Kalkputz selber herstellen - Praxis-Tipps gesucht

05.06.2014 Steffi



Hallöchen!

Nach langem überlegen sind wir vom Lehmputz, über Rotkalk bei "richtigem" Kalkputz gelandet.
Verputzen wir ein Bekannter, der regelmäßig (Zement und Gips) verputzt. Er hat noch keine Erfahrung mit Kalk, würde sich das zutrauen - hat mir aber auferlegt etwas zu recherchieren.

Wer kann mit Praxis-Tipps für die Verarbeitung geben?
Untergrund ist ein alter Kalk-Zementputz.
Mit einer Fräse wurde die oberste Schicht (inkl. alter Farben und Grundierungen)abgetragen.

Untergrund vorbehandeln?
Genaue Mischung 1:3?
Zugabe von Molke oder Quark?
Körnung des Sandes (Ober-/Unterputz?)
Was für Kalk kaufe ich?
Oberfläche nass halten?
Oberflächen-Finish, mit was?

Ergebnis soll eine glatte (ohne sichtbare Körnung) weiße Wand sein.

Würde mich über eine "Anleitung" nach persönlichen Erfahrungen freuen.

Grüße Steffi



Putz



Sie haben schon einen Putz an der Wand.
was da drauf passt wäre ein Oberputz als Filzputz oder eine Kalkglätte



1-2 cm stark sollte der neue Putz sein



Hallo Herr Böttcher,

vielen Dank für Ihre Antwort.
Nur Glätte reich nicht aus, dafür ist die Wand zu uneben.
Auch sind vom alten Putz nur ein paar mm über.

Für den Kalkputz haben wir uns entschieden, weil wir uns ein besseres Raumklima erhoffen und wegen der Alkalität. (Außendämmung kommt erst in ein paar Jahren)
Diese baut sich aber ja im Laufe der Zeit ab, weswegen wir dachten 1-2cm "Speicher" wären schon nicht schlecht. Zudem kann ein dickerer Putz auch mehr Feuchtigkeit "speichern".

Wir denn bei einem Kalkputz mit Ober- und Unterputz gearbeitet?
Ich dachte (mit meinem laienhaften Wissen (-; ) wir bringen 1,5cm Kalputz auf. Dieser wird mit Kalk-Glätte geglättet und mit Kalkfarbe gestrichen???



Innenputz



Dann muß der vorhandene Putz bis auf das Rohe Mauerwerk runter, zumindest in der Mehrheit der Fläche.
Dann können Sie mit mineralischem Innenputz (PI CSI) einlagig neu Verputzen lassen. Versprechen Sie sich nicht zuviel von der Wirkung. Schimmel wächst auch auf Kalkputz und überschüssige Luftfeuchte bitte nicht in der Wand parken. Das sollte höchstens mal passiern um kurzzeitige Feuchtespitzen bis zum nächsten Lüften abzupuffern. Besser ist es erst gar kein Tauwasser an der Wandoberfläche entstehen zu lassen. Mit ordentlicher Lüftung und Heizung in Kombination mit einer angemessenen Dämmung entsteht erst gar kein Tauwasser bzw. Kondensat.



Praxis-Tipps



Um mal zum Praktischen zu kommen, schön das Ihr Bekannter schon mal einen Putz gemacht hat. Wie Herr Böttcher schon festgestellte, so weit wie möglich den alten Putz ab, denn es puzt sich auf diesem unterschiedlichen Untergrund miserabel, es zieht z.B. unterschiedlich an. Um eine homogene Oberfläche zu bekommen ist das nicht von Vorteil. Einlagig will gelernt sein, ich habe dazu auch einige Zeit gebraucht, weil die Verarbeitung nicht so einfach ist. Da der Sand in seiner Zusammensetzung recht unterschiedlich ist, muß man probieren. 1 : 3 ist Faustregel, ich verwende meisten etwas mehr Sand bei gut abgestufter Siebliene. Ich nehme 0 bis 4 mm Sand aus der Grube. Den Weißkalk sumpfe ich vorher ein, ein bis zwei Tage. Dadurch schließe ich den Kalk besser auf, weil im normalen Mischvorgang, der Kalk nicht vollständig mit Wasser in Verbindung kommt, unterbinde das Quellen, was zum schnellen Steifen des Putzes führt und es ist weniger Belastung für die Atemwege. So benötige ich auch etwas weniger Kalk. Der Putz sollte nach Möglichkeit im "eigenen Saft" mit einem möglichst großen Reibebrett gerieben werden. Ich nehme einen Aufzieher. Dadurch erreiche ich eine Oberfläche, die andere nicht bein Filzen hinbekommen. Sollte der Putz nicht ganz gerade werden oder zu viele "Fahrräder" aufweisen, würde ich einen Kalkscheibel drüberziehen, keine Kalkglätte. Mischungsverhältnis 1 : 2, Sand gewaschen je nach Geschmack 0 bis 0,5 mm Körnung oder mehr. Um ihn gleichmäßig zu verarbeiten, setze ich einen kleinen Schluck Leinöl zu. Auf Kasein würde ich bei normalen Innenwänden verzichten. Nach der Fertigstellung streiche ich freskal, also auf den Feuchten Putz, zwei Mal eine Kalkmilch, der ich im letzen Anstrich je nach gewünschter Helligkeit Marmormehl hinzufüge. Bei zwei lagigem Putz, also auch bei Kalkscheibel, den Unterputz mit einer Drahtbürste oder -besen abstreichen, um die gesinterte Oberfläche aufzubrechen. Ein Unterputz sollte so viele Tage stehen, wie er mm dick ist. Zugluft vermeiden und wenn er schnell trocknet, noch nachträglich anfeuchten. Also wie gesagt, das ist mit Gipsputz oder Baumarktprodukten nicht zu vergleichen und es hilft nur üben und nochmals üben. Es ist eine schwere Arbeit, keine Frage, aber das Ergebnis ist einfach zeitlos schön und hält viele, viele Jahre.
Mit freundlichem Gruß
M. Schmidt
PS: Weiter Infos finden Sie auf meiner Seite: //forum.derhausdoktor.net/#post8



