Kalkmörtel Rezept

26.09.2014 pelvis



Hallo miteinander,
ich habe vor, die pfuschig mit Zementhaltigem Mörtel zugeschmierten Fugen meines Hauses ( BJ 1892, Backstein ) von selbigem zu befreien und anschließend mit Luftkalkmörtel zu sanieren. Den Mörtel möchte ich gerne selbst anmischen. Nun finden sich nur wenige und wenn dann teilweise widersprüchliche "Rezepte" im Netz. Was sollte in den Mörtel rein? Also gewaschener Sand ( 1:3 bis 1:4 ) und Kalk ist klar. Aber was ist mit weiteren Zusätzen? Solubel mengt lt. Datenblatt zur Qualitätsverbesserung ( Offenporigkeit, bessere Carbonisierung etc ) noch Ziegelmehl, Trass, Holzkohlenmehl usw mit ein. Sind diese Zugaben speziell bei Fugenmörtel(!) dringend nötig? Was macht Sinn, was nicht? Wenn nötig, wie wären die Mischverhältnisse? Vielen Dank bereits vorab für die Antworten!



DAS Rezept



gibt es einfach nicht...
Den optimalen Mörtel müsste man auf die Steine, das vorhandene Material, die Witterung, den Sand, den Kalk, das wasweißich... abstimmen.
Ein fertiger Werktrockenmörtel (Sackware) oder auch bei entsprechender Menge ein Silo erfüllt zumindest die zugesicherten Eigenschaften, was bei Eigenmischung nicht immer „nach vorne“ losgehen muss.
Außer den genannten Zusätzen ist oft irgendwas eiweißhaltiges „seinerzeit“ verwendet worden, Blut, Eier, Milch, Quark... Borax wird oft genannt...
Du wirst um Experimente nicht herumkommen, mit Fehlschlägen wird auch zu rechnen sein.





Danke für deine Antwort. Das Problem ist ja, daß man in der Regel keine Zeit zum experementieren hat, denn meist zeigt sich ja erst nach einigen Jahren, ob man richtig lag oder nicht. Und die Zeit hab ich leider nicht. Ich habe letztes Jahr ca 2 qm mit einer ganz schlichten Mörtelmischung ( 1:3 ) vefugt, ohne jeden Zusatz. Bis jetzt ist alles gut, und ich tendiere dazu es auch weiter so zu handhaben. Allerdings sitzt in Teilbereichen der Mauern, vor allem in Sockelnähe, die Feuchtigkeit im Mauerwerk. Die Ursache sehe ich in Salzbelastung ( Was sich an entsprechenden Ausblühungen zeigt. Ist halt ein Resthof mit früherer Tiernutzung ), defekten Dachrinnen ( mittlerweile saniert )und den absolut unsäglichen Zementfugen, die einen gehörigen Teil der Backsteine schon zum Abplatzen gebracht haben. Dabei handelt es sich um relativ frische Schäden, offensichtlich der letzten Jahre. Insofern gebe ich dem vermalledeiten Zement die Hauptschuld, denn die anderen beiden Faktoren haben schon in den vielen Jahrzehnten davor auf die Mauer eingewirkt, aber ganz offensichtlich hat der Zement ( vor ca 15 Jahren durch den Vorbesitzer eingebracht ) erst dafür gesorgt, daß die eingebrachte Feuchte auch schön dort bleibt wo sie ist, anstatt an Sonnentagen schön wieder auszudampfen. Deutlich sichtbar sind die Abblühungen auch schön auf dem Stein selbst, während die Zementfugen weiterhin bretthart und schadlos in ihrem Fugenbett sitzen, bzw im ehemaligen Fugenbett, denn dieses ist mittlerweile weggebröselt...die Fugen lassen sich mittlerweile zum teil mit der Hand lose rausbrechen. Darunter kommt selbstverständlich alter Kalkmörtel, mittlerweile natürlich versandet, zum Vorschein. Gerade in diesen Bereichen der Mauer, die feuchtebelastet und beschädigt sind, interessiert es mich, ob irgendwelche Zusätze im KM sinnvoll sind. Macht es im übrigen Sinn, die Mauer nach der Zementfugenentfernung ( will das ganze im Frühsommer angehen ) erstmal eine Zeitlang durch die nun geöffneten Fugen abtrocknen zu lassen? Oder sollte der KM sofort wieder rein?



