Kalkputz sehr weich

24.11.2020 putzig


Hallo,

ich habe viele qm Innenwand mit einem Kalkputz versehen.
Der Putz kommt als Erdfeuchte Mischung vom Mörtelwerk von den Dresdner Hellerbergen. Laut Info ist es Kalkhydratmörtel was ich als Weisskalkhydrat mit Sand interpretiere. Das Mischungverhältnis kenne ich aber nicht.

Der Untergrund besteht aus alten Ziegeln unterschiedlichster Beschaffenheit und teilweise altem aber festen Kalkputz. Verputzt wurde nach kräftigen Vornässen der Wand per Hand in klassischer Manier: anwerfen, abziehen, abreiben, filzen. Putzstärken 0,5 bis 2cm. Das hat ohne Risse sauber funktioniert, der Putz ließ sich prima Verarbeiten und haftete in allen Stärken sehr gut auf der Wand.
Der Putz hat sich dann je nach Stärke einige Tage bis Wochen Zeit genommen um abzubinden.

Mein Problem ist nun, das der Putz zwar nach vielen Wochen nur oberflächlich fest ist, aber darunter teilweise extrem weich ist und sandet. Er kann mit dem Finger einfach abgerieben ohne Druck abgerieben werden. Eine Verletzung der Oberfläche z.B. durch eine Unachtsamkeit verursacht schnell ein tiefes und/oder grosses Loch. Die Oberfläche kann mit etwas Kraft auch mit dem Fingernagel angekratzt werden.
Ich habe ohne Zementzugabe geputzt - das entspricht doch der reinen "Luftkalkputz-Lehre".

Was kann die Ursache dafür sein?



kalkputz



hast du 2-lagig geputzt ? Wie hast Du den fertigen Putz in den Tagen darauf behandelt?



Überschrift



Wo größere Fehlstellen waren oder der Putz absehbar recht dick werden würde habe ich einen bis 5 Tage vorher vorgeworfen. Je nachdem was gerade noch im Mörtelkübel war ;-)
Das Verhalten des Putzes ist aber unabhängig von der Dicke - zumindest habe ich da keinen Zusammenhang beobachten können ... aber auch nicht gezielt untersucht.
Der Putz wurde nicht extra weiter behandelt. Er durfte langsam vor sich hin trocknen. Ist ja innen. Ich habe nur mässig gelüftet.
Gelegentlich tauchte mal ein kleiner Schwundriss auf, der wurde direkt nachbehandelt. Sonst aber nix.

... Wieso muss ich eigentlich eine Überschrift über mein Antwort im Thread hier setzen ... hmm.



Lieferform Erdfeuchte Mischung



bei Kalkputz höre ich grad zum ersten Mal. Muss aber nichts heißen.



überschrift



wahrscheinlich damit man beim Durchblättern schnell ein Schlagwort hat, vielleicht.
Möglicherweise ist der Putz aufgebrannt bzw. zu schnell abgebunden. Er sollte ein paar Tage befeuchtet werden. Wie ist denn das mit dem erdfeuchten Mörtel? Wird der im Big Bag angeliefert und dann wie gelagert?



Erdfeucht - na klar!



Ich habe hier grade ein paar Fragezeichen, was die Unkenntniss des erdfeuchten Kalkmörtel betrifft. Das kenne ich aus meiner DDR-Kindheit gar nicht anders - Sackware habe ich da nie gesehen.
Der Mörtel wird Kubikmeterweise mit LKW geliefert oder mit dem PKW-Hänger vom Mörtelwerk geholt und auf der Baustelle unter Plasteplanen feucht gelagert. Der Haufen wird mit der Schaufel festgeklopft. Das kann dann Monate liegen.
Wenn man was braucht schält man sich mit der Schaufel die nötige Menge ab. Die wird dann mit Wasser auf Verarbeitungskonsistzenz eingestellt. Fertsch.
Ich denke hier im Forum sind die alten Barden unterwegs, welche die alten Methoden intus haben ;-) ?

Was das Befeuchten des Putzes betrifft:
Der Putz war mehrere Tage bis 2 Wochen lang feucht, er ist ganz langsam getrocknet. Dünne Stellen etwas schneller, dicke Stellen langsamer. Aber schnell "verbrannt" ist er imho nicht.
Was mich wundert, ist, dass er in der Tiefe immer bröseliger wird - also dort, wo er eigentlich am längsten feucht gewesen sein muss.

