Kalkputz Untergründe

26.06.2015 Daniel



Hallo,

Cl90+Sand ergibt Mörtel bwz. Putz, jedenfalls Putz. Die verschiedenen Begriffe rund um den Kalk haben mich lange "irritiert".

Ich habe im Dach nun 4 Untergründe(Poroton, HeraklithM, Lehm, Esse) die lt. Hersteller entweder einen Kalkhaftputz, einen Armiermörtel oder Streckmetall bedürfen.

Grund- und Feinputz hatte ich als eine Frage der Körnung (Optik) verstanden, lt. Kalkputzregeln ist 3lagig aber Usus und eher eine Frage der Physik.

Nun liest man aber auch Cl90 mit Sand und gut. Auch mehrlagig?

Was ist nun BestPractise?
In der Kiesgrube gibt es hier Sand 0/2 gewaschen,DIN EN 12620;13139;13043.

Vielen Dank



'Best practice' und Kalkputz (Morgendliche Fingerübung ohne Endgültigkeitsanspruch und ohne Redigierung runtergeschrieben)



Eckpunkte sind:
Untergrund: Eignung und Vorbereitung
Putzaufbau: Hart zu weich ... grob zu fein

Kalkhaftputz und Armierungsmörtel sind vermutlich mit Kunststoff (ähnlich wie Tiefengrund) vergütet und kleben dadurch auch auf Rigips etc., d.h. eigentlich für Kalkputz ungeeigneten Untergründen. Sollte die VOLL-Deklaration des Mörtels zeigen.

Streckmetall, Schilfrohrmatten, Stauss-Ziegelrabitz sind Putzträger, die mit Schrauben, Nageln oder Klammern befestigt werden und das stellt dann die Verbindung her. Bei der Überbrückung von ungeeigneten Untergründen kann natürlich auch die Haftung durch den Putz auf den geeigneten Untergründen wirken.

Bei Kalkputzen gibt es natürlich große Unterschiede:
* Pseudo-Kalkfertigputze, die man eher als Kalkzementputze (HL = Hydraulischer Kalk durch Hinzufügung von Zement, hydraulischen Compounds oder Formulierte Kalkputze) oder Kalkkunststoffputze bezeichnen sollte, die sich aber Kalkputz schimpfen, weil da auch Kalk enthalten ist
* NHL-Putze aus Kalkmergel wie von Hessler Kalkwerk in Wiesloch - Natürlicher hydraulischer Kalk in den Festigkeitsklassen 2 bis 5 nur gebrannt und gelöscht (Sonderform Prompt von Vicat, den manche als NHL 15 bezeichnen: www.sbv-sakovsky.de googlen)
* CL-Putze aus Kalk ohne Mergel (Luftkalk)

Dann wird es zum Teil ideologisch, doch es ist ganz einfach:
* Kalkputz ist weicher und trockener/offener
* Zementputz ist härter/elastischer (E-Modul) und trocknet langsamer
* Kalkputz mit wenig Zement ist schlecht (Smeaton-Project oder so ähnlich aus England, wo man die Bewitterungsresistenz getestet hat), weil nicht haltbar
* Kalkzementputz traditionell hat sich im Grunde bewehrt

Wenn es nicht um Fachwerk oder Bruchstein geht, mit denen Kalk wegen Elastizität und Feuchtetransport harmoniert ... oder wenn es Innenkonstruktion mit Streckmetall oder Stauss-Ziegelrabitz ist, sollte man sich nicht zuviel Gedanken wegen Diffusionsoffenheit etc. machen, weil die Streckmetallscheibe etc. durch Zementputz einfach härter wird ... und für die klimatische Wirkung reicht der Kalkoberputz.

Sieblinie und Korngrößen beim Selbermischen sind natürlich heikel, weil man durch zuviel Bindemittel und schlechte Kornverteilung die Rissneigung erhöht, was für einen Fertigputz sprechen könnte ... und bei CL-Luftkalk die 3 x Wasser-Regel essentiell ist, was für einen schnelleren Putz mit NHL oder Zement sprechen könnte.

Mehrlagig vom groben 6 mm zum feinen 2 mm Putz und dann zur Mehlkorn-Kalkglätte hat auf jeden Fall den Vorteil, daß Risse gefüllt werden ... und bei den Körnern gibt es Unterschiede nicht nur in der Kornform, sondern auch beim Material, d.h. bei HP 9 von Hessler-Kalkwerk wird auch Kalksand, d.h. gebrochener Kalkstein verwendet, der von der Geometrie Standfestigkeit generiert und mit dem Bindemittel verwandt ist.

