hessler Kalkwerken und Schamottsteinen. Das System ist absolut diffusionsoffen und vom Fraunhofer Institut für Bauphysik geprüft und "freigegeben" (Prüfbericht auf der Webseite).
Wir setzten dieses Wandheizungssystem schon seit fast 10 Jahren zur energetischen Sanierung von Altbauten ein.
Noch Fragen?
Schöne Grüße
Thomas Rumbach
Energiewerkstatt Rhein-Neckar
www.energiewerkstatt-rn.de



Hallo Hans-Jürgen,



wir verwenden Den HP 14 von Hessler Kalk.

Grüße





@ Herrn Rumbach
Sicherlich ist ihr System nicht schlecht, allerdings habe ich eben die Erfahrung gemacht, dass alles, was vorgefertigt ist und schneller geht, auch entsprechend mehr kostet. Da ich sehr auf das Budget achten muß, werde ich bei der handwerklicheren Methode bleiben und meine Zeit und Arbeit investieren, zumal mir diese Arbeiten sehr viel Freude bereiten.
Sie schreiben auf Ihrer Seite unter der Variante "thermo", ...im Gegensatz zur Classicvariante, die mit Zementfaserplatten arbeitet...usw...abgebildet ist aber Fermacell...das sind doch Gipsfaserplatten, oder?



Wandheizung ClimateWall



Ja die "Classic" Baureihe besteht momentan noch aus Fermacellplatten als Trägerplatten. Ab Frühjahr wird dies aber eine Kalkplatte sein.

Ansonsten kalkuliere ich Ihnen gerne mal Ihr Projekt.

Schöne Grüße
Thomas Rumbach
www.energiewerkstatt-rn.de



Gute Erfahrungen mit Schilfplatten



Erst dieses Jahr habe ich mein Wohnzimmer mit Wandheizung in Kalkputz neu gestaltet. Allerdinggs habe ich hierbei auf Schilfplatten als Dämmebene gesetzt. Darauf hält der Putz problemlos. Holzfaserplatten traut mein Bauch nicht so recht über den Weg.

Als Kalkputz kam allerdings ein Fertigputz (Maxit purcalc 380) zum Einsatz, da der Grundputz mit der Putzmaschine aufgetragen wurde. Ich hätte aber auch keine Bedenken bezüglich einer Werksmischung oder Eigenmischung - nur, daß ich diese Mengen nicht unbedingt mit der Kelle an die Wand bringen will ;-)

Es gab jedoch eine Menge Schwundrisse noch im Oberputz. Das Gewebe hätte ich mir wohl sparen können ... Keine Ahnung ob es an zu kurzer Trockenzeit von 2 bis 5(!) Wochen des Grundputzes oder am Putz selber lag. Die Kalkfarbe (einfacher Streichkalk aus dem Baumarkt) hat es aber größtenteils gerichtet.

Seit einigen Wochen heize ich jetzt - es sind noch keine Probleme aufgetreten.





Hallo Herr Puruckherr,

schön, dass man auch mal solche Erfahrungsberichte lesen kann. Bei den Schilfplatten hatte mich bisher immer irgendwie die scheinbar aufwändige Verarbeitung abgeschreckt. Wie Verarbeiten sich denn die Platten? Von der Putzhaftung her sehe ich hier auch den Vorteil.

Wie haben Sie denn die Wandheizung befestigt - mit den Clipsschienen?

Sollte man denn auch hierbei den Ausgleichsputz machen und dann die Platten ansetzen? Mein Mauerwerk sieht eben typisch uckelig aus...eben wie wenn man den Putz abgeschlagen hat...

Haben Sie denn die Wandheizung angeheizt beim Putzen oder kurz danach?

Schwundrisse hatte ich bisher an keiner meiner Wände mit den Baustellenmischungen - weder bei hohen Schichtdicken im Unterputz, noch bei dem selbstgemischten Fein-Filz-Putz...habe aber auch immer 2 mal am Tag leicht nachgefeuchtet...ca. 1 Woche lang.

Ein Bekannter hat eine Putzmaschine mit Zwangsmischer und angeblich soll diese auch Baustellenmischungen verarbeiten können, wenn der Sand 0/2mm Körnung aufweist...wir werden es später sehen.



Die Verarbeitung von Schilfplatten



ist eigentlich problemlos. Knifflig wird es nur an engen Stellen wie z.B. oberhalb der Fensterbögen.