Ich werde bei den nächsten Wänden jetzt wohl mit Zementzusatz arbeiten. Hoffentlich wird der Putz dann fester.



Vielleicht so.



Ich hoffe das Sie keinen Wasserleitungsschaden haben im Mauerwerk.



Vielleicht so.



Ich hoffe das Sie keinen Wasserleitungsschaden haben im Mauerwerk.



Grad mal schnell gegoogelt



Zitat: MTM Baustoffe:
"MTM Putzmörtel P I ist ein erdfeuchter rein mineralische Kalkmörtel zur Herstellung eines Innenputzes. Der MTM Putzmörtel P I besteht aus verschiedenen, abgestimmten Sandkörnungen vermischt mit der MTM-Kalkmilch und Hydratkalk. Zur Erreichung der notwendigen Festigkeit ist dem MTM Putzmörtel P I am Bauvorhaben ein Zement bzw. ein hydraulischer Kalk beizumischen. Der MTM Putzmörtel P I kann mit einer feinen oder einer groben Sandkörnung hergestellt werden.

Üblicherweise wird für das Erreichen der Festigkeit ein handelsüblicher Zement (Grauzement) eingesetzt, der die Innenputzoberfläche gräulich erscheinen lässt. Als Alternative gibt es einen nahezu weißen MTM – Putzmörtel P I mit hellen Sanden an. Am Bauvorhaben wird dann dem weißen Mörtel ein Weißzement zugegeben
Eigenschaften

Werk-Vormörtel: Mörtelgruppe P I, DIN V 18550
mit Zementzugabe wird ein Kalkzementputz hergestellt
mit Zugabe von hydraulischem Kalk wird ein Kalkputz hergestellt "


Du hast gar nichts hinzugefügt.



Nix hinzugefügt



... soll ja auch ein Luftkalkmörtel sein.
Der Mörtel ist übrigens von https://www.bcs-dresden.de/bcs-natur-und-spezialbaustoffe-gmbh/
Ich frage dort noch mal genau nach.



Zement



Ich hab mich auch von der reinen Lehre verabschiedet. Zu viele Fehlversuche lassen einen verzweifeln. Gleiche Mischungen werden mal Top und mal Mist. Ich hab neulich Innenwände verputzt mit 1 Teil Zement auf 3 Teile Kalk und 12 Teile Sand. Hab auch nicht nachgenässt, da es nach paar Tagen immer noch leicht feucht war. Das ist jetzt relativ fest, aber sandet ab. Ist zum Glück nur der Unterputz.



DDR-Kalke



das war vielleicht auch regional unterschiedlich und hing von den Beziehungen ab. Ich kenne da Weißkalkhydrat nur als den Mercedes unter den Bindemitteln. Wir konnten nur den blauen Buna-Kalk erwerben und wenn wir Zement brauchten, sind wir freitags zum Feierabend ins Zementwerk gefahren, haben alte Säcke mitgenommen und die Reste aus den Großsilos zusammengekehrt. Nicht ohne einen Kasten Wernesgrüner dazulassen.



Meine Eigenmischung



funktioniert bisher tadellos. für den Unterputz habe ich immer ein verhältnis 1 Kalk; 3 Sand, 3 Kellen Ziegelmehl. gemacht. Das hat den Vorteil, das der Putz etwas widerstandsfähiger wurde und die Feuchtigkeit länger gehalten hat. Der deckputz wurde dann ohne Ziegelmehl 1 : 3 hergestellt. Kalk ist bei mir 1-3 Tage lang eingesumpftes Weißkalkhydrat. Ich bin der Meinung das das einsumpfen die Verarbeitbarkeit verbessert. An der Festigkeit konnte ich keinen Unterschied feststellen.



Keine Eigenmischung



wir schweifen hier etwas ab.
Ich benutze eine Mischung Sand + Kalk vom Mörtelwerk. Diese wird bei Abholung frisch hergestellt.





Der Putz ist bereits mehrere Monate an der Wand.



mörtellieferant



ich war gerade mal auf der Seite des Mörtellieferanten. Schöne bunte Bilder, leider keine Volldeklaration des Mörtels, weder Angaben zum Bindemittel noch zur Sieblinie und Beschaffenheit der Zuschläge, noch zum Mischungsverhältnis. Sicher kann man das alles über ein Kontaktformular erfragen, aber sehr kommunikativ ist das nicht.