Um das noch komplizierter zu machen: Mit Hanffasern bekommt Kalkputz ganz neue Eigenschaften, weil zum Einen dies Armierung ist und zum Zweiten als Wasserdepot die Aushärtung fördert und damit (große) Risse verhindert.

"CL 90 mit Sand und gut" kann funktionieren, was nicht davon abhängt, daß der Sand DIN EN hat, sondern an der Mischung und Verarbeitung. (Vom Kalkladen gibt es ein Rezept mit Stückkalk, der trockengelöscht wird ... und dazu Hanffaser ... ) Volldeklarierter Fertigputz sollte funktionieren, weil durch natürliche Zusätze wie Bentonit (mineralischer Kleister, der viel Wasser hält - wird auch verwendet bei Pfahlgründung, um Wasser zu stabilisieren) oder Zellulose etc. man Sicherheitsreserven eingebaut hat ... wobei 6 mm kaum zu finden ist ... was nach Ansicht von Leuten mit Jahrzehnten Putzerfahrung (siehe auch Website von Stauss) schon die Rissneigung vermindert und nicht nur eine Frage der Optik ist.

... aber jetzt muß ich einkaufen fahren



Braucht man sie



oder braucht man sie nicht, die Haftputze?
Gabs die früher überhaupt?

Oder kann man nun direkt auf Heraklith und Poroton putzen?
Was empfiehlt sich für die Esse?

Grüße



Putzarten früher:



"Früher" gab es Vorspitz, Unterputz und Oberputz (unterschiedliche Bindemittel und Körnung). Das Thema wurde schon oft genug abgehandelt.



Lehmputz?



Ist es dann nicht am einfachsten und risikolosesten für alles Lehmputz zu verwenden und unter die Deckschicht ein Gewebe einzulegen?

Im Dach gibt's doch eher Bauwerksbewegungen, sodaß du bei Lehmputz diese viel leichter beseitigen kannst.

Grundsätzlich immer von fett zu mager (mehr Bindemittel zu weniger) und von grob zu fein.

Andreas Teich



Mit Lehmputz



habe ich bereits gute Erfahrung gemacht. (außer den Versandkosten bei BigBags ;-))

Geht ja auch für den absoluten Laien leicht zu verarbeiten.
Wo ich aber letztens böse Überraschungen erlebt habe, war beim Verputzen von zugeschnittenen Holzfaserplatten. Dort ist dann der weiße Endputz braun geworden. Wahrscheinlich hat der wasserlösliche Kleber der Platten durchgeschlagen.

Was ich aber zumindest mal probieren will, ist ein Kalkanstrich auf dem Lehm, denn farbiger Lehm ist teuer und über Kopf sowieso echt abartig. Kalkputz ist halt gleich weiß, Lehm eben nicht.



Lehmputz u Lehmfarbe



Hallo Daniel
Von welcher Firma hattest du den Lehm bezogen und von welcher die Holzfaserplatten?
Waren die im Naß- oder Trockenverfahren hergestellt worden?

Holzfaserplatten gibt's auch einmal weiß vorgeputzt, um in der nächsten Lage die Armierung einzulegen (von Bestwood/Schneider)- vielleicht auch schon von anderen Firmen.
Bei den Platten verfärbt sich nichts.

Ich hatte hier den Lehm mit weißer Lehmfarbe gestrichen-
die hat gut gedeckt und es gab auch sonst keine Probleme.

Andreas Teich



Innenputz



Hallo Daniel,
INNENPUTZ ist normalerweise ca. 10 mm stark und wird EINLAGIG aufgetragen.
Bei zu unebenem Untergrund muß vorher zur Egalisierung ein VORPUTZ aufgebracht werden.
Wenn der Untergrund aus unterschiedlichen Materialien besteht wird zuerst VORGESPRITZT um das Saugverhalten zu egalisieren und einen gleichmäßigen Haftgrund zu schaffen.
Besteht die Gefahr von Rissbildungen durch Bewegungen von unterschiedlichen Untergründen wird eine PUTZBEWEHRUNG aus textilem Gitter eingebettet. Die verteilt die Spannungen die sonst zu wenigen großen Rissen führen auf eine größere Fläche und viele kleine unsichtbare Mikrorisse.
Streckmetall oder Rabitzdraht sind PUTZTRÄGER. Sie entkoppeln den Putz vom Untergrund bzw. sind der Untergrund.



Holzfaserplatten



sind, ich kenne sie nur so, zusammengeklebt aus einzelnen 20mm Platten. Die hatte ich vom Fachhändler. Als Entschädigung habe ich von ihm Schellack-Isoliergrund bekommen. Der VOC-Gehalt hat mich gestört, daher habe ich selber angerührte "Kalkmilch" probiert. Deckend weiß, hoffentlich dauerhaft.