Kalkputz Tipps verzweifelt gesucht!




Guten Tag in die Runde,

ich treibe mich jetzt seit Tagen in diesem wunderbaren Forum herum und bin jetzt endlich aufgeklärt :-) Wie konnte ich bloß mein bisheriges Leben in Raufaser und Dispersion verbringen!
Wir werden in Kürze in ein saniertes Fachwerkhaus ziehen, das aber leider mit Raufaser und Dispersion zugekleistert ist. Die Tapeten sollen also runter, darunter sind vor allem Fermacell-Platten laut derzeitigem Eigentümer. Das Haus war vorher ein Stall, daher gab es kaum Original-Innenwände mit Fachwerk.

Wir möchten die Wände gerne mit einem Kalkfeinputz und Kalkfarbe versehen, um das Raumklima zu verbessern.
Uns hilft ein befreundeter Maler, der sehr gut im Verputzen ist, aber noch nie mit Kalk gearbeitet hat.
Mein Mann hat einen Abendkurs zum Thema Kalkputz gemacht.
Erst wollten wir mit Produkten von Kreidezeit renovieren
Also auf Fermacell erst Kaseingrundierung, dann Kalkfeinputz, dann Kalkfarbe. An manchen Stellen kann der Putz dünn drauf, manche Platten sind nicht ganz plan, da muss schon etwas stärkerer Putz ran.

Nach einiger Recherche hier im Forum kam die Frage auf, ob wir den Kalkputz nicht auch selbst herstellen können?

Aber ist das realistisch mit einem kalk-unerprobten Maler und Renovierungsanfängern wie uns? Kommen wir damit in Teufels Kalk-Küche?

Ich hatte im Forum nämlich auch gelesen, dass es in so einem Fall doch besser ist, Fertigware zu verwenden.

Vielen Dank für eine Antwort
Wiebke



ich



bezweifle, ob es Sinn macht, auf die Fermacell-Platten noch Kalkputz aufzutragen. Der Zugewinn beim Raumklima dürfte minimal sein. Ich sehe eher das Risiko, daß es in der Ausführung Probleme gibt, wenn man keine Erfahrung hat und Platten auf einer Vorwand mit einem Dünnputz überzieht. Zur Frage als solche - Kalkputz kann man preiswert selber herstellen - Sand, Weißkalkhydrat und etwas Zement. Aber sucht Euch dazu einen erfahrenen Maurer, der es Euch zeigt, da hilft auch keine Fertigware.



Zement?



In Kalkputz hat Zement nichts zu suchen. Weisskalkhydrat und Sand 1:3,5-4 mischen, fertig.
Für Unterputz Körnung 0-2mm, für Oberputz je nach gewünschter Oberfläche 0-1 bzw 0-0,6mm



Innenputz



Hat der Vorbesitzer die Fermacellplatten selber angebracht?
Was befindet sich dahinter?
"manche Platten sind nicht ganz plan", was meinen Sie damit?



@Dennis



Für einen Kalkputz im Frostbereich oder an starke beanspruchten Flächen kann man durchaus etwas Zement beimischen. Es ist dann natürlich kein reiner Kalkputz mehr - aber man weiß, wieviel drin ist. Bei Kalkputz auf kritische Untergründen sollte man einen zementhaltige Vorspritz ausführen. Jeder nach seinen Vorstellungen. 1:4 wäre mir zu mager, ist aber abhänig vom verwendeten Sand (Feinanteile) und der Körnung. Mit 0-2 bekommt man auch einen feinen Oberputz hin.



Danke



für Eure Antworten. Wir hatten bisher Auskünfte in Naturbau-Läden und bei Kreidezeit direkt eingeholt und da hieß es immer, das Raumklima würde sich auf diese Art schon deutlich verbessern. Aber natürlich wollen die auch ihre Produkte verkaufen. Mein Mann hatte beim Probe-Putzen auch schöne Ergebniss auf einer Platte erzielt, hat halt sehr lange gedauert und war mit dem teuren Zeug. Nur, wenn kein Kalk, was dann auf Fermacell?
Was unter den Fermacell-Platten ist, ist sehr verschieden. Z.T. dienen die Platten als Raumteiler mit Füllmaterial dazwischen. Die Außenwände wurden gedämmt. Echte Fachwerk-Wände haben wir dem Haus leider nur sehr wenige. Im Bad ist Spanplatte verbaut, da müssen wir uns auch noch etwas für einfallen lassen. Jaaa, das Traumhaus wäre komplett aus Lehm, aber irgendwo muss man leider immer Abstriche machen. Dafür waren sechs Hühner im Kaufpreis ingebriffen :-)



ach so...



und mit nicht ganz Plan meinte ich, dass der Profi-Maler anhand der Tapeten erkennen konnte, dass die Platten manchmal nicht ganz akkurat aneinander liegen. Er sprach davon, dass er in manchen Zimmern über längere Strecken bis ca. 4 cm ausgleichen müsste.



unebenheiten



wenn Ihr gern in einem alten Haus lebt, dann könnt Ihr mit solch kleinen Tolernazen sicher leben, vielleicht sieht es nach dem Putz noch schlimmer aus (lach). Ich habe leider keine Erfahrung mit Putz auf Fermacell - entweder hat es hier schon einmal jemand probiert oder du machst einen Versuch auf einer Musterplatte (keiner Kalkputz und 2 Versich mit Vorspritz und dann Kalkputz), nach etwa 2 Wochen mal mit der Spachtel versuchen, den Putz abzustoßen. Wenn ihr so viel Zeit habt.