Für



Verfugung im Aussenbereich ist Luftkalkmörtel nicht geeignet. Ein hydraulischer Kalk muss das schon sein. Z.B der Trasskalk von Tubag. 1:3 trocken anmischen (umschaufeln auf sauberem Untergrund), die in absehbarer Zeit verarbeitbare Menge erdfeucht anmischen, Untergrund gut vornässen und mit Fugeisen ausfugen.
MfG
das Maurer



Hmmmm...



...auch da gehen die Meinungen wohl auseinander, wie ich sehe. Die Wände werden dank Schaumburger Mütze, außer bei extremen Winden, nicht direkt beregnet, vielleicht wäre das noch wissenswert. Was spricht außen gegen reinen Kalkmörtel in den Fugen? Warum Trasskalk?



Kalkmörtel



Wollen Sie den Mörtel selber mischen?



Kalkmörtel



Ja, das hatte ich zumindest so geplant. Ist auch eine Frage der Menge, über kurz oder lang möchte ich das ganze Haus neu verfugen und auch im Innenbereich mit Kalkmörtel arbeiten.



Kalkmörtel



http://ingenieurbüro-böttcher-asl.de/mediapool/88/885822/data/Kalk_oder_Zement_oder_beides_1_.pdf



Vielen Dank,



Herr Böttcher für diese umfassenden Infos. Ich muss gestehen, einmal lesen reicht nicht, um das alles zu verinnerlichen, aber zusammenfassend stelle ich grundsätzlich fest: Sie entzaubern den Mythos "Luftkalk" weitesgehend (womit sie jedoch anderen Quellen im Netz widersprechen, insbesondere Herrn Fischer). Für mich ziehe ich den Schluss, daß ein reiner Luftkalkmörtel im Außenbereich zwar nicht grundsätzlich falsch ist, aber eben auch nicht ideal (geringe Haltbarkeit durch Witterungseinflüsse ). Nun will ich ja außen aber nicht verputzen, sondern verfugen, inwiefern ist hier in Sachen Haltbarkeit ein Unterschied zu sehen? Eine weitere Erkenntnis sehe ich darin, daß ich mit der Verwendung eines möglichst "reinen" Luftkalkmörtels zumindest keine weiteren Schäden am Mauerwerk verursachen würde; schlimmstenfalls würden sich die Fugen alsbald wieder verabschieden, ohne die Vollziegel mit in Leidenschaft zu ziehen. Wäre ja nun aber auch nicht befriedigend, denn ich habe natürlich keine Lust in 3 Jahren wieder von neuem zu beginnen. Ich denke also schon, daß ich entweder a) im moderaten Umfang Zusätze hinzufügen oder aber b) auf Sackware zurückgreifen werde. Zu guter letzt noch eine Frage: Nach meiner Kenntnis trocknet erhärteter ( durchcarbonisierter, also "fertiger" ) reiner Kalkmörtel unter gleichen Bedingungen ca 10 mal so schnell ab wie gängiger Zementmörtel. Ist es dann nicht richtig, daß (woher auch immer stammende Feuchte ) aus der Mauer durch das weitmaschige Kalkfugennetz austrocknen kann anstatt bei Zementfugen (durch deren deutlich längere Feuchterückhaltung) den Umweg über die Ziegel zu nehmen ( unter Mitnahme aller "Fracht" wie z.B. Schadsalze etc, was letztlich auch das aktuelle Schadensbild an Teilen meiner Mauer widerspiegelt )?