* Farbe und Kleber mit der Putzfräse ab
* Schilfplatten in frischen Kalkputz an die Wand Kleben (1-2cm Mörtel mit 'nem Aufziehbrett auf die Wand bringen; mit Gummihammer und Kantholz schön reinklopfen)
* Befestigen mit Dämmstoffdübeln
* Wandheizung mit Klippschienen drauf (durchdübeln bis ins Mauerwerk)
- es brauch nur wenige Schienen zur intialen Befestigung
- der Rest macht ein Bündel Kabelbinder an den Drähten der Schilfplatten
* Grundputz drauf
* einmal kräftig anheizen (Tipp von Herrn Meurer)
* trocknen lassen
* Oberputz
* fertsch ;-)

Ich habe ein paar Bilder gemacht ... ich werde die demnächst hier mal einstellen.





Hallo Herr Puruckherr...

hört sich gut an :-).

Mein Problem wäre in diesem Fall wohl, dass ich den Kalkputz ja auf die Wand auftragen müßte (Fläche so groß wie die Schilfmatte) und dann die Schilfplatte draufsetzen. Da der selbstgemischte Kalkputz doch recht fix anzieht, könnte es passieren, dass die Platten zu spät an die Wand kommen...

Vielleicht sollte ich die Fläche dann deckender Vorspritzen und noch mehr annässen...

So kleine Fummelbereiche habe ich zum Glück nicht, die kleinsten Bereiche mind. 80cm breit und wenigstens 50cm hoch.

Haben Sie denn immer Armierungsgewebe verwendet? Ich habe bisher bei allen meinen Kalkputzen keines verwendet, auch wenn Materialwechsel und hohe Schichtdicken auftraten. In meinem Keller gibt es eine Wand, da sind stellenweise 5cm Putz auf einer Wand aus Ziegelsteinen, Poroton und Kalksandstein (nein, den Mix habe ich nicht gemauert, da hatte sich der Vorbesitzer ausgelassen). Einen Riss oder eine Hohllage habe ich bisher nirgends gefunden.

Ich denke mal, es käme auf einen Versuch an - es sind Nebenräume und bei Mißlingen wäre das hier nicht ganz so tragisch...



Die max 2qm für eine Platte



sind doch fix aufgetragen und grob ausgeglichen. Kalkputz zieht m.W. ja eben nicht so fix an. Was mischen Sie denn in Ihren Putz mit rein?

Ich hatte jedenfalls keine Probleme, der Putz zieht erst nach ein paar Stunden an.



...ich bin wohl zu langsam



In meinem Putz sind außer Sand und Weißkalkhydrat (3.5:1) keine weiteren Bestandteile drin.

Ich muß aber dazu sagen, dass ich auf einer reinen Ziegelwand noch nicht geputzt habe...meist war der Großteil der Wand Poroton oder Kalksandstein, die natürlich recht kräftig saugen...da zieht der Putz relativ "schnell" an, auch wenn man ordentlich vornäßt und den Putz relativ "dünn" anmischt.

Ich hatte an einer Wand mal einen Werktrockenmörtel von Quickmix probiert...da war ich schon fast am Verzweifeln, weil der ewig nicht angezogen hatte, aber da liegt es wohl an den Inhaltsstoffen....

Vielleicht bin ich aber einfach nicht der Allerschnellste Anwerfer :-)...bei meiner letzten Wand (3m hoch und 3m breit) habe ich mit Putzlehren setzen, selbst anmischen, anwerfen, abziehen etc und Rabottieren etwa 5h gebraucht...keine Ahnung ob das schnell ist (Putzdicke 15mm).



Hallo, wenn der Putz schnell



anzieht ist das erst mal für den Kalkputz nicht so gut und für die Verarbeitung auch nicht.
Vornässen des Untergrundes kann die Verarbeitung verlängern. Eventuelll kann der Putz auch weiter abgemagert werden.
Anbei ein Fotos aus unserem Erdgeschoss, hier haben wir wegen einer möglichen Hochwasserproblematik mit Schilfrohrdämmplatten und Kalk gearbeitet.

Grüße Gerd



Kalkputz



...nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Er wird nicht sofort richtig fest, aber auf den saugenden Untergründen finde ich das relativ "schnell". Da ich bisher nirgends Risse, Absandungen oder Hohlstellen habe, gehe ich davon aus, dass ich an sich ausreichend vorgenäßt und auch nachbehandelt habe...

Aber wie gesagt, eine reine Ziegelwand habe ich noch nicht bearbeitet...ich werde berichten!





@Gerd...Schilfrohr wg. Hochwasserproblematik...
in welcher Form schützt Schilfrohr gegen Hochwasser??
enno



Hallo Enno,



da ich eine leichte Innendämmung anbringen wollte war Schilfrohr wegen der wasserbeständigkeit die erste Wahl.

Schilfrohr schütz natürlich nicht vor Hochwasser, wird aber nicht durch dieses zerstört.

Grüße