Haussanierung



Ja die Hühner lassen dann wenigstens den Lehmmangel vergessen und sorgen für frische Sonntagseier.
( für die Lebenserwartung der Hühner wäre es besser wenn ihr Vegetarier seid- das wird auf Hühnerseite zu einer gewissen Erleichterung sorgen)

Es wäre sinnvoll hinter die Fermacellplatten zu sehen- bei Innenwänden egal- bei Außenwänden sollten keine Hohlräume dahinter sein.
Am besten unter Stichwort Innendämmung in der Suchfunktion nachforschen.

Fermacellplatten sind zumindest schon wesentlich besser als Gipskartonplatten.

Der Unterputz könnte aus Haftputz wie zB MC55W (mineralisch aber wohl nicht rein Öko) hergestellt werden, darauf hält dann gut ein selbstgemischter Kalk- oder Lehmputz.

Andreas Teich



Korrektur



Sollte natürlich 0-3 heißen, entschuldigung. Mischungsverhältnis ist natürlich auch von der Korngröße abhängig, deshalb schrieb ich 1:3,5 - 4. klar kann man Zement beimischen, aber dann ist es eben kein Kalkputz mehr sondern ein Kalk-Zementputz. Leider machen auch kleine Anteile Zement viele Vorteile des reinen Luftkalkes zunichte.
Wenn im Frostbereich Zement rein muss, dann frage ich mich, wie Jahrhunderte lang der Kalkputz in den Gefachen der Fachwerkhäuser ohne Zement auskam.
Warum gerade Zement auf kritischen Untergründen besser haften soll als Kalk ist mir indes schleierhaft, ich erbitte inständig Aufklärung :)

Ich denke schon, dass der Kalkputz auf den reinen Fermacellplatten halten würde, sofern nicht bis zu Ukenntlichkeit mit Kunstharzen versaut, habe es aber noch nicht ausprobiert. Versuch macht klug!
Ich persönlich würde 0-2 Sand verwenden und auf alle Wände ca 8mm Unterputz aufziehen um die Unebenheiten anzugleichen, anschließend dann noch Feinputz mit feinerem Korn. Natürlich funktioniert dies nur, wenn ihr genügend Zeit, Geld (wobei das echt nicht die Welt sein wird verglichen mit der Fertigware) und Muße habt. Und euer Bekannter muss bei der Mehrarbeit mitspielen ;)



Innenputz



Schade,
das Sie nicht auf meine Fragen eingegangen sind, Wiebke.
Ich halte das mit dem bisschen Zement im Putz nebensächlich, verglichen mit dem Problem das ich hinter der Wandbekleidung vermute. Fermacellplatten, krumme Wände und springende Plattenstöße- das klingt nach do it yourself. Wenn keine ordentliche, hohlraumfreie Dämmung und keine funktionierende Dampfsperre verbaut wurde- und davon sollten Sie ausgehen- haben Sie eine Wandbewässerungsanlage mit integrierter Schimmelzucht.
Schauen Sie mal hinter die Beplankung. Ein oder zwei Löcher im unteren Bereich mit einer Lochkreissäge setzen, hineinschauen, riechen und fühlen. Falls alles in Ordnung ist kann man die Löcher schnell wieder schließen.

