kalkfarbe weiße flecken




Hallo, ich streiche gerade einen neuen Kalkputz

1. Anstrich im kreuzgang (ca.3 Tage nach Putzauftrag)und 2. Anstrich waagrecht mit verdünntem Sumpfkalk gestrichen.
Ergebnis: Putz scheint noch durch und Pinselstriche leicht sichtbar, einige Stellen die vermehrt wasser saugen wenn ich sie besprühe
1x mit kalkkaseinleim fixierung gestrichen im kreuzgang
Erwartung: putz soll gleichmäßiger saugen
letzter Anstrich sollte ohne Flecken und wischfest ausführbar sein...

jetzt Kalkkaseinfarbe als "letzten Antrich" gewählt wegen der besseren wischfestigkeit,

und an den vorher stark saugenden Stellen haben sich weiße Flecken gebildet welche die Kalkfarbe "durchwachsen", feine Risse bilden und abblättern.

Hab die abblättternden rissigen Flecken jetzt mit einer Spachtel abgekratzt und weiß nicht weiter!
soll ich nochmals mit kalkkaseinleim fixieren wo die Flecken sind, oder die Flecken versuchen abzuschleifen???

Hat jemand erfahrung?



Kalkfarbe



Zwei Vorschläge:
1. Warten bis der Kalkputz (wenn es denn reiner Luftkalkputz ist) durchcarbonatisiert ist (etwa 1 mm pro Tag)
2. lose Farbe abwaschen, mit einer handelsüblichen fertigen Kalkfarbe streichen.

Was für ein Putz wurde wie aufgetragen (Schichtfolge, Schichtdicke)?



Wandfarbe



Ich empfehle Ihnen das mit der Grundierung zu lassen, der Putz sollte erst einmal durchcarbonatisieren.
Über die eigentlichen Ursachen kann ich Ihnen nichts sagen da Sie leider nichts zum Putz geschrieben haben.



