Kalkgeruch noch nach Wochen

05.08.2014 bahnandi



Ich habe ein Haus von 1963 gekauft. Einige Räume waren zu renovieren. Ich wollte einen atmungsaktiven, feuchteregulierenden Wandanstrich. Also 3 Schichten alter Tapeten und Farben runter - bis auf die Gipskartonplatten von 1963. Weil ich viel über die positiven Eigenschaften von Kalkfarben gelesen hatte, einen Anstrich mit Streichkalk. Direkt auf den Gipskarton - so hat man mir geraten. Auch, um Schimmel an den beiden Aussenwänden vorzubeugen. Der Streichkalk saugte auch gut weg und hat nach Trocknung fast nicht gekreidet. Wir wollten dann aber doch lieber Struktur... also haben wir den Kalkanstrich als "Grundierung" draufgelassen und mit einem mineralischem Rollputz ("EasyPutz" von Knauf) darüber gestrichen. Man hatte uns die Unbedenklichkeit der Verträglichkeit von Kalk als Grundierung beim Kauf des Rollputzes bestätigt. So weit so gut. Nun nach Wochen riecht es aber leider immer noch nach Kalk. Im Raum nebenan ist nur der mineralische Rollputz auf einen Dispersionsuntergrund gestrichen worden - kein Geruch. Am Mineralputz kanns also nicht liegen. Frage: wie bekomme ich das in den Griff? Hat der Kalk mit dem Mineralputz reagiert? Der Mineralputz ist doch diffusionsoffen... da müsste doch der Geruch irgendwann verschwinden... Wird der Geruch irgendwann von selbst verfliegen? Oder bei hoher Luftfeuchtigkeit - wie gerade jetzt - bleiben? Seit Wochen immer der gleiche Geruch... Man riet mir schon, den Mineralputz mit Dispersionfarbe überzustreichen, um den Geruch "zu verkapseln"... aber genau das wollte ich ja nicht! Was tun?



Schwierige Frage



Hallo,
also wenn ich Knauf höhre läuten bei mir seit geraumer Zeit die Alarmglocken, ich hatte mal einen Kalkputz von Knauf, auf Empfehlung vom Bauherren...
Erstens halte ich den Untergrund schon für ein Problem, da Gips Wasser speichert und nur schlecht wieder frei gíbt, er bindet es molekular. Also wenn Feuchtigkeit eindringt, ist der Kalkanstrich nur kurzweilig ein Schimmelverhinderer. Wenn durch entstehende Säure, Kondenswasser und Luft + Staub, der alkalische ph-Wert neuralisiert ist, ist die Wirkung von kalk pfutsch. Diffusion ist nur ein gringer Teil der Feuchteregulation. Man müßte also mehr zum Aufbau der Wände wissen ob sie ausreicht oder nicht. Sicherlich sind Minaeralputze diffusionsoffen, vergleichsweise gegenüber z.B. Dachpappe, aber eine größeren Feuchtetransport lassen sie selten zu, was wir unter atmungsaktiv eigentlich verstehen, da alle möglichen Mittelschen notwendig sind um ihn funktionieren zu lassen, Weißzement, Zellulose, um ihn mehr Zeit zum Abbinden zugeben usw. Wenn das Kind im Brunnen ist, ist jeder Rat teuer. wie gesagt mal Wandaufbau mit Maßen (Dicken). Und dann kann man vielleicht einen Rat geben.
Mit freundlichem Gruß
M. Schmidt



Mineralputz



Dieses Zeug was Sie auf die Wand gerollt haben ist eine Art strukturierter, mit Kunststoffdispersion aufgepimpter Gipsspachtel, gefüllt mit Kalksteinmehl und Aluminiumhydroxid. Das letztere ist hydrophil und sorgt für eine gewisse Feuchtebindung. Bei ungenügender Lüftung führt das zu einer dauerfeuchten Putzoberfläche und einem Aufladen der darunter liegenden Schichten mit Raumluftfeuchte, kein Wunder das es bei Ihnen nach nassem Putz riecht.
Hängen Sie ein Hygrometer in die betreffenden Zimmer und lüften/heizen Sie gezielt die Grundfeuchte aus den Wänden. Danach sollte es besser werden.



Kalkgeruch noch nach Wochen



Ich weiß nicht, ob dies als Antwort auf die Kommentare angezeigt wird...
Also: Der Wandaufbau für eine Aussenwand Fertighaus 1963: Gipskarton auf ca. 20mm Sparschalung/Dampfsperre als Alufolie und dahinter Holzständerwerk etc.
Zur Luftfeuchte: Der Raum ist permanent - auch nachts - mit geöffneten Fenster (nicht nur auf Kipp!) belüftet. Die Feuchte ist ca. 70% mal mehr mal weniger - je nach Feuchtegrad draußen... Interessant nur, dass im Raum nebenan auch der Rollputz auf den Wänden ist - nur dort riecht nichts. Dort wurde er nur auf die bereits mit Dispersionsfarbe gestrichenen Wände gerollt. Daher schließe ich als Ursache für den Geruch auf den Kalk unter dem Rollputz. Belüftet ist der Raum permanent. Wird der Kalk seinen Geruch irgendwann komplett abgegeben haben? Oder wäre die Notlösung, die Wand mit Baumarkt-Wandfarbe zu "versiegeln" doch ratsam?



Wandaufbau



Kann auch sein das es an Ihrem Wandaufbau an sich liegt. Vorgestellte Wandschalen mutieren oft zu Wandbewässerungsanlagen da sie zwar theoretisch funktionieren aber in der Praxis die Dampfsperre fehlerhaft und damit die Luftdichtigkeit nicht vorhanden sein kann. Ganz schlimm sind Lüftungsschlitze für den Hohlraum.
Selbst bei funktionierender Dampfsperre kann es zu Kondensatausfall auf der Dampfsperre kommen wenn innerhalb des Hohlraumes infolge lückenhafter Dämmung Konvektion auftritt. Dann wird die Dämmung nutzlos. Die Gipsbauplatte feuchtet sich von hinten mit Kondensat auf. Die Gipsbauplatten auf der Wand im nicht riechenden Zimmer können durch die Grundierung einen höheren Diffusionswiderstand haben, dort fällt weniger bis gar kein Kondensat an.
Ein Loch im unteren Bereich der Wand mit einer Lochkreissäge bohren und hineinschauen- dann wissen Sie ob meine Vermutung stimmt.
Egal welche der genannten Ursachen wirken:
Noch eine neue Schicht aufbringen halte ich für sinnlos.
Bei Außen- und Badwänden hilft nur der konsequente Rückbau bis auf den Altbestand.