Kalkglätte auf altem Kalkputz mit "großen Gipsflicken"

04.10.2021 katerin


Hallo in die Runde,

wir wollen einige Innenwände mit einer neuen, Putzoberfläche (am liebsten Kalk) versehen haben hier gerade folgende Situation - ich würde es mal als Experiment bezeichnen, da ich wenig Erfahrung habe aber die Finger trotzdem nicht davon lassen kann:

Tapeten sind runter, Leim und Farbreste so gut als möglich mit Stahlbürsten, Wasser etc entfernt. Hat aber nicht überall vollständig geklappt

Ausgangslage: Haus BJ 1930, Ziegelmauerwerk mit 2 cm Kalk-Sand Putz, bei dem oben eine glatte verdichtete Schicht drauf ist (vl.Kalkglätte) Oberfläche schaut ziemlich glatt aus, nimmt Wasser stellenweise nicht gut auf (auch nach anschleifen nicht)

wurde 2000 renoviert, dabei wurden die
Fenster erneuert und im Zuge dessen mit Rotband o.ä eingeputzt, außerdem Wände herausgenommen, entstehende Hohlfäume ebenfalls mit Gips verputzt.
Wir haben also eine unregelmäßige Oberfläche aus altem Kalkputz mit großen Gipsflecken

Was wir NICHT machen wollen ist den ganzen Putz runterklopfen (Notlösung wäre flächig Gipsputz/Rotband o.ä. draufzuziehen)

Die Idee ist nun auf den Kalkputzbereichen die Kalkglätte zweilagig aufzubringen, bloß leider hab ich noch nie Kalkputz oder -glätte verarbeitet ...

Wir haben den Tipp bekommen in Bereichen mit Gipsputz die untere Lage Kalkglätte zur besseren Haftung mit reinem Gips zu mischen (3:1)

Die Obere Lage wird dann überall durchgängig Kalkglätte. Dürber kommt sumpfkalkfarbe.

Auf die ganze Wand hab ich gestern Kaseingrundierung (und zwar flächig - auf Gipsflecken und Kalkputzflächen)...
eine Probefläche hab ich heute zuerst befeuchtet und mit einer ersten Kalkglättschicht überzogen (ca 0,1 - 1 mm Oberfläche ist seht uneben), verwendet hab ich Acurit, ich neble jetzt immer mal wieder, mit der sprühflasche damit es nicht zu schnell abtrocknet

1. Mittlerweile hab ich zur Kaseingrundierung auch kritische Infos gefunden. War das mit der Kaseingrundierung richtig schlecht ? soll ich besser sie versuchen wieder runterzuwaschen (in den wenig saugfähigen bereichen könnte das evtl sogar klappen)?

2. Wieviel zeit lässt man zwischen der ersten und der zweiten Kalkglättschicht? muss die erste schicht komplett abtrocknen? muss man die zweite aufbringen bevor die erste ganz trocken ist? (Ich hätte jetzt gewartet bis es trocken ist, dann angesprüht und die zweite lage drauf)

3. Ist das alles völliger Blödsinn und ich sollte lieber doch gleich überall Gips darufmachen?

4. Wie lange muss ich wohl so in etwa warten um abschätzen zu können, ob die Kalkglätte hält oder nicht ?

5. Was ist bei der Verabeitung von Kalkglätte zu beachten? Soll die untere Schicht auch angepresst werden oder nur die obere? wie bekommt man "Putzgrade" an der Oberfläche weg, bzw mit was verputzt man, damit sie gar nicht erst enstehen? (Bisher hab ich beim Verputzen immer gefilzt, aber so wie ich das verstehe ist das bei so feiner Körnung nix). Kann man die obere Schicht auch zuviel anpressen, so dass es dann z.b. hinterher ein Problem beim Farbauftrag gibt?

Vielen Dank schon mal ....

Katrin



Kalkglätte auf altem Kalkputz mit



Studiere doch bitte mal das technische Merkblatt da steht fast alles relevante drauf.

Der Mörtel ist nicht für gipshaltige Untergründe geeignet und ist mit einer Antragsstärke von mindestens
einem Millimeter aufzuziehen.

Der Auftrag erfolgt nass in feucht. Zunächst wird Material nicht zu glatt angetragen und nach einer "Ablüftzeit" mit frischem Material etwas dünnerer Konsistenz abgeglättet.

Grate können nach dem vollständigen erhärten nass geschliffenen werden.

https://www.akurit.de/uploads/downloads/TM/Technisches-Merkblatt-AKURIT-KGL.pdf

Sofern sich die Sache noch im "Versuchsstadium" befindet. Eine Sanierungsempfehlung alternativ zum Entfernen der Putze, wäre die verschmutze Oberfläche abzufräsen, den Untergrund tragfähig zu festigen und mit empfehlenswerten Kalkoberputzen neu aufzubauen.



Danke und noch offene Fragen



Danke! Ja, das mit de Merkblatt stimmt, die Textstelle hatte ich scheinbar überlesen.
Da der Untergrund z.T. etwas "hügelig" ist bekomme ich die Kalkglätte nicht überall auf 1 mm, in den meisten Bereichen schon aber stellenweise wirds dünner ...
Abfräsen ist vermutlich keine Alternative, da wäre dann das Risiko, dass uns dann doch der ganze Putz entgegenkommt gegeben, von den 2 cm hält nämlich in der Fläche nur die obere 8 - 10 mm, die untere Schicht ist an etlichen Stellen quasi Sand ...

Vielleicht hat noch jemand einen Tipp zur Frage mit der Kaseingrundierung (Frage 1)?

Hat jemand eine Empfehlung wie lange man die Probefläche mindestens beobachten sollte bevor ich das ganze Wohnzimmer bearbeite? (Frage 4)

Und, kann man die Oberfläche auch zu stark verpressen für Farbauftrag (Frage 5)?

Viele Grüße!! und Danke!



Kalkglätte auf unterschiedliche Untergründe



Hallo,
hab tatsächlich auf die Seite des Herstellers gegoogelt - bin aber nirgends auf Kalkputzt gestoßen...
Bei diesem Vorhaben, ignorieren wir einfach die besser haftenden und weniger haftenden Stellen des vorhandenen Wandbelages, unterschiedliche Wasseraufnahme genauso wie unterschiedlich beschaffene Oberfäche bzw. Körnung.
Mein Vorschlag wäre: Kalkputz anrühren, hierzu Sand und Kalkhydrat vom Markt. Natursteingips (wenn verfügbar)
Diesen Gips in Wasser streuen, den angerührten Kalkputz zugeben und gut durchrühren, dann - sofort an die Wand, auch wenn es wie Wasser ist. Nicht trödeln, nicht überlegen. Während dieser Putz erhärtet Oberfäche aufrauhen, nicht zu früh, nicht zu spät.
Wenn das geschafft ist und sogar noch ein Gewebe mit eingebaut wurde, dann ist mal ein ungäfähr gleichmässig saugender Untergrund geschaffen. Sinterhaut entfernen!
Dann Kalkglätte aufziehen oder was Sie halt haben.

M.Klepac