Kalkfarben streichen will gelernt sein



Ich versuche mal die Problematik zu umreißen und hoffe es wird nicht zu wissenschaftlich. Vorneweg möchte ich hervorheben, das selbst die "Öko-Hersteller" allen Anstand verloren haben und sie nicht mehr oder weniger die gleichen Konsistenz verkaufen wie jeder Dispersionsfarbenherteller (oder sie kennen selbst nicht mehr die Unterschiede). Der gebrannte Kalk braucht sehr lange bis er wirklich abgelöscht ist. Auch die Bemerkung auf den Kalksäcken 80% abgelöscht ist eine pure Behauptung Ich führe einem Sack von ca. 45 Liter mehr als 30 Liter Wasser zu, die er innerhalb von wenigen Tagen fast völlig aufnimmt. In der Literatur kann man erfahren, das Kalk bis 30 Jahren und länger gesumpft wurde. Alles das haben wir wissenschaftlich vom Tisch gewischt.
Nun aber zum Eigentlichen und das schließt sich an meine Vorbemekungen nahtlos an. Das starke Saugen des Untergrundes hat verschiedene Ursachen. 1. Steine und Fugen und auch die Steine an sich haben ein unterschiedliches Saugverhalten. Ich möchte mich Herrn Böttcher anschließen, keine Grundierung, kein Fixativ und son Zauber verwenden, weil er den natürlichen Feuchtigkeitstransport beieinträchtigt. Wenn sie weiterlesen, werden sie auch verstehen, warum das wichtig ist. Ich behaupte 2. die Putzer haben Sackware verwendet, d.h. rein in Mischer oder Putzmaschine und ran an die Wand. Das hat den Vorteil, das man das Nachsteifen des Kalkes, also die zusätzliche Feuchtigkeitsaufnahme aus dem Anmachwasser nutzen kann, um große Flächen fertig zu bekommen. Das trägt aber den ökologischen Wahnsinn in sich, das wir das Bindemittel nicht ausnutzen, es ohne vernünftige Sieblinie Verarbeiten und so große Mengen an Kalk im wahrsten Sinn des Wortes verschleudern. Genauso wie der Kalk lange braucht, um sich im Wasser zu lösen, genauso lange braucht er auch, um wie es hier schon fachmännisch beschrieben wird „durch zu karbonatisieren“, denn er braucht irrtümlicher Weise nicht das Wasser zum Erhärten, sondern das in ihm gelöste Kohlendioxid. Mir ist gerade nicht geläufig, wie groß bzw. klein die Sättigungsmenge von Kohlendioxid im Wasser ist. Sie ist unter natürlichen Umständen jedenfalls sehr gering. Kurioser Weise je wärmer es ist um, so weniger Kohlendioxid befindet sich im Wasser, wie wir an jeder Selterswasserflaschen sehen können. Dies ist für mich ein neuer Aspekt, nicht im Sommer zu putzen. Er ist zwar oberflächlich ausgehärtet und hat eine Kristallstruktur gebliedet, aber in ihr ist noch ein grßer Bestandteil nicht abgebundenen Kalkes, der mit erneuter Feuchtigkeitsaufnahme weiter abbindet. Jedenfalls kann man davon ausgehen, das der Abbindeprozeß sich über hunderte von Jahren hinstrecken kann. Ich habe einer alten Bruchsteinmauer eines Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert eine Kalkprobe entnommen, Wasser zugesetzt und siehe da, der Kalk härtete immer noch aus. Nun dürfte das Problem des starken Saugens geklärt sein.
Kalkfarbe auftragen unterscheidet sich grundlegend von anderen Anstrichen. Ich versuche es kurz zu erklären. Es liegt wieder an den Eigenschaften, die der Kalk hat, die ich schon beschrieben habe. Diese industrielle Pampe hat nur von den Grundbestandteilen was mit Kalkfarbe zu tun. Anstatt Leinöl wird oft Zelluloseleim verwendet, gut. Auf alle Fälle ist sie viel zu dick. Zuerst eine Kalkmilch, ich würde eher von Kalkwasser reden wollen, ist genau richtig. Bei sehr trockenen Wänden würde ich die Wand vornässen, bei großen Flächen abschnittsweise. Eigentlich können sie mit mehreren Anstrichen mit Kalkmilch sogar einen besseren Effekt erreichen, weil sie den Kalk gleichmäßiger auf die Fläche auftragen. Bei mehreren Anstrichen würde ich frisch-in-frisch (freskal) die Anstriche auftragen, weil sie sich dadurch besser mit einander verbinden. Ich weiß, wenn man dann streicht, hat man immer die Angst, das es nicht deckt, aber vertrauen sie einfach dem Kalk.
Zum Streichen selbst. Viele möchten ihn am Liebsten noch rollen. Wenn der Kalk reißt oder abblättert war die Farbe einfach zu dick. Kalk schwindet, wenn das Wasser in den Untergrund einzieht oder verdunstet. Nehmen Sie eine mittlere Malerbürste und tauchen sie nur maximal einen Zentimeter ein und verteilen sie auf einer kleinen Fläche über kreuz die Farbe auf der Wand. Zum Schluß ziehen sie im Wechsel senkrecht und waagerecht die Fläche nach und verringern immer mehr den Druck, damit sie die Riefen egalisieren. Sorgen sie dafür für ausreichend Licht und lassen sie sich von der Arbeit nicht ablenken. Wenn sie eine beanspruchte Fläche haben, noch einen kleinen Tipp zum Schluß. Streichen Sie als letzten Anstrich punischen Wachs. Sie haben den Vorteil, sie können später Flecken abwaschen und brauchen nicht den ganzen Raum neu zu streichen. Kalkfarbe macht nur Sinn, wenn sie nicht zu dick ist. Machen sie den Test und spritzen einfach mit der Bürste Wasser an die Wand, wenn die Stelle transparent wird, also der Untergrund durchscheint und das Wasser einzieht und nicht runter läuft, dann ist ihr Anstrich gut. Mit Kasein verschließen sie gegebenen Fall die Oberfläche. Wenn Sie Kasein verwenden möchten, unbedingt vor her probieren und das Eiweiß sehr gering dosieren.
Viel Spaß beim Üben. Es ist noch kein Meister oben geblieben!



