Kalkfarbe - Für und Wider Kaseinzusatz

24.10.2012


Hallo,

habe jetzt so einiges zum Thema Kaseinleim gelesen.

Der reine Kaseinleim wird als sehr fester und wasserunlöslicher Leim beschrieben. Als Zusatz zur Kalkfarbe macht er die Farbe klebrig und erlaubt damit auch einen Anstrich auf weniger saugfähigen Untergründen, auf denen die Kalkfarbe sonst ablaufen würde. Gleichzeitig macht er die Kalkfarbe wischfester und verwitterungsbeständiger. Als Grundierung (Kaseinleim und Wasser) wird er eingesetzt um die Saugfähigkeit des Untergrunds zu verringern und bewirkt so einen Ausgleich unterschiedlich stark saugender Wände.

Es gibt verschiedene Warnhinweise es bzgl. des Kaseinleimanteils in Kalkfarbe oder Grundierung zu übertreiben. Ein Zuviel bewirkt eine wasserdichte Schicht, die man nur mitsamt dem Putz von der Wand entfernen kann. Was zuviel ist, ist m.E. für den Laien nur schwer abschätzbar.

Wer seine Innenwände mit Kalkfarbe Streichen will, wird meistens auf eine große Diffusionsfähigkeit des Anstrichs Wert legen. Nach allem was ich zum Kaseinleimzusatz gelesen habe, müsste er die Diffusionsfähigkeit des Anstrichs verringern. D.h. wer auf eine möglichst große Diffusionsfähigkeit Wert legt, müsste möglichst ohne Kaseinzusatz auskommen und muss dann mit der nicht so hohen Wischfestigkeit der Kalkfarbe leben.

Unsicher bin ich mir auch, wann man überhaupt zum Kaseinzusatz greifen sollte. Inzwischen bin ich froh, alle alten sperrenden Ölfarbschichten in meinem Bau beseitigt zu haben und möchte nun nicht durch eine Kaseinfarbe wieder dahin zurückkehren.

An den frisch mit Luftkalkmörtel verputzten Wänden ist es kein Problem. Die sehen schon nach dem ersten Kalkfarbanstrich, der 24h nach dem Verputzen erfolgt ist, sehr schön weiß aus und werden wohl nach dem 2. Anstrich perfekt weiß sein. Wischfestikeit ist so lala. Nicht mit Dispersionsfarbe zu vergleichen aber auch nicht gerade wie Kreide an der Schultafel.

Eine erste alte Wand, an der viel mit gipshaltiger Spachtelmasse gearbeitet wurde, sieht nach dem ersten Kalkfarbanstrich auch nach 1 Woche Trocknung nicht sehr vertrauenwerweckend aus. Hier schwanke ich zwischen Entfernung der Spachtelmasse mit anschließendem Aufziehen von Kalkglätte und streichen mit Kaseinfarbe. Kaseinfarbe wäre sicher der einfachere Weg aber wegen des ungedämmten 1,5-Stein Ziegelmauerwerks wäre mir eine möglichst diffusionsoffene Wandbeschichtung wichtig.

Gibt es vielleicht dazu ein paar Ratschläge, wann und in welchem Umfang Kaseinzusätze für Innenanstriche mit Kalkfarbe empfehlenswert bzw. unbedenklich sind?



Gips...



...ist kein besonders tauglicher Untergrund für Kalk. Da wäre wohl der größere Aufwand auch der bessere Weg.

Grüße

Thomas





Ja, ich hab's befürchtet.

Prinzip des Kalkanstrichs ist es ja, dass sich der Kalk mit dem Untergrund verbinden und durch Carbonatisierung fest werden soll.

Mit dem Kaseinleimzusatz kann man zwar bewirken, dass der Kalk am Gips klebt, aber es wird dann auch bei einer leimgebundenen Kalkschicht auf dem Gips bleiben, deren Wischfestigkeit im wesentlichen durch den Leim und nicht durch die Carbonatisierung des Kalkhydrats bestimmt wird. Auf Gips wird sich eine Kalk-Kaseinfarbe wahrscheinlich ähnlich wie eine Kreide-Kaseinfarbe verhalten.

Na ja, wenn man erst mal die Gipsspachtelschicht von der Wand ab hat, dann ist das Ergebnis nach dem Aufziehen der Kalkglätte mit ein wenig Übung schon sehr überzeugend.




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