Glatte Oberfläche


Glatte Oberfläche

Da die Oberfläche direkt gestrichen wird, wurde der Putz nach dem Abreiben mit dem Reibebrett und genügendem Anziehen desselben nochmal überfilzt. Dazu nehme ich ein Reibebrett mit Neoprenbelag. Eine Sinterschicht entsteht dadurch aber nicht (ich weiss wie diese aussieht...).
Es ist einfach ganz normaler abgeriebener Putz ... schön eben .. ohne Lunker ... eine Augenweide :-)

Aber ich will gar nicht hinguggen, wenn die Mieter einziehen :-(

Nun ja, wir werden es wohl nicht rausbekommen.
Wie gesagt, ich hau ab dem nächsten Mal einfach 'ne Schaufel Zement mit in den Kübel, dann sollte es wohl passen.

Danke trotzdem.



Hat sic



Hallo zusammen und Hallo putzig,
das Problem mit dem weichen Kalkputz macht mir gerade auch zu schaffen. Gleiche Situation nur dass der selbstgemischter Innenputz erst 3 Wochen alt ist.
Meine Erklärungsversuche: zu lehmiger Sand? Zu kalt und deshalb zu langsam abgetrocknet? Oder bin ich nur zu ungeduldig und mit der Zeit festigt sich doch noch alles?
Ein fertiggemischter Luftkalkmörtel aus dem Sack (auch ohne Nhl oder Zement) wird schneller fest und deutlich fester.
Ich würde gern erfahren wie es bei Ihnen weitergegangen ist. Wenn ich richtig verstanden habe, wurde zuletzt eine Lage Filzputz aufgezogen. Aber rettet eine gelungene Lage Oberputz einen verunglücktem Unterputz ? Bitte um Erfahrungen.



Kein Oberputz



Ich habe immer nur einlagig geputzt. Die Oberfläche wurde nach ausreichendem ansteifen lediglich mit dem Filz- bzw. Neoprenbrett überarbeitet, um die Reibespuren zu entfernen und eine optisch angenehme Oberfläche zu erhalten. Es kommt keine Tapete drüber ;-) Nur Farbe.
Ansonsten gibts nichts neues. Ich hoffe halt, dass die Mieter nicht allzuviel Schaden anrichten ...





Danke putzig für die Lageberichterstattung. Die Geschichte einer wundersamen Heilung hätte ich gern gehört, aber es nützt ja nichts. Ich wünsch die besten Mieter dies gibt!

An Mario
Ich bin mit gefährlichem Kalkputzhalbwissen an die Sache rangegangen. Wenn der Putz mit der Spitze Zement gelingt, kann ja nicht alles schief gehen, wenn man den Zement weglässt, so war die Devise.
Das Projekt ist eine Zimmerdecke. Putz und Mauersand mit Cl 90 3:1 auf Sauerkrautplatten mit vorher armierten Stößen. Glasgitterarmierung wurde flächig eingebügelt und die Oberfläche anschliessend wieder angeraut. Eine Putzprobe war nach einer Woche vielversprechend.
Der Raum hatte 8 bis 15 Grad, ich habe den Putz per Sprüher angenebelt. Nach paar Tagen kam die Angst dass das Feuchthalten zuviel des Guten ist, also hab ich es langsam abtrocknen lassen.
Der Putz ist 3 Wochen dran hat eine klare Sinterschicht. Probeweises Abziehen der Glasarmierung entfernt diese. Die so freigelegte Schicht ist anfangs weich, ist aber nach einem Tag deutlich härter. Daher die Hoffnung dass es nicht ausweglos ist.


Referenzprodukte sind Gräfix 61 Grundputz und Gräfix 61fein Dünnschicht, ich hatte diese zum Ausfugen einer Bruchsteinwand.
Die Schüttelprobe war nach einer halben Stunde großteils abgesetzt, nach 5 Stunden war das Wasser klar. Der Feinanteil liegt bei 1/6, ich hätte nicht gedacht dass es so viel ist.


Dank an alle die hier ihr Wissen teilen und Tips geben. Mein Fazit aus der Sache ist, dass ich mir mit mit etwas Zement allerhand Bauchschmerzen erspart hätte.