Kalkanstrich



Das verunsichert mich jetzt.
Sie schrieben zuerst das Sie nach dem 3. Tag nach Putzauftrag den ersten Anstrich auftrugen, dann das der Putz vor einem Jahr aufgetragen wurde. Na ja, bleiben wir dabei wie man es machen sollte bzw. könnte:
Zum Putz:
Innenputz wird einlagig aufgetragen, Luftkalkputz in einer Schichtdicke von ca. 10 mm. Zu dünn und das Feuchtefenster wird kompliziert zu halten, zu dick und er beginnt zu reißen da er beim Carbonatisieren schrumpft und dieser Prozess an der Oberfläche beginnt.
Feuchtefenster: Das CO² kommt aus der Luft, nicht dem Anmachwasser. Damit dieses CO² zur Carbonatisierung genutzt werden kann sollte der Wassergehalt des Putzes stimmen. Unter 0,8 M% ist zuwenig Wasser da, die Kohlensäure zu stark. Der Carbonatisierungsprozess wird reversibel. Über 8M% ist die Kohlensäure praktisch zu sehr verdünnt, die Poren mit Wasser gefüllt, Luft kann nicht in die tieferen Putzschichten eindiffundieren. Damit sie das kann braucht es weiterhin durchgehende, zusammenhängende Poren im Putz. Die entstehen durch eine mehlkornarme Kornzusammensetzung und genügend Anmachwasser, das beim Verdunsten diesen Porenraum hinterlässt.
Dicke Putzschichten beschaffen sich das benötigte Wasser quasi selber, beim carbonatisieren wird Wasser abgespalten.

Ich halte Ihre ganzen Aktionen was putzen und malern betrifft völlig übermotiviert und eine Wissenschaft aus einem Kalkputz muß man auch nicht machen. Ich habe selber öfters mit Kalkputz und Kalkanstrichen gearbeitet; da gibt es keine Geheimnisse.
Zum Putz:
Bei größeren Ebenheitsunterschieden und unterschiedlich saugenden Materialien wird vorgespritzt, ich nehme dazu dünnflüssigen Kalkzementputz der warzenförmig mit der Kelle vorgespritzt wird. Warum PII: Ich bin unabhängig von Carbonatisierungszeiträumen, der Zement bringt die Grundfestigkeit.
Ausgleichsputz: Ebenfalls PII.
Nach dem Ansteifen (ein paar Stunden bis ein paar Tage) einlagiger Auftrag Kalkputz PI. Den kann man selber aus Weißkalkhydrat CL 90 und Sand 0-2 billig herstellen. Wenn nicht, Sackware nehmen, PI CS I.
Nach dem Antrocknen (einige Stunden bis einem halben Tag) frescaler Anstrich mit Sumpfkalkschlämpe.
Kalkanstrich heißt mit Kalk als Bindemittel auf den feuchten, gerade an der Oberfläche carbonatisierenden, Putz zu gehen, dieser erste Anstrich bindet gemeinsam mit dem Putz und wird wischfest- das nennt sich al fresco.
Das war es schon. Ein weißer, vielleicht etwas wolkiger Innenputz. Wer möchte kann mit Kalkkaseinfarbe nachstreichen. Die mache ich mir immer selber, nur Kalk und Magerquark mit Wasser, nichts anderes. Ergibt eine wischfeste Oberfläche. Wenn es weißer werden soll: Ein paar Tropfen blaue Abtönpaste zufügen. Das Mischungsverhältnis ergibt sich nach Gefühl und einer Probefläche. Wenn das zu aufwändig ist: Fertige Kalk- oder Leimfarbe kaufen.

Was waren Ihre Fehler, Ingrid:
1. Der Putzauftrag
Das klingt nach aufspachteln, nicht nach Anwerfen mit der Kelle. Mag sein das dies liebevoll geschah, dem Putz tat es nicht gut. Dieses ständige herumdrücken und anpressen von zu dick bzw. zu wasserarm angemischtem Putz ergab einen zu dichten Putz mit der Ausbildung einer oder mehrerer Sinterschichten. Wenn dazu noch ein mehlkornreicher Zuschlag kommt dann kann kaum Luft in den zu dichten Putz eindiffundieren. Dieses "Zukleistern" des oberflächlichen Porenraumes wird durch Grundierungen o.ä. noch verstärkt.
Putzen heißt Anwerfen des dickflüssigen Putzes mit der Kelle, aufziehen mit der Kardätsche in GLEICHMÄßIGER Schichtdicke, nicht zu intensives Reiben der Oberfläche mit dem Reibebrett und nicht mit einer Glättkelle.


2. Der Anstrich
Ihre krampfhaften Versuche es allen recht und alles richtig zu machen haben letzlich verhindert das ein ordentlicher Anstrich zustande kam. Nach dem Abwaschen gehen Sie es entspannter noch einmal neu an und zwar mit handelsüblicher Kalk- oder Leimfarbe nach Verarbeitungsvorschrift.
Die bösen Hersteller sind gar nicht so böse und Ihre Produkte gar nicht so schlecht.