An Cliff 100:
"Leider machen auch kleine Anteile Zement viele Vorteile des reinen Luftkalkes zunichte."
Das ist Quatsch. Ein paar homöopathische Zusätze an Zement ändern bei Innenputz PI an der Sorptionsfähigkeit- und um die geht es hier- gar nichts. Zement ist übrigens nicht gleich Zement, es gibt dutzende von Sorten mit unterschiedlichen Eigenschaften und für unterschiedliche Zwecke. Die Sieblinie des Zuschlages, der Anteil des Anmachwassers und die Art der Verarbeitung haben einen viel höheren Einfluß auf das Sorptionsverhalten von Putz als die paar hundert Gramm Zement pro m² Putz. Die Sorptionsfähigkeit von ein paar mm Kalkputz ist ohnehin kaum beim Raumklima spürbar; die Trägerplatte wirkt als Dampfbremse. Ein paar Minuten das Fenster beim Lüften länger auflassen wirkt mehr als 10 cm Sumpfkalkputz der von drallen Maiden im Dirndl mit reinem Quellwasser gemischt wurde.
"dann frage ich mich, wie Jahrhunderte lang der Kalkputz in den Gefachen der Fachwerkhäuser ohne Zement auskam."
Weil Sichtfachwerk im nicht frostgefährdeten Bereich gebaut wurde, in Klimazonen mit geringer Schlagregenbelastung. Das ist auch heute noch so. Wer sich nicht daran hält hat einen erhöhten Instandhaltungs- und Instandsetzungsaufwand zu bewältigen.
Im bewitterten, frostgefährdeten Bereich wurden immer schon hydraulische Putze und Mörtel eingesetzt (zementäre Pampen wie ein Herr Fischer zu schreiben pflegt); die chemischen Prozesse zur Erhärtung sind die gleichen wie bei modernem Zement nur das dessen Eigenschaften besser steuerbar sind.
"Warum gerade Zement auf kritischen Untergründen besser haften soll als Kalk ist mir indes schleierhaft, ich erbitte inständig Aufklärung :"
Die Praxis ist das Kriterium der Wahrheit. Ein Maurer weiß das aus der Praxis das ein reiner Zementmörtel der als Haftgrund auf glatten, wenig saugenden Flächen aufgetragen wird innerhalb von ein paar Stunden soviel Festigkeit entwickelt das auf der jetzt rauhen Oberfläche die nächsten Putzlagen besser greifen, anziehen und eine bessere Verbindung entsteht. An der Grenzschicht zwischen Kalkputz und zementärem Vorputz bildet sich eine Übergangszone aus teilweise silikatischer Erhärtung. Wenn Sie die Kristallstrukturen hydratisierter Zementmineralien wie Belit und carbonatisiertem Kalk kennen würden wissen Sie was ich meine.
Sonst bleibt Ihnen nur der Selbstversuch- you consider the blancmange by eating.
Zurück zu Wiebke:
10 mm Putz auf Fermacell halte ich für Unsinn. Das sind keine Putzträger.
Kantenversprünge kann man durch Schleifen entschärfen, wenn die Wand auf 4 Meter einen Bogen macht muß man das hinnehmen. Optisch kann man das mit Möbeln und Beleuchtung kaschieren.
Ich empfehle Ihnen (also Ihrem Mann) statt Kalkputz mit Gipsspachtel zu arbeiten. Der ist für Laien besser zu händeln und leichter aufzutragen. Nach zwei oder drei Spachtel- und Schleifgängen sollte die Wand vernünftig aussehen (wenn sie denn stehenbleiben kann!)
Raumklimatisch wird sich nichts ändern, egal ob Kalkputz mit oder ohne Zement, Kalkglätte oder Gipsspachtel.

Zuletzt an Olaf:
Ich bin auch Deiner Meinung, aber in diesem speziellen Fall Vorsicht, Zement auf Gips kann in die Hose gehen! Umgekehrt, also Gips auf Zement passiert nichts wenn der Zement mehr wie 28 Tage zum Erhärten Zeit hatte. Umgekehrt kann es mit dem gipshaltigen Untergrund (Fermacell) zu Ettringittreiben kommen. Kann, muß nicht. Das hängt von der werksseitigen Oberflächenbehandlung der Platten ab (ich weiß nicht welche Art Fermacell hier verbaut wurde) und der Menge an Zement im Putz.



@ Georg



Danke ! Das mit Zement auf Gips habe ich nicht bedacht - wie gesagt, keine Erfahrung. Ich würde die Platten auch so lassen oder eben erst einmal dahinter sehen. Eigentlich müßte der Eingangstext konsequenterweise ergänzt werden: "Wie konnte ich bloß mein bisheriges Leben in Raufaser und Dispersion und Fermacell verbringen"



Ettringit



Ich hatte vor Jahren einen Fall wo ein Bauträger Ärger mit einer Mängelbeseitigung hatte. Die Fugenverstrich in der Fertigteilfuge einer Betondecke löste sich und riss. Daraufhin wurde der Fugenverstrich herausgestemmt und neu zugespachtelt, die Decke neu gemalert. Nach ein paar Wochen gab es wieder Risse.
Ursache:
Beim ersten mal wurde die Fuge der erst 14 Tage stehenden Decke von unten mit Gipsmörtel beim Putzen mit verschlossen. Der in die Fuge gelaufene Vergußbeton war noch nicht ausgehärtet und reagierte mit dem Gips- Treiberscheinungen.
Die Fuge wurde ausgestemmt, es verblieben aber einzelne Gipsreste in der Fuge. Dann wurde mit einem zementhaltigen Putz die Fuge verschlossen- wieder Treiberscheinungen.
Das passiert wenn man es eilig hat...



nochmals danke



für die ausführlichen Antworten.
@ Herr Böttcher: der Besitzer hat die Fermacell Platten selbst angebracht und bei den Außenwänden und Decke eine Dampfsperre eingebaut. Besteht dann nicht die Gefahr beim Aufbohren, dass man die Dampfsperre beschädigt?
Dann werden wir jetzt erstmal die Tapeten runterholen und schauen, was sich darunter verbirgt.



Dampfsperre


Bauteilöffnung zur Kontrolle der Wirksamkeit der Dampfsperre. Hier war alles in Ordnung.

Wenn man vorsichtig ist nicht.
Wenn sie doch beschädigt wird kann man einen Blick dahinter werfen und mal reinriechen. Danach wird sie wieder verschlossen.