Praktisch,Hausdoktor



und äußerst löblich, wenn sich hier einer inne Pötte kucken läßt,es ist hier leider selten das Wissen in Form von "Rezepten" oder Arbeitsbeschreibungen/Anleitungen weiter geben wird!

So bekommt der Laie eine ernsthafte Hilfestellung und der Profi stellt sich zur Diskussion.

Find ich gut,Hut ab!

Grüße Martin



Vielen Dank Herr Schmidt!!!



ich kann mich Martin nur anschließen.

Das ist, was ich gehofft habe in diesem Forum zu finden - eine Antwort auf meine Frage.

Was genau ist denn "Sumpfen"? Anrühren in Wasser und dann stehen lassen?

Kalkmilch - ist was genau? Ist die abriebfest?

Wo bekomme ich Marmormehl?



Das Rezept ist das Eine,....



die praktische Erfahrung das Andere. So lange man auf fertige Mischungen zurückgreift, kann man nicht viel dazu sagen. Fertige Mischungen haben den Vorteil, sie sind fertig und den Nachteil, das sie für alle Anwendungen verwendbar sein müssen, für die sie gedacht sind. Daher sind sie nicht selten überdosiert, was sich letztendlich auch im Preis niederschlägt. Oft geht es wesentlich sparsamer, aber dazu benötigt man eine gewisse Erfahrung, ein wenig Mut, eine Fläche zum Probieren und etwas mehr Zeit, die sich viele heute nicht mehr nehmen wollen. Da liegt das eigentliche Problem.

Sumpfen: richtig, gut, also klumpenfrei das Hydrat mit Wasser verrühren und stehen lassen (zwei Tage) mind. 30 bis 40 Liter Wasser. Das überstehende Wasser nicht wegkippen (Sinterwasser). Bei sauberer Arbeit bleibt beim Kalkputz nichts übrig, da ich Rückstände bei neuen Mischungen wieder zuführen kann, auch am kommenden Tag noch. Auch eine Frage der Nachhaltigkeit, die alle anderen Putze, außer Lehmputz, nicht vorweisen können. Fertige Putze einfach mal versuchen einen Tag stehen zu lassen. Wenn sie sich dann noch verarbeiten lassen und auch noch fest werden, dann war es wirklich Kalkputz, sonst eine Mogelpackung.

Kalkmilch: wie das Wort es schon sagt, eine wässrige Kalklösung, viel umrühren, da sich der Kalk absetzen will. Ausprobieren, es hängt auch vom Untergrund ab, zwischen 1 : 4 bis 1 : 9 Raumanteilen. Ich verwende eher dünnere Lösungen und streiche lieber einmal öfters. Als Füllstoff nehme ich Marmormehl, wieder dosiert. Man glaubt nicht, wie wenig man benötigt, damit er Reibestellen ausgleicht. Außer Kunststoffe sind alle natürlichen Farben nicht vollständig abriebfest und im gewissen Sinn selbst die nicht. Ist eine Farbe dann abriebfest, dann hat sie an der Aufnahme- und Abgabefähigkeit von Feuchtigkeit deutlich eingebüßt. Diffusionsoffen ist selbst Bitumenpappe, rein rechnerisch. Es gibt keinen Vorteil ohne Nachteil, die Medaille hat immer zwei Seiten! Wenn einem die Festigkeit nicht ausreicht, Kaseinkleber, siehe; //forum.derhausdoktor.net/#post2, wohl dosiert zusetzen und beachten das hergestellter Kleber nach einer halben Stunde anfängt zu gerinnen (Eiweiß), was nicht mehr rückgängig gemacht werden kann (verdünnen). Nun versteht man vielleicht auch, warum viele Handwerker lieber in den Baumarkt gehen, keinen Streß und die zwei Jahre Gewährleistung wird es wohl schon halten, Spaß bei Seite.

Marmormehl: ganz einfach mal googlen und dann schicken lassen, wenn kein Anbieter in der Nähe ist.

Sicherlich ist es alles eine Frage der Zeit und wer macht es sich nicht gern einfacher, aber der Apfel, der Bauindustrie ist für den Handwerker meist die Vertreibung aus seinem Metier (Paradies).
Ich wünsche viel Spaß beim Ausprobieren. Ich habe ihn schon seit Jahren.
Wenn also Fragen sind, so weit ich sie beantworten kann, mir wächst kein Gras aus den Ohren, stehe gern zur Verfügung. Alle Interna verrate auch ich nicht alle, zu gegeben.

Mit freundlichem Gruß
M. Schmidt