Verfugmörtel



Wie ich sehe sind die Thesen des Herrn Fischer bei Ihnen fest verankert.
Das mit der 10- maligen Trocknungsrate ist völlig aus der Luft gegriffen. Zementmörtel ist nicht Zementmörtel und schon gar kein Beton.
Die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl liegt bei Kalk,- Kalkzement- und Zementmörtel im Bereich zwischen 15 und 35. Verfugmörtel werden immer auf den jeweiligen Untergrund also das Steinmaterial abgestimmt. Bei alten Vollziegeln ("Backstein") mit reinen Zementmörteln hoher Festigkeit zu arbeiten ist ein grober Mangel, also warum sollte man das machen. Ich kenne auch keine seriöse Publikation die das propagiert. Verfugmörtel sollte im Spritzwasser- bzw. frostgefährdeten Bereich frostsicher sein, das ist das Kriterium was zählt und nicht ob Zement drin ist oder nicht.
Zement ist übrigens kein Einheitsbaustoff, es gibt mehrere Klassen und Dutzende von Arten mit verschiedenen Bestandteilen und Eigenschaften die für verschiedene Anwendungsgebiete entwickelt wurden.
Versteifen Sie sich nicht auf solche Schlagworte wenn Sie Mörtel selber herstellen sondern auf die Regeln der Technik und der Handwerkskunst (oder greifen zum passenden Werktrockenmörtel).
Im Neubau ist es übrigens seit Jahren üblich ohne gesonderte Verfugung zu arbeiten, es wird vollfugig gemauert und die Fugen abgebügelt.



"… es steht geschrieben …"



… man muss ja nicht alles glauben, was geschrieben steht … auch wenns ein PDF ist … 
… es muss ja auch nicht unbedingt "richtig" sein, was in einem PDF steht … 

… ich habs ja auch gelesen und … na ja … es stimmt irgendwie ja schon … aber andererseits auch nicht … ist halt EINE Meinung die vorherrscht … 

… wie MEINE Meinung, dass ich den S… vorschlagen würde … 

zum Thema:

selber mischen würde ich nicht … ausser für Wände und Fugen, die man einfach erreichen kann … und feuchte Wände etc. , den bei schlecht erreichbaren Teilen (Giebel, …) bräuchte man dann wieder n Gerüst … 

bei anderen Stellen schlägt dann nur noch der Frust zu Buche … 

… und mit dem "gewaschenen Sand" habe ich auch so meine Bedenken … denn da fehlen die Feinteile … die nicht unwichtig sind … 

… und ob die Fuge aussen ist oder innen … wäre auch noch relevant … 

Gutes Gelingen

Florian Kurz





Guten Morgen Herr Böttcher! Nein, die Thesen von Konrad Fischer sind nicht wirklich in mir verankert, ich habe sie nur mit dem selben Interesse gelesen wie Ihre Ausführungen. In vielen grundsätzlichen Dingen ( außer der Zement-und Dämmfrage vielleicht ) finde ich übrigens eine Menge Parallelen bei Ihnen beiden. Ich merke insgesamt mehr und mehr, daß Kalkmörtel polarisiert und es tatsächlich zig Meinungen gibt. Zum einen gibt es die eingefleischte Zementfraktion, zum anderen diejenigen die selbigen verteufeln, und dann die Gruppe, die aus beiden versuchen die jeweiligen Vorteile zu ziehen. Und wie Sie ausführlich ausführen, gibt den "DEN EINEN" Kalkmörtel nicht. Insofern habe ich schon etwas gelernt, und das freut mich, vielen Dank dafür. Jetzt weiss ich zwar noch weniger, was für meine Wand das beste ist, aber ich bleibe weiter am Ball :-) PS: Herr Kurz, es handelt sich um die Sanierung der Außenwände inklusive Sockelbereich. Backsteinmauerwerk von 1892, gemauert mit (offensichtlichem) Kalkmörtel ohne sichtbare Zusätze. Mittlerweile weitesgehend versandet. Vor ca 15 Jahren pfuschig verschmiert mit Opa's Mörtelrezept, eine Schippe Zement, eine Schippe Sand. Dadurch teilweise erhebliche Schäden an den Backsteinen, insbesondere denen im feuchtebelasteten Bereich (unten).